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26 August 2021 / Lesezeit: 10 minuten

Sport

Transkript: Good News enorm Podcast Folge 26

Die Mixed-Teams der USA, Niederlande, Polen und der Dominikanischen Republik im Finale der 4 x 400 Meter Staffel bei den Olympischen Spielen in Tokio. Frauen und Männer traten in dieser Disziplin in einem gemeinsamen Wettkampf an.

Bild: IMAGO / Agencia EFE

Bild: IMAGO / Agencia EFE

Hier findest du eine schriftliche Fassung der Podcastfolge 26 von „Good News enorm“. Bei den Olympischen Sommerspielen in Tokio gab es in diesem Jahr so viele Olympionikinnen wie nie: 48 Prozent. Auch für die Finanzierung von Leistungssportlerinnen haben wir gute Nachrichten: Ein neues Social Start-up möchte weibliche Athlet:innen mit Sponsor:innen zusammenbringen. Außerdem zeigt eine neue Studie, dass ein gezieltes Bewegungsprogramm dabei hilft, Depressions-Symptome wie Pessimismus oder Antriebslosigkeit zu mildern.  

Das Transkript soll den Podcast möglichst barrierefrei auch nicht-hörenden Menschen zugänglich machen. In dieser Folge sprechen Good-News-Redakteurin Bianca Kriel und Astrid Ehrenhauser, Redakteurin beim enorm Magazin, über gute Nachrichten aus dem Sport.

Bianca: Hallo und herzlich willkommen zu Good News enorm – gute Nachrichten und konstruktive Gespräche. Ein Podcast von Good News und dem enorm Magazin. Heute geht es um gute Nachrichten aus der Sportwelt. Aber erst einmal der gute Nachrichten-Überblick.

In Brooklyn, New York, haben 14 bis 20 Prozent der Haushalte keinen Internetzugang. Um das zu ändern, sollen Solarzellen auf Hausdächern mit grüner Energie künftig die Betriebskosten der Gebäude decken. Das eingesparte Budget wird genutzt, um 22 Häuser vier Jahre lang mit kostenlosem WLAN zu versorgen.

Hongkong ist einer der größten Umschlagsplätze für den internationalen Wildtierschmuggel. Über 900 Millionen Tonnen Wildtiere wurden in den letzten drei Jahren beschlagnahmt. Bisher konnte der illegale Handel jedoch juristisch nicht effektiv belangt werden. Neue Gesetze sollen das nun ändern.

Minecraft gehört zu den beliebtesten Computerspielen der Welt. Seit März 2020 nutzt die NGO „Reporter ohne Grenzen“ das Spiel, um mit der „Uncensored Library“ die Internet-Zensur in autoritären Ländern zu umgehen und Menschen auf der ganzen Welt Zugang zu unabhängigen Informationen zu ermöglichen.

Bisher durften homo- und bisexuelle Männer in Israel nicht uneingeschränkt Blut spenden. Das soll sich jetzt ändern. Ab Oktober 2021 sollen Männer unabhängig von ihrer sexuellen Orientierung diskriminierungsfrei Blut spenden dürfen.

Eine neue App aus Frankreich soll die Sicherheit für Frauen auf Festivals erhöhen: Sie können sich anonym anmelden und in Gefahrensituationen über „Safer“ ein Signal abgeben. Ein temporäres Geolokalisierungssystem schickt freiwillige Helfer:innen zu den Betroffenen.

Bianca: Hallo, mein Name ist Bianca, ich bin Redakteurin bei Good News und ich freue mich, dass wir heute über gute Nachrichten und Entwicklungen aus der Sportwelt sprechen. Darüber, dass dieses Jahr bei den Sommerspielen in Tokio so viele Olympionikinnen mit am Start waren wie noch nie davor. Darüber, wie ein Start-up für mehr Lohngerechtigkeit für Leistungssportler:innen sorgen will und wie Sport genau gegen Depressionen hilft. Ich freue mich besonders, dass heute mal wieder Astrid mit am Start ist. Hallo Astrid!

Astrid: Ja, hallo Bianca, ich freue mich auch. Ich bin, wie gesagt, Astrid und ich bin Redakteurin beim enorm Magazin und ich fange auch gleich mal an mit der ersten guten Nachricht. Die dreht sich ja um die Olympischen Spiele. Hast du eigentlich Olympia geguckt dieses Jahr?

Bianca: Das ist komplett an mir vorbeigegangen. Natürlich habe ich in der täglichen News-Recherche mitbekommen, was passiert, aber ich habe keinen Wettkampf gesehen. Und du?

