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8 May 2019 / Lesezeit: 10 minuten

Green Fashion Labels

Eine Modereise durch Deutschland

In Deutschland hat sich viel getan in Sachen Green Fashion. Es gibt inzwischen jede Menge neue Labels, die schöne Mode nachhaltig produzieren.

TITELBILD: TAMARA BELLIS/UNSPLASH

TITELBILD: TAMARA BELLIS/UNSPLASH

Hess Natur oder Armedangels – an diese Label denkt man zuerst, wenn man über nachhaltige Mode spricht. Doch ist das alles? Es hat sich einiges getan in Sachen Green Fashion! Überall poppen Labels auf, die eines eint: Sie wollen schöne Mode machen und vor allem nachhaltig produzieren.

Berlin

Cruba

Der Name Cruba klingt mehr nach Karibikflair als nach Brandenburg – und doch lässt die New Yorker Designerin Mira von der Osten schon seit fast zehn Jahren 250 Kilometer rund um die deutsche Hauptstadt produzieren. Seide, Wolle, Kaschmir: lokal, nachhaltig, fair. Die Inspiration für ihre geschmeidigen Kollektionen bekommt sie von den Straßen, wilden Ecken und der Kunst der Stadt. „Cruba“ hat daher auch herzlich wenig mit Cuba zu tun, es steht für „Create a Resolution by Using a Berlin Argument“.

Julia Leifert

Nachhaltiger Luxus – mit diesem Ansatz hat sich Julia Leifert in der Berliner Modeszene längst einen Namen gemacht. Für die Gründerin ist Nachhaltigkeit kein Add-on. Leifert verwendet Baumwolle, Leinen, Seide, verwertet Reste der Industrie und zu 90 Prozent Materialien aus Europa, setzt auf Tierschutz und hat einen eigenen Codex für Lieferanten entwickelt. Mal umspannen feste Materialien den Körper wie ein Korsett, mal flattern weiche Stoffe aus Tencel um die Beine. Julia Leifert spielt mit klassischen Schnitten, verbunden mit minimalistischem, femininen Style.

Zazi

Jeanne Margot de Kroon trägt wertvolle Stoffe und recycelte Teppiche aus aller Welt zusammen. 25 Frauen aus einem abgelegenen Dorf in Indien stellen daraus Kleider und Mäntel her. Jedes Stück ist ein Unikat. Das Gehalt der Frauen liegt weit über dem üblichen Lohn. Gerade entsteht eine Schule für 40 Kinder. Zazi gewann vor kurzem den Young-Icons-Award des Lifestyle-Magazins Iconist.

Zue Anna

Wenn Zsuzsanna Cséber diesen Satz sagt, klingt er kein bisschen süßlich: „Tierwohl ist mir wichtig, weil ich Tiere sehr liebe.“ Sie lacht dabei, unaufdringlich, von Herzen. Vielleicht ist es diese Haltung, die die Betriebswirtin nach sechs Jahren bei Zalando auf ihre Idee brachte: „Ich zeige Kunden das Schaf, dessen Wolle im Pulli steckt.“ Mit jedem Pulli bekommen die Käufer ein Booklet mit Foto und detaillierten Infos zu ihrem Schaf und seinen Lebensbedingungen, rosa bei Merino-Weibchen, blau bei den Männchen.

Die Schafe heißen Tiara, Joeline oder Henry und weiden bei einem Farmer in Australien, der genau so mit ihnen umgeht, wie Cséber sich das vorstellt: kein Schwanzcoupieren, keine Parasitenbäder, kein Wegschneiden von Hautfalten zur Vorbeugung von Schädlingsbefall. Das verletzungsfreie Scheren überwacht Cséber selbst vor Ort. „Und wenn meine 140 Schafe alt sind, dürfen sie in Rente.“ Ein Teil des Erlöses geht in die Altersvorsorge. Mit einem Pullimodell ging das Label im vergangenen Winter an den Start, in der nächsten Kollektion sollen es vier sein.

 

Düsseldorf

Wunderwerk

Heiko Wunder und Tim Brückmann wollen zeigen: Coole Klamotten, soziale Verantwortung, Umweltschutz und wirtschaftliche Leistungsfähigkeit gehen Hand in Hand. Materialien sind ökozertifiziert, produziert wird in Europa mit hohen Umwelt- und Sozialstandards. Für die Produktion einer konventionellen Jeans braucht es 90 bis 160 Liter, hier sind es drei bis neun.

