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28 Oktober 2021 / Lesezeit: 12 minuten

Musikstreaming

Transkript: Good News enorm Podcast Folge 33

Die Lieblingsmusik oder der neueste Podcast ist heute innerhalb weniger Klicks online zugänglich. Streamingangebote wie Spotify, Apple und Co machen es möglich – doch die Nutzung verschlingt auch große Mengen Energie.

Bild: Unsplash / Filip Havlik

Bild: Unsplash / Filip Havlik

Hier findest du eine schriftliche Fassung der Podcastfolge 33 von „Good News enorm“. Immer mehr Menschen streamen Musik aber auch Podcasts. Das hat Auswirkungen auf die Umwelt: Angefangen bei der Produktion unserer Smartphones bis hin zu den Servern von Spotify, Apple und Co – das alles frisst ziemlich viele Ressourcen. Wie können wir Musik hören, ohne der Umwelt zu schaden?

Das Transkript soll den Podcast möglichst barrierefrei auch nicht-hörenden Menschen zugänglich machen. In dieser Folge sprechen Good-News-Redakteurin Bianca Kriel und Astrid Ehrenhauser, Redakteurin beim enorm Magazin, über Musikstreaming bei Spotify, Apple und Co

Bianca: Hallo und herzlich willkommen zu Good News enorm – gute Nachrichten und konstruktive Gespräche. Ein Podcast von Good News und dem enorm Magazin. Heute sprechen wir darüber, wie nachhaltig Musikstreaming ist. Aber erst einmal der Gute-Nachrichten-Überblick:

Die Schildkrötenpopulation in Kap Verde hat sich stark erholt. Dank Schutzmaßnahmen der Regierung und von NGOs verzeichnet der afrikanische Inselstaat womöglich weltweit den größten Caretta-Meeresschildkrötenbestand. Allein im letzten Jahr wurden 200.000 Nester gezählt.

Ein Forschungsteam der University of Maryland in College Park hat eine nachhaltigere, umweltfreundlichere und kostengünstigere Alternative zu Edelstahl gefunden: langlebige Nägel und scharfe Messer aus Holz. Das Lindenholz ist um den Faktor 23 gehärtet und könnte auch für widerstandsfähige Böden genutzt werden.

Die Helsinki-Kommission hat sich auf einen Aktionsplan zum Schutz der Ostsee verständigt. Der Plan umfasst 200 Punkte und gibt konkrete Vorgaben zur Verbesserung des ökologischen Zustands des Binnenmeeres. Unter anderem soll der Plastikmüll im Meer bis 2030 um 50 Prozent reduziert und Unterwasserlärm eingedämmt werden.

Ob lesbische Königin oder schwuler Prinz: Die schwedische Regierung hat sich dazu bekannt, dass nicht-heterosexuelle Thronfolger:innen ihren Anspruch auf den Thron behalten, wenn sie gleichgeschlechtlich heiraten. Auch in den Niederlanden gilt die Ehe für alle im Königshaus.

Im Netz sammeln sich zahlreiche Fake-Shops oder unseriöse Online-Stores. In Österreich wurde nun eine Browser-Erweiterung entwickelt, die vor problematischen Webseiten schützen soll: „Fakeshop Detector“ analysiert mithilfe von KI Tausende Anbieter:innen und stuft mithilfe eines Ampelsystems deren Seriosität ein.

Bianca: Hallo, mein Name ist Bianca. Ich bin Redakteurin bei Good News und ich freue mich, dass wir heute darüber sprechen, wie nachhaltig Musik streamen ist oder eben auch, wie unnachhaltig es vielleicht sein kann. Ich freue mich besonders, dass wir heute wieder mit Astrid sprechen, Redakteurin vom enorm Magazin. Hallo, Astrid!

Astrid: Hallo liebe Bianca, ich freue mich auch sehr.

Bianca: Astrid, du hast ja zum Thema Musik streamen oder allgemein nachhaltigem Musikkonsum recherchiert. Jetzt auch schon vor einer Weile für das enorm Magazin und dann noch einmal für ein Update für den MDR. Was hast du da herausgefunden?