Astrid: Ich gucke so etwas ehrlich gesagt auch nicht so viel. Mein Bruder hat ein bisschen geguckt und den hatte ich besucht in der Zeit und da habe ich dann ein paar Mal so Ausschnitte mitbekommen. Aber ja, im Grunde habe ich auch vor allen Dingen dazu recherchiert und nicht so sehr die Wettkämpfe verfolgt, muss ich gestehen. Aber ich habe eine gute Nachricht gesehen, und zwar, dass tatsächlich bei diesen Olympischen Spielen, die jetzt bis Anfang August stattgefunden haben, so viele Frauen wie noch nie teilgenommen haben. Diese Olympischen Spiele waren fast die Hälfte der Teilnehmer:innen weiblich, und zwar 48 Prozent. Das ist deswegen so eine tolle Nachricht, weil tatsächlich bei den ersten Olympischen Spielen der Neuzeit im Jahr 1896 damals noch keine einzige Frau dabei. Im Jahr 1900 durften dann die ersten Frauen, und zwar damals auch nur 22, teilnehmen, und zwar bei Disziplinen wie Golf oder Tennis und ein paar anderen. Das waren dann 2,2 Prozent der ganzen Athlet:innen, die weiblich waren, also im Grunde gar nix. Das hat damals auch schon mega viele Leute aufgeregt, unter anderem eine Französin, Alice Milliat. Die hat als Präsidentin des französischen Frauensport-Dachverbandes gefordert, dass auch Frauen bei leichtathletischen Disziplinen bei Olympia im Jahr 1924 teilnehmen dürfen. Es hat aber damals leider nicht funktioniert und deswegen hat sie dann eine Gegenveranstaltung aufgezogen: Olympia für Frauen – im Jahr 1921 in Monte Carlo. Und ja, das war damals echt ein Riesending, denn es gab noch sehr absurde Ansichten. Bis zum Jahr 1931 zum Beispiel, hat ein Gynäkologe aus Leipzig, Hugo Sellheim, behauptet, dass durch zu viel Sport die weiblichen Unterleibsorgane verwelken würden.

Also, es gab da ganz abstruse Ansichten und deswegen war das alles nicht so einfach, dass Frauen da wirklich ernst genommen wurden und wirklich akzeptiert wurden als Teilnehmerinnen. Und es hat echt lang gedauert. Im Jahr 2012 haben Frauen zum ersten Mal in der Disziplin des Boxens bei Olympia teilnehmen dürfen, obwohl es Boxen schon als Sportart seit 1904 bei Olympia gibt. Auch beim Skispringen gab es Frauen erst seit 2014 als Teilnehmerinnen bei Olympia, beim Rugby erst seit 2016. Und mittlerweile ist es jetzt so, dass bei den Olympischen Spielen die neu zugelassenen Disziplinen, zum Beispiel Skateboard, Surfen, Sportklettern, aber auch Karate – da sind Frauen immer direkt einbezogen worden und durften teilnehmen. Ich habe deswegen dazu ein bisschen recherchiert, weil wir in unserer Rubrik im Magazin, „Früher war… Jetzt ist alles besser“ einen kleinen Text dazu haben und auch sehr coole Fotos, die das nochmal ziemlich gut veranschaulichen und zeigen sollen, dass sich da einiges getan hat und wir eine sehr positive Entwicklung sehen. Also, Sport ist natürlich immer noch ein bisschen binär – offensichtlich – allein, weil in Geschlechter eingeteilt wird, wer wo teilnehmen darf. Zum Beispiel die rhythmische Sportgymnastik schließt Männer wiederum aus. Das ist auch krass, dass da Männer nicht teilnehmen können bei Olympia.

Bianca: Also Männer dürfen da gar nicht teilnehmen?

Astrid: Die Disziplin gibt es einfach nicht für Männer, genau. Also, es gibt natürlich Männer, die diesen Sport machen, aber bei olympischen Disziplinen sind sie halt nicht zugelassen. Und es gibt dann auch so Regelungen zu Testosteronwerten, die sehr umstritten sind, was intersexuelle Athlet:innen angeht. Zum Beispiel bei Laufsportarten. Immerhin beim Reitsport, und das ist auch, glaube ich, der einzige Sport bei Olympia, wo Frauen und Männer wirklich in einem gemeinsamen Wettbewerb antreten. Eine andere coole Sache, die habe ich mir noch mal angeschaut, das sind die EuroGames. Ich weiß nicht, ob du von denen gehört hast?

Bianca: Nein, die kenne ich nicht.

