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14 Februar 2022 / Lesezeit: 3 minuten

Slowflower-Bewegung

Regionale und pestizidfreie Blumen-Geschenke

Getrocknete Blumen und Zweige lassen sich zu einem schönen und nachhaltigen Strauß binden.

Visual Stories || Micheile / Unsplash

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Rosen mitten im frostigen deutschen Winter? Das geht nicht, daher stammen die meisten Blumen zum Valentinstag aus fernen Ländern. Das ist nicht gut für die Umwelt. Aber es gibt auch nachhaltige Alternativen.

Rosen und Valentinstag gehören für viele Liebenden zusammen. Für Corinna Hölzel nicht. „Wenn ich im Laden die Sträuße mit den riesigen roten Rosen sehe, gelingt es mir nicht, Freude zu empfinden“, sagt die Pestizid-Expertin des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). Die Gründe dafür liegen unter anderem in den langen Transportwegen, dem Einsatz von Pflanzenschutzmitteln und den schlechten Arbeitsbedingungen.

„Die Rosen werden aus afrikanischen und lateinamerikanischen Ländern kurzfristig eingeflogen, um den enormen Bedarf zu decken“, sagt Hölzel. Bei der Produktion auf den Plantagen werde ein Cocktail an Pestiziden eingesetzt, von dem sich bei Tests regelmäßig Rückstände in den Schnittrosen finden ließen.

Aber es gibt noch mehr gute Gründe gegen die Blume der Liebe als Geschenk am Valentinstag: „Die Arbeiter wissen meist nichts von den Gefahren, haben keine Schutzkleidung, keine geregelten Arbeitszeiten. Die Menschenrechtslage ist in der Regel katastrophal, wenn der Betrieb nicht Fairtrade-zertifiziert ist“, berichtet Hölzel.

Selbst einer Mini-Rose im Topf kann die BUND-Expertin nicht viel abgewinnen. „Die Steckling kommen per Schiff aus dem globalen Süden und werden in Holland und Deutschland umgetopft.“ Doch nicht nur die Herkunft findet Hölzel problematisch. „Die Erde ist fast immer torfhaltig. Der Abbau ist ein riesiges Problem für die Biodiversität und befeuert den Klimawandel: Moore werden trockengelegt, der Lebensraum für seltene Tier- und Pflanzenarten zerstört und klimaschädliches CO2 freigesetzt.“

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Viel ist es nicht, was die Natur hierzulande zum Valentinstag an Blumen für einen üppigen Strauß in Aussicht stellt. Schneeglöckchen und Krokusse halten sich zwar recht gut in der Vase, taugen aus Hölzels Sicht dennoch nur bedingt als Schnittblumen. „Die Frühblüher sind für die Wildbienen sehr wichtig. Sie komplett abzusäbeln, ist nicht zu empfehlen.“

Maja Bartholet setzt für den Valentinstag auf Sträuße mit Schneerosen und Weidenkätzchen, die sie mit getrockneten Strohblumen, Zinien, Dahlien und Gräsern kombiniert. „Wenn man die Stiele der Trockenblumen mit Wachs umschließt, können sie ohne Probleme mit den anderen im Wasser stehen“, sagt die Schweizer Farmerfloristin, die nur das in ihren Sträußen und Bouquets nutzt, was ihr Garten ihr im Überfluss im Februar bietet.

Slowflower-Bewegung bietet nachhaltigen Alternativen

Maja Bartholet gehört der Slowflower-Bewegung an. Die Mitglieder bauen Schnittblumen an – regional, saisonal und pestizidfrei. Rosen zu Valentinstag gehören nicht dazu. Die Farmerfloristin zieht ihre Blumen selbst aus Samen und lässt die Pflanzen in ihrem Garten ohne Pestizide wachsen.

Üppig blüht es auch bei ihr im Spätwinter nicht. Doch Bartholet liebt die Herausforderung: „Wir müssen uns einfach wieder mehr öffnen für das, was zu jeder Jahreszeit wirklich da ist und nicht blind annehmen, was uns der Markt verkaufen will“, sagt sie.

Genau wie Maja Bartholet setzt Malin Lüth im baden-württembergischen Müllheim daher auf Trockenblumen. Mit Blumendraht bindet sie getrockneten Rittersporn, Silbertaler und Strohblumen an Zweigen fest – als Pseudoblüten. Bei den Frischblumen hofft die Flowerfarmerin auf die ersten Anemonen, die im ungeheizten Folientunnel wachsen.

Und wenn das nicht klappt? Auch kein Drama, so Lüth. Denn offiziell beginnt ihre Saison erst im März. „Einen Tag der Liebe mit Blumen zu feiern, finde ich voll gut. Meine Motivation richtet sich aber nicht nach künstlichen Verkaufstagen, sondern nach den Blumen. Und der Valentinstag liegt für die meisten Blumen in der falschen Jahreszeit.“

Frühlingsblüher wie Tulpen und Krokusse

Ein klein wenig lässt sich der Natur aber auf die Sprünge helfen. So lassen sich zum Beispiel Frühlingsblüher wie Tulpen, Krokusse, Schachbrettblumen, Hyazinthen und Traubenhyazinthen im Topf im Haus vortreiben. Auch frische Zweige von Forsythie, Magnolie, Zaubernuss, Weide und Obstgehölzen wie Kirsche, Apfel und Zierquitte schlagen aus, wenn sie im Warmen in einer Vase mit Wasser stehen.

Claudia Werner sieht darin sogar eine gewisse Symbolik: „das Aufblühen der Liebe“. Sie ist Blumenproduzentin und ebenfalls Mitglied der Slowflower-Bewegung. Ihr Tipp zum Valentinstag sind Flower Hoops – filigrane Blumenkränze für die Wand, die Tür oder ans Fenster.

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Üppig oder minimalistisch werden dafür Trockenblumen auf einem gold-, silbern- oder messingfarbenen Metallring gebunden, im vollen Umfang oder nur teilweise. Auch hierfür hat die Slowflower-Gärtnerin eine romantische Interpretation parat: „Getrocknete Rosen stehen für die Liebe, der Ring darin für die Unendlichkeit.“