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1 März 2021 / Lesezeit: 5 minuten

Essen zum Mitnehmen

Mehrwegboxen statt Einwegverpackung

Essen zum Mitnehmen oder per Lieferdienst: Mehrwegbehälter in der Gastronomie sind die Zukunft. Sie vermeiden nicht nur jede Menge Müll, sondern sind auch auslaufsicherer, BPA-frei und meist mikrowellentauglich.

Bild: Rebowl

Bild: Rebowl

Gerade während der Corona-Pandemie sollten wir die lokale Gastronomie unterstützen – etwa, indem wir Essen zum Mitnehmen bestellen. Müllberge von Essensverpackungen sind aus Umweltsicht trotzdem keine Option. Mehrwegbehälter für Essen-to-go können die Lösung sein. Wir stellen drei Initiativen vor.

Einwegbecher für Coffee-to-go müssen nicht sein – das haben inzwischen viele begriffen und lassen sich ihren Kaffee in der Bäckerei oder im Café nur noch in den eigenen mitgebrachten Behälter füllen. Während der Corona-Pandemie funktioniert das aber leider nicht mehr in allen Lokalen; viele Bäckereien nehmen keine mitgebrachten Becher mehr an. Darum scheinen viele von uns zur Zeit wieder in alte Pappbecher-Gewohnheiten zurück zu fallen.

Doch das ist nicht alles: Durch die Corona-bedingten Restaurantschließungen lassen sich viele Menschen Essen liefern oder nehmen es mit nach Hause. Für die Gastronomie ist das gut, aber: Schnell stapeln sich nach dem Essen dann Styroporverpackungen, Aluschalen und Plastiktüten. Und was im Sommer die Pizzakartons an Fluss- und Seeufern waren, sind in der kälteren Jahreszeit die Getränkepappbecher.

Auch auf enorm: Verpackungsflut in der Coronakrise: Pizzakartons müssen ökologischer werden

Zahlen des Umweltbundesamtes (UBA) belegen, dass der Verpackungsmüll in deutschen Haushalten immer weiter zunimmt. 2018 verursachten wir einen neuen Negativ-Rekord von 18,9 Tonnen Verpackungsmüll, wie das UBA kürzlich bekannt gab. Und beim Spaziergang fällt derzeit auf: Die Verpackungsabfälle passen vielerorts nicht mal mehr in die bereitgestellten Mülleimer, sondern landen in der Wiese oder dem Gehweg daneben.

Weniger Verpackungsmüll: Essen-to-go in Mehrwegbehältern

Dabei müssen Gerichte zum Mitnehmen oder der Anruf beim Lieferdienst nicht zwangsläufig mehr Verpackungsmüll bedeuten. Mehrwegsysteme für Essen-to-go zeigen, dass es auch anders geht. Wir stellen drei deutschlandweite Beispiele vor.

Bei allen Mehrwegbehältnissen gilt natürlich: Je öfter sie wiederverwendet werden (können), desto besser. Denn bei der Ökobilanz schneidet Mehrweg vor allem dann deutlich besser ab, wenn mit einem Behältnis viele Einwegbecher und Co. ersetzt werden können und sich die Herstellung dadurch zügig rechnet.

Mehrwegbehälter bei reCIRCLE DEUTSCHLAND

reCIRCLE Deutschland ist nach eigener Aussage das größte Mehrwegsystem für Essen zum Mitnehmen im deutschsprachigen Raum, das mit einem Pfandsystem funktioniert. In Stuttgart gibt es die Initiative bereits seit 2017.

So funktioniert’s: Du bestellst dir beim ersten Mal eine reCIRCLE-Box bei einem teilnehmenden Lokal für zehn Euro Pfandgebühr. Die auslaufsichere und schadstofffreie Kunststoffbox kannst du in einem beliebigen teilnehmenden Restaurant wieder zurückgeben und dein Pfand zurückerhalten oder die benutzte Box bei der nächsten Bestellung gegen eine frische eintauschen. Derzeit kannst du zwischen fünf verschiedenen Boxengrößen wählen. Das Unternehmen arbeitet nach eigenen Angaben aktuell an einer zusätzlichen Mehrwegverpackung für Pizza.

Essen im Homeoffice: Das Mehrwegsystem von ReCIRCLE funktioniert gegen eine Pfandgebühr von zehn Euro, die du in einem teilnehmenden Restaurant bei der ersten Bestellung zahlst. Bild: ReCIRCLE

Hier gibt es das Mehrwegsystem: Über 200 teilnehmende Lokale in Deutschland, zum Beispiel in Stuttgart, München, Regensburg, Frankfurt, Bremen, Hamburg und Berlin; in der Schweiz sind es sogar über 1400 teilnehmende Lokale.

Mehr Infos: www.recircle.de – alle teilnehmenden Restaurants findest du auf dieser Karte.

In Sachen Ökobilanz schreibt reCIRCLE übrigens, dass sich ihre Mehrwegboxen unter Umständen bereits ab der achten Wiederverwendung rechnen, je nach Material der Einwegverpackung auch erst mit der 16. Benutzung.

Mehrwegschalen von Rebowl

Recht neu auf dem Markt: Rebowl, ein deutschlandweites Pfandsystem für Take-away-Mehrwegschalen. Die Mehrwegbehälter sind nach eigenen Angaben mikrowellentauglich, zu 100 Prozent recycelbar und BPA-frei. Außerdem soll man sie mindestens 200-mal wiederverwenden können.

Hinter Rebowl steht Recup, das viele von euch womöglich schon von den Recup-Mehrwegkaffeebechern kennen. Seit Juli 2020 gibt es neben den Recup-Bechern jetzt auch die Rebowl-Schalen, die – wenn es nach den Gründern geht – zur Rebowlution werden sollen.

