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11 September 2019 / Lesezeit: 8 minuten

Urbanisierung in Zeiten der Klimakrise

Städte im Klima-Widerstand

Die Klimakrise findet global statt, doch auf lokaler Ebene gilt es sich an die Veränderungen anzupassen und Widerstand zu leisten. Am Beispiel Münchens berichten wir, wie sich eine Stadt anpasst und der Klimakrise entgegen wirkt

TITELBILD: PHILIPP BACHHUBER / UNSPLASH

TITELBILD: PHILIPP BACHHUBER / UNSPLASH

Der Klimawandel findet global statt – und trifft die Menschen lokal. Deshalb sind die Kommunen besonders gefordert, sich auf die Klimakrise einzustellen. Wie das gehen kann, ist gut erforscht. Doch an der Umsetzung hapert es allzu oft. Wir haben uns am Beispiel Münchens angeschaut, wie sich eine Stadt vorbereitet

Von der Reichenbachbrücke hat man einen guten Blick über das bunte Treiben an der Isar, dem Gebirgsfluss, der sich einmal quer durch München schlängelt. Jugendliche lassen sich durch das kühle Wasser treiben, ältere Menschen sitzen auf Findlingen, um sich abzukühlen, einige stehen knietief im Wasser und lesen ein Buch. Bis vor wenigen Jahren war all das nicht möglich. Auf acht Kilometern wurde die zuvor kanalisierte Isar renaturiert, seither wird sie intensiv genutzt, besonders bei warmen Temperaturen.

Die gibt es immer öfter, denn natürlich ist die Klimakrise auch in der bayerischen Landeshauptstadt schon heute deutlich spürbar: Die Tage werden heißer, die Hitzeperioden häufiger und intensiver. Auch nachts wird es wärmer: Die Wetterstationen registrieren immer mehr sogenannte tropische Nächte, in denen die Temperatur nicht unter 20 Grad sinkt. Im Vergleich zum ländlichen Umland ist die Hitzestressgefährdung in Städten deutlich größer, denn sie bilden Wärmeinseln – ein seit langer Zeit bekanntes Phänomen. Zu viel Asphalt, Beton, kaum Durchzug und wenige Grünflächen: Durch die dichte Bebauung
und den hohen Versiegelungsgrad führt dieser Wärmeinsel-
Effekt in München zu Temperaturen, die durchschnittlich 2 bis 3 Grad über denen des Umlands liegen. Nachts kann die Differenz sogar bis zu 10 Grad betragen.

Vor sechs Jahren hat die Stadt begonnen, sich strategisch mit den Herausforderungen der Klimakrise auseinanderzusetzen. „Ausschlaggebend waren die wissenschaftlichen Erkenntnisse, dass es trotz Bemühungen zum Klimaschutz unvermeidbare Auswirkungen geben wird“, sagt eine Sprecherin des Referats für Gesundheit und Umwelt (RGU), das in diesem Aufgabenbereich federführend ist. Gemeinsam mit Experten vom Deutschen Wetterdienst hat die Stadt sehr präzise ausgewertet, welche spezifischen Risiken München durch die Klimakrise drohen.

Andauernde Trockenperioden, wie während der Dürre 2018 und sinkende Niederschlagsmengen bedingen eine Veränderung des Grundwasserstands und haben Auswirkungen auf die Vegetation in der Stadt. Umgekehrt sorgen die öfter auftretenden Starkregenereignisse für ein „Zuviel an Wasser“: Die zunehmende Versiegelung erschwert den Abfluss, es werden bessere Oberflächenentwässerung und mehr Überschwemmungsgebiete benötigt. Anpassungsbedarf besteht auch in Bezug auf Dachentwässerung und Windfestigkeit. Nachgedacht wird in München über veränderte Einsatzmuster bei der Feuerwehr oder vermehrte Trinkwasser-Chlorung zur Abtötung gesundheitsgefährdender Keime nach Starkregen.