 

Frankfurt

Frieda Sand

Widerstand ist die Philosophie des jungen Frankfurter Labels Frieda Sand: mit mongolischem Fair-Trade-Kaschmir, fair gehandelter Bio-Baumwolle aus Indien, maximaler Transparenz, GOTSzertifizierter, tierfreundlicher Herstellung gegen konventionelle Methoden, Fast Fashion und Ausbeutung in der Textilindustrie. Ein Mix aus lockeren Schnitten, Kastenformen, cleanem Look und verspielten Elementen. Der Name ist eine Verbeugung vor zwei großen Frauen, die ebenfalls gekämpft haben: Frieda Belinfante, jüdische Cellistin und Widerstandskämpferin im zweiten Weltkrieg; George Sand, französische Frauenrechtlerin im 19. Jahrhundert.

ekn Footwear

Sneakers, sportlich, cool und doch ökologisch produziert? Als sich Noel Klein-Reesnik 2008 auf die Suche danach machte, fand er nichts. Und beschloss: „Die Lücke will ich füllen.“ Heute beliefert der Frankfurter mit ekn 300 Stores weltweit. Seine Sneakers und Boots sind minimalistisch, klar, mit einem „kleinen überraschenden Twist“. Eine Schlaufe mit Druckknopf an der Ferse, ein versteckter Aufdruck an der Innenseite. „Der Look gehört genauso zum Markenkern wie die ökologische und faire Herstellung.“

Der 39-Jährige liebt Skateboard, Subkultur, in Maßen auch Konsum. Die verzichtsorientierte Ökoszene ist ihm fremd. In der Loha-Welt fand er einen Weg, beides zu verbinden: genussvolles und bewusstes Leben. Seine stylische Footwear wird in Portugal in kleiner Stückzahl handgefertigt. Pflanzlich gegerbtes Leder, ökologisch hergestellte Kreppsohlen, recyceltes Polyestergarn und Abfallprodukte aus der Schuhsohlenindustrie.

 

Hamburg

Alina Schürfeld

Roséfarbene Highheels, Bikerboots in knalligem Orange. Schürfeld kreiert in Hamburg raffinierte Schuhe für Frauen. Neben vegetabil, chromfrei oder mit Rhabarberstoffen gegerbtem Leder verwendet sie auch bio-zertifiziertes Lachsleder. Gefertigt werden die Stücke in kleinen Manufakturen in Deutschland und Italien. Ihr Flagship Store ist in Eppendorf.

Jan ‘n June

Gründerin Anna Bronowski: „Vor vier Jahren gab es keine nachhaltige, bezahlbare Kleidung mit hohem Modegrad. Also haben Juliane und ich unser eigenes Label mit Hilfe von Crowdfunding gegründet. Mittlerweile ist Konkurrenz da. Das ist gut, denn es zeigt: Die Nachfrage steigt. Wir verwenden verschiedene nachhaltige Materialien wie GOTS-zertifizierte Bio-Baumwolle, Tencel, recycelte Baumwolle, recyceltes Polyester und Polyamid. Genäht wird in einem kleinen Familienbetrieb in Wroclaw, Polen. Die Näherinnen werden fair bezahlt, teilweise sind sie schon Jahrzehnte im Betrieb. Wir besuchen die Produktion mehrmals im Jahr. Unser Design ist nordisch, minimalistisch, klar – wir stehen für langlebige Lieblingsteile.“

Woodlike Ocean

Nachgefragt bei Sonja Palma: Bikinis aus alten Fischernetzen, wie kam es dazu?

Auf meinen vielen Auslandsreisen habe ich festgestellt, wie verdreckt das Meer und die Strände durch Abfälle und Plastikmüll sind. Deshalb wollte ich Bademode entwickeln, die sich diesem Thema annimmt. Es hat jedoch einige Zeit gedauert, bis ich das geeignete Material dafür gefunden hatte.

Du verwendest Econyl-Garn, was ist das Besondere daran?

