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10 Oktober 2020 / Lesezeit: 3 minuten

Aus Kakteen, Kaffee und Wein

Sechs nachhaltige Leder-Alternativen

Echte Alternative: Kaktusleder, hier in Form einer Handtasche des Labels Desserto.

Bild: Desserto

Bild: Desserto

Für Leder sterben Tiere. Bei der Gerbung werden giftige Chemikalien eingesetzt und es wird viel Wasser verbraucht. Die Modeindustrie verwendet wegen zunehmender Kritik schon länger auch Kunstleder wie etwa PU. Auch wenn der Tierhautersatz preisgünstig ist, besteht er aus Plastik und ist damit schädlich für die Umwelt. Diese Materialien sind wirkliche Alternativen.

Organische und nachhaltige Ersatzmaterialien für tierisches Leder sind Kautschuk oder Kork. Aber auch aus Früchten wie Äpfeln und Ananas oder sogar aus Kakteen und Wein stellen Unternehmen lederähnliche Stoffe her. Wir stellen euch sechs echte Leder-Alternativen vor.

Kaktusleder

Dem mexikanischen Startup Desserto aus Mexiko ist es Ende 2019 gelungen, einen lederähnlichen Stoff aus dem dort heimischen Nopal-Kaktus herzustellen. Der Nopal-Kaktus findet sowohl in der mexikanischen Kosmetik, als auch in der mexikanischen Küche Verwendung. Er braucht wenig Wasser und ist durch seine regionale Verbreitung ein sehr nachhaltiges Material. Für die Herstellung des veganen Leders bringt Desserto die Nopal-Fasern auf Baumwolle an. Das Label gibt an, dass der Lederersatz bis zu zehn Jahre haltbar und atmungsaktiv ist: ein weiterer Vorteil gegenüber Kunstleder. 2020 erhielt Desserto für das Kaktusleder sowohl den Green Product Award für Material als auch den Nachhaltigkeitspreis auf der Monte-Carlo Fashion Week.

Ananasleder

Ananasleder wurde von der spanischen Designerin Carmen Hijosa erfunden: In ihrem Unternehmen Ananas Anam vertreibt sie Pinatex (Pina bedeutet auf spanisch Ananas, Anm. d. Redaktion). Der Stoff wird aus den Fasern der Ananas-Blätter hergestellt. Damit handelt es sich um ein eigentlich beim Anbau anfallendes Abfallprodukt, das durch die Verwendung als Stoff zu einer weiteren Einnahmequelle für lokale Bauern und Bäuerinnen wird. Zu den Kund*innen der Firma zählen sowohl nachhaltige Labels wie Nae, die daraus Schuhe herstellen, aber auch große Modefirmen wie Puma.

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Apfelleder

Als „Trester“ bezeichnet man die festen Rückstände, die nach dem Auspressen des Saftes von Obst und Gemüse zurückbleiben. Getrocknet werden die Reste zu einem feinen Pulver gemahlen. In einer Kunstlederfabrik in Florenz wird das Pulver mit anderen Zutaten – ein Lösungsmittel und ein biologisch abbaubarer Kunststoffersatz aus Milcheiweiß – vermischt und auf einen Stoffuntergrund aus Baumwolle aufgetragen. Nach weiteren Produktionsschritten, wie beispielsweise das Backen im Ofen, ist das Apfelleder in seinen Eigenschaften später kaum noch zu unterscheiden von Tier- oder Kunststoffleder.

Das nachhaltige Berliner Label Luckynelly verwendet Apfelleder etwa für seine Designertaschen und auch die Marke Armed Angels hat bereits Produkte daraus in ihre Kollektionen aufgenommen.

Kaffeeleder

Das Münchner Schuhlabel Nat-2 brachte 2018 Sneaker aus Kautschuk und „Kaffeeleder“ auf den Markt. Das Material besteht aus recycelten Kaffee, Kaffeebohnen und Kaffeeblättern. Das Material ist laut den Herstellern in Deutschland patentiert, die Schuhe werden in Italien hergestellt. Die Sneaker sollen angeblich sogar etwas nach Kaffee duften und haben einen Wildlederlook. Zuvor hatte das Label Nat-2 auch Pilzleder für seine Schuhe verwendet.

Pilzleder

Pilzleder wird von verschiedenen Firmen weltweit hergestellt. Unter dem Namen „Muskin“ etwa von der Firma Grado Zero Innovation, aber seit 2017 auch von dem deutschen Unternehmen Zvnder, das seinen Sitz in Berlin hat. Zvnder verwendet ausschließlich den sogenannten Zunderschwamm zur Herstellung ihres Ersatzleders, ein in Rumänien verbreiteter Baumpilz, also ein Parasit. Die Pilze werden vor Ort per Hand geerntet und laut dem Unternehmen vollständig und ohne jeden Einsatz von Chemikalien verarbeitet. Im Berliner Studio werden unter anderem Lederbörsen daraus hergestellt.

Weinleder

Das Label Vegea stellt unter anderem Weinleder her, natürlich in Italien. Strenggenommen wird das Material aber nicht aus Wein gewonnen, sondern ähnlich wie Apfelleder aus Trester, hierbei aber aus den Rückständen der Weintraubenernte. Auch hier wird ein Abfallprodukt verwertet, dass kein Wasser verbraucht und ohne Chemikalien auskommt. Designer Gianpiero Tessitore verwendet es für seine Möbel, denn natürlich sind alternative Ledermaterialen in ihrer Verarbeitung nicht nur auf Kleidung und Accessoires beschränkt. Zu den Kunden der Firma gehören bereits Marktgrößen wie H&M.

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Es gibt weiterhin Labels, die Leder-Alternativen aus vom Boden aufgesammelten Teakblättern, nachhaltig angebautem Eukalyptus, oder Baumrinde herstellen. Die Möglichkeiten scheinen unbegrenzt.