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16 January 2020 / Lesezeit: 5 minuten

Altkleider spenden

Wohin mit den alten Klamotten?

Altkleidercontainer stehen vielerorts, sind aber nicht immer die beste Wahl.

TITELBILD: IMAGO IMAGES/MANNGOLD

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In Deutschland verstauben eine Milliarde Kleidungsstücke ungenutzt im Schrank. Ein Teil davon wird schließlich über entsprechende Container und Altkleidersammlungen gespendet. Doch es gibt noch andere Lösungen.  

Jeans, T-Shirt, Sneakers – all das tragen wir im Schnitt nur noch halb so lange wie vor 15 Jahren. 95 Kleidungsstücke besitzt jede erwachsene Person in Deutschland laut einer repräsentativen Umfrage von Greenpeace aus dem Jahr 2015, Unterwäsche und Socken nicht mitgerechnet. Das macht 5,2 Milliarden Teile in Deutschland und nährt eine schmutzige Industrie: Die Modebranche verantwortet laut Wirtschaftskommission der Vereinten Nationen für Europa (UNECE) weltweit rund zehn Prozent aller Kohlenstoff-Emissionen – mehr als internationaler Flugverkehr und Seeschifffahrt zusammen.

Rund eine Milliarde Kleidungsstücke verstauben laut Greenpeace in Deutschland ungenutzt im Schrank und werden so gut wie nie getragen. Jeder fünfte Befragte sortiert Kleidung nur dann aus, wenn sie kaputt ist oder nicht mehr passt – meistens jedoch entscheidet der Geschmack, der neueste Trend. Doch wohin mit der alten Winterjacke, wenn sie plötzlich die falsche Farbe hat? 

Altkleider spenden: Was passiert mit einer Million Tonnen Textilien im Jahr?

Gut eine Million Tonnen Textilien werden laut dem Dachverband gemeinnütziger Kleidersammlungen FairWertung hierzulande jedes Jahr gespendet. Das entspricht umgerechnet 12 Kilo pro Kopf. Damit übertrifft Deutschland die meisten anderen Länder, wie eine McKinsey-Studie von 2016 zeigt. Fast 90 Prozent werden über Altkleidercontainer gesammelt. Rund 40 Prozent davon wiederum als Putzlappen oder Dämmstoffe weiterverwendet – denn Recycling bedeutet nur sehr selten, dass aus der Altkleidung Fasern für neue Kleidung gewonnen werden. Oft handelt es sich bei den gespendeten Textilien um Mischfasern, die sich schlecht trennen lassen oder um synthetische Stoffe, die generell schwerer neu zu verarbeiten sind. Sechs Prozent der gespendeten Kleidungsstücke wiederum enden als Ersatzbrennstoff und zwei Prozent schlicht als Müll. Nur etwas mehr als die Hälfte aller gebrauchten Textilien und Schuhe wird tatsächlich wiederverwendet. 

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Doch so viele Jacken, Hosen und Schuhe brauchen karitative Organisationen in Deutschland bei Weitem nicht. Entsprechend landen laut Verbraucherzentrale NRW nur fünf bis zehn Prozent der Altkleider bei bedürftigen Menschen in Deutschland oder in Secondhand-Läden. Etwa 40 Prozent der gesammelten Kleidungsstücke werden vor allem in osteuropäische und afrikanische Länder exportiert und dort verkauft. Der Handel mit Altkleidern ist mittlerweile ein lukratives, globales Geschäft: 4,2 Millionen Tonnen umfasste er im Jahr 2014 weltweit.

Doch der Verkauf, vor allem in afrikanische Länder, ist hoch umstritten, wie etwa Recherchen der Deutschen Welle zeigen. Auf der einen Seite heißt es, dadurch stehe den Menschen vor Ort relativ günstige Kleidung zur Verfügung– obwohl auch hier umstritten ist, ob die Ware nicht tatsächlich vor allem in zahlungsfähige Länder gelangt. Auch leidet die lokale Produktion von Textilien und Stoffen unter der billigen Ware aus Europa. Daher haben bereits mehrere Länder, vor allem in Afrika, Südamerika und Asien, den Import von Altkleidung beschränkt oder komplett verboten

Altkleider spenden: Wie sinnvoll sind Container?

