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17 Januar 2022 / Lesezeit: 15 minuten

Vegane Köchin Sophia Hoffmann

Transkript: Good News Podcast Folge 42

Sophia Hoffmann ist vegane Köchin, Autorin und Aktivistin. Sie veröffentlicht unter andem Kochbücher und setzt sich für den Klimaschutz und feministische Themen ein.

Hier findest du eine schriftliche Fassung der Podcastfolge 42 von „Good News“. In dieser Folge spricht die vegane Köchin, Autorin und Aktivistin Sophia Hoffmann mit uns darüber, warum sie sich für Feminismus und den Klimaschutz engagiert und warum es gar nicht so schwer ist, lecker und nachhaltig zu kochen.

Das Transkript soll den Podcast möglichst barrierefrei auch nicht-hörenden Menschen zugänglich machen. In dieser Folge spricht Good-News-Redakteur:innen Bianca Kriel mit der veganen Köchin, Autorin und Aktivistin Sophia Hoffmann.

Bianca: Hallo und herzlich willkommen zu Good News – gute Nachrichten und konstruktive Gespräche. Heute geht es um veganes Kochen, veganes Essen. Wir haben einen wunderbaren Gast zu Besuch Sophia Hoffmann, vegane Köchin, Aktivistin und Buchautorin. Bevor wir loslegen mit den guten Nachrichten, ein Hinweis in eigener Sache: Das enorm Magazin sucht eine:einen Social Media Redakteur:in für positive Geschichten. Außerdem sucht das enorm Magazin auch einen:eine Praktikant:in. Meldet euch, wir packen euch die Links in die Shownotes. Und jetzt der Gute-Nachrichten-Überblick.

Die Kegelrobbe galt in der Nordsee lange Zeit als ausgerottet. Doch seit der ersten erfassten Kegelrobbengeburt auf Helgoland im Winter 1996/97 steigt die Population dort stetig an. In der Wurfsaison 2021/22 wurden nun 669 Kegelrobbenbabys geboren – so viele wie nie zuvor.

Müll aufsammeln und Geld gewinnen – das können Nutzer:innen der britischen App „Litterlotto“: Wer auf Gehwegen oder Straßen Abfall aufsammelt und in öffentlichen Mülleimern entsorgt, kann ein Foto davon in die App laden und an der Lotterie teilnehmen.

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Vielerorts hat das Verkaufsverbot von Feuerwerk zu niedrigeren Feinstaubbleastungen geführt: In München etwa war die Feinstaubbelastung 94 Prozent niedriger als beim Jahreswechsel 2019/2020.

Fernsehgeschichte in Neuseeland – ein Meilenstein für alle Māori : Journalistin Oriini Kaipara moderiert als erste Frau mit einem traditionellen Māori-Gesichtstattoo die Abend-Nachrichten. Das Tattoo gilt bei den Māori als Zeichen für die körperliche Manifestation ihrer wahren Identität.

Seit dem 1.1.2022 kann in den Bordbistros der Deutschen Bahn neben Kuhmilch auch veganer Haferdrink zum Kaffee bestellt werden. Das Unternehmen will damit einen Beitrag zum Klimaschutz leisten – und der steigenden Nachfrage nach veganen Produkten gerecht werden.

Bianca: Mein Name ist Bianca, ich bin Redakteurin bei Good News und ich freue mich sehr, dass heute Sophia Hoffmann bei uns ist. Köchin, Aktivistin, Buchautorin, Podcasterin und wahrscheinlich noch vieles, vieles mehr. Herzlich willkommen, Sophia!

Sophia: Danke für die Einladung.

Bianca: Sehr schön, dass du da bist. Ich werde ganz am Anfang einen kurzen Transparenz-Disclaimer machen. Ich habe gesagt, du bist auch Buchautorin und unsere Unternehmensschwester GoodBuy, zu der wir unternehmerisch gehören, verkauft auch deine Bücher. An dieser Stelle: Wir kriegen keine Provision. Dieses Interview ist einfach journalistische Neugier, weil wir wissen wollten, wer du bist, was dich umtreibt und was du vorhast.