Viel Niederschlag und Hochwasser sind Themen, die auch Unternehmen betreffen – etwa wegen Lieferverzögerungen oder leer zu pumpender Lager- und Verkaufsräume. Steigende Temperaturen und die Zunahme der Hitzeextrema erfordern zudem eine Anpassung der Regeln für die Gebäudetechnik, zum Beispiel zum sommerlichen Wärmeschutz. Besonders alte Menschen, Kranke und kleine Kinder werden mit Hitze schlecht fertig. Für Menschen mit Herz-Kreislauf-Beschwerden und ­Lungenleiden können Tropennächte sogar lebensbedrohlich werden.

Auch für die Grün- und Freiflächen in der Landeshauptstadt bleibt die Klimakrise nicht ohne Folgen. Bei steigender Lufttemperatur und längeren Trockenperioden werden sie stärker genutzt und dringender gebraucht als ohnehin schon – weil sie bei Hitze angenehme Bedingungen versprechen und weil sie andere Teile der Stadt mit Kaltluft versorgen. Allerdings werden längere Trockenphasen und eine veränderte klimatische Umgebung auch der Flora zu schaffen machen: Pflanzen und Bäume sind nicht nur stärkerem Hitze- und Trockenheitsstress ausgesetzt, sie sind auch anfälliger für Schädlinge. Bäume in Parks, an Straßenrändern und auf Friedhöfen müssen stärker überwacht werden. In München gibt es unterirdische Regenrückhaltebecken, um das Kanalisationsnetz bei Starkregen zu entlasten und den Niederschlag zurückzuhalten. Zur Vorbereitung auf extreme Starkregenereignisse sei es aber zudem nötig, das Thema Versickerung und Regenwassermanagement in der Bauleitplanung stärker zu verankern.

Städte sind besonders verletzlich

Zwei Drittel der weltweiten Bevölkerung haben ihren Lebens- und Arbeitsmittelpunkt in Städten. Das macht es besonders wichtig, Ballungsräume gegenüber den Folgen der Klimakrise zu rüsten. 77 Prozent der 520 größten Städte weltweit werden bis zum Jahr 2050 einen deutlichen Wandel der klimatischen Bedingungen erleben, so eine jüngst veröffentlichte Studie der ETH Zürich. Weltweit werden demnach Städte, die sich derzeit in gemäßigten oder kalten Zonen der nördlichen Hemisphäre befinden, Orten ähneln, die mehr als 1000 Kilometer näher am Äquator liegen, so die Forscher. In den Tropen fallen die Temperaturunterschiede hingegen relativ klein aus. Dort wird sich die Klimakrise aber durch mehr Dürren und extreme Niederschläge bemerkbar machen. Die Wetterextreme, die zum neuen Normalzustand werden, haben tiefgreifende Folgen für die städtische Infrastruktur, auf die Planer noch nicht vorbereitet seien. So müssten beispielsweise die Wasserversorgungen teils völlig neu gedacht werden, schreiben die Forscher.

„In Deutschland sind die notwendigen Anpassungen der Städte im Vergleich zu anderen Ländern keine ganz so dramatische Aufgabe“, sagt Fabian Dosch vom Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR). „Aber auch hierzulande sehen wir häufigerem und intensiverem Starkregen entgegen, was Maßnahmen zur Überflutungsvorsorge erfordert. Auch Gesundheitsgefährdungen durch Hitzeperioden oder invasive Arten und Veränderungen des Biodiversitätsspektrums in Städten sind schon heute zu beobachten. Zudem müssen wir unsere Bausubstanz rasch dem Klimawandel anpassen. Aber im weltweiten Vergleich sind diese Auswirkungen noch relativ gut steuerbar.“ Hierzulande, so Dosch, gebe es seit mehr als zehn Jahren eine intensive wissenschaftliche Beschäftigung mit diesem Thema, an der auch etliche Städte und Gemeinden mitwirken; zahlreiche Förderprogramme wurden initiiert. Kommunen haben zudem inzwischen nach dem Baugesetzbuch und dem Raumordnungsgesetz eine gesetzliche Pflicht, sich dem Thema zu widmen.