Macht es dennoch Sinn, Kleidung in Altkleidercontainer zu spenden? Das Beispiel des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) zeigt: Das DRK gibt zehn Prozent der Altkleider, das entspricht 4.000 bis 5.000 Tonnen, an rund 1,2 Millionen bedürftige Menschen in Deutschland weiter. So landen laut DRK etwa in den kalten Wintermonaten wärmende Kleidungsstücke in den DRK-Kältebussen, bei Betroffenen von Umweltkatastrophen, in Unterkünften für Geflüchtete oder in Obdachlosenheimen, zum Beispiel in der Ukraine oder in Weißrussland. Und mit dem Geld, das gemeinnützige Hilfsorganisationen wie das DRK in Deutschland durch den Weiterverkauf verdienen, werden die Kosten für das Aussortieren und den Transport – unter anderem in afrikanische Länder – gedeckt. Ein großer Teil fließt außerdem in soziale Projekte.

Wer also den Weg über einen Altkleidercontainer oder über eine Kleidersammlung gehen möchte, dem rät die Verbraucherzentrale dazu, darauf zu achten, nur an Organisationen zu spenden, die eine Adresse und Telefonnummer in Deutschland haben, um unseriöse Firmen zu umgehen. Verschiedene Siegel können außerdem helfen. Dazu zählen laut Verbraucherzentrale etwa das Spendensiegel des Deutschen Zentralinstituts für soziale Fragen (DIZ), das Qualitätssiegel des Bundesverbands Sekundärrohstoffe und Entsorgung oder das Logo FairWertung. Im Dachverband FairWertung haben sich gemeinnützige Organisationen zusammengeschlossen, die sich zu sozial- und umweltverträgliche Standards verpflichten. So soll jedes gespendete Kleidungsstück soziale Zwecke unterstützen. Online kann man nach dem nächstgelegenen FairWertung-Container suchen. Wenn keine Abnahmestelle in der Nähe ist, kann Bekleidung auch kostenlos an die Deutsche Kleiderstiftung, die das FairWertung-Siegel trägt, gesendet werden.

Lokal spenden statt Altkleidersammlung

Eine bessere Alternative zu Altkleidercontainern ist es, lokal zu spenden. Die Verbraucherzentrale rät jedoch, vorher nachzufragen, was tatsächlich gebraucht werden könne. Eine sehr hilfreiche Plattform ist dabei Wohin damit? die soziale Einrichtungen für Sachspenden nach Postleitzahl auflistet.

Kleiderkammern in der Nachbarschaft geben die Textilien etwa an bedürftige Menschen vor Ort. Und falls Kleidung kommerziell weiterverkauft wird, gehen die Erlöse an die wohltätigen Zwecke der Einrichtungen. Häufig werden sie von kirchlichen Trägern betrieben. Dazu gehören etwa die diakonia Kleiderkammern, Kleiderkammern der Caritas, des Deutschen Roten Kreuzes oder von der Heilsarmee.

Auch soziale Einrichtungen wie die Arbeiterwohlfahrt (AWO), Johanniter, Malteser, Bahnhofsmissionen und Kirchen sind mögliche Anlaufstellen. Notunterkünfte in der Nähe, sowie Bahnhofsmissionen oder Stadtmission sind ebenfalls Abnehmer, die mitunter Kleiderspenden benötigen. Auch Sozialkaufhäuser, getragen in der Regel von Wohlfahrtsverbänden, Kirchen oder Sozialämtern, nehmen Spenden an. So etwa das Fairkaufhaus in Berlin oder die Gebrauchtwarenhäuser Weißer Rabe in München. In Hamburg gibt es außerdem das Sozialkaufhaus WarenGut, wo Langzeitarbeitslose die Kleidung verkaufen, sowie die Läden von Nutzmüll e.V. einem sozialen Träger, der etwa Frauenhäuser und Obdachlosen-Initiativen unterstützt. An Oxfam-Läden kann man ebenfalls spenden, die Erlöse fließen in die politische Arbeit des Vereins. Bei Oxfam gilt, die gespendeten Schuhe und Textilien sollten zur Saison passen, sauber und unbeschädigt sein, denn Verschlissenes oder Verschmutztes muss aufwendig aussortiert werden.

