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31 Januar 2022 / Lesezeit: 2 minuten

Wortwahl

Wie sprechen wir über Native Americans?

Die Sprachen, Bräuche und traditionelle Kleidung der indigenen Völker in Nord- und Lateinamerika sind vielfältig. Verallgemeinernde und diskriminierende Fremdbezeichnungen für indigene Menschen sollten deshalb vermieden werden.

Bild: Andrew James / Unsplash

Bild: Andrew James / Unsplash

Mit Kolumbus vermeintlicher Entdeckung Amerikas begann die jahrhundertelange Unterdrückung der indigenen Bevölkerung. Bis heute sind allgemeine und diskriminierende Fremdzuschreibungen aus dieser Zeit für indigene Völker verbreitet. Welche alternativen Begriffe sind treffend?

Indigene Völker sind sich nicht ähnlicher als zum Beispiel Spanier:innen und Deutsche. Sie sprechen unterschiedliche Sprachen, haben andere Traditionen. Und doch wird allzu oft von ihnen gesprochen, als seien sie eine Einheit. Es wurden Oberbegriffe wie „Native American“, „American Indian“ oder eben „indigenous peoples“, auf Deutsch indigene Völker gefunden, die noch verwendet werden.

Problematisch ist, dass all diese Bezeichnungen Fremdzuschreibungen sind. Als Christoph Kolumbus 1492 auf einer karibischen Insel landete, wähnte er sich in Indien und nannte die Inselbewohner:innen folglich „Indios“, im Englischen entsprechend „Indians“ – die lange Geschichte der Fremdbezeichnungen nahm ihren Anfang. „American Indian“ ist noch heute einer der offiziell von der US-amerikanischen Regierung genutzten Begriffe. Mit Kolumbus begann jedoch auch die jahrhundertelange gewaltsame Unterdrückung der indigenen Bevölkerung Nord- und Lateinamerikas durch europäische Kolonialmächte. Für viele schwingt die Erinnerung daran schmerzhaft mit, wenn sie – oft abwertend und stereotypisierend – als „Indians“ bezeichnet werden.

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In den 1970er-Jahren etablierte sich in den USA daher der Begriff Native American, der später auch ins Deutsche einging. Der Begriff soll hervorheben, dass die indigenen Völker als erste auf dem amerikanischen Kontinent beheimatet waren und dass die Darstellung Kolumbus’ als „Entdecker“ einen Haken hat: Einen bereits bewohnten Ort konnte Kolumbus kaum mehr „entdecken“. Allerdings ist auch Native American eine Fremdzuschreibung der Mehrheitsgesellschaft, in der indigene Menschen bis heute systematisch diskriminiert werden.

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Viele indigene US-Amerikaner:innen greifen deshalb selbst lieber auf Indian zurück. Wichtig: Indian ist nicht gleich „Indianer:in“. Wenn deutschsprachige Menschen Letzteres sagen, haben sie nicht die indigene Bevölkerung der heutigen USA vor Augen, sondern rassistische Klischees. Um sie aufzubrechen, braucht es auch im Deutschen die alternativen Begriffe. Welcher von ihnen treffend ist, hängt letztlich von der Präferenz der einzelnen Personen ab. Bezeichnungen wie indigene Völker Nordamerikas oder der USA sind zwar weniger negativ konnotiert – wie die anderen allgemeinen Begriffe unterschlagen sie aber die Heterogenität der verschiedenen indigenen Nationen. Die beste Lösung ist, den spezifischen Namen des jeweiligen Volkes zu verwenden und darauf zu achten, wie sich die betroffenen Personen selbst definieren. Bevor wir sprechen, sollten wir also zuhören.