Es ist von neuem Nylon nicht zu unterscheiden. Das Garn wird aus alten Fischernetzen oder dem Flor alter Teppiche hergestellt. All diese Dinge würden auf Deponien oder in unseren Meeren enden. Hinzu kommt die Einsparung von Rohöl, das für die Produktion von neuem Kunststoff notwendig wäre.

Ist grüne Bademode noch ein Nischenprodukt?

Ja, aber das Bewusstsein steigt und die Bandbreite der Produkte im Handel ebenfalls. Allerdings liegen unsere Herstellungskosten über denen konventioneller Bademode. Nicht jeder ist bereit, statt drei günstiger Bikinis nur einen teureren zu kaufen.

Goodsociety

Jeans in bester Bio-Qualität gibt es mittlerweile in allen Formen. Skinny, slim, bootcut, high rise, straight. Goodsociety verwendet für seine Hosen ausschließlich GOTS-Baumwolle. Die gesamte Weiterverarbeitung – von der Garnherstellung bis zum fertigen Stoff und der finalen Veredelung – findet in handwerklichen Betrieben in Italien statt. Faire Bezahlung, gute Arbeitsbedingungen. Knöpfe, Etiketten & Co. werden weitestgehend aus recycelten Materialien hergestellt. Um ihren CO2-Footprint auszugleichen, unterstützen die Hamburger Aufforstungsprojekte von Treedom. 25 Prozent des Gewinns fließen in die SA-Foundation, die sich für sexuell versklavte Frauen und Mädchen einsetzt. Keine tierischen Materialien, Peta-zertifiziert.

 

Heidelberg

Fremdformat

Nachgefragt bei Julia Gerner: Was ist problematisch an Gold und Silber?

Der konventionelle Abbau dieser Edelmetalle hat verheerende Folgen für Mensch und Umwelt. In den Minen werden gigantische Mengen an Gestein bewegt, Böden und Grundwasser mit Chemikalien verseucht. Der Abbau ist ein gesundheitliches Risiko für die Arbeiter. Menschenrechte werden missachtet, Kinderarbeit ist verbreitet.

Was verwendet Ihr stattdessen?

Vor allem Materialien, die als Reste oder Abfall in der metallverarbeitenden Industrie anfallen: Edelstahl, Messing, Kupfer. Unsere Rohstoffe beziehen wir nur von regionalen Herstellern. Neugold oder -silber benutzen wir gar nicht, wenn überhaupt, nur recycelte Edelmetalle.

Hast Du ein Lieblingsstück?

Mein Lieblingsstück ist gerade der Ohrring „Elfriede“ aus drei großen Messing-Stanzresten. Ein echtes Statement-Piece, das zeigt, dass aus Abfall etwas Schönes entstehen kann.

Bleed organic clothing

Seit 2008 setzt Bleed auf den Dreiklang: bio, fair, vegan. Leder, Wolle und Daunen sind tabu. Sattdessen kommen Bio-Baumwolle, Hanf, Leinen, Tencel, Kork, recyceltes Polyester oder Jacroki zum Einsatz – ein Gemisch aus Altpapier und Latex, optisch von Leder kaum zu unterscheiden. Strümpfe, Jeans, Badeshorts, Outdoorjacken – ein breites Sortiment für Frauen und Männer. Mit Peta vegan-approved- Siegel.

 

Köln

Funktion Schnitt

Nachgefragt bei Simon Hariman & Gesa Bollmus: Ihr macht ausschließlich T-Shirts, blutet da nicht das Designerherz?

Simon: Wir finden gerade den Fokus auf ein Bekleidungsstück spannend. Das T-Shirt ist das Teil, was am meisten getragen wird, aber bislang nicht den Stellenwert hat, den es eigentlich haben könnte. Wir spielen nicht nur mit Farbe, sondern auch mit Schnitten und Materialien.

Ihr gebt auf Eurer Webseite Hinweise zur richtigen Pflege. Kommt die Botschaft an?

Gesa: Unsere Kunden verstehen, dass es nicht um irgendein Shirt geht, sondern um ein Produkt aus sehr hochwertigen Materialien, das ein Teil des Lebens sein kann, wenn man es entsprechend wertschätzt und pflegt.

Wieso lasst Ihr in Portugal produzieren?

