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10 September 2020 / Lesezeit: 4 minuten

Staatliches Textilsiegel für Nachhaltigkeit

Grüner Knopf für faire Mode

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Die Arbeitsbedingungen für Näherinnen weltweit zu verbessern – auch darum geht es beim Grünen Knopf

Bild: Michael Gottschalk / photothek.net

Bild: Michael Gottschalk / photothek.net

Mehr Nachhaltigkeit in der Textilbranche ist möglich. Voraussetzung dafür sind Hersteller, die höhere ökologische und soziale Standards einhalten, sowie Verbraucherinnen und Verbraucher, die Wert auf umweltschonend und fair hergestellte Produkte legen. Umfragen zeigen: Hier tut sich etwas. Das staatliche Siegel „Grüner Knopf“ fördert diese Entwicklung, indem es nachhaltig produzierte Textilien ausweist und so Orientierung beim Einkauf gibt

Laut einem Bericht der Ellen McArthur Foundation (2017) trägt die Textilbranche massiv zur globalen Umweltverschmutzung bei. So verbraucht sie zum Beispiel 98 Millionen Tonnen nicht erneuerbare Ressourcen pro Jahr – einschließlich Öl zur Herstellung synthetischer Fasern, Düngemittel für den Baumwollanbau und Chemikalien zur Herstellung, Färbung und Veredelung von Fasern und Textilien. Rund 20 Prozent der Wasserverschmutzung durch industrielle Abflüsse geht auf die Färbe- und Veredelungsprozesse bei der Textilherstellung zurück. Hinzu kommen zum Teil immer noch vorherrschende soziale Ungerechtigkeiten in der Produktion: Näherinnen verdienen viel zu wenig und arbeiten unter teilweise menschenunwürdigen Bedingungen in teils einsturzgefährdeten Fabriken.

Hier muss sich dringend etwas tun. Dass der Wandel eine Chance hat, zeigen aktuelle Umfragen: 73 Prozent aller Mode-Hersteller betrachten die Nachhaltigkeit ihrer Produktion als „das drängendste Thema unserer Zeit“ – entsprechend ist sie in den meisten Unternehmen längst Chefsache. Auch die Verbraucherinnen und Verbraucher zeigen beim Thema Nachhaltigkeit eine steigende Sensibilität: Drei Viertel legen grundsätzlich Wert auf nachhaltig produzierte Kleidung, 69 Prozent sind bereit, dafür etwas tiefer in die Tasche zu greifen.

Orientierung beim Einkauf

Was sich in Umfragen aber auch zeigt: Die Konsumentinnen und Konsumenten benötigen beim Einkauf – ob online oder in den Geschäften – zuverlässige Orientierungshilfen, um nachhaltige Kaufentscheidungen zu treffen. Zwar existiert bereits eine Reihe von Siegeln und viele Modemarken weisen gar unternehmenseigene spezielle Nachhaltigkeits-Kollektionen aus. Doch Nachhaltigkeit ist kein geschützter Begriff und für Verbraucherinnen und Verbraucher ist es schier unmöglich, zuverlässig zu erkennen: Wofür genau stehen diese Siegel? Wird die Einhaltung der Standards auch unabhängig und regelmäßig überprüft?

Drei Viertel der Verbraucherinnen und Verbraucher legen Wert auf Nachhaltigkeit, und immer mehr wollen auch sicher sein, dass ihre Kleidung unter fairen Bedingungen produziert wurde (Bild: Tham KC / Adobe Stock)

Der „Grüne Knopf“ ist vor rund einem Jahr angetreten, um hier Orientierung zu geben. Initiator ist das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ). Der Staat selbst legt insgesamt 46 anspruchsvolle Kriterien fest, deren Einhaltung von unabhängigen Prüfern kontrolliert wird. Konsumentinnen und Konsumenten schenken dem staatlichen Grünen Knopf daher ein besonders großes Vertrauen, wie aktuelle Umfragen zeigen. Über 70 Prozent halten den Grünen Knopf für ein vertrauenswürdiges Siegel und sogar mehr als 90 Prozent sind der Meinung, dass die Bundesregierung mittels staatlicher Siegel soziale und ökologische Standards überprüfen sollte.