Astrid: Die sind jetzt in Kopenhagen gewesen dieses Jahr. Also, in Tokio waren ja die Olympischen Spiele dieses Jahr und in Kopenhagen wiederum, waren Europe Games. Das ist ein LGBTIQ-Event, das einfach für Vielfalt im Sport eintritt und Akzeptanz von Menschen mit unterschiedlichen sexuellen Orientierungen und Identitäten fördern will. Da gibt es auch ganz viele Kategorien, wo es gemeinsame Kategorien für alle Geschlechtsidentitäten gibt, zum Beispiel bei Wasserball, Hockey, Synchronschwimmen. Es gibt auch eine gemischte Kategorie für „all Genders“ und es gibt nicht nur eine männliche und eine weibliche Kategorie. Außerdem sagt man bei den Euro Games auch nicht, dass man Mann oder Frau ist, sondern man sagt, man identifiziert sich als Mann oder Frau. Es wird einfach ein bisschen aufgepasst und es ist nicht so krass binär wie bei den klassischen Sportarten und bei Olympia. Das fand ich auch ganz schön und es ist eben ein alternatives Event, das dieses Jahr im August auch stattgefunden hat.

Bianca: Ich finde es so krass, weil du meintest, nur im Reiten – jetzt bei den klassischen Olympischen Spielen – dass das die einzige Disziplin ist, in der Männer und Frauen gemeinsam teilnehmen. Ich musste daran denken, ich habe früher Synchron-Eiskunstlauf gemacht, eine extreme Nischensportart. Und früher war es zumindest so, dass wir zwischen 16 und 20 Menschen waren in einem Team. Das war tatsächlich durchmischt – und so haben wir auch unsere Wettkämpfe bestritten. Also, es war selbstverständlich, dass in einem durchaus weiblichen Team ein paar männliche Sportler dabei waren.

Astrid: Ja, genau solche Mixed-Wettbewerbe gab es auch bei Olympia und die wurden sogar im Vergleich zum vorherigen olympischen Wettkampf im Jahr 2016 verdoppelt. Auch dadurch ist der Frauenanteil gestiegen bei den Olympischen Spielen in Tokio. Es gibt sie für verschiedene Sportarten, zum Beispiel Bogenschießen, Tischtennis Doppel und so weiter. Der Unterschied ist dann, dass beim Reitsport wirklich bei jeder Medaille im offenen Wettbewerb Männer gegen Frauen antreten können.

Ja, und dann mache ich doch gleich weiter mit der nächsten guten Nachricht. Und zwar gibt es seit kurzem ein Social Start-up, das sich Equalchamps nennt. Und die setzen sich für Chancengleichheit im Sport ein. Und vor allen Dingen für gleiche Bezahlung. Es ist nämlich so, dass tatsächlich – sagt dieses Start-up – immer noch 93 Prozent des weltweiten Sponsoringvolumens im Sport in den Männersport fließt. Also nur 7 Prozent geht in den Frauensport. Und diese Plattform ist eine online Sponsoring-Plattform, die jetzt im September, am 15. September, gelauncht wird – sie ist in diesem Juni gegründet worden – die soll jetzt Sponsor:innen und Leistungssportler:innen zusammenbringen, also gezielt Frauen fördern, damit die auch Sponsor:innen bekommen, die zum Profil passen – weil die Werte des Unternehmens passen, weil sie in der ähnlichen Region sind, weil eben passt, welche Aktivitäten, also wie genau Werbung oder Sponsoring dann aussehen soll, weil das zusammenpasst. Und das soll dann auch mit einem Algorithmus funktionieren. Aktuell ist das „matching“ noch manuell. Und ja, es geht halt darum, dass sie sagen: Frauen als Spitzensportlerinnen müssen oft immer noch, obwohl es ihr Job ist, nebenbei einen anderen Job machen, weil sie so wenig verdienen. Und sie haben auch immer noch weniger Anerkennung in manchen Sportarten als Männer.