Astrid: Ja genau. Wir hatten in einer Ausgabe den Schwerpunkt „Grüne Töne“, also, wie nachhaltig die ganze Musikindustrie überhaupt ist. Und ich habe mich in dem Artikel zum Thema Spotify und Co mal damit beschäftigt, wie umweltschädlich solche Streamingdienste eventuell sind. Und tatsächlich ist es halt so, dass Musikstreaming schon auch Auswirkungen auf die Umwelt hat. Also unser Smartphone oder andere Geräte, mit denen wir streamen, die werden produziert, die nutzen Strom, Spotify und Co, die lagern die Musik auf Servern und die brauchen eben auch Strom. Und das sind alles Punkte, die man sich mal anschauen muss. Und tatsächlich ist der Artikel vor der Pandemie recherchiert worden. Aber jetzt gerade ist es ja fast noch mal einen Ticken aktueller, würde ich sagen. Weil eben durch die Corona-Pandemie haben wir alle viel mehr Musik gestreamt. Im Jahr 2020 zum Beispiel, da ist es ein Plus von rund 20 Prozent weltweit für diese Branche. Du hast das wahrscheinlich auch bemerkt persönlich oder, dass man einfach viel mehr Streamingangebote genutzt hat für Musik oder Audio?

Bianca: Ja voll. Also ich glaube das kennen viele jetzt. Über diese lange Coronazeit, dass man so viel Zeit auch zu Hause verbringt. Und ich arbeite auch im Homeoffice und meine Tochter ist viel zu Hause und dann muss man aufräumen und kochen und machen und tun. Und nebenher läuft ganz oft einfach Musik oder ein Podcast oder Kindergeschichten oder irgendwas. Ja und da frage ich mich jetzt gerade, bezieht sich das dann auch auf das Podcast streamen? Also zum Beispiel auch auf diesen hier?

Astrid: Ja, am Ende kann man das wahrscheinlich auch genauso auf diese Sachen beziehen. Ich habe mir in dem Text tatsächlich nur Musik angeschaut, aber ich würde sagen, das kann man genauso auf Podcasts auch übertragen letzten Endes. Das Ding ist nur, warum es wahrscheinlich bei Musik ein bisschen interessanter noch ist, ist, dass ich da tatsächlich mir noch mal so ein bisschen den Vergleich angeschaut habe zu anderen Tonträgern. Und das ist ja eine Zeit, da gab es noch keine Podcasts, also Schallplatten und so weiter. Vinyl genau, aber da komme ich gleich noch drauf zu sprechen. Deswegen ist es bei Musik halt ein bisschen interessanter, sich diesen Vergleich auch anzuschauen. Das Ding ist, es gibt keine exakten Daten, wie umweltschädlich dieses Streaming überhaupt ist, weil es hängt einerseits davon ab, wie der Stromverbrauch beim Streamen ist, wie viel eben unser Endgerät, also das Tablet, Smartphone etc., wie viel Strom das verbraucht oder wie das überhaupt produziert worden ist. Und es hängt auch davon ab, wie die Art des Stroms im Rechenzentrum ist, also auch welcher Strom das ist. Und vom Stromnetz, das wir eben in unseren Wohnungen nutzen, aber auch auf dem Weg dahin. Ja, also der Vergleich ist es eben, was da so ein bisschen interessanter ist, sich noch anzuschauen, also wo es ein bisschen aussagekräftiger wird. Ich habe da mit einem Musikwissenschaftler gesprochen von der Universität Oslo, Kyle Devine, und der hat sich angeschaut, wie der ökologische Fußabdruck von Musikaufzeichnungen eben im Vergleich ist und er hat da den Plastikverbrauch zuerst mal überprüft von Schallplatten, Kassetten, CDs und eben von Streaming. Wenn man das vergleicht, dann sieht man, dass im Jahr 2016, also das sind seine Daten gewesen, dass die Menge an Plastik, die in den USA von Musikindustrie verbraucht wurde, nur noch acht Millionen Kilo jährlich sind, im Vergleich also, acht Millionen Kilo. Klingt auch viel. Aber im Vergleich: Es waren mal 60 Millionen Kilogramm. Und zwar während der Hochphasen von Vinyl, Kassette oder CD, also von den 70ern bis 2000 ungefähr. Und das ist natürlich schon viel, viel weniger. Aber er hat dann im zweiten Schritt geguckt, wie, wenn man jetzt diesen Kunststoffverbrauch übersetzt, also in Treibhausgasemissionen. Und wenn man das wiederum vergleicht mit dem Strom, den man eben zum Speichern, Übertragen von Audiodateien vom Server zum lokalen Netzwerk beziehungsweise zu meinem Smartphone braucht, da wiederum sieht man, dass der CO₂-Ausstoß ziemlich krass zugenommen hat. Und zwar hat sich der fast verdoppelt im Vergleich zu den 80er und 90er Jahren, also diese Treibhausgasemissionen. Und ja, die Zahlen sind echt ein bisschen krass, zum Beispiel 2016 für Download und Streaming von Musik allein in den USA sind mindestens 200 Millionen Kg und bis zu 350 Millionen Kg Treibhausgase entstanden. Und er hat dann nicht mal YouTube mit eingerechnet. Und das dürfte sogar noch das Ganze verschärfen.

