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31 January 2020 / Lesezeit: 2 minuten

Geschlossene Kreisläufe

„Nur Bio-Baumwolle ist zu wenig!“

Bei der Münchner Messe und Konferenz Greenstyle werden auch Konsummodelle wie Leihen oder Tauschen eine Rolle spielen.

Bild: Anja Wechsler

Bild: Anja Wechsler

Ökologische Materialien allein werden die Welt nicht retten, sagt Mirjam Smend, die Gründerin der nachhaltigen Modemesse Greenstyle. Die Branche setze auch verstärkt auf geschlossene Kreisläufe sowie Re- und Upcycling.

Frau Smend, Sie bereiten gerade die nächste Greenstyle vor, Deutschlands einzige Konsumentenmesse für nachhaltige Mode. Was sind die wichtigsten Themen für 2020?

Das Thema „Nachhaltigkeit“ ist stark im Wandel. Dachte man vor kurzem noch, dass man mit Bio-Baumwolle die Welt retten kann, geht es jetzt verstärkt um Kreisläufe, Re- und Upcycling, innovative Materialien und Konsummodelle wie Leihen oder Tauschen. Daran richten wir auch Brands und Konferenzprogramm aus.

Grüne Marken bieten gerne Parkas und Bikinis aus alten PET-Flaschen, Teppichen oder Fischernetzen an. Kritiker wenden ein, dass die Herstellung aufwändig sei und das Material mitunter gesundheitlich bedenklich. Ein Irrweg?

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Ich glaube, dass der Weg richtig ist. Es dürfen keine neuen Ressourcen verschwendet werden, wir haben alles, was wir brauchen. Und davon mehr als genug. Jetzt müssen die Kreisläufe geschlossen werden. Das müssen wir schon beim Designprozess berücksichtigen. Wir müssen weniger und dafür hochwertigere Produkte herstellen und Recyclingprozesse sicherer und energieeffizienter gestalten. Ganz abgesehen davon, dass Single-Use Plastics keine Daseinsberechtigung haben.

Welchen Einfluss hat der Green New Deal, den Ursula von der Leyen ausgerufen hat? Ist das ein wichtiges Signal für die hiesige Modebranche?

2019 auszurufen, dass Europa bis 2050 klimaneutral werden soll … ganz ehrlich? Damit hätten wir früher anfangen müssen. Der Konsument ist da schon weiter: Teenager gehen freitags nicht mehr in die Schule, Menschen fragen nach, wollen Transparenz und Wandel. Nachhaltigkeit ist keine Kür mehr. Nachhaltigkeit ist Pflicht. Das ist mittlerweile auch in der Branche angekommen. Insofern ist der Green New Deal nur der offizielle Kick-off für eine überfällige Sache. Im Januar fand in Berlin die Neonyt, die Weltleitmesse für nachhaltige Mode, statt. Großes Thema: #fairbylaw – eine Petition für ein Lieferkettengesetz, das Lisa Jaspers von Folkdays initiiert hat und breite Unterstützung findet.

Mirjam Smend ist Gründerin der Münchner Messe und Konferenz Greenstyle. Die einzige Messe für nachhaltige Mode, auf die auch Endverbraucher dürfen, findet zweimal im Jahr statt, nächster Termin: 13. bis 15. März.
Bild: Cherie Birkner, Sustainable Fashion Matterz

Nennen Sie uns zwei, drei Marken, die Sie im vergangenen Jahr neu entdeckt haben.

Wirklich begeistert hat mich The Renewery. Die beiden Studentinnen Hannah Ernst und Leila Herrmann arbeiten Secondhandware zu zeitgeistigen Looks um und zeigen: Oft bedarf es nur einer kleine Änderung, um aus einem altmodischen Teil ein modernes zu machen. Auch sehr cool ist das Münchner Label AA Gold, das Zero Waste arbeitet. Oder aus Berlin Sam Lang – Wortspiel für langsam –, die genderneutrale Unisex-Fashion machen, ich liebe deren Bildsprache.

Sind genderneutrale Outfits im Kommen?

Definitiv, der Trend ist aber nicht neu. Das hat vor Jahren in der High Fashion angefangen und setzt sich nun in der Slow Fashion fort. Weniger Saisons, weniger Unterschiede, weniger Kleidungsstücke.

Die nächste Greenstyle findet vom 13. bis 15. März in München statt.