Die Gründerinnen, das sind die zwei Management und Entrepreneurship-Studentinnen Laura Elbers und Lina Soffner, die haben Tech & Nature erzählt, dass sie das aus einer persönlichen Erfahrung heraus gemacht haben. Und zwar, weil eine Freundin von ihnen Handballerin in der zweiten Bundesliga spielt, aber trotzdem noch Anreisen selber bezahlen muss. Und der Freund dieser Handballerin wiederum, der spielt ebenfalls Handball, aber in einer Liga weit unter ihr und der muss es nicht selber bezahlen. Das ist schon ziemlich ungerecht. Und deswegen wollen sie das Ganze ein bisschen zusammenbringen. Also, das Geld ein bisschen besser kanalisieren. Ein paar Sportarten haben sie schon am Start, zum Beispiel Basketball, Fechten, Eishockey, Karate. Sie wollen jetzt natürlich noch wachsen und sagen, sie finanzieren sich dann dadurch, dass man erfolgreich eine Sponsoringsumme abschließt mit einem Partner und davon wollen sie dann 15 Prozent der Nettosumme für sich nutzen, also für diese Plattform. Den Rest kann dann die Sportlerin als Finanzierung für sich behalten. Ja und ich fand die Idee eigentlich ganz cool, weil ich mir dachte ja, dann ist es zumindest mal eine Plattform der Aufmerksamkeit für das Problem, die vielleicht aber auch wirklich den Sportlerinnen hilft, dass sie einfacher an die finanziellen Mittel kommen als sonst.

Bianca: Ja, total. Und bezieht sich das ausschließlich auf den deutschsprachigen Raum oder ist das eine internationale Plattform?

Astrid: Ja, aktuell sind sie nur in Deutschland. Sie wollen sich aber auch auf die DACH-Region, also auch Schweiz und Österreich, ausweiten. Aber sie wollen anscheinend erstmal im deutschsprachigen Raum bleiben.

Bianca: Ja cool! Ja Astrid, wie sportlich bist du? Auf einer Skala von 1 bis 10. 10 ist eine Olympionikin.

Astrid: Natürlich auf der 9! Nein, haha, oh Gott, ich muss sagen, ich mochte immer nicht so gern diese ganzen Leistungssachen in der Schule. Ich war da tatsächlich gar nicht so schlecht. Aber ich fand es immer unangenehm, diesen Druck zu haben. Ich wäre, glaube ich, nicht so gern Olympionikin geworden. Das hätte mich ein bisschen zu viele Nerven gekostet. Was würdest du sagen? Du warst ja anscheinend in Richtung Leistungssport unterwegs, sozusagen. Oder Bianca?

Bianca: Tatsächlich. Aber das war gefühlt in einem anderen Leben. Also heute bin ich da an einem ganz anderen Punkt würde ich sagen. Ich würde mich ja wahrscheinlich unter 5 einschätzen im Moment, was gar nicht gut ist, weil wir wissen ja auch, wie gesund Sport ist für unseren Körper und auch für unsere Psyche. Das ist ja „Common Sense“ inzwischen, dass wir wissen, dass wir uns bewegen sollen, damit es uns gut geht. Jetzt hat eine Studie aber auch gezeigt, wie Bewegung gegen Depressionen helfen kann. In Deutschland leiden um die 5 Millionen Menschen an Depressionen. Es ist also sehr wahrscheinlich, dass man im Laufe seines Lebens eine depressive Episode erlebt oder auch eine chronische Depression erlebt. Eine Depression zeigt sich in verschiedenen Symptomen. Viele haben gemein, dass sich die Menschen antriebslos fühlen oder sich in Gedankenschleifen  gefangen fühlen, dass viele negative Gefühle vorherrschen und das zeigt sich auch im Gehirn tatsächlich. Einerseits sieht man im präfrontalen Cortex eine gewisse Überaktivität. Bei Menschen, die keine Depression haben, ist der präfrontale Cortex im Ruhezustand, wenn wir ruhen und bei Menschen, die an Depressionen leiden, anscheinend nicht. Das ist das eine, wenn jemand an einer Depression leidet oder wenn jemand eine Depression hat, zeigt sich das auch im Gehirn durch eine geringere Neuroplastizität. Neuroplastizität, was ist das? Das Gehirn kann sich im Laufe des Lebens immer wieder auf Veränderungen einstellen. Dann schafft das Gehirn neue Strukturen in sich und macht neue Verbindungen auf. Das ist Neuroplastizität.