Sophia: Juhu!

Auch auf enorm: Enorm Poesiealbum: Zwölf Fragen an Sophia Hoffmann

Bianca: Meine erste Frage Sophia, was hast du heute gekocht? Oder ist die Frage zu intim?

Sophia: Ich habe heute noch gar nichts gekocht. Ich habe tatsächlich relativ spät gefrühstückt, weil ich gestern sehr spät Abend gegessen habe. Ich kann dir sagen, was ich gestern Abend gekocht habe, aber heute habe ich bis jetzt nur belegte Brote gegessen. Genau. Gestern Abend gab es was Schnelles, weil ich sehr viel arbeite diese Woche und da habe ich Nudeln gemacht und habe eine Sauce gemacht aus gebratenem Radiccio und Walnüssen und ein bisschen pflanzlicher Sahne… und einem Rest Wein, der noch rumstand.

Bianca: Klingt gut! Du schreibst in deinem Buch Die kleine Hoffmann, wenn mich nicht alles täuscht, kam das 2021 raus, im ZS Verlag, da schreibst du, wenn dich jemand fragt, wie du zum beruflichen Kochen gekommen bist, dann stellst du die Gegenfrage, wie viel Zeit der die Fragende hat. Ich habe Zeit und frage dich: Wie bist du zum beruflichen Kochen gekommen?

Sophia: Tja, das ist ganz spannend, weil ich wirklich… dieses Buch bildet ja auch so ein bisschen, da bin ich auch selber so ein bisschen auf den Grund gegangen, das bildet ja alles ab, was ich so – also ich koch seit 10 Jahren beruflich, ich habe das vor 10 Jahren zu einem Beruf gemacht – alles was ich in diesen 10 Jahren gelernt habe. Und da habe ich eben selber viel hinterfragt, weil ich eigentlich schon immer diese Leidenschaft fürs Kochen hatte und auch das Glück hatte, das eben zu Hause sehr mitzubekommen, auch einen Vater hatte, der sehr leidenschaftlich gekocht hat, eine Mutter, die sehr leidenschaftlich gebacken hat und ich wirklich schon als Kind und im Teenageralter mir Kochbücher gewünscht habe. Ich habe, ich habe wirklich proaktiv mich in die Küche gestellt und ich finde es eigentlich sehr verwunderlich – und ich habe auch als Teenager schon angefangen, in der Gastro zu jobben –, dass ich das sehr lange nicht als Beruf in Betracht gezogen habe. Und darüber habe ich natürlich viel nachgedacht, weil es einerseits nicht so als Berufsbahn irgendwie vorgesehen war, vielleicht auch, weil ich Abi gemacht habe und vielleicht hätte studieren sollen oder so. Aber natürlich auch als Frau, ne.

Ich hatte einfach keine Vorbilder damals, muss ich ganz klar sagen, es ist mir überhaupt nicht in den Sinn gekommen und ich finde es super schade, weil, vielleicht hätte ich es auch schon zehn Jahre früher machen können. Und ich habe dann eben mit Anfang 30 – diese Liebe ist wieder aufgeflammt oder sie war irgendwie immer im Hintergrund da –  und ich hatte mich damals schon selbstständig gemacht als freie Journalistin und war DJ. Ich habe zehn Jahre so aufgelegt, viel im Nachtleben gearbeitet und habe dann so langsam ein bisschen genug vom Nachtleben gehabt und habe auch so ein bisschen auf diese Kochthemen übergeschwenkt und habe sozusagen meinen  Zweitjob auch genutzt, um mehr über Kochen zu schreiben. Und so ging das dann Hand in Hand. Aber ab einem bestimmten Punkt war es natürlich eine ganz bewusste Entscheidung zu sagen: Okay, ich will das jetzt auch ordentlich lernen. Habe wieder angefangen in Restaurants zu arbeiten, Praktika zu machen, Weiterbildungen zu machen und mich da wirklich zu professionalisieren. Und der Fakt, dass ich heute auch Kochbücher schreibe, kommt sicher auch daher, dass ich schon immer gern und ganz gut geschrieben habe.