Was bei diesen ganzen Rechnungen auch ein bisschen schwierig ist, er hat zum Beispiel auch nicht geguckt wie hoch die Transportkosten oder die Emissionen vom Transport von LPs wären und so weiter. Oder er hat sich auch nicht die Produktion der Endgeräte angeschaut, also wenn ich jetzt ein Smartphone oder eine Musikanlage produziere. Außerdem muss man auch sagen, er hat halt einen Stromverbrauch angenommen von 0,06 Kilowatt pro Stunde und der tatsächliche Strom, der im Einzelfall tatsächlich fließt, das kann man eben nicht ganz genau beziffern, weil das hängt wieder stark vom Netzwerk, vom Gerät ab und so weiter. Oder ob ich jetzt den Stream im WLAN oder mit mobilen Daten nutze. Es ist alles ein bisschen schwierig, das zu beziffern. Aber es ist schon eine Größenordnung, die uns da einen Eindruck vermittelt, würde ich sagen. Und was halt auch der Punkt ist, warum es so viel krasser wurde: Eigentlich ist es ja so, wenn ich einen Song streame auf meinem Handy im WLAN, dann ist es de facto natürlich erst mal umweltfreundlicher, würde ich sagen – kann man auch sagen – als einen Song auf einer CD anzuhören, weil die CDs erstmal produziert wurden und so weiter. Aber dieser Rebound-Effekt ist halt spannend. Je effizienter man eine Ressource einsetzt, desto mehr davon nutzen wir auch. Und das sieht man eben. Wir haben eigentlich ein effizienteres Musikhören mittlerweile, aber wir nutzen immer viel, viel mehr Musik. Also, wir hören viel mehr Musik zu Hause, streamen das und ja, das ist halt der Punkt, warum es dann da so eine große Menge an Emissionen gibt im Endeffekt heute.

Bianca: Okay, wir verursachen also große Mengen an Emissionen durch unser Musikhörverhalten. Nun ist es ja inzwischen so, dass die meisten Menschen wahrscheinlich übers Streamen Musik konsumieren. Können wir denn da überhaupt etwas tun oder etwas dagegen tun, damit es nicht ganz so emissionsreich ist?

