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14 Mai 2020 / Lesezeit: 2 minuten

Kolumne Einigeln

Ein nachdenklicher Abschied

Noch ist Normalität, die sichere Rückkehr zum alten Rhythmus noch nicht möglich.

ILLUSTRATION: AREZU WEITHOLZ

ILLUSTRATION: AREZU WEITHOLZ

Das Coronavirus legt den Alltag lahm. Langsam kehren wir zu etwas mehr Normalität zurück – doch normal ist alles noch lange nicht. Unser „Igel-Experte“ der enorm Kolumne Einigeln verabschiedet sich daher mit ein paar nachdenklichen Worten.

enorm Kolumne Einigeln, Teil 15: Ein nachdenklicher Abschied

Hey, ihr da draußen, ich verabschiede mich. Da draußen ist ja ganz passend, weil man (gefühlt) wieder mehr darf, auch im Freien. Und doch traue ich der ganzen Sache nicht so richtig. Ist man in Städten dieser Tage unterwegs, hat man das Gefühl, als wäre alles ganz normal, so wie immer – fast. Gut, die Sache mit den Masken. Aber, die sind so vielseitig und bunt, könnte somit auch als neuer Mode-Trend durchgehen, den alle Generationen gerade tierisch toll finden. Ok war jetzt ein bisschen zynisch. Doch der Gedanke ist gar nicht so abwegig, wenn man sich nach Normalität sehnt, oder?

Nur ist genau das, die Normalität, die sichere Rückkehr zum alten Rhythmus eigentlich noch nicht möglich. Es gibt noch keinen Impfstoff, keine optimale Medikation, keine perfekte Therapie. Wir wissen trotz unglaublicher globaler Anstrengungen noch viel zu wenig über die Krankheit, ihre Verläufe, ihre Langzeitfolgen. Da ist Vorsicht geboten, egal wie surreal das scheint. Wissenschaftler*innen pauschal vorzuwerfen, sie würden ständig ihre Meinung ändern, ist in den meisten Fällen schlicht absurd. Sie machen ihren Job, sie geben Auskunft über ihren derzeitigen Wissens- und Forschungsstand, prüfen und revidieren ihre Meinung, wenn sie, auch innerhalb weniger Tage neue Erkenntnisse erlangen. Wir haben in Deutschland offenbar bisher großes Glück gehabt und, dass viele der Maßnahmen Wirkung zeigen, ist kein Zufall. All das ist keine Selbstverständlichkeit.

Auch auf enorm: Kolumne Einigeln, Teil 14. Eine Keller-Werkstatt bauen

Und doch ist der aufgeklärte, kritische Blick auf Informationen und Entscheidungen, insbesondere vor dem Hintergrund der massiven Eingriffe in elementare Grundrechte und der beispiellosen wirtschaftlichen Konsequenzen, die fast alle, uns, unsere Freunde und Familien, in diesem Land mehr oder minder stark treffen werden, entscheidend. Die Frage nach der Verhältnismäßigkeit bleibt und sie muss auch weiterhin regelmäßig gestellt werden. Sie muss die Grundlage allen Handels sein.

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Dies ist unsere letzte Igel-Kolumne fürs Erste. Bleibt gesund und fröhlich.