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3 Dezember 2020 / Lesezeit: 2 minuten

Robin Balser über sein Start-up Vinokilo

„Secondhand-Mode ist salonfähig geworden“

Robin Balser und sein Team von Vinokilo vertreiben online gebrauchte Kleidung und organisieren große Pop-up-Veranstaltungen für Secondhand-Shops.

Bild: Alina Betge

Bild: Alina Betge

Für Sozialunternehmer Robin Balser ist Secondhand-Mode inzwischen salonfähig geworden – immer mehr hochwertige Brands entdecken das Geschäft mit „preowned fashion“ für sich. Hier spricht der Gründer von Vinokilo über einen alten Trend, der sich neu entwickelt.

Vor fünf Jahren fing es an. Damals haben wir unsere ersten Events noch in einer Wohnung in Mainz veranstaltet: gebrauchte Kleidung verkaufen nach Gewicht als Weekend-Idee. Die Teile habe ich damals bei einem Altkleiderverwerter gekauft, 600 Kilo, alles von Hand ausgesucht. Doch dann sind wir so rasant gewachsen, dass wir es nicht mehr geschafft haben, selbst durch die Sammelstellen zu laufen. Unser Geschäft ist richtig durch die Decke gegangen. Keiner von uns hat das jemals erwartet. Inzwischen arbeiten wir mit 50 Recyclern überall in Europa zusammen. Wir haben Leute vor Ort, die aus Millionen weggeworfenen Kleidungsstücken die besten Teile rauspicken. Bis heute haben wir 344 Tonnen Kleidung das Leben gerettet.

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Die Akzeptanz für „preloved fashion“ hat sich in den letzten Jahren stark geändert. Heute ist man als Secondhand-Fan kein Außenseiter mehr. Einen großen Beitrag hat die Fridays-for-Future-Bewegung geleistet. Aber auch Corona hat viel aufgedeckt, was dem Verbraucher nicht bewusst war. Virgil Abloh, Gründer und Geschäftsführer des Mailänder Labels Off-White, hat Anfang des Jahres Vintage und Secondhand als die Zukunft der Mode bezeichnet. Auch Influencer aus der konventionellen Mode haben das Thema für sich entdeckt und salonfähig gemacht. Diesen Push spüren wir deutlich. Sowohl auf unseren Events, wenn sie denn stattfinden, als auch online – seit April liegt die Konzentration auf E-Commerce. Wir schätzen, dass sechs von zehn Leuten Secondhand-Mode inzwischen als Alternative akzeptieren.

Mehr Fast Fashion in Altkleidersammlung durch Corona

Es ist gut, dass Brands und Plattformen wie Gucci, Cos, Levi’s oder About You jetzt auch mit „preowned
fashion“ die Popularität von Secondhand-Mode ankurbeln. Aber es ist auch viel Greenwashing dabei. Da sitzen Manager, die mit Secondhand-Mode auf einbrechende Sales reagieren, um die Shareholder irgendwie happy zu machen. Hier lautet das Motto nach wie vor „money first“ und nicht „planet first“.
Wie sich die Pandemie auf den Altkleidermarkt auswirkt? Aktuell gibt es eine sehr starke Qualitätsverwässerung, weil während Corona mehr weggeworfen wurde. Der Anteil von Fast Fashion pro Tonne hat eindeutig zugenommen.

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Wir haben in einer Wohnung angefangen – heute organisieren wir die größten Pop-up-Veranstaltungen für Secondhand. Und doch sehe ich uns mit Vinokilo als Bewegung noch ganz am Anfang stehen. Vor fünf Jahren haben wir auch Kleidertausch und Kleidungsbibliothek veranstaltet – letztlich liegt für mich darin die Zukunft von Mode. Die neue Normalität. #TheNewNew. Dass Kleidung geteilt wird. Und dass jeder Mensch drei Viertel seines Kleiderschranks nicht mehr braucht, weil er die Chance hat, sich unkompliziert mit Secondhand-Kleidung zu versorgen und sich kreativ anzuziehen. Diese bewusste, langsame und inklusive Form des Konsums, für jeden zugänglich und erschwinglich – das ist mein Leben und eine Chance, einen Beitrag zu leisten, damit unsere Welt nicht endlich wird.