Simon: Uns sind kurze Liefer- und Kommunikationswege wichtig. Und Portugal hat eine traditionsreiche Textilgeschichte mit hohem Know-How. Durch Empfehlung haben wir Betriebe kennengelernt, die sowohl soziale als auch ökologische Standards einhalten und zertifiziert sind.

Lanius

Luftiger Tüllrock, Bohemien-Kleid mit Stickereien, gefilzter Walkmantel. Bereits seit 1999 folgt Claudia Lanius ihrer Maxime „Love fashion, think organic, be responsible“ und gehört damit zu den Pionieren. Zusammen mit ihren Designern entwickelt Lanius zweimal im Jahr eine neue Kollektion. Sie verwendet hauptsächlich nachhaltige Materialien, die von unabhängigen Instituten kontrolliert und zertifiziert werden. Ihre veganen Stücke tragen das Peta-Approved-Vegan-Label für tierleidfreie Kleidung. Wolle kommt von Schafen, die nicht mulesiert wurden.

 

Karlsruhe

Aikyou

Tolle Unterwäsche für Frauen mit kleinem Busen – ganz ohne Bügel, Padding und Push-ups. Dazu Prothesen-BHs für Brustkrebspatientinnen. Alle Modelle sind aus GOTS- und Fairtrade-zertifizierter Baumwolle und mit nicht-toxischen Pigmenten gefärbt. Außerdem setzen die beiden Gründerinnen Bianca Renninger und Gabriele Meinl auf CO2-freie Logistik, Recyclingkartons und Naturstrom.

 

Leipzig

Luxaa

Gründerin Anne Trautwein: „Beim Essen erlaube ich mir auch mal Kohlroulade mit Hack. Bei meinen Kollektionen aber bin ich stoisch: nachhaltig ist Pflicht. Ohne Kompromisse. GOTS-zertifizierte Stoffe, keine Mischmaterialien, die sich nicht sortenrein recyceln lassen. In meiner Mode verarbeite ich Bio-Seide, Bio-Baumwolle und neue Naturmaterialien wie Tencel, das aus Eukalyptusholzfasern gewonnen wird. Genäht wird in Deutschland.

Luxaa ist clean, minimalistisch, pro Saison gibt es höchstens zwanzig neue Teile. Die Kollektionen bauen aufeinander auf, auch wenn ein Teil fünf Jahre alt ist, passen alle neuen Teile dazu. So bleiben die Sachen länger im Kleiderschrank. No Fast Fashion. Unsere Kundinnen sind meist Akademikerinnen, oft Businessfrauen, die auch konventionelle Marken wie Marco Polo oder Jil Sander lieben, aber gern etwas mehr ausgeben, wenn es nachhaltig ist und der Stil stimmt.“

Rothöll

Nach zwei Jahren Studium der Bildhauerei packte Annekatrin Döll die Reiselust. Als Au-pair ging sie nach Sauðárkrókur, ein kleines Dorf auf Island, wo auch die Gerberei Atlantic Leather ihre Manufaktur betreibt. „Das Fischleder, das dort hergestellt wird, ist atemberaubend schön“, sagt Döll. Jede Haut hat ihre ganz eigene Textur. Sie fühlt sich samten an, fast wie Seide oder Büttenpapier. Auch wenn es filigran wirkt, ist Fischleder deutlich robuster als anderes Tierleder gleicher Dicke. Es riecht nicht nach Fisch, ist anspruchslos in der Pflege.

„Ich hatte sofort Lust, damit zu experimentieren“. Heute betreibt die 32-Jährige ihr eigenes Atelier in Leipzig und vertreibt über ihren Webshop Taschen, Portemonnaies und Accessoires aus Lachs-, Barsch-, und Dorschhäuten. Ein großer Teil ihrer Energie fließe in Aufklärung, so Döll. Fischhaut ist bislang als Material wenig bekannt. „Dabei ist es so nachhaltig.“ Die Gerberei auf Island verwendet nur Häute von Speisefischen, die sonst als Abfall entsorgt werden würden. Als nächstes möchte Döll ein Kleidungsstück mit Lederapplikationen designen.