Bianca: Ja, du sagst, ein Grund, warum du vielleicht nicht früher das berufliche Kochen für dich entdeckt hast, sei dass dir einfach auch die weiblichen Vorbilder dazu gefehlt haben. Du sagst auch Representation matters in der Küche. Ich kann mir das nicht ganz erklären, woher das kommt. Das klassische sozialisierte patriarchale Rollenbild der Frau ja doch auch ist, am heimischen Herd zu kochen. Wie kommt das, dass es aber dann proportional weniger Frauen im beruflichen Kontext am Herd gibt? Hast du da eine Erklärung für?

Sophia: Ich habe mich da die letzten Jahre viel damit auseinandergesetzt, auch mit anderen Frauen und auch in Netzwerken damit auseinandergesetzt. Und ich glaube, das kann man historisch ganz klar so begründen. Das war ja so im 19. Jahrhundert, dass diese moderne, so die Escoffier-Küche, die professionalisierte Küche, so ein Ding wurde. Diese strengen Hierarchien, die man so kennt mit den verschiedenen Positionen in so großen Küchen und wie soll ich sagen, dass das schon fast was militaristisches teilweise gehabt hat und das war eben sehr, wurde dann immer mehr auch zu einem männerdominierten Beruf. Es gab auch historisch gesehen früher mehr Köche als Köchinnen und gleichzeitig natürlich der Fakt, dass diese Branche zumindest so wie sie im Großteil aktuell noch ist, nicht sehr familienfreundlich ist. Also, dass einfach viele und es ist halt oft so, dass dann die Männer, die in der Küche arbeiten oder irgendwelche berühmten Köche, die vielleicht Familie haben können, das nur schaffen, weil die Frauen sich zu Hause um die Kinder kümmern. Und ich finde ja die Zukunftsvision sollte ja sein, dass man eine Gastronomie gestaltet, die für alle Menschen familienfreundlicher ist. Aber das sind ganz klar die Gründe. Und weil du sagtest Repräsentation matters: Also wir planen ja zum Beispiel ein Restaurant zu eröffnen. Und es gibt sehr viele Frauen, die in der Gastro arbeiten, aber die eben zum Beispiel kein Restaurant führen, die dann vielleicht Catering machen, weil es besser mit Familie vereinbar ist, die vielleicht Streetfood machen. Ich habe auch erlebt, dass es eben sehr viele Quereinsteigerinnen gibt, weil diese Branche, weil diese Ausbildung auch so einen negativen Ruf hat mit Sexismus und so weiter, die sich dann ihren eigenen Weg in diesen Bereich suchen. Und dafür kriegst du halt nicht diese Kredibilität, die du jetzt mit einem Restaurant bekommst, wo du vielleicht einen Stern bekommst. Also das hat schon viel auch mit Sichtbarkeit zu tun und mit den Umständen. Aber ich merke ganz klar, dass sich da zum Glück seit Jahren auch schon was verändert.

Bianca: Du sprichst das Restaurant an, dass du planst zu eröffnen. Hoffentlich 2022? Ich weiß es nicht. Ich habe auf deinem Insta-Feed gehört, in einem Live-Video, dass ihr noch eine Räumlichkeit sucht in Berlin. Magst du uns was über euer Vorhaben erzählen, über euer Restaurant.

