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15 August 2022 / Lesezeit: 4 minuten

Kultur, Reisen, Mode, Food

Die Impact-Tipps der enorm Redaktion

Sinnvoll bei jedem Umzug: miet- und vollständig recycelbare Kisten, hier von Turtlebox.

Foto: Turtlebox

Foto: Turtlebox

Konsum kann auch Impact haben: Hier findet ihr die persönlichen Favoriten der enorm Redaktion, die euren Alltag etwas nachhaltiger gestalten können. Wir konzentrieren uns dabei auf gute Alternativen, die im besten Fall nichts kosten – und wenn, ihr Geld wert sind. Unsere Tipps dazu kommen aus den Bereichen Kultur und Medien, Lernen und Reisen, Sport und Mode sowie Wohnen und Food.

Wir sind bemüht, die Empfehlungen der enorm Redaktion regelmäßig zu aktualisieren. Wenn du smarte Vorschläge hast, schreibe gerne an ideen@enorm-magazin.de

Mieten statt kaufen

Bei Umzügen fällt meist viel Müll an. Zum Beispiel die Umzugskartons, die im neuen Zuhause nur stören, wenn es nicht gerade einen Keller oder ausreichend Stauraum gibt. Deswegen verkauft das Start-up Turtlebox seine Kisten nicht, sondern vermietet sie. Damit sie bei so vielen Umzügen wie möglich zum Einsatz kommen können – laut Turtlebox mehr als 200 –, sind sie aus Polypropylen, also sehr widerstandsfähigem Plastik, hergestellt. Neben den Boxen lassen sich auch Rollbretter und Sackkarren für den Umzug mieten, Anlieferung und Abholung an der Haustür inklusive. Haben die Boxen ausgedient, sollen sie zu 100 Prozent recycelt werden.

Aufklärung Re-visited

Fortschritt, Vernunft und Menschenrechte: Unsere Gegenwart basiert auf Ideen der Aufklärung, die vor 300 Jahren begann. Doch wie steht es um ihre Ideale in einer Welt, in der zunehmend der digitale Kapitalismus herrscht? Wo Künstliche Intelligenz (KI) den Menschen immer häufiger ersetzt und rechtspopulistische Autokrat:innen Freiheiten einschränken? Die vierteilige Dokureihe Projekt Aufklärung des deutsch-französischen Senders Arte sucht Antworten und reist dafür zu den Aufklärer:innen unserer Zeit. Im Silicon Valley findet Philosoph Armen Avanessian verantwortungsvolle Suchmaschinen. In Benin entdeckt KI-Expertin Anita Schjøll bei einem Voodoo-Festival eine neue Form von Wissen. In Frankreich konfrontiert die Schwarze Autorin Emilia Roig ihren weißen Großvater mit seinem Rassismus. Und Schauspielerin Pegah Ferydoni spürt in China konfuzianische Alternativen zum Liberalismus auf. Mit im Gepäck: die Ideen der Aufklärer:innen Immanuel Kant, Denis Diderot, Olympe de Gouges und Thomas Jefferson. Vierteiler „Projekt Aufklärung“, bis 10. Oktober 2022 in der Arte-Mediathek.

Öko-Glow

Der Sommer ist da, das Grau soll raus aus dem Alltag. Mit den Open-Air-Festivals kehrt die Lust auf Glitzer zurück – auf den Wangenknochen, den Lippen oder Augen. Damit dabei kein Mikroplastik im Abwasser, Erdboden oder im eigenen Körper landet, gibt es inzwischen auch biologisch abbaubaren Glitzer, etwa von Birkenspanner. Die winzigen Glitzerpartikel enthalten Zellulosefolie, die aus Eukalyptuspflanzen gewonnen wird. Schellack, ein harzähnlicher Klebstoff, verbindet die Materialien. Und Mineralien sorgen für unterschiedliche Farben, von „Cherry Lady Rot“ bis „Fairy Forest Grün“.

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Fake News entlarven

Wahr oder nicht? Bei Nachrichten in den sozialen Medien ist das manchmal gar nicht so einfach zu entscheiden. Im App-Game news.oder.fake soll das spielerisch sichtbar werden. Nutzer:innen wird eine Schlagzeile mit Bild angezeigt, sie haben 42 Sekunden Zeit, um zu entscheiden: Ist die Nachricht wahr, oder ist sie falsch? Entscheiden sie richtig, bekommen sie Punkte, liegen sie falsch, gibt es Abzug. Darauf folgt eine kurze Erklärung zum Wahrheitsgehalt der Nachricht. Wer mehr wissen will, findet unter „Ab ins Tiefe“ eine ausführlichere Erklärung und Quellenverweise. Jeden Tag gibt es eine ausgewählte Headline mit aktuellem Bezug und einen Mix an Schlagzeilen in Themenfeldern wie „Natur und Nachhaltigkeit“ oder „Politik und Macht“, um die Medienkompetenz zu trainieren.