 

Lübeck

ethletic

James Llyod und Martin Kunz brachten 2010 den weltweit ersten Sneaker aus Fairtrade-zertifizierter Bio-Baumwolle und mit einer FSC-zertifizierten Naturkautschuksohle auf den Markt. Seitdem ist das Sortiment der Lübecker um etliche Modelle gewachsen. Mindestlohn und Arbeitsschutz sind für ethletic nur die Basis. Den Produktionsbetrieben in Sri Lanka, Indien und Pakistan zahlen die Macher mehr: den Warenwert plus 15 Prozent on top. Was mit diesem Geld geschieht, können die Mitarbeiter der Company gemeinsam bestimmen. Derzeit fließt es in Krankenversicherungen, Arztbesuche, Schulbildung und Trinkwasseranlagen.

 

München

Triple 2

Als Teenie fuhr Matthias Dreuw in abgeschnittenen Hosen aus Bundeswehrbeständen Mountainbike. Sein Geld gab er lieber für coole Radgadets aus. Heute produziert er mit Triple2 eigene Shorts, Trikots und Isolationswesten – funktionell, modisch, umweltschonend. „Naturverbundenheit ist beim Mountainbiken automatisch da – und durch mein Umweltschutztechnikstudium wurde mir zusätzlich bewusst, wie wichtig Umwelt- und Ressourcenschutz ist.“

Das Unternehmen verarbeitet vorwiegend Stoffe aus recyceltem oder natürlichem Material. Auf PFC-haltige Imprägnierungen wird ganz verzichtet, produziert in Kroatien. Dreuw: „Die Wege sind kurz, wir sparen CO2-Emissionen, Arbeitsbedingungen und Löhne bei unserem Partner sind fair.“ Es gibt einen Reparaturservice sowie Upcycling von Materialabfällen und Resten zu neuen Produkten wie dem wasserfesten Rucksack Rupp.

Phil&Lui

Nachgefragt bei Caroline Luisa Klein: Wie entstand das Label?

Schon während meines Modedesign-Studiums war klar, dass ich ein eigenes Label gründen wollte. Zeitgleich mit mir ist mein Freund Phil mit seinem Sinologie-Studium fertig geworden. Wir haben beide eine ausgeprägte Liebe zu Mode und Styling und beschlossen, gemeinsam ein Label zu gründen.

Was macht euch einzigartig?

Ein ganzheitliches Konzept und die Liebe zum Detail. Wir wollen Stücke kreieren, über die man sich jedes Mal freut, wenn man sie anzieht. Und wir möchten für unsere Kunden greifbar sein: Wer sind wir, was macht uns aus?

Was ist Euch wichtig?

Eine nachhaltige Produktionskette und faire Arbeitsbedingungen. Von der Wahl der Rohmaterialien bis zu chemischen Prozessen achten wir auf möglichst umweltschonende Verfahren. Wir wollen das Bewusstsein für Nachhaltigkeit und Qualität in der Gesellschaft steigern. Leider wissen nur sehr Wenige über die Bedingungen in der Textilindustrie Bescheid.

Vatter

Mal schlicht, mal mit Details und immer fair produziert. Vatter lässt seine Bio-Baumwollunterwäsche für Babys, Frauen und Männer in Griechenland und der Türkei in GOTS-zertifizierten Betrieben fertigen. Bedeutet: Nicht nur die Baumwolle ist bio, auch die Farbe und der Druck kommen ohne schädliche Chemikalien und Schwermetalle aus. Ein Teil der Gewinne fließt in Projekte der Kindernothilfe.

 

Neetze

Hey Honey

Die Schwestern Janka Oeljeschlager und Imke von Johnston gründeten 2015 das Yogalabel „Hey Honey“ und bieten seither feminine und qualitativ hochwertige Activewear an, die nicht nur durch ihre farbenfrohen Prints gute Laune macht. Die Sportbekleidung wird ausschließlich in Europa hergestellt und trägt das Zertifikat „approved vegan“ der Non-Profit-Organisation Peta. Es werden keine tierischen Inhaltsstoffe bei der Herstellung der Yogakleidung verwendet.

