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9 Januar 2021 / Lesezeit: 4 minuten

Frühe Aussaat

Warum du jetzt schon an den Gemüsegarten denken solltest

Sorgt später für eine gute Ernte und macht jetzt schon Lust auf Frühling: Die Aussaat für das Vorziehen im Topf kann schon ab Ende Februar beginnen.

Bild: Markus Spiske / Unsplash

Bild: Markus Spiske / Unsplash

Der Winter nimmt zwar erst so richtig Fahrt auf. Trotzdem sollte man schon heute an den sommerlichen Gemüsegarten von morgen denken – und deshalb die frühe Aussaat planen. Was muss man dabei beachten?

Die Bäume sind kahl, das Blumenbeet karg, der Gemüsegarten leer. Kurz: Der Garten liegt im Winterschlaf. Wer jedoch vom Frühjahr an Gemüse aus dem eigenen Garten essen möchte, sollte schon jetzt die Aussaat planen. Denn die unterschiedlichen Pflanzen haben verschiedene Vorlieben bei der Aussaat, erklärt die Staudengärtnerin Svenja Schwedtke aus Bornhöved (Schleswig-Holstein).

Zum einen gibt es die sogenannten Kaltkeimer. „Das sind die Pflanzen, die zur Keimung eine Kälteperiode brauchen“, erklärt die Gärtnerin. Dazu gehören Eisenhut, Süßdolde oder Akelei. Diese Pflanzen mögen es, in die Kälte ausgesät zu werden. Wer die Aussaat im Herbst direkt in den Boden verpasst hat, hat im Januar und Februar nun noch die Chance, Samen in einen Topf zu geben und ins Freie zu stellen.

Andere Pflanzen hingegen brauchen Wärme zum Keimen. Tomaten und Kürbisse, Wicken oder Kapuzinerkresse werden daher zum Teil schon vom Februar an erst in kleinen Töpfen auf der Fensterbank vorgezogen und dann im Mai – nach den Eisheiligen – in den Garten gepflanzt.

Pflanzen vorziehen: Wann die frühe Aussaat sinnvoll ist

Die Verkürzung der Kulturzeit im Garten ist besonders für Pflanzen, die eigentlich in wärmeren Gebieten beheimatet sind, ein Pluspunkt, erklärt Barbara Moitz von der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung in Bonn. „So würde es beispielsweise die Tomate in unseren vergleichsweise kurzen Sommern gar nicht vernünftig bis zur Fruchtreife schaffen.“

Ein weiterer Pluspunkt des Vorziehens: Die Aufzucht gelingt in der Regel besser. Schwedtke nennt zum Beispiel die Tücken für die Wicke: „Dann gibt es lange Trockenperioden, sengende Sonne, vielleicht schüttet es manchmal und spült die Saat noch durch die Gegend.“

Außerdem könnten sich bei zu früher Aussaat im Garten gefräßige Schnecken über die zarten Jungpflanzen hermachen. Daher lautet das Fazit von Gärtnerin Schwedtke: „Das Vorziehen lohnt sich auf jeden Fall. Dann setzen Sie dicke, kräftige Pflanzen raus – die können eine ganze Menge mehr ab und außerdem blühen sie deutlich früher.“

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Vorziehen schützt vor Fressfeinden

Auch Barbara Moitz erklärt, dass beispielsweise Sonnenblumen bessere Überlebenschancen haben, wenn man sie im Gewächshaus oder auf der Fensterbank vorzieht: „Direkt ins Beet gesät, überlebt meist nur ein Bruchteil die ersten Schneckenattacken. Vorgezogen sind sie jedoch so robust, dass sich die Schnecken lieber nach etwas anderem umsehen.“

Auch bei Bohnen empfiehlt Moitz die Anzucht auf der Fensterbank. Denn insbesondere bei kühler, feuchter Witterung lege im Freiland gern die Wurzelfliege ihre Eier in die Samen. Diese keimen dann entweder erst gar nicht, oder Maden machen sich direkt über die Keimlinge her.