Sophia: Ja, so gerne. Also es ist wirklich, das ist schon auf jeden Fall ein Lebenstraum von mir. Und ich habe in den letzten zehn Jahren auch sehr vielen Freunden und Freundinnen geholfen, Läden mit aufzusperren, teilweise auch wieder mit zuzusperren. Also, ich habe einfach noch nie selber diese Verantwortung übernommen und ich habe immer gesagt, ich mache das nur, wenn ich da die passende Person dazu finde, so Partner in Crime. Und das ist Nina Petersen, die habe ich 2017 kennengelernt. Ist auch schon eine Weile her, weil sie damals für restlos glücklich ehrenamtlich gearbeitet hat. Ein Verein, der sich eben auch gegen Lebensmittelverschwendung engagiert. Und wir haben einfach sehr schnell geklickt. Und wir haben sehr schnell festgestellt, dass wir beide diesen Traum haben und den vielleicht zusammen verwirklichen könnten. Na ja, und seitdem gibt es diese Idee. Und dann ist Nina noch Mama geworden 2018. Ich sag mal, das kam noch so dazwischen. Und dann hat, ja hat sich das alles ein bisschen verzögert. Und dann kam Corona und wir waren halt zum Glück noch nicht weiter, sage ich aus heutiger Perspektive und hatten auch die Möglichkeit das so nach hinten zu schieben, dass wir noch andere Einkommensquellen haben konnten. Und natürlich im Nachhinein betrachtet, also auch für Nina waren die letzten zwei Jahre einfach mit fast keiner Kinderbetreuung und so. Also, es wäre eine Katastrophe gewesen. Und so hatten wir das große Glück, dass wir noch nichts gegründet hatten und haben uns im letzten Jahr sehr viel schon hinter den Kulissen mit dem Projekt beschäftigt, also haben einen ganz umfangreichen Businessplan geschrieben, haben unsere Finanzplanung vorangetrieben, haben ein Branding gemacht, arbeiten an der Webseite und haben wirklich auch schon ganz viele Kooperationspartner und Partnerinnen, mit denen wir da arbeiten wollen. Und jetzt ist quasi der nächste Schritt, einen Standort zu finden, natürlich auch eine große Herausforderung. Aber ich denke, so langsam wird es Zeit und dieses Jahr trauen wir uns. Aber deshalb kann ich natürlich jetzt noch überhaupt kein Datum nennen, weil ja, es steht und fällt mit dem Ort.

Bianca: Du siehst, ich lese gerade dein Buch Die kleine Hoffmann. Darauf komme ich auch noch mal zu sprechen. Da sagst du, dass du so zu 95 Prozent Veganerin bist. Wie bist du vegan geworden? Wie war dein Weg dahin?

Sophia: Ich war als Teenager schon mal Vegetarierin. Also früher hatte ich auch vegan gar nicht auf dem Schirm. Da war ich nur so Fleisch und kein Fleisch und so. Ich glaube, das ging vielen Menschen so. Da gab es sehr wenige Veganer:innen und und dann hatte ich aber in meinen Zwanzigern wieder so eine Phase, wo ich alles gegessen habe und irgendwie so ein bisschen so eine ich sag mal „Scheiß-drauf-Mentalität“, so Verdrängung, würde ich sagen. Und dann wurde es über die Jahre immer weniger, immer weniger. Und ich glaube auch 2010 habe ich einen Artikel, das erinnere ich mich noch, in der Süddeutschen Zeitung gelesen und da ging es das erste Mal um diesen Kontext von Klimakrise und CO₂-Ausstoß und Tierhaltung und so. Das war wirklich was, das wusste ich einfach nicht davor. Und das war dann noch mal so ein zusätzlicher Faktor. Und genau, und dann bin ich da tiefer eingetaucht. Und ich bin auch was das Kochen angeht, einfach ein neugieriger Mensch und fand es eigentlich jetzt nie irgendwie einschränkend, sondern eher eine spannende Herausforderung, mich da einzuarbeiten und vegan zu kochen. Und genau und so hat sich das entwickelt. Und ich, wie gesagt, ich glaube, ich bin einfach nicht so ein dogmatischer Mensch, dass ich sagen würde, ich bin 100 Prozent vegan. Ich mache immer wieder Ausnahmen, wenn ich auf Reisen bin, wenn ich einfach in einer Situation bin, wo mir jemand aus Gastfreundschaft – ich esse kein Fleisch – aber wo mir jemand was anbietet oder was weiß ich. Ich habe Freunde, die haben Hühner im Garten, die auch nicht geschlachtet werden. Da esse ich mal ein Ei oder so. Wenn ich tierische Produkte esse, dann wahnsinnig reduziert und nur wenn ich weiß, wo es herkommt. Aber genau das ist halt so mein Approach, damit umzugehen. Ich glaube, ich bin ja auch viel so in dieser veganen Szene, sag ich jetzt mal, unterwegs und ich finde, nach meiner Erfahrung bringt es auch nichts, wenn man jetzt irgendwie auch zu anderen so super streng ist. Ich sage immer, ich freue mich über jedes Schnitzel weniger, das gegessen wird und findet einfach allgemein wichtig, dass so ein Umdenken stattfindet.