Astrid: Ja doch doch, wir können auf jeden Fall Dinge tun. Also klar, es gibt ja mittlerweile auch so einen Trend, dass Leute immer mehr Vinyl hören wollen, weil es auch so retro und nostalgisch ist. Das wiederum ist vielleicht nicht die beste Idee, weil tatsächlich ist Vinyl ein Produkt, was echt ziemlich schlimm ist, aus Umweltperspektive und auch aus sozialer Perspektive, weil das total schlecht recycelbar ist, aus einem Kunststoff, also Polyvinylchlorid (PVC) und die Arbeitsbedingungen sind oft auch total schrecklich – ziemlich prekär in Ländern des globalen Südens. Ja, es werden bei der Produktion krebserregende Stoffe, giftige Abwasser eingesetzt oder werden frei. Also alles nicht so toll, oder? Auch CDs sind Polycarbonat, also thermoplastische Kunststoffe, letztlich auch Erdöl. Das sollte man sich vielleicht noch mal gut überlegen. Das ist halt ein Punkt, wo ich mir denke: Ja, man könnte natürlich sagen, man nutzt diese, wenn die Dinge schon da sind, wie Secondhand-Vinyl oder -CDs, dann sind sie ja schon mal produziert worden. Und die dann weiter zu nutzen, ist ja schon schon erstmal eine gute Sache. Ansonsten gibt es aber tatsächlich auch in dem Bereich Vinyl ein ganz tolles Projekt, das ich mir auch angeschaut habe. Und zwar gibt es die Green Vinyl Records. Das ist eine Alternative für grüne Vinyl. Es ist ein niederländisches Projekt und die haben eben eine umweltfreundlichere Alternative zu den herkömmlichen Schallplatten entwickelt. Die nutzen statt diesem aufwendigen energieintensiven Herstellungsprozess – das wird mit Wasserdampf gepresst – nutzen die einen Prozess, der nennt sich Spritzgießen. Dabei soll wohl 60 bis 70 Prozent Energie eingespart werden. Und das ganze ist auch ein besser recycelbarer Kunststoffmix. Also, das klingt schon ein bisschen vielversprechender. Am Ende des Tages, glaube ich, was wir selber tun können ist, ein bisschen bewusster Musik genießen, also zu sagen: Okay, ich streame nicht so nebenbei und höre gar nicht zu, sondern man hört eben bewusster wieder Musik und man lädt sich Lieder herunter, das ist auch besser. Das verbraucht weniger Daten, wenn man es runtergeladen hat und dann regelmäßig auch diesen Song hören will, zum Beispiel. Und am besten auch im WLAN streamen und nicht mobile Daten nutzen. Da zeigen auch Studien ganz klar, dass es viel, viel weniger Daten verbraucht. Oder wenn ich jetzt auf YouTube zum Beispiel mal was anhöre, dass ich da dann ein Plugin nutze, um das Video auszuschalten. Es sind schon so kleine Tricks, die man selber nutzen kann. Aber ich muss auch sagen, meine Recherche hat mir schon auch gezeigt, dass die ganz großen Hebel natürlich bei der Industrie und bei den Streaminganbietern und so weiter liegen. Ja, ich glaube da kann man sagen, das ist noch ein bisschen intransparent, wie Amazon, Spotify, Deezer Apple, wer auch immer, wo man halt streamt, wie die so ihren Strom aufgestellt haben, wie grün der wirklich ist.

Teilweise sagen die schon alle: Ja ja, 100 Prozent grüner Strom. Aber wenn man genauer guckt – so einfach ist es nicht. Vieles ist auch schöngerechnet. Das hat zum Beispiel der IT-Spezialist von Greenpeace kritisiert, mit dem ich damals gesprochen hatte. Und also Spotify zumindest hat jetzt gar keine eigenen Server mehr. Die haben nur noch Google Server, wo sie irgendwie nutzen. Google sagt zwar, sie sind CO2 neutral, nur noch hundert Prozent grüner Strom. Ja und global gesehen ist es schon so. Aber natürlich nicht rund um die Uhr. Jedes Rechenzentrum ist grün, also mit grünem Strom. Und ja, das sind halt Sachen, die werden ausgeglichen durch Zukäufe und so weiter. Und die versprechen zwar Google, dass sie bis 2030 überall wirklich grünen Strom rund um die Uhr nutzen werden und man kann hoffen, dass sie es hinkriegen. Und die investieren da auch ordentlich. Das ist schon. Man sieht schon, die Industrie checkt auch, dass sie da was ändern müssen. Google hat zum Beispiel jetzt angekündigt, vor kurzem, dass sie in Deutschland mehr als eine Milliarde Euro investieren wollen, um im Jahr den Ausbau erneuerbarer Energien und neue Rechenzentren zu fördern. Oder auch Apple, die sagen, dass sie die 100 Prozent erneuerbare Energien nutzen und schon 83 Prozent sind eben eigene Projekte, also von Apple gebaute Projekte. Aber Apple wiederum nutzt auch Amazon Webservices – wie viel davon ist aber nicht so ganz transparent.