Wohin mit den alten Klamotten?

Altkleider spenden: Bei Containern und Sammlungen auf folgende Siegel achten: 

Leihen und Tauschen statt Wegwerfen

Für Viola Wohlgemuth von Greenpeace sind Altkleidersammlungen oder -container jedoch der allerletzte Ausweg. „Die Altkleidersammler stehen schon jetzt kurz vor dem Kollaps. Der Markt ist total übersättigt”, sagt Wohlgemuth. Sie rät: „Man kann die ganzen Klamotten einmal aus seinen Schränken und Kommoden komplett ausräumen und durchsortieren und überlegen, was kann ich neu kombinieren und mag es dann vielleicht doch noch. Wir müssen unserer Kleidung einfach wieder mehr Zeit widmen.” Letztlich aussortierte Stücke könnten auf Flohmärkten verkauft werden, bei Kleidertauschpartys gegen ein neues Lieblingsstück getauscht werden oder im Freundes- und Bekanntenkreis verschenkt werden. „Auf keinen Fall sollte man alte Kleidung einfach in den Hausmüll wegschmeißen.” Ab dem Jahr 2025 verbietet eine EU-Regel es sogar, Textilien einfach im Hausmüll zu entsorgen.

Das nachhaltigste Kleidungsstück ist das, das gar nicht erst hergestellt werden muss.
Viola Wohlgemuth, Greenpeace

Wohlgemuth betont: „Diese Massen – in Deutschland kaufen wir im Schnitt 60 neue Kleidungsstücke pro Jahr – sind einfach nicht grün herstellbar. Das nachhaltigste Kleidungsstück ist das, das gar nicht erst hergestellt werden muss.” Wer dennoch neue Kleidung kaufen wolle, dem rät die Greenpeace-Expertin: „Ein neues Kleidungsstück muss sowohl fair produziert sein, also unter akzeptablen Arbeitsbedingungen, als auch sauber sein, das heißt ohne gefährliche Chemikalien hergestellt worden sein.” In einem Ratgeber informiert Greenpeace Verbraucher darüber, worauf sie beim Kauf von Kleidung achten können und welchen Textil-Siegeln sie vertrauen können

Nachhaltigkeit im Kleiderschrank bedeute nicht völligen Verzicht. Schließlich könne man Kleidung teilen und tauschen. „Bei Musik und Videos machen wir das ja auch längst”, sagt Wohlgemuth. Denn schließlich mache Kleidung auch Spaß, könne ein Lebensgefühl ausdrücken, ja sogar Kunst sein. Sie plädiert auch dafür, in Secondhand-Läden einzukaufen. Vor allem in größeren Städten böten außerdem Kleidertauschpartys ein Shopping-Erlebnis ohne schlechtes Gewissen. „In Hamburg kommen da manchmal 1200 Leute, es gibt einen DJ und veganes Essen. Es geht nicht darum, nur zu verzichten, denn es gibt Alternativen für einen lustvollen Umgang mit Kleidung”, schwärmt Wohlgemuth. Über eine Website listen Greenpeace-Ehrenamtliche anstehende Events in ganz Deutschland

Professionelle Leihdienste könnten für konkrete Anlässe helfen, sagt Wohlgemuth: „Man kann dort ein Abendkleid leihen und es, nachdem man es einmal getragen hat, wieder zurückschicken.” Auch bei Baby-Kleidung kann das hilfreich sein. Daher begrüße Greenpeace auch Tchibo Share, wo Kleidung für Babys und Kinder geliehen werden kann, sagt Wohlgemuth. Weitere Plattformen, um Kleidung zu leihen, sind etwa Unown, RE-NT oder Stay Awhile.

Wer doch mal was Neues will:

Dieser Artikel ist im Rahmen einer Medienkooperation mit Podcaster, Stand-up-Comedian und Autor Felix Lobrecht für die Kampagne #attentionplease entstanden.