Bianca: Gerade im Januar werden hoffentlich weniger Schnitzel gegessen. Es ist ja mal wieder „Veganuary” – das ist wirklich  ein umständliches Wort. Ich habe gelesen, dass sich um die 580.000 Menschen über die Plattform angemeldet haben. Wahrscheinlich werden noch viele, viele mehr mitmachen, ohne sich angemeldet zu haben bei dieser Aktion. Und es gibt bestimmt auch jetzt Leute, die zuhören und gerade zum allerersten Mal vielleicht vegan kochen, vegan leben. Hast du da als erfahrene Köchin und selber Veganerin vielleicht Tipps und Tricks auf Lager, wie einem vielleicht diese Umstellung leichter fällt?

Sophia: Also ich habe ja zum Glück ein paar Bücher geschrieben, die kann man natürlich viel selbst Tricks nachlesen. Nein, aber ich glaube auch da würde ich sagen: Ich glaube, man muss keine Angst davor haben, jetzt irgendwie alles von heute auf morgen richtig zu machen, sondern man sollte vielleicht sich am Anfang, vielleicht auch mit bestimmten Bereichen beschäftigen. Ich kenne zum Beispiel total viele Menschen, die jetzt nicht komplett vegan sind, aber die irgendwann aufgehört haben, Kuhmilch im Kaffee zu trinken, weil sie einfach gesagt haben: Okay, es gibt so viele pflanzliche Milchalternativen und mir schmeckt es mit Hafermilch oder so. Also einfach mal sich so einzelne Komponenten schon mal ersetzen oder vielleicht mal einen Joghurt kaufen, der auf Pflanzenbasis ist und einfach auch mit einer Neugierde Sachen ausprobieren. Und was ich halt so im nächsten Schritt dann auch versuche zu erklären, auch jetzt in meinem aktuellen Buch gibt es ja auch ein Kapitel nur übers Würzen, zum Beispiel, dass dieser Fehlglaube, dass man jetzt 20.000 Ersatzprodukte kaufen soll. Da gibt es natürlich einen riesen Markt dafür. Und ich freue mich, dass es diese Produkte gibt. Weil ganz ehrlich, jedes Schnitzel, das aus Pflanzen ist, ist besser fürs Klima als eins aus Tier. Es ist ja auch eine riesen Klimathema. Aber über die Zeit kann man auch lernen, dass man das ganz viel einfach mit Geschmäckern, mit würzen, mit Röstaromen, mit solchen Sachen herstellen kann. Und wenn man so ein paar Basics sich mal aneignet, dann ist es einfach super leicht vegan zu kochen, echt nicht schwer.

Bianca: Man hat mir vor Jahren mal vorgeworfen, ich hätte einen Kindergeschmack was Essen angeht. Ich nehme das jetzt erst mal nicht als Beleidigung, weil vielleicht wissen Kinder ja sehr gut, was ihnen gerade gut tut.

Sophia: Bestimmt!

Bianca: Oder? Ich habe mich aber dann gefragt, inwiefern, sagen wir jetzt mal, jemand, der entschlossen ist, seine Ernährung umzustellen und vielleicht neue Geschmacksrichtungen auch zu erkunden, ich habe mich gefragt, inwiefern man seinen Geschmack, aber auch wirklich seinen Geschmackssinn umtrainieren kann oder ob das so tief verwurzelt ist in emotionalen Kindheitserfahrungen, dass man da vielleicht ein bisschen unflexibel ist. Was denkst du denn?