Synthetische Drops und hämmernder Monsunregen

„Wie klingt die Zukunft?“, fragte der britische Musikproduzent Robin Perkins Ende 2020 DJ-Kolleg:innen aus mehreren Ländern, etwa Kolumbien, Frankreich und Japan. Das Kollektiv „DJs for Climate Action“ war geboren. Ein Jahr später sind die Beats verschiedener Genres in Vinyl als „Climate Sound“ gegossen; sie erklingen jazzig und weich, vibrieren hart und dumpf oder elektrisieren durch synthetische Drops. Zwischendurch meldet sich die Natur. Gletschereis knirscht, Vögel zwitschern im Regenwald, Wale rufen, Monsunregen hämmert. Für das Projekt stellte Greenpeace Feldaufnahmen von Expeditionen zur Verfügung. Auf die umweltschonend gepresste Doppelplatte haben es 37 Tracks aus 350 Einsendungen geschafft. Acid Pauli erzählt in seinem Techno-Stück, wie sich die Natur ihren Lebensraum zurückholen wird. Lauphan widmet sich dem biodiversen Marschland seiner Heimat Argentinien. Aquarius Heaven gibt dem Pinguin eine Stimme. Die Einnahmen werden an Umweltorganisationen gespendet und in neue Projekte des Kollektivs investiert.

Inklusive Märchen

Das Berliner Start-up Fairy Tales Retold verändert Klassiker wie Dornröschen und Die Meerjungfrau so, dass sie zeitgenössische Werte unserer diversen Gesellschaft vermitteln. In Schneewittchen und die sieben Zwerge wird etwa nicht gefragt: Wer ist die Schönste im ganzen Land? Sondern: Wer ist die Mutigste? Schneewittchen ist ein Schwarzes Mädchen, es gibt Zwerge und Zwerginnen. Außerdem werden die Neuinterpretationen im Pyjama-Podcast von bekannten Personen wie Supermodel Toni Garrn, dem paralympischen Athleten Evan LaLanne und der LGBTIQ-Aktivistin Munroe Bergdorf vorgelesen. Den Podcast gibt es bisher nur auf Englisch, Schneewittchen auch auf Deutsch und Französisch. Mehr Infos findet ihr hier.

Weiblicher Blick

Yva, Ute Mahler, Nadine Ijewere: prägende Modefotografinnen, deren Namen nicht besonders bekannt sind. Zu Unrecht, wie die Sonderausstellung Female View: Modefotografinnen von der Moderne bis zum Digitalen Zeitalter in der Kunsthalle St. Annen in Lübeck zeigt. Besucher:innen blicken durch die Linsen der Künstlerinnen nicht nur auf modegeschmückte Körper, sondern rekapitulieren die vergangenen 100 Jahre: betrachten Werke der Dreißigerjahre, als Yva (alias Else Ernestine Neuländer-Simon) dem Starfotografen Helmut Newton das Handwerk lehrte – und später deportiert und vermutlich im Vernichtungslager Sobibór ermordet wurde. Oder der Achtzigerjahre, als Ute Mahler Mode ablichtete und dabei subversiv das Leben in der DDR kommentierte. Sie blicken auch auf das Heute, wo Nadine Ijewere als erste Schwarze Fotografin das Cover-Bild für die Vogue schießt. Alles auch weibliche Geschichte – erstmals modefotografisch erzählt.

„Female View: Modefotografinnen von der Moderne bis zum Digitalen Zeitalter“, Sonderausstellung bis 3. Juli 2022 in der Kunsthalle St. Annen in Lübeck, kunsthalle-st-annen.de/female-view

Empfehlungen der enorm Redaktion: Der Sport gehört uns

Schatzkarte zum Ernten

Was auf öffentlichem Grund wächst, ist für alle da – nach diesem Grundsatz funktioniert die App Mundraub. Wer einen Obstbaum, einen Beerenstrauch oder Kräuter entdeckt, kann die Fundorte auf einer digitalen Karte eintragen. Andere User:innen können die Karte nutzen, um zu den Äpfeln, Birnen und Brombeeren zu gelangen. Aber, so das Statut der Plattform: Ein respektvoller und nachhaltiger Umgang mit den Pflanzen an den Fundorten ist wichtig, damit die Orte lange erhalten bleiben – und nicht nur Menschen von ihnen profitieren, sondern auch Tiere, wie Mäuse und Vögel. mundraub.org

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Empfehlungen der enorm Redaktion: Die Kreislaufzahnbürste

Einmal benutzt und ab in den Müll: Hygieneprodukte, die in Hotels zur Verfügung gestellt werden, haben eine sehr kurze Lebensdauer und können meist nicht recycelt werden. Das in Kiew gegründete Unternehmen Effa reagiert mit Papier-Zahnbürsten und -Rasierern. Um festes Papier herzustellen und daraus die Stiele der Produkte zu formen, verwendet es Bagasse – Zuckerrohrreste aus der Zuckerproduktion. Der Zahnbürstenkopf besteht aus recyceltem Plastik und Nylon und kann nach Gebrauch entfernt werden. Auch der Rasierer lässt sich in seine Einzelteile zerlegen, damit die Stoffe richtig entsorgt und wiederverwendet werden können. effa.on