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19 August 2022 / Lesezeit: 2 minuten

Bianca Praetorius, Gründerin der KlimaUnion

„Wir brauchen Parteien, die ticken wie Start-ups“

Bianca Praetorius wollte da ansetzen, wo es noch viel zu tun gibt – und wurde Klimapolitikerin bei der CDU. Mit ihrer Initiative KlimaUnion tritt sie ein für „eine wirksame 1,5°C-Politik“.

Foto: Andi Weiland

Foto: Andi Weiland

Bianca Praetorius wünscht sich Parteien, die dynamisch, kollaborativ und digital organisiert sind. Deshalb ist die Start-up-Beraterin in die Politik gegangen. Hier erzählt sie, was sie bewegt.

„Als ich in die CDU eingetreten bin, haben viele meiner Freunde gesagt: Ist nicht dein Ernst! Doch, ist es. Denn nach fünf Jahren Engagement in kleinen Parteien waren mir zwei Dinge klar geworden: Um in der Politik etwas zu bewirken, braucht es eine starke, etablierte Partei. Und man sollte dort ansetzen, wo es noch viel zu tun gibt. Das beste Beispiel: Klimapolitik bei der CDU. Also habe ich die KlimaUnion mitgegründet, dort kann ich das Thema effektiv voranbringen. Zur Politik bin ich erst mit Anfang dreißig gekommen. Ich bin in einem recht unpolitischen Elternhaus aufgewachsen. Zwei Ingenieure, viel Technik, keine Bücherregale, keine Debatten. Nur manchmal hat sich mein Vater über die SPD aufgeregt – und gleich entschuldigt. Weil er mich, wie er sagte, nicht beeinflussen wollte. Auch in der Schule habe ich mich von Politik ferngehalten. Auf Demos war ich nie.

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Es ist sicher kein Zufall, dass ich nicht über ein Thema zur Politik gekommen bin, sondern über die Organisation von Politik. Als ,Pitch Coach‘ bringe ich Start-up-Gründer:innen aus der Techbranche bei, erfolgreich zu pitchen. Im Laufe der Zeit habe ich gemerkt, wie oft Start-ups an Wände stoßen. Wände aus überholten Vorschriften, aus Ignoranz der politischen Player. Ich habe begriffen: Um diese Wände einzureißen und innovative, neugierige Leute in die Politik zu holen, braucht es eine Partei, die wie ein Start-up tickt. Dynamisch, flexibel, kollaborativ und digital organisiert. 2017 habe ich die Partei ,Demokratie in Bewegung‘ mitgegründet. Tolles Experiment, aber wir bekamen bei der Bundestagswahl nur 0,1 Prozent der Stimmen. 2019 habe ich für die linke, paneuropäische Partei ,Demokratie in Europa – DIEM 25‘ kandidiert, später versucht, mehrere kleine Parteien zu einer gemeinsamen, progressiven zusammenzuschließen. Ohne Erfolg.

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Daher jetzt die CDU. Berufspolitikerin möchte ich aber nicht werden. Dazu ist mir der Ton im politischen Wettbewerb zu krass. Aber ich bin überzeugt, dass wir alle politisch mitgestalten sollten. Warum gilt Politik noch als uncool? Wieso sagt kein Influencer, hey Leute, ich bin jetzt in der Partei xy?“

Bianca Praetorius

Die 37-Jährige ist Pitch Coach für Start-ups in der Tech-Branche, Speaking Coach und Event-Moderatorin. Sie hat zwei politische Parteien mitbegründet, „Demokratie in Bewegung“ und „Demokratie in Europa”. 2021 ist sie der CDU Berlin beigetreten und hat noch im gleichen Jahr die KlimaUnion mitgegründet.
Foto: Andi Weiland