Deutsche Städte können sich in vielen Fällen am mediterranen Städtebau orientieren. Helle Oberflächenmaterialien vermindern Aufheizung, Arkadengänge sorgen für Schatten und relative Kühle. Oft seien es ganz einfache und kostengünstige Maßnahmen, die Linderung verschaffen können, so Dosch: die Beschattung von Plätzen, insbesondere von Spielplätzen, Trinkwasserbrunnen oder die Organisation von Nachbarschaftshilfen, die sich bei Extremwettern um Ältere und Pflegebedürftige kümmern.

Das Prinzip Schwammstadt

Ein Problem bei extremen Niederschlägen, die durch die Klima­krise zunehmen werden, sind insbesondere versiegelte Böden. Das Wasser kann nicht versickern und die Kanalisation ist nicht für solche Wassermassen ausgelegt – es kommt zu Überflutungen. Unter dem Stichwort „Schwammstadt“ diskutieren Stadtplaner, wie Niederschläge möglichst dort aufgefangen werden, wo sie anfallen. Mehr Grünflächen, Versickerungsmulden, ­Teiche und klassische Oberflächen-Regenspeicher können die ­Kanalisation entlasten und zudem das Stadtklima verbessern, denn beim Verdunsten entfaltet gespeichertes Regenwasser eine kühlende Wirkung. Ein Beispiel für das Prinzip Schwammstadt ist die Hamburger Gründachstrategie. Drei Millionen Euro hat die Hansestadt bereitgestellt, um bis 2020 Dächer mit einer Gesamtfläche von etwa 100 Hektar zu begrünen. Die Pflanzen sollen nicht nur helfen, dass Regenwasser langsamer abfließt. Sie tragen zur Dämmung der Gebäude bei und erhitzen die Stadt weniger stark als etwa Beton, der Wärme besonders gut speichert. Auch Fassadenbegrünung durch Wein oder Efeu bietet nicht nur Nahrung für hungernde Insekten, sondern verbessert auch die Temperierung von Gebäuden. Gleiches gilt für entsiegelte und begrünte Innenhöfe.

Vom Wissen zum Handeln

In München mündeten die Ergebnisse der Klima-Analyse in den 2016 verabschiedeten, ehrgeizig anmutenden Plan „Anpassung an die Folgen des Klimawandels“. „München ist eine Stadt, die sehr rührig ist, viele Nachfragen stellt und sich beraten lässt“, lobt Gudrun Mühlbacher vom Deutschen Wetterdienst, die als Leiterin des Regionalen Klimabüros München Kommunen in ganz Bayern berät. Überhaupt gebe es kaum noch eine Gemeinde, in der die Relevanz der Klimawandelanpassung nicht klar sei, so Mühlbacher. Auch, weil die meisten Gemeinden ­bereits am eigenen Leib spüren, wie beispielsweise die Kanalisation nicht mehr mit den zunehmenden Starkregenereignissen zurechtkommt. Starker Schneefall droht Gebäude einstürzen zu lassen, Krankenhäuser sind im Sommer wegen Hitzegeschädigten und dehydrierten Menschen überlastet, und einige Kurorte müssen fürchten, aufgrund steigender Temperaturen ihr Prädikat zu verlieren.

Freiflächen erhalten

Eine gute interdisziplinäre Zusammenarbeit sei ein wichtiger Aspekt auf dem Weg zu einer Klimastrategie, heißt es aus dem Münchner RGU. 60 Kolleg*innen aus 18 Dienststellen waren an der Erarbeitung des Konzepts beteiligt. Eine sehr wichtige Maßnahme aufgrund des städtebaulichen Wachstums war die „Integration einer Klimafunktionskarte in die Stadtplanung“, heißt es aus dem RGU. Klima-Aspekte sollen schon vor der Ausschreibung städtebaulicher Wettbewerbe oder der Aufstellung
von Bebauungsplänen berücksichtigt werden. Auf diese Weise könnte die klimatische Wirksamkeit von Flächen erhalten und der groß- und kleinräumige Luftaustausch funktionsfähig bleiben. Sind stadtklimatisch wichtige Flächen betroffen, soll ein vertiefendes mikroklimatisches Gutachten in Auftrag gegeben werden. Zu den wichtigsten Zielen im Münchner Anpassungskonzept gehört es, Freiflächen zu bewahren, einen Grüngürtel zu sichern und kleinräumige, klimawirksame Begrünung zu fördern.