Wichtige Hinweise auf der Verpackung

Für viele Pflanzen gibt es bestimmte Aussaatfenster vom Winter bis ins frühe Frühjahr hinein. Informationen dazu finden sich auf den Samentüten oder man erhält sie im Fachhandel von Gärtner*innen. Ebenfalls auf der Packung findet man Hinweise zu Mengenangaben: „Gerade bei Tomaten hat man gerne mal schnell 50 Jungpflanzen pro Sorte. Und wer soll das nachher alles essen?“, so Schwedtke.

Auf Saatguttüten ist meist ein Mindesthaltbarkeitsdatum abgedruckt. „Ist dieses bei einer Tüte in Ihrem Keller bereits überschritten, so heißt das noch lange nicht, dass hier nichts mehr keimt“, sagt Schwedtke. „Vielmehr lässt die Keimfähigkeit meist langsam nach.“

Ein Eierkarton eignet sich besonders gut für das Vorziehen und ist nachhaltiger als Plastikbecher.
Bild: imago images / Cavan Images

So macht man Pflanzen gartenfertig

Entscheidet man sich dafür, seine Pflanzen im Topf vorzuziehen, muss das Samenkorn vor dem Keimen erst quellen. Manche Samen müssen daher vor dem Einsetzen kurz in ein feuchtes Tuch gepackt werden. Bei anderen reicht es, sie gut anzugießen, wenn sie in der Erde sind.

Schwedtkes Tipp: Das Gießen sollte mit einer zarten Brause und nicht mit einem fetten Strahl geschehen – vorsichtig und nach Bedarf. „Wenn die Sonne scheint, wird mehr gegossen als bei bedecktem Wetter. Aber so was hat man nach einer Weile im Gefühl – es darf nur nicht vergessen werden.“ Denn die Keimlinge vertrocknen sonst schnell.

Die Anzuchterde sollte unbedingt unkrautfrei und nicht gedüngt sein, sagt Schwedtke. Denn zu viele Nährstoffe schaden den kleinen Sämlingen. „Später allerdings sollten gekeimte Pflanzen mit einer bestimmten Größe aus dem nährstoffarmen Substrat heraus in gedüngte Erde gesetzt werden.“

Dabei, also beim sogenannten Pikieren, wird der Sämling vorsichtig an den Keimblättern aus der Aussaaterde gehoben und bis zu den Keimblättern in gute Kulturerde gesetzt. „Das Hilfsmittel hierfür ist der Pikierstab, mit dem man die Erde lockert oder das Loch für den Sämling in den neuen Topf bohrt“, erläutert die Gärtnerin.

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Pflanzen vorziehen: Die Kartoffel aus dem Eierkarton

Moitz erklärt die Vorzucht am Beispiel der Kartoffel: Ab Ende Februar kann man die Saat in Eierkartons oder in eine Schale legen und drei, vier Tage lang zunächst an einen warmen hellen Platz im Haus stellen.

Anschließend muss man sie für drei bis vier Wochen hell und kühl bei 10 bis 15 Grad lagern. „Dabei die Seite mit den meisten Augen nach oben legen, denn aus den knubbeligen Vertiefung sprießen später die zunächst rötlichen oder grünen Triebe.“

Moitz gibt zu bedenken, dass eine Vorkultur nur sinnvoll sei, wenn eine wirklich helle Fensterbank oder ein Gewächshaus zur Verfügung steht: „Wer das nicht hat, sollte lieber in fertige Jungpflanzen aus der Gärtnerei investieren, oder befreundete Hobbygärtner fragen, ob man ein Eckchen im Gewächshaus mitnutzen darf.“

Schwedtke allerdings ist sich sicher: „Ich würde dem Vorziehen immer den Vorrang geben vor der Aussaat an Ort und Stelle. Weil das erstens Spaß macht und zweitens die Pflanzen, die dann ausgepflanzt werden, schon kräftig sind und mehr Chancen haben, groß zu werden.“

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