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7 April 2020 / Lesezeit: 3 minuten

Wissenschaftliche Erkenntnisse

Sollten wir alle Mundschutz tragen?

Auch Mr. Spock würde wohl einen Mundschutz in der Öffentlichkeit tragen.

Nick Bolton/Unsplash

Nick Bolton/Unsplash

Einen Mundschutz zu tragen, kann helfen, die Corona-Pandemie einzudämmen. Den Schutz kann man auch leicht selbst herstellen.

In Deutschland wird aktuell diskutiert, ob es verpflichtend werden soll, Mund und Nase in der Öffentlichkeit zu bedecken, um die Ausbreitung des Corona-Virus zu verringern. Mancherorts wie etwa in Österreich, muss man für den Einkauf im Supermarkt bereits einen solchen Schutz tragen.

Global gibt es derzeit Lieferschwierigkeiten für Schutzkleidung und auch Atemmasken. Daher ist es wichtig, zwischen den verschiedenen Masken zu differenzieren: Grundsätzlich unterscheidet etwa das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte zwischen selbst hergestellten Masken, medizinischem Mund-Nasen-Schutz und sogenannten filtrierenden Halbmasken (FFP2 und FFP3). Solche FFP2- und FFP3-Masken dienen auch dem Eigenschutz. Die anderen schützen vorrangig andere Menschen vor möglicherweise infektiösen Tröpfchen der Person, die den Schutz trägt. Und um solche einfacheren Masken geht es, wenn von einer Pflicht zum Tragen in der Öffentlichkeit die Rede ist.

Was bringt ein Mundschutz?

Der Virologe Professor Christian Drosten von der Berliner Charité erklärt im NDR Info-Podcast Coronavirus-Update: „Wir haben kaum eine wissenschaftliche Evidenz dafür, die sagt, dass ein Selbstschutz durch einfache Masken funktioniert.“ Die aufwendigeren FFP2- und FFP3-Masken, wie sie etwa medizinisches Personal nutzt, schützen hingegen auch die Träger*innen. Doch Christian Drosten betont, dass diese Masken, einerseits nicht in großer Zahl verfügbar und andererseits auch nicht für jeden einfach zu tragen sind. Es gebe jedoch bereits anfängliche, empirisch erbrachte Nachweise, dass wir andere mit dem Tragen einer Gesichtsmaske schützen können. Diese Daten beziehen sich jedoch auf Infektionskrankheiten der Atemwege im Allgemeinen. Doch auch neue Ergebnisse, wie die einer Studie aus Hongkong, die in „Nature Medicine“ erschienen ist, legen dies nahe, sagt Drosten. Doch der Virologe betont: „Das setzt natürlich voraus, dass eben wirklich jeder, jeder, jeder in der Gesellschaft, im öffentlichen Leben diese Masken tragen muss.“

Die Frage, ob wir nun alle mit einfachem Mund-Nasen-Schutz, in die Öffentlichkeit gehen sollten, wird gerade diskutiert. In einer Stellungnahme der Leopoldina, die Nationale Akademie der Wissenschaft, empfehlen die Wissenschaftler*innen, zusätzlich zu anderen Schutzmaßnahmen, in der Öffentlichkeit konsequent Masken zu tragen. Dadurch könnte man die Zahl der Menschen, die von einer infizierten Person angesteckt werden, reduzieren. In der Stellungnahme heißt es: „Da sich eine große Zahl unerkannt Erkrankter ohne Symptome im öffentlichen Raum bewegt, schützt ein Mund-Nasen-Schutz andere Menschen, verringert damit die Ausbreitung der Infektion und senkt somit mittelbar das Risiko, sich selbst anzustecken.“ Sobald die Ausgangssperren schrittweise gelockert werden, sollte im gesamten öffentlichen Raum Mund-Nasen-Schutz getragen werden. Auch das Robert-Koch-Institut rät zu Mundschutz. Jedoch sollten weiterhin Abstands- und Hygieneregeln eingehalten werden.

Virologe Drosten verweist jedoch auch auf gesellschaftliche Schwierigkeiten. Das Tragen von Masken sei hierzulande – anders als etwa in manchen asiatischen Ländern – kulturell nicht verankert und eingeübt: „Wir haben bei uns in unserer Gesellschaft sicherlich nicht die besten Startbedingungen, um alle Masken tragen zu lassen. Da wird es sehr schnell Personen geben, die sagen, sie wollen das nicht, sie sehen das nicht ein oder sie können das auch nicht.“

Selbst einen Mund-Nasen-Schutz machen

Da es aktuell in vielen Ländern Lieferengpässe bei Schutzmasken gibt, empfiehlt die Leopoldina mit Schals und Tüchern zu überbrücken, wenn man keinen anderen Schutz habe. Diese sollten Mund, Nase, Kinn und die Seitenränder möglichst vollständig abdecken. Außerdem kann man einen einfachen Mundschutz leicht selbst herstellen. Dazu haben Wissenschaftler*innen des Universitätskrankenhauses in Hong Kong-Shenzhen eine simple Anleitung mit Video veröffentlicht. Auch Virologe Christian Drosten hat diese bereits auf Twitter empfohlen.

Die Anleitung für einen einfachen Mund-Nasen-Schutz findest du auch auf enorm. Dazu brauchst du lediglich zwei Lagen Küchenrollen-Papier, ein Papier-Taschentuch, breites Klebeband, vier Gummibänder, ein Stück Draht (etwa vom Verschluss von Tee- oder Kaffeeverpackungen) sowie eine Schere und einen Büro-Locher.

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Ein waschbarer Mundschutz ist auch schnell selbst genäht. Eine Anleitung, die ohne Nähmaschine funktioniert, gibt es etwa bei utopia. Einen solchen Mundschutz aus Stoff kann man bei 60 Grad in der Waschmaschine waschen und mehrmals verwenden. Auch viele Näher*innen und Schneider*innen nutzen ihre Kapazitäten bereits, mitunter ehrenamtlich. In Jüterborg etwa nähen zwei Geflüchtete Baumwoll-Masken für ein Seniorenheim, wie der rbb berichtet. Die beiden Männer haben in ihrer Heimat Iran als Näher gearbeitet. Jetzt produzieren sie in einer kleinen Nähstube der Flüchtlingshilfe Jüterbog täglich Stoffmasken. In nur wenigen Tagen haben sie bereits mehr als 200 Masken genäht, um den Senior*innen zu helfen.