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17 September 2021 / Lesezeit: 4 minuten

Bundestagswahl 2021

Wähl-mal-anders! 7 Alternativen zum Wahl-O-Mat

Am 26. September ist Bundestagswahl. Du bist noch nicht ganz sicher, wo du deine zwei Kreuze machst? Hast keine Zeit, dich durch Wahlprogramme zu wälzen? Online-Tools schaffen Abhilfe.

Bild: IMAGO / McPHOTO

Bild: IMAGO / McPHOTO

Wochenende, Zeit für den finalen Check: Welche Partei vertritt was, wer passt zu mir? Schnappt euch Kaffee, Laptop und macht den ultimativen Test. Wir haben sieben tolle Tools herausgesucht, mit denen ihr den Parteien auf den Zahn fühlen könnt. Spielerisch, knackig und lustiger als beim guten alten Wahl-O-Mat.

Die Uhr tickt, Endspurt im Countdown zur Bundestagswahl. In gut einer Woche öffnen die Wahllokale – und die Wähler:innen sind so unentschlossen wie nie zuvor: Nach einer Umfrage des Forschungsinstituts Allensbach haben 40 Prozent ihre Wahlentscheidung noch nicht getroffen. 56 Prozent finden, dass alle Parteien zurzeit kein gutes Bild abgehen, 40 Prozent hadern mit den Kanzlerkandidat:innen und zerbrechen sich den Kopf über mögliche Koalitionen nach der Wahl. 53 Prozent wollen dieses Mal das ihrer Meinung nach kleinere Übel wählen.

Was aber heißt das? Grün oder Rot, Gelb, Links oder Schwarz oder doch vielleicht ein Zeichen setzen mit einem Kreuzchen bei einer kleinen Partei jenseits des Mainstreams? Und abgesehen von allen wahlstrategischen Kniffen – was haben die Parteien eigentlich genau vor? Wer setzt die Themen, die mir am Wichtigsten sind? Wer hat die überzeugendsten Umsetzungskonzepte, die besten Ideen?

Um das herauszufinden gab es lange nur zwei Möglichkeiten: Parteiprogramme wälzen oder sich durch den guten alten Wahl-O-Mat der Bundeszentrale für Politische Bildung klicken. Kann man machen, muss man nicht. Inzwischen gibt es viele knackige Alternativen, die unterschiedliche Akzente setzen. Wir haben die schönsten zusammengetragen. Los geht’s. Klick dich durch.

WAHLTRAUT – hilft dir kreuzweise

Die feministische Wahlberaterin für die Bundestagswahl 2021. Kommt in rosa daher und setzt den Fokus auf feministische und gleichstellungspolitische Themen. Wahltraut macht den Check: für welche Parteien ist Gleichstellung Leitprinzip, egal ob im Klimaschutz, bei der Lohnpolitik oder in der Frauengesundheit. Wer will Gleichstellung wie nach vorn bringen? 32 Fragen rund um faire Bezahlung, LGBTIQ-, Anti-Rassismus und Inklusion hat Wahltraut den Parteien gestellt, fünf beziehen Position (Linke, Grüne, SPD, FDP, CDU). Super: Wahltraut erklärt ausführlich, warum Gleichstellungspolitik für so viele Politikfelder eine wichtige Rolle spielt. Wahltraut funktioniert wie der Wahl-O-Mat, auch doppelt gewichten ist möglich. Übersichtliche, klare Auswertung, aufgeschlüsselt nach Parteien.

WahlSwiper – Match dir deine Partei!

Stimmst du einer politischen Frage zu? Ein Wisch nach links = nein, ein Wisch nach rechts = ja. Check, welche Parteien sehen das genauso? Nach 36 Fragen ist der Match perfekt. So einfach funktioniert der WahlSwiper. Gemacht wird er seit 2017 vom Verein VoteSwiper, den das Kreativstudios MoVACT gegründet hat, um Lust auf Demokratie zu machen. Inzwischen wird das Tool in Kooperation mit der Universität Freiburg entwickelt, es gibt ihn in fünf Ländern von Deutschland bis Schweden. Der Swiper stellt Fragen vom Mindestlohn über ein deutsches Zentralabitur, gebührenfreie Kita bis zur gendersensiblen Sprache. 36 Parteien haben ihre Antworten eingespeist.

#wAlman – Voting = power.

WAlman ist ein Ableger des Wahlswipers und richtet sich an Deutsche, die einen Flucht- oder Migrationshintergrund haben. Die App ist auf Englisch, Türkisch, Kurdisch, Arabisch, Farsi und Russisch verfügbar. Es werden dieselben Fragen wie im Wahlswiper gestellt. In Kurzen Videos wird das Thema erklärt. Es gibt Hintergrundinfos zur Demokratie in Deutschland, zur Bedeutung von Wahlen und kurze, sehr tolle Videos, in denen Themen der 36 Fragen genau erklärt werden. Der wAlman will Neudeutsche ermutigen, ihre Stimme abzugeben. Denn wählen bedeutet, mitreden zu können.