Keine Chance für Greenwashing

Das Zertifikat erhalten Produkte nur dann, wenn ihre Herstellung 26 sozialen und ökologischen Anforderungen gerecht wird: Von A wie Abwassergrenzwerte bis Z wie Zwangsarbeitsverbot. Der Grüne Knopf bescheinigt also gleichzeitig hohe Umweltstandards und gute Arbeitsbedingungen. Unternehmen müssen nachweisen, dass beispielsweise schriftliche Arbeitsverträge vorliegen, Mindestlöhne gezahlt und giftige Chemikalien verbannt werden.

Der Grüne Knopf hat aber nicht nur einzelne Produkte im Blick, sondern prüft darüber hinaus auch die Verantwortung des ganzen Unternehmens. Einzelne Vorzeigeprodukte reichen nicht. Entlang von zusätzlich 20 Unternehmenskriterien müssen Hersteller belegen, dass sie Verantwortung für ihre Lieferketten übernehmen, Risiken kennen und durch geeignete Maßnahmen negative Auswirkungen der eigenen Geschäftstätigkeit minimieren. Grundlage dafür sind die „Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte“ der Vereinten Nationen sowie die Empfehlungen der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) für den Textilsektor. Diese umfangreiche Kontrolle der unternehmerischen Sorgfaltspflicht entlang der gesamten Lieferkette durch unabhängige Prüfstellen ist ein echtes Novum.

Der Grüne Knopf weist Textilien aus, deren sozial- und umweltverträgliche Herstellungsweise geprüft wurde. Das Siegel ist direkt am Produkt angebracht, beim Einkauf also leicht zu finden
(Bild: Grüner Knopf)

Seit dem Start im September 2019 haben sich bereits über 50 Unternehmen prüfen lassen. Sie zeigen, dass ein nachhaltiges Lieferketten-Management funktionieren kann. Auffallend ist die große Bandbreite der Beteiligten: Dabei sind Discounter und Ketten, aber auch Nachhaltigkeits-Vorreiter sowie eine Reihe mittelständischer Textilhersteller und Start-ups. Und genau diese Vielfalt ist erwünscht. Der Grüne Knopf versteht sich als Siegel, das in allen Preisklassen und Segmenten zu finden ist: vom Babystrampler über den Blaumann bis zum Abendkleid; von Outdoor-Ausrüstung über Fußball-Fan-Artikel bis zu Heimtextilien wie Tischdecken, Handtücher und Bettzeug.

Das Ziel: Nachhaltige Lieferketten von der Faser bis zur Verwertung

Bisher beziehen sich die Kriterien des Siegels auf die Produktionsstufen „Zuschneiden und Nähen“ sowie „Bleichen und Färben“. Die Herausforderungen sind in diesen beiden Bereichen besonders groß. Schrittweise werden die Anforderungen und auch die Lieferkettenstufen ausgeweitet, zum Beispiel auf die Arbeitsschritte „Weben und Spinnen“ sowie „Baumwollanbau und Faserproduktion“. Auch die unternehmens- und produktbezogenen Kriterien werden stetig weiterentwickelt. So sollen aus Mindestlöhnen schrittweise existenzsichernde Löhne werden. Denn das Siegel hat sich ein großes Ziel gesetzt: den Schutz von Mensch und Umwelt in der gesamten Textil-Lieferkette.

Der Grüne Knopf zeigt: Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg. Textilunternehmen können ebenso zum nachhaltigen Wandel der Globalisierung beitragen wie die Verbraucherinnen und Verbraucher. Pro Jahr kauft jede und jeder Deutsche im Durchschnitt 60 Kleidungsstücke. Verschmutzen diese weniger die Umwelt und erhalten die Menschen in der Herstellung soziale Arbeitsbedingungen und einen gerechten Lohn, ist schon viel gewonnen.

Grüner Knopf

Der Grüne Knopf wurde als staatliches Textilsiegel am 9. September 2019 eingeführt. Das Label wurde durch das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) in Zusammenarbeit mit der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) entwickelt.

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