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23 März 2021 / Lesezeit: 2 minuten

Adoption und Selbstlosigkeit

Bonobos liefern wichtige Erkenntnisse über menschliches Verhalten

Die Verhaltensforschung unserer engsten Verwandten kann helfen, uns selbst besser zu verstehen. Forscher*innen haben nun spannende neue Erkenntnisse über das Adoptionsverhalten bei Bonobos erlangt.

Bild: IMAGO / Mint Images

Bild: IMAGO / Mint Images

Der Bonobo ist eine Primatenart aus der Familie der Menschenaffen. Gemeinsam mit seiner Schwesterart, dem gemeinen Schimpansen, stellen Bonobos die biologisch engsten Verwandten des Menschen dar. Daher lassen sich aus der Forschung der Tiere auch Erkenntnisse auf das menschliche Verhalten gewinnen. Forscher*innen haben nun im Kongo zum ersten Mal beobachtet, wie Bonobos Junge aus einer anderen Gruppe adoptiert haben.

Die Wissenschaftler*innen verfolgten die Zwergschimpansen für mehrere Jahre in der Region Wamba im Nordosten des Landes. Dabei beobachteten sie, dass zwei Weibchen zwei junge Tiere einer anderen Gruppe adoptierten, mit denen sie weder verwandt waren noch eine engere soziale Verbindung hatten.

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Toleranz für Individuen außerhalb der eigenen Gruppe

Beide Adoptivmütter trugen und pflegten die adoptierten Jungen und teilten Essen mit ihnen, wie die Forscher*innen der Kyoto Universität in Japan und der Durham Universität in Großbritannien im Fachjournal „Scientific Reports“ berichteten. Diese Fürsorge sei ein Beweis für die starke Verbindung von Bonobos zu Jungen sowie ihre hohe Toleranz für Individuen außerhalb der eigenen Gruppe.

Bei wilden Tieren seien Adoptivmütter mit den adoptierten Waisen normalerweise verwandt oder Weibchen würden Waisen adoptieren, um ihre eigenen Fähigkeiten, sich um Junge zu kümmern, zu verbessern, teilte die Forscherin Marie-Laure Poiret von der Durham Universität mit. Somit könne bei Tieren eine Adoption meistens durch die Eigeninteressen der Mutter erklärt werden. Allerdings gab es demnach bei den beobachteten Bonobos im Kongo keine Verbindung zu den adoptierten Waisen und beide Adoptivmütter hatten bereits eigenen Nachwuchs gehabt.

Verhaltensforschung: Adoption bei Menschen verstehen

Dieses Verhalten bei den Bonobos sei daher „überraschend sowie wunderbar“ und könne vielleicht helfen, Adoption bei Menschen zu verstehen, sagte Poiret. „Adoption bei Menschen kann durch eine selbstlose Sorge um andere erklärt werden sowie durch einen emotionalen Wunsch, sich um jemanden, mit dem man keine Verbindung hat, zu kümmern.“

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Bonobos, auch Zwergschimpansen genannt, leben nur in den dichten Wäldern südlich des Flusses Kongo und sind stark gefährdet, vor allem durch Wilderer und den kommerziellen Handel von Wildfleisch. Der Weltnaturschutzunion (IUCN) zufolge gibt es mindestens 15 000 bis 20 000 Bonobos.