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5 Februar 2021 / Lesezeit: 3 minuten

Endometriose

Wenn die Schmerzen nicht normal stark sind

Bei einer Endometriose wachsen Zellen der Gebärmutterschleimhaut außerhalb der Gebärmutter und entzünden sich. Oft bleibt die Krankheit lange unerkannt.

Illustrationen: Eva Leonhard

Illustrationen: Eva Leonhard

Tennisballgroße Zysten im Unterleib, entzündete Organe und starke Schmerzen: Endometriose ist eine chronische Krankheit, die bis zu 15 Prozent der Frauen* betrifft – jedoch oft unerkannt bleibt. Auch, weil sie noch wenig erforscht ist.

Endometriose in Deutschland

In Deutschland erkranken 2 bis 15 % aller Frauen* im reproduktionsfähigen Alter. Andere Schätzungen gehen von 10 bis 15 Prozent aus. Jedes Jahr kommen 40.000 Neuerkrankungen dazu.

Die chronische Krankheit wird als „Chamäleon der Gynäkologie“ bezeichnet, weil sie sehr unterschiedliche Ausprägungen hat und die Stärke der Symptome nicht zwangsläufig mit der Schwere der Erkrankung übereinstimmt. Bei etwa 40 bis 50 Prozent der Patient*innen wachsen Zellen der Gebärmutterschleimhaut in die Muskulatur der Gebärmutter ein und entzünden sich (Endometriosis genitalis interna oder auch Adenomyose). In 60 bis 95 Prozent der Fälle ist das Gewebe im kleinen Becken außerhalb der Gebärmutter betroffen, etwa die Eileiter oder Eierstöcke. Die seltene Form der Endometriosis extragenitalis (circa 5 Prozent) spielt sich außerhalb des kleinen Beckens ab. Auch Organe wie die Blase, der Darm und sogar die Lunge können befallen sein. Die Krankheit ist nicht heilbar, kann aber therapiert werden, etwa mit chirurgischen Eingriffen, Hormonpräparaten wie der Gestagen-Pille und Medikamenten gegen die Schmerzen.

Starke Regelschmerzen

Viele Frauen* haben während ihrer Periode starke Regelschmerzen. In 45 bis 60 % der Fälle ist Endometriose die Ursache.

Symptome und Folgen

Auch die Beschwerden unterscheiden sich von Mensch zu Mensch. Manche Betroffene haben keine oder kaum Symptome, andere leiden unter starken Schmerzen, die in den ganzen Körper ausstrahlen. Mögliche Ausprägungen der Endometrioseherde sind chronische Entzündungen, Vernarbungen, Verwachsungen, Blutungen in der Bauchhöhle oder Unfruchtbarkeit. Etwa 50 Prozent der Patient*innen haben einen dauerhaften Therapiebedarf. Denn nach der Entfernung eines Entzündungsherdes und/oder einer Zyste können wieder neue entstehen. Zysten, die infolge einer Endometriose entstehen, füllen sich zyklisch mit Menstruationsblut, das eine bräunliche Farbe und zähe Konsistenz annimmt. Sie können unbehandelt bis auf eine Größe von 15 Zentimetern und mehr heranwachsen. Per Bauchspiegelung können sie chirurgisch entfernt werden.

Diagnose

In Deutschland vergehen im Schnitt dennoch 7 Jahre vom Auftreten erster Symptome bis zur Diagnose der Endometriose. Bei Schmerzpatient*innen dauert es bis zu 10 Jahre, weil sie häufig Fehldiagnosen bekommen oder mit ihren Schmerzen nicht ernst genommen werden.

Bauchspiegelung

Die einzige sichere Diagnosemethode ist die Bauchspiegelung (medizinisch: Laparoskopie). Bei Vollnarkose werden dabei über kleine Schnitte am Bauch OP-Instrumente eingeführt, um eine Gewebeprobe zu entnehmen und im Labor zu untersuchen. Außerdem können bei einer Bauchspiegelung Entzündungsherde im Unterleib entfernt werden.

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Unerfüllter Kinderwunsch

20 bis 50 % der Frauen*, die einen unerfüllten Kinderwunsch haben, sind von Endometriose betroffen.

Das kannst du tun

  • Bei Verdacht auf Endometriose solltest du dich von einer*m Gynäkolog*in ausführlich befragen (Anamnese) sowie abtasten und per Ultraschall untersuchen und beraten lassen. Eine Möglichkeit ist eine OP mit anschließender Hormontherapie, um das zyklische Wachstum der Endometrioseherde zu stoppen.
  • Um deine Beschwerden zu lindern, könntest du homöopathische oder osteopathische Behandlungsmethoden und Akupunktur ausprobieren. Einige Betroffene machen damit positive Erfahrungen.
  • Sport kann helfen, insbesondere Entspannungsübungen des Beckenbodens. Manche Frauen* berichten, dass ihnen entzündungshemmende Nahrungsmittel wie Kurkuma oder Ingwer guttun.
  • Wende dich mit deinen Fragen und Sorgen unbedingt an Menschen vom Fach. Auf den Websites der Endometriose-Vereinigung Deutschland und der Stiftung Endometriose-Forschung findest du viele hilfreiche Tipps und Informationen – etwa zertifizierte Endometriosezentren in deiner Nähe.
  • Du bist nicht selbst betroffen, willst aber zur Aufklärung beitragen? Teile dein Wissen mit Freund*innen und unterstütze Initiativen, zum Beispiel den „EndoMarch“.
„Ich hatte ständig ein schlechtes Gewissen, krank zu sein“ – Vier Frauen erzählen von ihren Erfahrungen. Hier kannst du sie lesen.

Quellen: Frauenklinik der Charité Berlin, Endometriose-Vereinigung Deutschland e.V.

*Endometriose betrifft nicht nur cis-Frauen, deren Geschlechtsidentität mit dem Geschlecht übereinstimmt, das ihnen bei der Geburt zugewiesen wurde,  sondern auch trans*-Männer, bei denen dies nicht so ist, sowie nicht-binäre Menschen, die eine geschlechtliche Zweiteilung in männlich und weiblich ablehnen.

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