Und Amazon erklärt dann halt: Ja, sie haben 65 Prozent erneuerbare Energien, zumindest im Jahr 2020. Also noch ein weiter Schritt entfernt von 100 Prozent. Das soll es aber angeblich bis 2025 werden. Aber ja, es ist ein bisschen schwierig. Man muss es halt auch so sehen: Je effizienter wir das nutzen, desto schneller kommt man auch in diesen Rebound-Effekt rein, den ich ja vorhin angesprochen habe. Aber trotzdem ist es natürlich ein Weg. Man muss effizienter mit der Energie umgehen. Das ist schon Teil der Lösung. Und da hat die EU zum Beispiel auch Vorgaben verschärft, dass man eben bis 2030 39 Prozent Energie sparen soll, also Energieeffizienz. Vorgaben wurden stärker verschärft bei der EU. Und das ist schon ein Schritt in die richtige Richtung, aber natürlich immer noch Luft nach oben. Auch ein schönes Projekt sind die Rechenzentren selber. Diese riesigen Rechenzentren, die verbrauchen natürlich etliches an Energie und die werden aber auch immer effizienter. Zum Beispiel, wenn man die kühlt. Da ist es so, dass z.B. in Schweden viele Rechenzentren statt der Luftkühlung Kaltwasser nutzen und es wird dann erhitzt beim Kühlvorgang und dadurch entsteht Abwärme. Die wiederum wird in Schweden dann teilweise ins Fernwärmenetz eingespeist. Also auch ein ganz cleverer Trick.

Bianca: Da muss ich an eine Nachricht denken, die wir kürzlich bei Good News gespielt haben. Und zwar kommt die aus der Nähe von Hamburg. Da wird die Abwärme, eben diese Abwärme eines Rechenzentrums, dafür genutzt, eine Schulturnhalle zu beheizen. Ich fand das auch total clever.

Astrid: Das ist ja richtig cool. Ich hatte damals Schweden so als Vorbild und auch jetzt noch mal geguckt, dass es in Schweden gut läuft. Aber schön, wenn es auch in Hamburg schon so Projekte gibt. Richtig cool. Ja, voll.

Bianca: Und ich glaube diese Nachricht hat mich auch so geflasht, weil ich mir ehrlich gesagt noch nie wirklich vorher groß überlegt habe, was es an Rechenzentren braucht, um überhaupt all diese Daten, die wir nutzen, was da nötig ist. Und deswegen, als ich mir das mal da so vor Augen geführt habe, eben jetzt auch mit dieser Nachricht, dass da ja eben Abwärme entsteht und dass man die auch wiederum nutzen kann, ist mir da so ein bisschen ein Licht aufgegangen. Und davor habe ich mir auch gar nicht überlegt, wie nachhaltig oder wie unnachhaltig mein Streamingverhalten ist oder dass Musik streamen unnachhaltig sein könnte. Und ich kann mir auch vorstellen – vielleicht projiziere ich jetzt da auch von mir auf andere Menschen – aber ich kann mir vorstellen, dass es vielen anderen auch so geht, dass man vielleicht gar nicht mehr oder gar nicht den Überblick hat, was eben alles notwendig ist an Energieaufwand, um diese Inhalte ja, zu uns nach Hause, aufs Handy, aufs Tablet, auf den Laptop zu kriegen. Und ich kann mir vorstellen, dass da vielleicht so eine Art digitale Bildung und jetzt gar nicht digitale Bildung im Sinne von: „Wie verhalte ich mich im Netz?”, sondern: „Wie entsteht Netz eigentlich?” helfen könnte, nachhaltiger damit umzugehen. Es ist irgendwie alles so undurchsichtig für mich.