 

Nürnberg

Jeckybeng

Gründer Moritz Lorenz: „Ich habe lange gesucht, was meine Bestimmung sein könnte. Und festgestellt: Am liebsten bin ich draußen – daraus ist Jeckybeng entstanden. Weil ich nicht der 100000ste Outdoor- Anbieter sein wollte, der sonst wo produziert, habe ich nächtelang recherchiert: Wo gibt es die nachhaltigsten Stoffe? Wer arbeitet zu fairen Bedingungen? Inspiriert wurde ich von Patagonia-Gründer Yvon Chouinard. Am Anfang war alles sehr handmade, meine Mutter hat die Mützen gestrickt.

Jedes Produkt muss für mich eine Geschichte erzählen. Wie wurde es produziert, wer hat mitgearbeitet? Zum Beispiel kommt das Logo „Go shit in the woods“ vom portugiesischen Illustrator Mario Pinheiro, unsere Brotzeitteller von Josef Manhart, Drechsler aus Oberbayern, 84 Jahre alt. Vielleicht bekommen die Kunden so ein anderes Verhältnis zu ihren Sachen, sorgen dafür, dass sie so lange wie möglich halten. Erst das ist nachhaltig. Außerdem will ich mit Videos zeigen, dass man für ein Abenteuer nicht um die halbe Welt reisen muss. Wir sehen alle Teile als unisex.“

 

Plauen

Edelziege

Pullis, Kleider und Mäntel aus hundert Prozent Kaschmir. Saruul Fischer arbeitet seit 2008 mit kleinen Manufakturen in ihrem Heimatland, der Mongolei, zusammen. Die Mitarbeiter werden fair bezahlt. Die Wolle kommt von freilebenden Ziegen. Ein Statement gegen Massenware.

 

Riedlingen

LovJoi

In einer ehemaligen VW-Werkstatt am Rande der schwäbischen Alb stellt LovJoi seit 2014 lässige Streetwear-Mode her. Alle Stoffe stammen aus europäischen Betrieben, die regelmäßig besucht werden und GOTS-zertifiziert sind. Moderne Schnitte, schlichte Drucke, keine Spur von Ökolook. Syrische Flüchtlinge helfen in der Näherei.

 

Starnberg

Green Shirts

Schockiert von der Kleidungsbranche entschied sich Niklas Astor 2012 ein grünes Modelabel zu gründen. Im Online-Shop gibt es T-Shirts, Longsleeves und Sweatshirts aus Bio-Baumwolle, Tencel, Leinen oder recycelten Stoffen – unbedruckt oder mit Illustrationen und Grafiken von internationalen Künstlern. Auf Wunsch auch eigene Logos – interessant für Unternehmen, Organisationen, Bands.

 

Stuttgart

[eyd]

Gründerin Natalie Schaller: „Vor ein paar Jahren lernten mein Mann und ich indische Frauen kennen, die aus der Zwangsprostitution befreit wurden. Ihre Lebensgeschichten haben uns sehr berührt. Mit unserem Label wollen wir betroffenen Frauen helfen. Unsere Sachen werden ausschließlich in karitativen Werkstätten produziert, die Opfer von Menschenhandel beschäftigen. Faire Löhne sind selbstverständlich. 25 Prozent unseres Gewinns gehen an Made for Humanity. Der Verein stellt sicher, dass die Frauen Englisch- und Matheunterricht bekommen und psychologisch betreut werden. Wer bei uns kauft, investiert nicht nur in umweltverträgliche Mode, sondern auch in Menschen. Die Designs sind einfach, die traumatisierten Frauen haben meist nicht die Kraft für komplizierte Schnitte – es sind urban-lässige Teile für den Alltag.“

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Wiederbelebt

Hundert Prozent Upcycling, hundert Prozent Stuttgart. Sarah Kürten und Oguzhan Deniz nutzen für ihre coolen T-Shirts, Kleider, Hosen und Jacken industrielle Überschussware, also übriggebliebene und ausrangierte Stoffe, Knöpfe und Reißverschlüsse aus den Lagern umliegender Textilunternehmen. Entworfen und produziert wird in ihrem Ladenatelier, von jedem Modell gibt es nur 50 Stück.

 

Ihr wollt mehr zum Thema „Green Fashion“ lesen? Hier geht es zu weiteren Schwerpunkt-Texten aus unserem Heft 02/18 – „Green Fashion“: