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9 September 2021 / Lesezeit: 12 minuten

Gute Nachbarschaft

Transkript: Good News enorm Podcast Folge 28

Kennst du eigentlich die Menschen in deinem Kiez? Falls nicht, klingel doch einfach mal bei deinen Nachbar:innen und stell dich vor oder vernetze dich mit ihnen auf nebenan.de.

Bild: IMAGO / Future Image

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Hier findest du eine schriftliche Fassung der Podcastfolge 28 von „Good News enorm“. Besser vor der eigenen Haustür kehren: Wie wir uns in unserer Nachbarschaft für ein besseres Miteinander und für den Klimaschutz engagieren können, darüber sprechen wir mit Ina Remmers, Mitgründerin und Geschäftsführerin von nebenan.de. Und: Warum eine Immobilienverwaltung aus Graz neue Mieter:innen erstmal zum Kaffee einlädt.

Das Transkript soll den Podcast möglichst barrierefrei auch nicht-hörenden Menschen zugänglich machen. In dieser Folge spricht Good-News-Redakteurin Bianca Kriel mit Ina Remmers, Mitgründerin und Geschäftsführerin von nebenan.de.

Bianca: Hallo und herzlich willkommen zu Good News enorm – gute Nachrichten und konstruktive Gespräche. Ein Podcast von Good News und dem enorm Magazin. Heute geht es um gute Nachbarschaft. Aber erst einmal der Gute-Nachrichten-Überblick.

Das UN-Umweltprogramm hat verkündet, dass weltweit kein bleihaltiges Benzin mehr genutzt wird. Die letzten Vorräte seien im Juli aufgebraucht worden – ein Meilenstein für die globale Gesundheit und Umwelt. In Deutschland ist verbleites Benzin bereits seit 1988 verboten.

Forschende der Universität Basel haben aus Zellen der Nasescheidewand Knorpel gezüchtet – und sie Menschen, die an Arthrose erkankt sind, ins Knie gepflanzt. Mit Erfolg: Die Betroffenen berichten von weniger Schmerzen und mehr Lebensqualität. Nun folgen weitere Tests.

Familien entlasten, Anreize schaffen: Im Großraum Straßburg dürfen Kinder und Jugendliche ab sofort kostenlos den öffentlichen Nahverkehr nutzen. In der Stadt Kehl können Jugendliche außerdem gratis Bus fahren. Rund 84.200 junge Menschen könnten von dem Angebot profitieren.

Ab dem Wintersemester werden die Mensen in Berlin ökologischer: Nur noch vier Prozent Fleisch und Fisch sollen künftig auf dem Teller landen, das restliche Essens-Angebot wird vegetarisch und vegan sein. Grund hierfür sind die Klimaziele der Hochschulen.

Skifahren auf einem Kraftwerk – und das, das ganze Jahr? Was ungewöhnlich klingt, wird in „CopenHill“ zur Realität. Die dänische Anlage produziert Strom mittels sauberer Müllverarbeitung und bietet auf dem Dach und Gelände Freizeitangebote für Gäste an.

Bianca: Hallo, mein Name ist Bianca. Ich bin Redakteurin bei Good News und ich freue mich, dass wir heute über gute Nachbarschaft sprechen. Ich freue mich besonders, dass wir heute einen Gast bei uns haben. Ina Remmers, Mitgründerin und Geschäftsführerin von nebenan.de. Hallo Ina!

Ina: Hallo Bianca!

Bianca: Sehr schön, dass du da bist.

Ina: Ich freue mich sehr.

Bianca: nebenan.de wird vielen ein Begriff sein. Deutschlands größte Nachbarschaftsplattform. Meine letzte Zahl war 1,6 Millionen Nutzer:innen. Das war aber 2020. Wo steht ihr jetzt?

Ina: Ja, jetzt stehen wir mittlerweile bei rund zwei Millionen Nachbar:innen, die bei uns auf der Plattform aktiv sind. Also hat sich in der Zeit auch noch mal deutlich was getan.

Bianca: Ja, was kann man auf nebenan.de machen? Ihr kennt es wahrscheinlich. Man kann sich lokal vernetzen, sich austauschen, Dinge ausleihen, teilen, vor allem einander helfen. Ihr seid ein Sozialunternehmen und euer Betreiber ist die Good Hood GmbH. Ende 2015 habt ihr euren Betrieb aufgenommen. Erzähl mal, wie seid ihr damals darauf gekommen, diese Plattform zu gründen?

Ina: Ja, das ist tatsächlich aus einem ganz persönlichen Beweggrund heraus entstanden, was ja eigentlich immer dann so das Schönste ist, sozusagen. Es war so, dass mein Mitgründer Christian Vollmann – also den beschreibe ich auch immer ganz gerne so ein bisschen als den Vater der Idee – eben wirklich auch umgezogen ist, also innerhalb Berlins in eine neue Nachbarschaft gezogen ist. Und ja, so dieses ich glaube, was viele von uns kennen, also nach drei Monaten durch seine Nachbarschaft gelaufen ist und immer noch dachte: Okay, das sind alles fremde Gesichter, in die ich blicke. Jetzt habe ich es mir in meinen eigenen vier Wänden schon ganz schön gemacht, aber was ist eigentlich darüber hinaus? Und er ist ja doch auch ein sehr umtriebiger Unternehmer und hat dann einfach direkt gesagt: Nee, weißt du was? Dann gehe ich einfach mal klingeln bei meinen Nachbarn und Nachbarinnen und stell mich vor. Und das war tatsächlich so ein Schlüsselmoment für die Idee, weil alle Menschen, die die Tür geöffnet haben, am Ende extrem angetan waren von der Idee. Die haben sich so gefreut, dass da tatsächlich einfach ein Mensch vor der Tür steht, der zwei Häuser weiter lebt und man sich kennenlernt und es eben nicht nur der Paketbote ist, sondern wirklich jemand, den man auch auf der Straße dann zukünftig immer wieder häufiger trifft. Und dass dann eben von allen dieses Interesse kam zu sagen: Hey, lass uns doch in Kontakt bleiben – und wie können wir das am besten machen? Als Christian mir selbst dann von der Idee erzählt hat, damals war das für mich tatsächlich so ein, ja, so ein No Brainer, wie man so schön sagt. Ich bin selbst auf dem Land aufgewachsen und ich kenne quasi oder ich habe Nachbarschaft rauf und runter erlebt und und dann fiel mir das irgendwie auch wie Schuppen von den Augen, dass ich eigentlich überhaupt keinen Austausch hab mit meiner Nachbarschaft und ich das eigentlich total schade finde. Und das war sozusagen der der Anfang, der Anfang der Idee.

Bianca: Ja, sehr schön. Ich habe nur gute Erfahrungen gemacht mit nebenan.de. Klassiker: Ich habe ein Ladekabel gefunden für mein Handy, ich habe mir einen Basketball ausgeliehen und was mich persönlich besonders gefreut hat, bevor meine Tochter eingeschult worden ist, habe ich Eltern gefunden aus dem Kiez, die ihre Kinder hier auch in unserer Kiezschule hatten und konnte mich austauschen. Jetzt stehe ich kurz davor eine Waschmaschine geschenkt zu bekommen von einem Nachbarn hier ums Eck. Also ich persönlich habe nur positive Erfahrungen gemacht. Hast du irgendeine Lieblingsgeschichte die durch nebenan.de entstanden ist?

Ina: Ja ähm. Also ich muss ehrlicherweise sagen, ich habe wirklich total viele. Und ich werde mich jetzt gleich mal konzentrieren und eine schöne erzählen. Aber das finde ich halt, was du gerade erwähnt hast, das finde ich eben das ganz Besondere an Nachbarschaft. Und das ist es, was mir auch immer so wichtig ist, weil wir leben so nah beieinander und wir wissen so wenig voneinander, aber wir haben alle so viel zu geben. Und da schlummert einfach so ein wahnsinniges Potenzial in der Nachbarschaft, von dem man nichts weiß, ob es jetzt eben einfach zwischenmenschlich ist oder eben wirklich dann auch Wissen, was man teilen kann und so weiter. Und deswegen ist das einfach auch so ein spannendes und vielfältiges Thema eben tatsächlich auch. Und deswegen gibt es auch Geschichten, die wirklich nur das Leben schreiben kann bei uns auf der Plattform, also von Ehen, die geschlossen wurden, von Menschen, die sich kennengelernt haben, bis wirklich auch zu Menschen – das sind Geschichten, die mich auch persönlich glücklich machen oder mich auch immer wieder motivieren – wo tatsächlich Menschen aus der Einsamkeit herausfinden, wieder Kontakt zu anderen Menschen haben. Also die Geschichte ist schon lange her, aber sie hat mich natürlich damals extrem berührt, auch weil wir noch so jung waren, sozusagen auch mit der Plattform, war zum Beispiel die Geschichte von einer Person, die aufgrund ihrer Depression kaum ihre Wohnung verlassen hat und diesen Kontakt zur Außenwelt kaum noch hatte, da gar nicht mehr lebensfähig war, was das anbelangt.

Und über die Plattform, dadurch, dass es eben sehr niedrigschwellig ist und man nicht direkt bei jemandem erstmal an der Tür klingeln muss, sozusagen Schritt für Schritt wieder Kontakt gefasst hat, eine Familie kennengelernt, in der Nachbarschaft  angefangen Kontakt aufzunehmen. Dann haben sie sich gemeinsam getroffen und sie hat dann, glaube ich, auf das Kind aufgepasst. Iim Gegenzug hat sie, glaube ich, Gitarrenunterricht bekommen oder so – ich weiß nicht mehr genau, aber hat sozusagen da Schritt für Schritt wieder ins Leben zurückgefunden. Neben all diesen kleinen Alltagshilfen, die so auf der Plattform passieren, gibt es eben auch wirklich lebensverändernde Situationen und das ist schon irgendwie unglaublich. Und das ist wirklich auch schön und rührt ja tatsächlich auch ja sehr.

Bianca: Also es gibt bestimmt ganz viele so individuelle, wunderschöne Geschichten jetzt aus unternehmerischer Perspektive oder etwas größerer Perspektive. Ihr wollt ja auch einen Social Impact haben. Wie kann man so was messen?

Ina: Ja, also das ist eine relativ junge Disziplin, so etwas zu messen. Und es gibt aber tatsächlich verschiedene Ansätze, mit denen man da vorgehen kann. Also wir haben das gemacht, indem wir eine sogenannte Theory of Change aufgestellt haben. Also was glauben wir wo, in welchen Bereichen, haben wir Einfluss und eben Impact, also wo wirken wir? Und dann sind wir so vorgegangen, dass wir tatsächlich all unsere Nutzer:innen auch befragt haben und eben geschaut haben nach Vergleichswerten: Menschen, die nicht auf der Plattform aktiv sind und Menschen, die auf der Plattform aktiv sind, gibt es da Unterschiede? Und dann natürlich, haben wir uns an ganz vielen anderen Studien bedient, um das entsprechend zu berechnen. Und ich sage mal, gerade solche Themen wie Einsamkeit, Pflegebedürftigkeit, Hilfe im Alltag, das sind ja alles große gesellschaftliche Herausforderungen, die nur gemeinsam gestemmt werden können. Und da konnte man, konnten wir, schon auch eine Zahl dahinter packen und sagen, dass unser Impact sich tatsächlich auch monetär so auf rund fünf Millionen Euro berechnen lässt. Also das was sozusagen zum Beispiel perspektivisch eine Krankenkasse, ein Pflegedienst oder ähnliches sparen könnte, wenn man das Potenzial Nachbarschaft eben stärker nutzen würde.

Bianca: Ja, sehr interessant! Wie du meintest, ist das eine eher neue Disziplin. Das ist natürlich auch für uns zum Beispiel interessant für Good News oder für enorm, was wir für Wirkungen haben. Ich bin sehr gespannt, was wir da alles noch herausfinden. Ich hatte vorhin noch vergessen zu erwähnen, noch was anderes tolles, was ich über nebenan.de gefunden habe, nämlich einen Kiez-Clean-up Day, an dem wir auch schon teilgenommen haben als Familie. Und da würde ich jetzt direkt überleiten auf euren Aktionsmonat. Ja, magst du mir davon erzählen?

Ina: Ja gerne. Also das ist tatsächlich etwas, was uns auch ganz am Herzen liegt. Also was ich gerade schon meinte, es gibt so ein paar Kernthemen, die uns als Gesellschaft gerade extrem herausfordern und ein großes Thema, ich glaube, das ist hoffentlich allen bekannt, ist der Klimawandel, Umweltschutz und was können wir jeder Einzelne auch vor unserer eigenen Haustür tun. Wir sehen eben, dass auf der Plattform ein extremes Interesse daran besteht und dass auch Kern der der Idee ist, dass man Ressourcen schont, dass man Dinge teilt, dass man gemeinsam Verantwortung für sein direktes Umfeld übernimmt und aktiv wird. Und all das haben wir sozusagen als Anlass genommen und gesagt: Okay, da lass uns doch mal einen Aktionsmonat „Klima und Umweltschutz“ ins Leben rufen und lasst uns die Nachbarn und Nachbarinnen auffordern, dann tatsächlich aktiv zu werden. Bei uns auf der Plattform gibt es jetzt auch eine eigene Kategorie, sodass man entsprechende Beiträge auch sofort erkennen kann. Und wir rufen dazu auf, in diesem Monat zum Beispiel einen Clean-up Day zu machen: In der Nachbarschaft gemeinsam den Park vom Müll zu befreien oder auf dem Spielplatz ein Repair Café zu veranstalten. Also Leute zu finden in der Nachbarschaft, die da irgendwie ein Händchen für haben und dann eben Dinge zu reparieren. Das jetzt nur als zwei Beispiele. Oder das Thema Lebensmittelverschwendung zum Beispiel. Das mal anzugehen und zu gucken: Hey, welche Lösungen finden wir eigentlich ganz lokal bei uns in der Nachbarschaft dafür?

Bianca: Und dieser Aktionsmonat läuft jetzt den ganzen September. Aber diese Kategorien, von denen du gerade gesprochen hast, dass man das dann direkt auf der Plattform sieht, bleiben die darüber hinaus bestehen oder ist das jetzt erst mal nur für den September?

Ina: Das ist jetzt erst mal nur für den September. Man kann natürlich trotzdem immer bei uns, wenn man Beiträge erstellt, ja ich sage mal, bestimmte Kategorien auswählen. Aber, dass das jetzt wirklich ausschließlich so markiert ist, sozusagen, also thematisch, dass ist jetzt erstmal nur im September. Aber damit haben wir echt total gute Erfahrungen gemacht. Wir hatten es im Dezember auch zum Thema Weihnachten oder zum Thema Einsamkeit. Im Dezember oder rund um Weihnachten haben ja nicht alle Menschen irgendwie jemanden bei sich am Tisch sitzen. Und da haben wir das eben thematisch auch so gemacht. Das war ganz toll, hat super funktioniert. Könnte mir auch durchaus vorstellen, dass genau diese Kategorie, also gerade der Klima- und Umweltschutz, vielleicht auch was ist, was wir dann fortführen. Das kommt vielleicht auch ein bisschen darauf an, wie aktiv die Community da jetzt mitzieht.

Bianca: Seht ihr da einen Unterschied, was das Engagement angeht? Wenn wir jetzt aus dem urbanen Raum denken, ich hier in meiner Berlin-Bubble, lebe sehr städtisch und kenne nebenan.de eh sehr gut. Hier bei mir ist man gut vernetzt und es hat sich gut etabliert. Wie wie sieht es da im ländlichen Raum aus?

Ina: Ja, also im ländlichen Raum, da besteht definitiv noch Entwicklungspotenzial. Also das Bedürfnis ist ähnlich groß, weil man nimmt ja immer erst mal an, ja, in der Stadt ist die Anonymität deutlich größer. Das ist sie in einer gewissen Art und Weise auch. Aber im ländlichen Raum haben wir ähnliche Herausforderungen eben auch, ich sage mal, anders gelagert. Aber auch da, sage ich jetzt mal, fehlen oder brechen die Strukturen für Begegnung auch weg. Also der Bäcker macht zu und die letzte Eckkneipe gibt es auch nicht mehr. Und am Ende fahren alle mit dem Auto. So kenne ich das in dem Dorf, in dem ich aufgewachsen bin. Da passiert genau all das und und dann gibt es keine Orte mehr, wo man sich begegnen kann. Und deswegen ist auch auf dem Land eine Plattform wie nebenan.de von großer Bedeutung, auch für die Kommunalverwaltung. Auch da ist ein großes Interesse daran, Politik und Verwaltung und Bürger und Bürgerinnen zusammenzubringen. Wieder. Aber es ist tatsächlich so, dass wir in den Städten bisher deutlich stärker vertreten sind und sich das jetzt aber über die Stadtgrenzen hinaus ausbreitet und sehr viel fußt auf dem Engagement einzelner Personen. Gerade im ländlichen Raum, die das dann in die Hand nehmen und sagen: Ja, das brauchen wir hier auch und lasst uns das doch nutzen.

Bianca: Euer Aktionsmonat hat jetzt im September, wo es um gelebten Klima- und Umweltschutz in der Nachbarschaft geht und wie man sich da zusammentun kann – Dazu habt ihr ja auch eine Umfrage gestartet. Was habt ihr da herausgefunden?

Ina: Ja, also natürlich ganz klar, dass gerade für unsere Nutzerinnen und Nutzer das Thema einen extrem hohen Stellenwert hat. Wir haben auch herausgefunden, dass die Themen, die jetzt die Leuchtturmprojekte sind, eben wirklich auch das sind, was die Menschen schon sehr, sehr aktiv bei uns auf der Plattform machen. Also dieses Thema, dass wir fast in jeder Nachbarschaft  Foodsharing-Gruppen haben. Es leuchtet ja auch total ein, macht total Sinn, dass wir da auch lernen konnten, wie groß das Interesse und der Stellenwert von dem Thema da tatsächlich ist und eben auch das Interesse daran, sich darüber auch auszutauschen, gemeinsam Ideen zu entwickeln und aktiv zu werden. Das ist das, was sich da ganz, ganz deutlich gezeigt hat.

Ina: Wer jetzt gerade zuhört und sich jetzt schon länger fragt: Wo kann ich anfangen? Was kann ich tun? Vielleicht einfach mal auf nebenan.de gehen, sich vernetzen, Essen teilen, Dinge ausleihen, den Kiez aufräumen, Wissen austauschen. Ich glaube, das ist einfach ein super Startpunkt. Die Klimakrise kann einen ja auch total überfordern. Man weiß nicht, wo man was anfangen kann und wo man was tun kann. Und da macht es ja mega Sinn, dass man einfach mal in einem seiner kleinsten Bewegungsräume anfängt.

Ina: Ja, absolut. Das ist eben auch ein ganz wichtiger Aspekt, oder, etwas, was ich so wichtig finde, auch für uns als Gesellschaft heutzutage, ist eben das Gefühl zu haben, einfach mal irgendwo anfangen zu können. Und in dem Wirkungskreis, den man hat, da tatsächlich auch aktiv zu werden, was beitragen zu können. Ich glaube, wenn wir uns jetzt einfach nur die globalen Nachrichten und die Klimakrise und alle Nachrichten dazu anschauen, dann sitzt man ja wie ohnmächtig davor und denkt sich: Was soll ich, was kann ich da jetzt ausrichten? Und da ist es, glaube ich, ganz, ganz wichtig für uns alle und auch für uns als Gesellschaft, dass wir uns auf das Lokale konzentrieren. Welchen Unterschied kann ich machen im Kleinen? Weil, wenn wir alle so denken, dann kommt am Ende schon eine ganze Summe bei raus. Das heißt nicht, dass natürlich dann die entsprechende Verantwortung auch bei der Politik und bei den Unternehmen liegt. Aber es ist halt dieses Dreiergespann und das muss Hand in Hand gehen. Wir brauchen das irgendwie als Menschen, glaube ich, tätig werden zu können. Das ist einfach ein ganz wichtiger Aspekt unseres Seins.

Bianca: Ich habe noch eine gute Nachricht mitgebracht zum allgemeinen Thema Nachbarschaft. Davon möchte ich dir kurz erzählen: Und zwar von einer Immobilienverwaltung in Österreich. Die Dahir GmbH, die managt um die 1000 Wohnungen in Wien und in der Steiermark. Und die haben einen etwas anderen Ansatz, wenn es um die Immobilienvermietung geht. Normalerweise, kennt man ja, wenn man Mieter:in ist oder potenzielle Mieter findet, dass man erst mal alle Dokumente zusammenkriegen muss und auch beweisen muss, dass man sich diese Wohnung leisten kann und sich da verkaufen muss, sozusagen, vor diesen Vermieter:innen. Diese Dahir GmbH fährt das ein bisschen anders. Und zwar läuft das bei denen so ab, dass man sich einfach erstmal kennenlernt und zwar über einen Kaffee. Es geht darum, dass man gut in diese Mieter:innenschaft passt und dass man erstmal alle Nachbarinnen kennenlernt. Das zahlt sich doppelt aus: Tatsächlich einerseits für die Immobilienverwaltung, die haben durch dieses Konzept extrem viel Leerstand und Mietausfälle vermeiden können, weil die einfach immer in Kontakt sind, die Menschen sich da wahrscheinlich auch wohler fühlen, also eben mehr verankert sind in der Nachbarschaft und auch in dieser Immobilie. Und die Mieter:innen profitieren insofern, als dass sie immer jemanden haben vor Ort, den sie persönlich ansprechen können. Die kriegen Unterstützung, die bilden eben auch zusammen dann so kleine Reparatur-Nachbarschaftseinheiten und helfen sich gegenseitig aus. Und was mir besonders gut gefallen hat, jetzt durch Corona wurde das ja mehr in den Fokus gerückt, wie schwer es für manche manchmal sein kann, die Miete bezahlen zu können. Und diese Dahir GmbH hat die Erfahrung gemacht, dass Mieter:innen, die vielleicht finanziell angeschlagen sind, besonders Anfang des Jahres ihre Miete da nicht zahlen können. Und da gibt es verschiedene Modelle, dass die auch ihre Miete eine Zeit lang aussetzen dürfen, ohne in allzu große Bedrängnis zu kommen von Seite der Vermieter:innenschaft und dann natürlich später selbstverständlich nachzahlen müssen. Und ja, damit profitieren alle. Also weniger Leute ziehen weg und ich finde das einfach auch so ein schönes Beispiel: eine Immobilienfirma, die die Nachbarschaft und vor allem die einzelnen Mieter:innen stärkt und auch sich wohlfühlen lässt.

Ina: Ja, das ist ja ein ganz wichtiger Aspekt. Dieses „sich zu Hause fühlen“ heißt ja auch, dass ich eine Bindung aufbaue. Eben wie gesagt, nicht nur zu den eigenen vier Wänden, die ich mir irgendwie mit einer Pflanze und einem Bilderrahmen irgendwie schön gemacht habe, sondern eben darüber hinaus, meine Straße, mein Viertel, die Menschen zu kennen – das macht was mit den Menschen. Und das definitiv, das kann ich mir sehr gut vorstellen, dass das dazu führt, dass ich dann da länger bleiben möchte, dass ich mich da eben wohlfühle, dass ich auch anderen davon erzähle, dass es hier schön ist. Wir haben auch tatsächlich ein, zwei Beispiele in Deutschland, wo wir mit entsprechenden Bauträgern zusammenarbeiten, die dann wiederum ihre Mieter:inne oder Käufer:innen teilweise schon über nebenan.de miteinander vernetzt haben, bevor das überhaupt dort entstanden war. Alles also, damit sie schon vorher Synergien nutzen konnten, sich kennenlernen konnten und man sich dann auch wirklich auf das neue Zuhause freut und direkt einsteigt, indem man die Menschen links und rechts schon kennt. Und das ist von unschätzbarem Wert in normalen wie eben auch in außergewöhnlichen Zeiten. Wie wie wir das ja jetzt auch die letzten 18 Monate zum Beispiel hatten.

Bianca: Hast du zum Abschluss noch ein paar Tipps für eine gelungene Nachbarschaft?

Ina: Ähm, ja, natürlich. Also zwei Dinge: Das eine ist, wirklich mal bei uns vorbeischauen, sich mal anmelden. Ich glaube ganz wichtig ist auch einfach dieses Jahr, mit offenen Augen und offenen Ohren durch die Nachbarschaft zu gehen. Ich finde, man kann das nicht oft genug sagen. Genauso wie ich auch immer wieder sage, wenn es sich ergibt und man zieht um, was spricht dagegen, sich einmal kurz links und rechts vorzustellen? Einfach auch den Leuten mal freundlich zunicken an der Straßenecke. Und ich glaube wie gesagt, alleine dieses mit offenen Augen und Ohren durch die Nachbarschaft gehen macht schon so viel aus, weil man Dinge entdeckt, weil man mit Leuten in Kontakt kommt, ins Gespräch kommt. Und wie gesagt, dass man bei uns über die Plattform all die Dinge, die man vielleicht eben nicht sieht, wenn man gerade einfach die Straße langgeht, bei uns entdecken kann. Und das verspricht Zusammenhalt und letzten Endes eben die gute Nachbarschaft, die sich ja doch insgeheim sehr viele wünschen. Und sie ist da auch mit recht einfachen Mitteln auch herzustellen.

Bianca: Ja und zusammen können wir sogar Gutes tun. Wer Lust hat, guckt vorbei auf nebenan.de oder nimmt sich was vor für den September. Und vielen Dank, Ina!

Ina: Vielen Dank!

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