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2 Mai 2022 / Lesezeit: 2 minuten

Zukunftsbegriff „Zukunftsschutzgebiet“

Wie können urbane Räume dem gesellschaftlichen Wohl dienen?

Im Altstadtquartier Büchel in Aachen soll auf dem Gelände eines Parkhaues ein Nutzungsmix aus Wohnungen, Lern- und Arbeitsorten entstehen. Anfang des Jahres wurde die Bausünde aus den 1960er Jahren gänzlich abgerissen.

Bild: IMAGO / Hans-Jürgen Serwe

Bild: IMAGO / Hans-Jürgen Serwe

Der Dresdner Stadtentwicklungsverein Konglomerat sucht in seinem Essay „Na dann machen wir mal – Streifzug durch ein städtisches Stimmungsbild“ nach Antworten und findet sie in einer Wortneuschöpfung: „Zukunftsschutzgebiet“.

Wo Naturschutzgebiete den Lebensraum von Flora und Fauna sichern, dienen Zukunftsschutzgebiete dem Schutz der Menschen in urbanen Räumen, ihrer Kultur und Selbstverwirklichung. Es geht auch um Partizipation: Orte sollen entstehen, die aktiv von ihren Bewohner:innen mitgestaltet werden. Sie interagieren dort auf vielfältige Weise miteinander, unabhängig von ihrem sonstigen sozialen und politischen Umfeld. So die Idee.

Während der namensgebende Essay bereits 2018 entstand, trafen sich ein Jahr später die Mitglieder des Konglomerats – Vereinsmotto: „Wir treiben den Austausch zur gemeinwohlorientierten Stadtentwicklung mit sämtlichen Akteur*innen voran“ – und weitere kreative Köpfe bei der #raumkon19 dann in Dresden. Sie beschäftigten sich mit Konzepten für gemeinwohlorientierte Stadtplanung. Denn das Wort sollte mit Leben gefüllt werden, Zukunftsschutzgebiete Realität werden. „Wir wollen einen Raum schaffen, der die Nachbarschaft zum Diskutieren und Handeln befähigt und damit eigentlich eine neue Art der öffentlichen Infrastruktur darstellt“, sagt Fridolin Pflüger vom Konglomerat.

Gebrauchsanweisung fürs Zukunftsschutzgebiet

Wie entsteht ein Zukunftsschutzgebiet? Das bei der #raumkon19 erarbeitete Konzept ist die Gebrauchsanweisung. Ideen wurden zusammengefasst, Organisationsstrukturen vorgeschlagen. Genutzt werden darf das Label von allen, vorausgesetzt: Gesellschaftlicher Mehrwert wird geschaffen.

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Brach liegende Plätze sollen zu gemeinsamen Treffpunkten werden und Bewohner:innen zu Gestalter:innen der eigenen Stadt. Sie sprechen mit und sind aktiver Teil eines Strukturwandels hin zur Stadt für Mensch und Kultur. Als gelungenes Beispiel nennt Pflüger das Altstadtquartier Büchel in Aachen.

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Dort soll, auf der Fläche eines alten Parkhauses, ein Nutzungsmix aus Wohnungen, Lern- und Arbeitsorten entstehen. Ein Bauprojekt, das sich Zukunftsschutzgebiet nennen darf. Projekte wie dieses braucht es, als Vorzeigebeispiel für die Politik. Denn um echten Schutz gewährleisten zu können, sind Legitimation, finanzielle Unterstützung und der Wille nach sozialer Durchmischung nötig. Sonst können Gebiete der Zukunft zwar entstehen, ebenso schnell aber wieder verschwinden.