„Wir sind in der Diskussion, wie diese Maßnahmen umgesetzt werden, relativ weit“, meint Stadtforscher Dosch mit Blick auf die Bundesebene. „Allerdings ist die Art und Weise, wie Klimaanpassung durchzuführen ist, im Detail nicht geregelt. Klimaanpassung ist eine Querschnittsaufgabe in Städten, und es muss noch viel getan werden um Städte wirklich widerstandsfähig gegenüber den Klimarisiken zu machen.“

Das zeigt sich auch in München. Denn Papier ist geduldig. Natürlich, es gibt Vorzeigeprojekte. Es laufen verschiedene Fließgewässer-Renaturierungen, bei denen das Flussbett aufgeweitet und der Abfluss verlangsamt wird. In den von der Stadt definierten Überschwemmungsgebieten gelten besondere Auflagen beim Bauen. In der Messestadt Riem, ein ehemaliges Flughafengelände, wurde inmitten der Bebauung eine große Wildblumenwiese geschaffen. Insbesondere seit dem erfolgreichen Volksbegehren zur Artenvielfalt bemüht sich die Stadtverwaltung, grüne Maßnahmen zu bewerben. Dieses Frühjahr wurde der Rathausbalkon öffentlichkeitswirksam mit bienenfreundlichen Buntnesseln, Wolfsmilch und Prachtkerzen bepflanzt. Nach langem Hin und Her wurden im Innenstadtbereich zwölf Trinkbrunnen ausgewiesen, an denen sich Bürger*innen und Tourist*innen während der Hitze mit Frischwasser versorgen können. Auf Nachfrage nennt das RGU auch ein mögliches Isarflussbad eine wirkungsvolle Einrichtung.

Wie viel Wachstum vertragen Städte?

Auf den innerstädtischen Flächen zeichnet sich jedoch ein anderes Bild ab. Schwermütig mussten etwa die Initiatoren von „o’pflanzt is“ zusehen, wie sich hinter einem Bauzaun schwere Maschinen in das Erdreich graben, das ehemals ein Gemeinschaftsgarten war. Wo Münchner*innen bis vor wenigen Monaten nach Herzenslust in der Erde wühlen, Bienen- und Insektensummen lauschen und Gemüse ernten konnten, will der bayerische Staat auf mehr als 3300 Quadratmetern Wohnungen für Staatsbedienstete errichten.

Das Schicksal von „o’pflanzt is“ steht exemplarisch für die Probleme, die der Boom der bayerischen Landeshauptstadt mit sich bringt. Auf den Straßen herrscht Dauerstau und Wohnraum ist ein knappes Gut. „Bezahlbares Wohnen ist in München ein so drängendes Thema, dass Anpassungen an den Klimawandel bei Neubauvorhaben häufig nicht ausreichend berücksichtigt werden“, sagt Martin Glöckner, Geschäftsführer des Münchner
Umweltvereins Green City. Klimarelevante Fragestellungen
würden oft als „Soft facts“ und „Nice to have“ betrachtet. Im Flächennutzungsplan Münchens seien durchaus viele Grünzüge ­eingeplant, die aber schlicht nicht realisiert würden. Ein Beispiel dafür ist das Domagkviertel, einst als Vorzeigeprojekt modernen Städtebaus gehandelt. „Doch nach dem anfänglichen Medienrummel wurde es um die Realisierung einzelner Baumaßnahmen ruhiger. Darüber, dass umfangreiche Maßnahmen zur Begrünung nur in deutlich reduzierter Form umgesetzt wurden, sprechen die Planer der Stadt München nicht gerne“, kritisiert die Initiative „Mehr Grün im Domagkquartier“. Auf Münchens Dächern finden sich zwar reihenweise Partyzonen, Kinderspielplätze und Bars – Begrünungen eher selten. Die Hitzebelastung reduzieren solche Dachnutzungen freilich nicht.

