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3 January 2017 / Lesezeit: 2 minuten

„Lucky Iron Fish Project“

Dieser Fisch hilft bei Eisenmangel

Zehn Minuten muss der Lucky Iron Fish unter Zugabe von Zitronensaft beim Zubereiten des Essens mitgekocht werden, dann deckt er bis zu 75 Prozent des täglichen Eisenbedarfs

Titelbild: Lucky Iron Fish Project

Titelbild: Lucky Iron Fish Project

Eisenmangel zählt nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation zu den häufigsten Mangelerscheinungen der Welt. Die gesundheitlichen Auswirkungen sind gravierend – und dennoch kann ein kleiner Fisch Abhilfe schaffen

Eisenmangel ist nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ein weltweites Problem, das Milliarden von Menschen betrifft. Und dennoch wird das Problem gerade in den Industrienationen meist unterschätzt, obwohl es auch hier als einzige Mangelernährungsform häufig auftritt.

Zu den gravierendsten Folgen einer mangelhaften Eisenversorgung zählt die Anämie, umgangssprachlich Blutarmut genannt. Dabei ist vereinfacht gesagt die Fähigkeit des Blutes vermindert, Sauerstoff zu transportieren. Die Symptome: Müdigkeit, Kopfschmerzen, Erschöpfung und eine verminderte Leistungsfähigkeit. Die Folgen: man kann nicht richtig arbeiten, bei Kindern wird das Gehirnwachstum behindert und sie sind mitunter sogar zu schwach, um zu spielen. Für Frauen stellt eine Anämie bei der Geburt durch den hohen Blutverlust zudem ein lebensbedrohliches Risiko dar. Kurzum: die Auswirkungen einer Anämie sind gravierend. Und sie wird häufig – wenn auch nicht nur – von einem Eisenmangel hervorgerufen.

Die Auswirkungen von Eisenmangel sind gravierend

Der Biomediziner Christopher Charles beobachtete im Jahr 2008 all diese Symptome während seines Forschungsstipendiums in Kambodscha, wie unter einem Brennglas. Ursprünglich war Charles in dem asiatischen Staat gereist, um die Wirkung von Wasserfiltern zu untersuchen, doch das Ausmaß des Eisenmangels ließ ihn nicht mehr los. Denn vor Ort litten fast die Hälfte aller Menschen und 60 Prozent der schwangeren Frauen unter Eisenmangel.

Natürlich wären Nahrungsergänzungsmittel eine Möglichkeit, doch Eisentabletten sind auf Dauer nicht nur zu teuer – die meisten Kambodschaner leben von weniger als 1 Dollar am Tag –, sondern haben auch Nebenwirkungen, wie Verdauungsschwierigkeiten. Der Wissenschaftler setzte stattdessen darauf, das Eisen beim Kochen dem Essen hinzuzufügen. Zunächst in Form eines Eisenblockes, der während der Zubereitung der typischen Speisen wie Suppen, Reis, Eintöpfen unter Zusatz von Zitronensäure das Metall freigeben sollte. Doch diese Art der Nahrungsergänzung lehnten die meisten Frauen ab – zum einen wegen des unappetitlichen Anblicks, zum anderen machten die Blöcke die Töpfe kaputt.

Ein Fisch ist die Lösung

Charles erkannte, dass diese Ablehnung vor allem an der Form begründet war. So blieb das Prinzip erhalten, die Form des Eisens jedoch veränderte sich – zunächst in eine Lotus-Blüte und ohne durchschlagenden Erfolg. Danach goss er das Eisen in die Form des Try Kantrop, eines regionalen Fisches, der gleichzeitig ein Symbol für Glück ist. Und mit der neuen Form kam auch die Akzeptanz in der Bevölkerung. Gleichzeitig war sie die Geburtsstunde des „Lucky Iron Fish“.

Die folgenden Blutuntersuchungen belegten den positiven Effekt des Konzeptes. Mit der kontinuierlichen Anwendung stieg der Eisenlevel und die Häufigkeit der sogenannten Eisenmangelanämie fiel im gleichen Zeitraum.

Seit 2012 gibt es das „Lucky Iron Fish Project“, ein Unternehmen, das von Charles’ Mitstreiter Dr. Gavin Armstrong gegründet wurde und sich von Kanada aus um die Kommerzialisierung des Konzeptes kümmert. Das Ziel: möglichst viele Fische zu verkaufen – nicht nur in Kambodscha, sondern weltweit. Das Konzept: für jeden für 25 Dollar verkauften Fisch, wird ein weiterer in Gebieten mit Eisenmangel gespendet. Der Fisch wiegt rund 200 Gramm uns soll bei regelmäßigem Einsatz 75 Prozent des täglichen empfohlenen Eisenbedarfs einer Familie über bis zu fünf Jahre gewährleisten.

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Bereits 150.000 Exemplare im Einsatz

Doch nicht nur das fertige Produkt soll Menschen helfen. Das Lucky Iron Fish Project lässt die Fische von ehemals schwer zu vermittelnden Arbeitslosen in Kambodscha aus Altmetall zu fairen Löhnen inklusive Krankenversicherung fertigen. Dazu kommen Bildungsprogramme für eine gesunde Ernährung. Zudem ist das Unternehmen mittlerweile als B-Corporation zertifiziert und damit offiziell als Non-Profit-Organisation anerkannt.

Über 150.000 Exemplare hat das Lucky Iron Fish Project mittlerweile verkauft oder verschenkt und jedes einzelne trägt jeden Tag dazu bei, eine der häufigsten Mangelerscheinungen der Welt zu bekämpfen.