Sophia: Also ich glaube ganz fest, der Mensch ist ein Gewohnheitstier und wir sind alle mit tierischen Geschmäckern, sage ich jetzt mal, oder Produkten aufgewachsen. Und deshalb muss ich auch sagen: Also auch wenn ich sage, ich brauche das jetzt für mein Kochen nicht so, das ist vielleicht ein bisschen fortgeschrittener, finde ich zum Beispiel, dass diese Ersatzprodukte eine totale Daseinsberechtigung haben, weil sie ganz vielen Menschen auch eben helfen. Und es gibt ja manche, die sind ja wirklich täuschend echt. Mein Freund steht da auch ein bisschen mehr drauf als ich, also irgendwelche Nuggets oder irgendwelche Würstchen oder Burger oder so, why not? Ja und aber es gibt ganz spannende Beispiele. Also ich für mich ist so das prominenteste Beispiel. Soja zum Beispiel, also Sojamilch, Sojajoghurt oder Tofu. Das Soja hat einen eigenen Geschmack, so einen bestimmten. Und ich glaube, das ist was, womit wir rein kulturell überhaupt nicht aufwachsen. Und zum Beispiel, wenn du in asiatischen Ländern einfach das von klein auf gewohnt bist, dann ist das für dich wahrscheinlich wie der Geschmack von Kuhmilch. Das hat schon sehr stark mit Prägung zu tun und ich glaube, am Ende ist es so eine Mischung. Ich glaube, manche Sachen kann man easy geschmacklich so nachbauen, sag ich jetzt mal, dass diese Befriedigung, diese emotionale Befriedigung auch irgendwie erfolgt. Und an manche Sachen muss man sich vielleicht erst gewöhnen, aber ich glaube, es ist grundsätzlich keine schlechte Idee, da auch ein bisschen offen zu sein und immer mal wieder was auszuprobieren beim Essen.

Bianca: Du hast gerade die emotionale Befriedigung von Essen angesprochen. Du hast, ich glaube in deiner Einleitung in Die kleine Hoffmann geschrieben, dass vor allem weibliche Personen dazu tendieren emotional eating zu betreiben. Was meinst du damit genau?

Sophia: Na ja, was ich angeschnitten habe in meinem Buch grundsätzlich, ist das Thema Essverhalten. Also ich weiß nicht wie es dir geht, aber ich kenne fast keine weiblich gelesene Person in meinem Umfeld, die nicht an irgendeinem Punkt in ihrem Leben, muss jetzt ja nicht gleich eine Essstörung gewesen sein, aber schon mal irgendwie eine Diät gemacht hat und sich Gedanken über ihr Gewicht gemacht hat und und irgendwie in größerem oder oder kleinerem Maße irgendwie ein gestörtes Verhältnis zu Essen hatte. Ich bin immer wieder schockiert, weil ich dann oft auch bei Menschen, wo ich denke: Ach schau mal, bei der habe ich so den Eindruck, die hat so ein gutes Gefühl mit ihrem Körper. Fast jede Frau, die ich treffe, hat irgendwie so eine Story und das ist natürlich was Gesellschaftliches. Und genau, und ich habe das im Buch eben auch ein bisschen angeschnitten. Ich bin mit Anfang zwanzig auch sehr, sehr knapp an einer Essstörung vorbeigeschlittert und hatte sicherlich auch viele Jahre ein sehr ungesundes Essverhalten. Und genau, emotional eating kann ja auch was total Positives sein, aber jetzt im negativen Sinne ist es einfach, ähm ja, es kann eine Kompensation sein irgendwie oder Essensentzug. Ich finde es ist einfach auch ein ganz wichtiger Teil. Wenn wir vom Thema Kochen reden, müssen wir auch vom Essen reden und manchmal muss es gar nicht jetzt so in Richtung Diätkultur gehen. Aber manchmal, was ich sehr einschneidend fand, eine befreundete Heilpraktikerin hat diesen Satz zu mir gesagt, die meinte, viele Menschen hätten weniger gesundheitliche Probleme, wenn sie mehr kauen würden und alleine sich diese Zeit nehmen fürs Essen. Vielleicht nicht im Gehen essen, sich mal hinsetzen, bewusst essen, aber das macht schon einen riesen Unterschied. Und da gibt es natürlich auch ganz viele Faktoren in unserem sehr schnellen Leben, die das so begünstigen und ja, das einfach mal so ins Gedächtnis rufen und auch vielleicht ein bisschen drüber nachdenken, wie so das eigene Essverhalten ist, glaube ich, ist auch ganz wichtig.