Astrid: Ja, absolut. Ich mein, mir ging es ja genauso. Ich hatte tatsächlich die Idee dazu zu recherchieren, weil ich das für Videos mitbekommen hatte. Das ging mal ziemlich durch die Medien. So vor zwei Jahren glaube ich, dass eben Videos streamen so krass viel Energie frisst und dass ist auch auf jeden Fall noch mal eine andere Nummer, weil man da viel mehr Daten braucht als für so einen Song. Aber es ist eben ja auch bei Musik so und bei Musik ist es uns auch noch mal viel weniger bewusst. Wahrscheinlich, wie du gerade meintest, hört man so nebenbei Musik oder eben Podcast und das ist auch was, wo der Musikwissenschaftler auch zu forscht und sich für interessiert, weil der meinte halt, wir denken, dass es immateriell ist. Also für uns ist so eine Musik, die wir einfach übers Smartphone hören, das hat gar keine – aber das hat halt Materialität. Aber wir checken das manchmal gar nicht so sehr. Das hat ja auch einen realen Effekt, dass wir dafür Energie brauchen und so weiter. Und eben, dass er auch dafür plädiert, diesen Musikkonsum – also, vor Corona meinte er noch, dass wir mehr zusammen Musik hören sollten in Zukunft oder ja, vielleicht auch wieder mehr Live-Konzerte besuchen usw. Aber das ist dann halt das nächste – da hat man auch wieder ganz andere Fragen gefunden. Wie nachhaltig ist so eine Festival- oder Konzertindustrie? Da gab es auch ein paar Artikel bei uns im enorm Magazin, die wir euch gerne verlinken können.

Bianca: Apropos enorm Magazin: Wenn euch unsere Arbeit gefällt, wenn euch dieser Podcast gefällt, unterstützt uns gerne mit einem Beitrag auf enorm-magazin.de oder holt euch ein Abo oder unterstützt uns gerne mit einem Beitrag auf goodnews.eu. Jeder Beitrag hilft uns dabei, gute und konstruktive Nachrichten in die Welt zu tragen.

Astrid: Genau. Aber es ist schon so, dass man sich das gar nicht so bewusst macht, dass digitale Produkte, digitale Sachen, auch Energie kosten? Ja, auf jeden Fall. Und das fand ich halt das Spannende an dem Artikel, dass ich das so ein bisschen, ja, irgendwie verstanden habe und jetzt doch seitdem auch ein bisschen anders auf jeden Fall Musik höre, ein bisschen bewusster. Und ja, dass ich eben Sachen runterlade und so weiter und auch mehr und immerhin ein bisschen darauf gucke. Genau, ja, aber ich meine die Alternative, dass wir gar keine Musik mehr hören, die gibt’s jetzt auch nicht, würde ich sagen. Also das ist nicht das, was wir hier vermitteln wollen oder keine Podcasts mehr zu hören. Das ist auf jeden Fall jetzt schon was sehr, sehr Schönes, aber vielleicht dann ein bisschen bewusster. Und eben die kleinen Hacks, die es gibt, nutzen und hoffen, dass es auch in Zukunft noch effizienter werden kann. Dass wir eben da zum Beispiel auch bei Programmiersprachen besser werden – das ist noch ein letztes Ding, was ich ganz spannend fand, dass unterschiedliche Programmiersprachen unterschiedlich viel Strom brauchen. Das wusste ich zum Beispiel auch nicht, dass man da gucken kann, welche man nutzt und so. Also nicht wir jetzt als Verbraucher:innen, aber die Seite der Entwickler:innen. Und, auch noch spannend – Das ist etwas, was ich echt cool finden würde für mich als Konsumentin: Ein Informatiker, der Peter Sanders hieß, vom Karlsruher Institut für Technologie, der hat vorgeschlagen, dass wir eigentlich zu Software Energieeffizienzklassen bräuchten, wie so für Kühlschränke, dass man eben weiß, gewisse Software braucht soundso viel Energie und das ist jetzt besser als die andere und so weiter, so dass man das vielleicht auch ein bisschen mehr als Verbraucher versteht: Ah, okay, welche Angebote, die man nutzen kann, sind vielleicht energieeffizienter als andere? Genau, aber ja, trotzdem weiterhin hoffentlich – allen, die das jetzt hören – weiterhin viel Spaß beim Musik streamen und Podcast hören natürlich.

Bianca: Ja, genau! Weiterhin viel Freude beim Hören von Podcasts und von Musik. Die paar Tricks nehme ich auf jeden Fall mit: Songs downloaden, nicht allzu viele mobile Daten nutzen und ein Plugin beim YouTube Video/Musik streamen. Das sind Dinge, die wir alle tun können. Vielen Dank, Astrid, für das interessante Gespräch.

Astrid: Danke Bianca, für das schöne Gespräch.

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