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13 August 2020 / Lesezeit: 2 minuten

Gastbeitrag

Stoppt die kulturelle Aneignung in der Mode!

Designerin Buki Akomolafe verwendet für ihre Stücke echte traditionelle Stoffe und Techniken, statt sie billig zu reproduzieren. Das ist aufwendiger und teurer – Mode, Handwerk und Tradition verdiene aber auch mehr Wertschätzung und einen fairen Preis.

Bild: Buki Akomolafe

Bild: Buki Akomolafe

Die Berliner Designerin Buki Akomolafe ärgert die oft gedankenlose Verwendung traditioneller Muster in der Mode. Sie erklärt, warum solche kurzfristigen Trends Diebstahl sind.

Ganz gleich, ob Fast Fashion oder Luxus – gerade in der Mode bedienen sich Labels und Designer*innen immer wieder traditioneller Handwerkskunst. Indem sie beispielsweise ihre Kleider, Blusen und Jacken mit bestimmten traditionellen Mustern verzieren. Grundsätzlich habe ich nichts dagegen. Im Gegenteil: Sichtbarkeit, Wertschätzung, kultureller Austausch sind wichtig – vor allem, weil Traditionelles oft auch abgewertet wird. Doch die allermeisten Unternehmen beschäftigen sich nicht mit den kulturellen Hintergründen oder arbeiten mit Künstler*innen und Handwerker*innen vor Ort zusammen, lassen sie partizipieren. Die Muster werden reproduziert und dann für einen kurzfristigen Trend, für noch mehr Konsum benutzt. Gerade sind Rauten, Zacken und Quasten gut fürs Geschäft, dann nehmen wir eben von irgendwem irgendetwas mit Rauten, Zacken und Quasten. Für mich ist das kulturelle Aneignung – und damit Diebstahl. Man nimmt, aber gibt im Gegenzug nichts zurück.

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Ausdruck der eigenen Identität

Für meine Stücke verwende ich eine spezielle Stepptechnik, inspiriert von einer Sufi-Gruppe im Senegal. Zudem verarbeite ich Aso Oke, einen Stoff, der traditionell auf Schmalbandwebstühlen in Nigeria hergestellt wird. Es war nicht einfach, Produzent*innen vor Ort zu finden, die die traditionellen Techniken noch beherrschen. China und andere Länder überschwemmen mit ihrer Billigware die afrikanischen Märkte und machen sie zusehends kaputt. Letztlich ist das auch eine Konsequenz unseres Konsumverhaltens. Immer muss alles verfügbar sein – kaum jemand denkt darüber nach, wie viel Arbeit in handgefertigten Stoffen steckt, wie viel Wissen, wie viel Gefühl, wie viel Geschichte. Und was wir alles verlieren, wenn wir so gedankenlos mit Mode, Handwerk und Tradition umgehen, nicht bereit sind, einen angemessenen, fairen Preis dafür zu bezahlen. Ich würde mir wünschen, dass wir uns besinnen: Kleidung nicht länger als Wegwerfware betrachten, sondern als Ausdruck der eigenen Persönlichkeit und Identität.

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Es gibt Tage, an denen bin ich schon auch zuversichtlich. Die Sensibilität für das Thema Cultural Appropriation steigt. Zum einen durch die aktuelle Black-Lives-Matter-Bewegung. Zum anderen durch die zunehmende Vernetzung von Designer*innen aus Afrika und der Diaspora. Ein Beispiel ist die Hamburger Plattform Fashion Africa Now, deren Betreiber*innen sich stark machen für mehr Sichtbarkeit, indem sie Artikel schreiben, Interviews geben, Ausstellungen organisieren, einen Raum öffnen für Debatten und Austausch auf Augenhöhe. Zudem sieht man in Magazinen zunehmend Arbeiten von afrikanischen Modemacher*innen und auch schwarze Models. Letztlich stellt sich aber immer die Frage, welche Haltung dahintersteckt. Ob es wirklich ernst gemeint ist oder wieder mal nur Mittel zum Zweck.“

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Aufgezeichnet von Heike Littger