Bianca: Du hast mir auch ganz persönlich wichtige Denkanstöße gegeben in deinem Buch. Ich oute mich hier als ungeübte Köchin und du, ich weiß nicht mehr genau, was die Frage war, aber die Frage zielte darauf hinaus: Wie bist du denn aufgewachsen? Welchen Stellenwert hatte das Kochen in deiner Familie? Und bei mir war es so, dass meine Mutter war alleinerziehend und das Kochen, das Zubereiten, das Besorgen, das Aufräumen war halt immer noch so ein Punkt am Ende des Tages, der noch so abgehakt werden musste. Und diese Frage, die du da eben gestellt hast, welchen Stellenwert das hatte und so küchentischpsychologisch banal das jetzt klingt, hat mir auf jeden Fall eine Erklärung gegeben, warum ich jetzt das oft so als Bürde sehe am Ende des Tages eben auch noch für mein Kind und mich zu kochen und Stress und was weiß ich. Und dieser eine Satz aus deinem Buch, das hat mich wirklich, wirklich berührt. Aus frischen, gesunden Zutaten leckere Speisen zubereiten zu können, ist ein Privileg und keine Strafe. Klar, intellektuell, ich weiß, ich lebe in dieser privilegierten – in meiner Welt bin ich privilegiert. Ich habe Zugang zu frischem Essen. Und doch ist es eben negativ konnotiert, das zuzubereiten. Und ich habe mir jetzt dein Buch genommen und möchte damit, wie ja auch der Untertitel ist, einfach intuitiv kochen lernen. Und ich werde das jetzt angehen. Ich bin noch in der intellektuellen Phase des Lesens, des Anfangs, aber ich bin sehr gespannt, wohin mich das bringt. Ja, hier schon mal eine kleine Buchempfehlung am Rande. Ich kann es total empfehlen.

Sophia: Also das freut mich total zu hören, weil das ist ja auch eine ganz wichtige Botschaft von diesem Buch. Also auch dieses es ist nie zu spät, man kann immer diese Freude dazu finden und das, was du gerade beschrieben hast, also das Beispiel zum Beispiel mit der alleinerziehenden Mutter, was ich eben auch versuche immer wieder aufzugreifen, ist natürlich auch diese, wie soll ich sagen, diese Wirtschaftskraft, die dahinter steckt, also dass so ein bisschen zu entlarven, wie viele Leute auch Interesse daran haben, dass man fertiges Essen kauft. Und ich rede jetzt nicht von der Gastronomie, die in Coronazeiten to go macht, finde ich auch super, sondern einfach von Lebensmittelproduzenten, die halt Fertiggerichte machen. Wir sind einfach extrem auch manipuliert. Und das, das will ich einerseits so ein bisschen sichtbar machen und natürlich auch, also um dann zum nächsten Punkt zu kommen, wie viel Spaß das macht, wenn man es mal angeht. Und was einem das zurückgibt, und das ist ja auch das, warum ich das beruflich mache.

Bianca: Ich glaube, ich habe das am Anfang nicht genug betont. Du bist eine vegan kochende Person. Der Schwerpunkt liegt auf pflanzlichem Essen. Ich habe mal gelesen, dass es jetzt so eine Hochrechnung gibt: Wenn wir alle global vegan leben würden, dann hätten wir eine 66-prozentige Chance, bis 2050 die Erderwärmung zu stoppen bis 1,5 Grad. Ich fand das unglaublich. Allein dadurch, dass wir und – nicht allein das klingt nach was Kleinem, so meine ich es nicht – aber wenn wir alle vegan leben würden, hätten wir den Großteil der Krise gebannt.