München ist stolz auf sein Image als prosperierender Wirtschaftsstandort. Das bedeutet aber auch, dass trotz intensiver Nachverdichtung der Druck auf das Stadtgebiet in absehbarer Zeit nicht abnehmen wird. Laut Referat für Arbeit und Wirtschaft sind hunderte Firmen auf der Suche nach Gewerbeflächen, in den kommenden 20 Jahren wird mit starkem Zuzug gerechnet.

Zumindest für die Innenstadt hat Martin Glöckner ein paar Ideen für sofort umsetzbare Maßnahmen: „Jede Straße in München braucht Bäume. Und diese brauchen Raum, um sich entfalten zu können. Weil Bäume mindestens 30 bis 50 Jahre benötigen, um ein klimarelevantes Volumen zu entwickeln, müssen sie sofort gepflanzt werden.“ Politiker müssten außerdem endlich die Courage finden, Parkplätze rückzubauen, so Glöckner. „In München bekommen sie für 30 Euro im Jahr die Genehmigung, ein Auto auf öffentlichen Raum abzustellen. Das ist nicht mehr zeitgemäß.“ Zu viel Verkehr durch private PKW, zugeparkte Straßen, zu wenig Grün, fehlende Aufenthaltsmöglichkeiten: „Wir müssen die Planung und Nutzung unserer Städte vollkommen neu denken“, mahnt Glöckner. Wie das aussehen kann, zeigt sein Verein an der Umnutzung von acht Parkbuchten im Münchner Stadtteil Westend. Wo vorher Autos parkten, stehen nun Pflanzen, Bänke und Fahrradbügel. Beauftragt ist die Aktion vom Baureferat der Stadt München – aber erst einmal nur während der Sommermonate. Der Umweltverein hofft auf eine dauerhafte Lösung.

Strengere Regularien nötig

Um Grünstandards sicherzustellen muss bundesweit noch viel getan werden, meint Raumplaner Fabian Dosch. Dennoch gebe es zahlreiche Beispiele für Städte, in denen Vorbildliches zur Klimawandelanpassung umgesetzt werde. Er nennt das Neubauviertel Seestadt Aspern in Wien. „Dort ist es trotz extrem hoher wohnlicher Dichte gelungen, sowohl kleinere als auch größere Parks in der Anlage zu realisieren, die den Bürgern auch bei höheren Temperaturen angenehmes lokales Klima ermöglichen und damit ein angenehmes Wohnumfeld schaffen.“ In Deutschland sei etwa die Stadt Essen ein Vorreiter darin, alte Industriegebiete wassersensibel umzugestalten. Und Jena habe vorbildlich erforscht, wie die in einer Tallage liegende Stadt ihre Probleme mit Hochwasser, Hitze und der Zufuhr von Frischluft angehen kann.

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An finanziellen Mitteln fehle es grundsätzlich nicht, meint Dosch. „Die Herausforderung ist vielmehr, dass wir Menschen benötigen, die Klimaanpassung mitdenken und auch zu einer Frage des Renditekalküls machen.“ Dabei könne eine Vielzahl von klimarelevanten Investitionen sich sowohl für Bauherren als auch für Mieter lohnen: „Städte klimaresilient umzugestalten ist eine große Aufgabe, die am Anfang steht. Vieles davon kann technisch gelöst werden. Aber ein sehr großer Teil davon hat mit Maßnahmen zu tun, die auch ohne Klimawandel unsere Lebensqualität verbessern würden.“

Das fordern auch in München immer mehr Menschen. Der lokale Ableger von „Fridays For Future“ hat einen umfangreichen Maßnahmenkatalog vorgelegt. Darin findet sich die Forderung nach einer autofreien Innenstadt und nach einer Beschränkung der Flächenversiegelung auf maximal 50 Prozent der Stadtfläche. Ein wachsendes ziviles Bündnis aus aktuell 150 Organisationen stützt diese Vorschläge. Unter dem Dach des Forums „Lebenswertes München“ haben diverse Bürgerinitiativen begonnen, sich zu vernetzen. 2020 steht in Bayern die nächste Kommunalwahl an. Es könnte eine Klimawahl werden.