Wenn die eingeschränkt ist, fällt es einem sehr schwer, auf Veränderungen zu reagieren. Und daran leiden sehr viele Menschen mit Depressionen. Das sind die zwei Anhaltspunkte im Gehirn, die man erkennen kann. An der Uni Bochum hat ein Forschungsteam eine Studie durchgeführt zu diesem Thema Neuroplastizität, Depression und Sport. Und die haben dort 41 Betroffene in zwei Gruppen aufgeteilt. Und die eine Gruppe hat ein mehrwöchiges Sportprogramm absolviert, zusammen mit einem Sport Coach und zusammen in der Gruppe. Es ging auch nicht darum, sich nur alleine zu bewegen, sondern auch in diesem sozialen Gefüge. Und die Test- oder die Kontrollgruppe hat sich kaum bis gar nicht bewegt. Und da hat sich ein signifikanter Unterschied gezeigt nach mehreren Wochen, dass die Menschen, die an Depression leiden und sich regelmäßig in dieser Gruppe mit Begleitung bewegt haben, dass die sich einerseits besser gefühlt haben, andererseits die Antriebslosigkeit etwas abgenommen hat. Und das wurde dann eben auch sichtbar im Gehirn, dass diese Neuroplastizität erhöht wurde durch die Bewegung. Also da konnten sie jetzt mal in einer Studie feststellen, dass es eben nicht nur so „Common Sense“ ist: „Sport gut halt tut“, sondern dass man das im Gehirn nachverfolgen konnte, was das genau macht. Sport erhöht die Neuroplastizität und wie das alles noch genauer zusammenhängt, muss noch erforscht werden. Aber es ist auf jeden Fall ein guter Ansatz. Die Forscher:innen sprechen davon, dass Sport als geleiteter Therapiezusatz angeboten werden könnte zu klassischen Psychotherapien und auch Antidepressiva- Therapien.

Astrid: Richtig cool. Ich meine, ich glaube jeder kennt es wahrscheinlich auch selber so ein bisschen, wenn man mal allein so einen Spaziergang macht. Oder ich habe persönlich, auch wenn ich jetzt joggen gehe oder so, also ich merke schon, dass ich ganz gut drauf bin. Klar, ich bin vielleicht K.O., aber ich bin auch irgendwie ganz gut drauf und das kann ich bei mir selber auf jeden Fall beobachten. Ich will das aber gar nicht vergleichen mit Menschen mit einer Depression, weil das ja auch vermessen wäre, zu sagen ich kann es irgendwie da auf eine Stufe stellen, also wenn ich mal schlecht drauf bin, vielleicht. Aber was ich jetzt auch noch dachte, vielleicht ist es natürlich auch wieder so die Gefahr, dass man das dann zu sehr als Zwang irgendwie ummünzt. Es ist  schon wichtig zu sagen, es soll immer noch Spaß machen und wie du gerade meintest in so einer Gruppe und dann natürlich an das Level angepasst, was der Mensch gerade für sportliche Aktivität leisten kann oder will. Und ja, es kann auf jeden Fall helfen. Das merkt man ja selber auch schon bei sich, dass es irgendwie voll den guten Effekt haben kann auf die Laune und das Wohlbefinden, wenn man sich ein bisschen bewegt hat in irgendeiner Form.

Bianca : Ja, ich glaube, du sprichst ein wichtigen Punkt an, weil was für viele Menschen mit Depression schwierig sein kann, wenn Außenstehende, nicht Betroffene, so Dinge sagen wie: „Du musst dich halt mal bewegen“, „mach doch mal Sport, das hilft bestimmt“. Und obwohl das wahrscheinlich stimmt, fällt es natürlich Menschen mit Depressionen in dem Moment schwer. In eine Sportstruktur zu kommen. Und deswegen finde ich diesen Ansatz besonders gut, weil es eben eine geleitete Sporttherapie ist. Und eben nicht: Ein Mensch mit Depressionen muss sich selber dazu aufraffen in so eine Sportstruktur zu kommen, sondern es wird eben geleitet. Und da sehe ich einfach das Potenzial, dass Therapien damit erweitert werden können und dass das total wirkungsvoll sein kann, wenn man die Begleitung dazu kriegt.

Astrid: Auf jeden Fall. Es klingt sehr interessant. Ich bin gespannt, was da noch weiter rauskommt bei dem Forschungsprojekt, überhaupt bei der Forschung zu dem Thema.

Bianca: Ja, es wird auch gerade an der Uni Basel geforscht. Dort sind 300 Menschen Proband:innen, die an einer Depression leiden, auch in einer Studie und bewegen sich täglich innerhalb dieser Tagesstruktur, die da gesetzt wird, innerhalb dieser Studie. Und da habe ich jetzt noch keine Ergebnisse. Aber eine der Forscher:innen hat auch gesagt, dass so eine Sporttherapie oder eine Sportzusatztherapie zum Teil je nach Schweregrad und je nach Mensch gleich gut wirken kann wie Antidepressiva. Das muss man jetzt natürlich weiter erforschen und gucken, wie genau muss das aussehen, damit das eben eine ähnliche Wirkung haben kann. Ja, vielen Dank, Astrid!

Astrid: Dankeschön, Bianca!

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