Das Start-up Recup hat Mehrwegkaffeebecher salonfähig gemacht. Jetzt startet das Unternehmen auch mit wiederverwendbaren Essensbehältern. Bild: Rebowl

So funktioniert’s: Du holst dir bei der ersten Essensbestellung die Mehrwegschale für ein Pfand von fünf Euro. Danach kannst du Schale und Deckel deutschlandweit bei allen REBOWL-Partnern zurückgeben und bekommst dein Pfand zurück oder du tauschst die benutzte Schale bei einer zweiten Bestellung gegen eine neue ein.

Hier gibt es das Mehrwegsystem: Deutschlandweit in zahlreichen Großstädten, zum Beispiel in München, Stuttgart, Frankfurt, Berlin und Hamburg, aber auch in kleineren Städten wie Konstanz, Braunschweig und Karlsruhe.

Mehr Infos: rebowl.de

Vytal: Mehrwegboxen ohne Pfandgebühr

Vytal ist ein digitales Mehrwegsystem für Essen zum Mitnehmen und für Essenslieferungen. Das Besondere: Die Benutzung funktioniert per App und es gibt kein Pfand oder eine andere Gebühr für die Mehrwegbehälter.

Vytal bietet Mehrwegbehälter für Essen zum Mitnehmen per App an. Anders als bei anderen Services funktioniert das System ohne Pfand oder Gebühr für die Behälter.
Bild: Vytal

So funktioniert’s: Um teilzunehmen, musst du dir die Vytal-App herunterladen. Nach der erfolgreichen Registrierung kannst du auf der Karte nachschauen, welche teilnehmenden Restaurants es in deiner Nähe gibt. Mit einem QR-Code erhältst du dein Essen beim Abholen dann in einer BPA-freien Mehrwegschale. Wichtig: Man muss die Schalen innerhalb von 14 Tagen nach der Bestellung in ein teilnehmendes Lokal zurückbringen, ansonsten wird eine Gebühr von zehn Euro fällig.

Hier gibt es das Mehrwegsystem: Deutschlandweit, unter anderem in Berlin, Düsseldorf, Hamburg, München und Leipzig.

Mehr Infos: www.vytal.org

Weitere Adressen für Mehrwegverpackungen

Ein ganz ähnliches Konzept verfolgt seit Anfang 2020 auch das Start-Up Relevo, mit dem du in München bereits in über 100 Lokalen dein Essen im Mehrwegschalen bekommst. Und die Initiative Tiffin Loop bietet gegen eine Pfandgebühr von 15 Euro Mehrwegboxen aus Edelstahl für dein Essen-to-go an. Derzeit läuft noch die Testphase mit teilnehmenden Restaurants in Hamburg, Berlin, Köln, Bedburg und Stralsund.

Auch auf enorm: Tiffin Loop: Take-away mit gutem Gewissen

Unsere Beispiele bilden sicher längst nicht alle Mehrwegsysteme für Essen-to-go ab, zeigen aber: Wer unterwegs oder zu Hause ein leckeres Essen aus dem Restaurant genießen will, muss keine Unmengen an Einwegverpackungen in Kauf nehmen.

Mehrwegbehälter statt Einweg: Tipps gegen Verpackungsmüll

Auch wenn es in deiner Wohngegend keines der genannten Mehrwegsysteme gibt, kannst du beim Essen-to-go Verpackungsmüll einsparen. Hier einige Tipps:

  • Ruf direkt beim Restaurant an und frag, ob du dein Essen im eigenen Behälter abholen darfst. Viele Lokale erlauben das auch in der Corona-Pandemie weiterhin und der Lebensmittelverband Deutschland hat klargestellt, dass jede:r weiterhin eigene Mehrwegbehälter zum Einkaufen und zum Abholen von Speisen und Getränken mitnehmen darf.
  • Nimm zum Abholen deiner Gerichte nur nicht eigene Behälter, sondern auch eine Tragetasche oder einen Rucksack mit. So sparst du (zusätzlich) die Papier- oder Plastiktüte ein, in die Restaurants das Essen für den Transport meist einpacken.
  • Bei deinem Stammlokal um die Ecke kannst du sogar nachfragen, ob du dein Gericht nicht direkt auf dem Teller mitnehmen kannst und den am nächsten Tag zurückbringen darfst.
  • Oft haben Lokale auch Schraubgläser oder andere Behältnisse vorrätig – frag beim Bestellen oder Abholen einfach nach, ob sie dir das Essen nicht ohne Einwegverpackung mitgeben können.

Übrigens: Es gibt viele Produkte für die Gastronomie, damit Lokale kein Einweggeschirr oder Einwegverpackungen mehr kaufen müssen, sondern Mehrweg-Geschirr nutzen können. Einige Lokale sind auch kreativ und nutzen bereits Schraub- oder Weckgläser für Suppen oder Soßen, die sie mit ihrem Logo verziert haben.

Auch auf enorm: Ab dem Jahr 2022: Umweltministerium plant Pflicht zu Mehrweg-Verpackungen

Eine gute Nachricht zum Schluss: Das Bundesumweltministerium (BMU) plant eine Änderung des Verpackungsgesetzes und will verpflichtend festlegen, dass Restaurants und Fastfood-Ketten Essen und Getränke zum Mitnehmen immer auch in Mehrwegbehältern anbieten müssen. Damit hätten Verbraucher:innen jedes Mal die Wahl zwischen Mehrweg- und Einwegbehältern und können sich bewusst gegen unnötigen Verpackungsmüll entscheiden.

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