Klimawahl – check!

Wohl kein Thema ist bei dieser Wahl so wichtig wie Klimaschutz, jetzt entscheidet sich die Zukunft. Der Klimawahlcheck nimmt daher die Pläne der großen Parteien auf den Feldern Energie, Mobilität, Industrie, Gebäude, Klimagerechtigkeit & Klimaziele, Landwirtschaft & Artenvielfalt genau unter die Lupe. Dazu gibt es jeweils vier bis fünf Fragen, denen man auf einer fünfstufigen Skala von gar nicht bis vollkommen zustimmen kann. Das Ergebnis wird mit den Programmen von Grünen, FDP, Linken, SPD, CDU verglichen. Hinter dem Klimawahlcheck steht die Klima-Allianz Deutschland, German Zero und der Naturschutzbund.

Auch auf enorm: Klima als entscheidendes Wahlkampfthema – Lösungen sind da, der Neustart muss radikal sein

DeinWal – zur Bundestagswahl

Wahlprogramm mal anders: Hier sagen die Parteien nicht, was sie zu einem Thema planen, hier zählt, wie sie in der Vergangenheit tatsächlich abgestimmt haben. Im Quiz auf der Seite spielt man die Abstimmungen der letzten Legislaturperiode von 2017 – 2021 nach. Es gibt 26 Fragen zu Natur und Umwelt, Gesellschaft, Internationales, Wirtschaft und Finanzen. Das Spektrum reicht von der Jagderlaubnis auf Wölfe über ein Templimit von 130 km/h auf Autobahnen bis zu Bundeswehreinsätzen in Krisengebieten. Hilfreich: weiterführende Infos zu jeder Frage, Positionen von Lobbygruppen, Datum und Links zu den Abstimmungsergebnissen in der Vergangenheit und ein kleines How-to zum Quiz. Die Auswertung der Übereinstimmungen mit den Entscheidungen aller sechs Parteien im Bundestag gibt es bei DeinWal als bunte Balkengrafik.

Progressomaschine

Das bunte Tool macht Lust auf Klicks. Ausgangsfrage: Was macht Politik für mich? In Sachen Klimaschutz, Kampf gegen Diskriminierung oder für ein Ende des Gender Pay Gaps. Mehr als 50 überparteiliche Organisationen der Zivilgesellschaft haben an der Entwicklung der Progressomaschine mitgearbeitet und fokussieren sich dabei auf „progressive Themen“, die sonst oft etwas zu kurz kommen. LGBTIQ-Rechte, Asylpolitik, Teilhabe in der Einwanderungsgesellschaft, Antirassismus oder Geschlechtergerechtigkeit zum Beispiel. 100 Fragen wurden den im Bundestag vertretenen Parteien und 16 Kleinparteien vorgelegt, 33 schließlich in die Progressomaschine aufgenommen. Die Auswertung besteht auf einer Übereinstimmungsgrafik und kurzen Statements der Parteien.

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Tinder deine:n Politpartner:in

Der Kandidierendencheck ist ein bisschen wie Tinder. Er schaut sich die Politiker:innen persönlich an. Postleitzahl in die Startmaske eingeben, schon ploppen die Kandidat:innen aus dem eigenen Wahlkreis auf und eine Übersicht, welche Kandidierenden am Check teilgenommen haben und welche nicht. Ähnlich wie beim Wahl-O-Mat geht es zum Quiz, Antworten mit ja, nein oder neutral sind möglich, 24 Klicks später spuckt die Auswertung den oder die politischen Traumpartner:innen aus (plus zwei Ersatzkandidierende). Der Clou: Gezeigt werden nicht nur die Übereinstimmungsquote und Position des Lieblingskandidierenden zu jeder Frage, sondern der:die Kandidat:in begründet seine:ihre Position ausführlich selbst. Bei Martin Neise, die LINKE, klingt sein Plädoyer für die Abschaffung der Hartz IV-Sanktionen dann zum Beispiel so: „Sanktionen und Schikane bei den Jobcentern sind absoluter Mist. Hartz IV ist nur dazu da, um arbeitende Menschen gefügig zu machen. Niemand muckt auf Arbeit auf, wenn Hartz IV droht. Wir brauchen eine sanktionsfreie Mindestsicherung von 1.200 Euro – auch für Leute in Rente und Kurzarbeit.“ Dahinter steht die Organisation Abgeordnetenwatch.