Sophia: Absolut. Ich meine, das ist natürlich eine sehr unrealistische, ja, ich wollte jetzt schon sagen Dystopie, nein Utopie, aber, aber ja. Ich finde es im Umkehrschluss eigentlich immer noch unglaublich, wie, wie wenig, also wie viel mehr eigentlich im Kontext mit der Klimakrise noch mehr über den Verzehr tierischer Produkte gesprochen werden sollte. Na also, schön langsam passiert es am Rande, aber wenn man sich überlegt, was das für einen Impact hat. Aber es ist auch nicht verwunderlich. Es steckt halt eine sehr große Industrie dahinter, die das sehr proaktiv versucht zu vertuschen. Und das fängt schon an mit: Das hat man vielleicht schon mal mitbekommen, dass irgendwie Hersteller von pflanzlichen Produkten mit irgendwelchen Klagen gepiesackt werden, weil sie irgendwas so und so nennen wollen. Also das ist alles Lobbyismus. Und da arbeiten einfach sehr viele Menschen und verdienen da sehr viel Geld dran. Aber ja, es ist verrückt!

Bianca: Wenn du sagst Namen, die dann verklagt werden. Ist es so ein Zusammenhang wie zum Beispiel mit Hafermilch, Hafer Drink? Ist das sowas genau?

Sophia: Also ich kenne ziemlich viele Hersteller, Herstellerinnen die einfach in den letzten Jahren immer wieder Klagen am Hals hatten, die die irgendwie nicht „Cheese” nennen durften oder was weiß ich. Und also denen wirklich proaktiv das Leben schwer gemacht wird. Obwohl natürlich es dann auch die Beispiele der Zimtschnecken und der Kokosmilch und so weiter gibt. Und natürlich muss man auch sagen, dass nach deutschem Lebensmittelrecht selbst in der Rindersalami so und so viel Schweinefleisch drin sein darf. Also da geht es um Macht, da geht es um Marktanteile. Aber zum Glück erlebe ich langsam, oder habe ich auch mitbekommen, dass diese Unternehmen sich jetzt langsam auch so ein bisschen zu einer Lobby formen, weil das ja auch ein wachsender Markt ist. Aber, was ich damit nur sagen will, ist, es gibt halt wahnsinnig viel Widerstand gegen diese Entwicklung. Wobei natürlich man jetzt auch sieht, dass auch schon große Hersteller, ich will jetzt keine Namen nennen, aber auch auf den Zug aufspringen, aber der Weg dorthin zu mehr Pflanzennahrung ist natürlich immer noch ein weiter.

Bianca: Und was könnte jede einzelne von uns tun, um diesen Weg voranzutreiben?

Sophia: Vegan leben? Nein, aber wie gesagt, vielleicht einfach mal wirklich mit einzelnen Bereichen anfangen. Und mir ist schon auch der ethische Faktor ganz wichtig. Also, ich finde und das war sicherlich damals auch einer der Beweggründe, die Art und Weise, wie wir Tiere industrialisieren, ist für mich so unethisch und ich glaube, ganz ganz viele Menschen unterschreiben das, aber verdrängen das bis zu einem gewissen Grad. Und wenn man sich zum Beispiel mal damit auseinandersetzt, wie  sogenannte Nutztiere, wie diese in ihrem natürlichen Umfeld sind. Also, wenn man jetzt auf einen Lebenshof geht oder so. Und man sieht einfach mal wie eine Kuh auf der Wiese herumspringt, wenn sie nicht eingesperrt ist oder ein Schwein, dann siehst du da keinen Unterschied mehr zu einem Hund. Die haben auch ein Sozialverhalten, wollen kuscheln und so. Und das ist für mich so, das war einfach eine persönliche Entscheidung. Ich will einfach keine anderen Lebewesen essen.

Bianca: Ich finde das ist ein wunderbares Schlusswort. Vielen Dank, Sophia!

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