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3 September 2017 / Lesezeit: 6 minuten

Bedingungsloses Grundeinkommen

Promis für das Grundeinkommen

Das Bedingungslose Grundeinkommen erhält immer mehr prominente Fürsprecher

Titelbild: Jeremy Paige / Unsplash

Titelbild: Jeremy Paige / Unsplash

Ob das Bedingungslose Grundeinkommen wirklich finanzierbar ist, darüber streiten viele Experten. Eins ist jedoch sicher: Es bekommt immer mehr prominente Fürsprecher

Was haben Mark Zuckerberg, Erich Fromm und Martin Luther King gemeinsam? Alle drei sprachen sich schon für das bedingungslose Grundeinkommen aus. Den Facebook-Gründer überzeugte, was er auf seiner Alaska-Reise erfuhr. Andere Denker und Macher treibt besonders die Entwicklung zu mehr Digitalisierung und Individualisierung um. Während viele Fragen zu Höhe, Finanzierung und Wirkung noch diskutiert werden, überrascht die politische und gesellschaftliche Bandbreite der Unterstützer. In unserer Zitatsammlung lassen wir wichtige Persönlichkeiten zu Wort kommen, die sich für das bedingungslose Grundeinkommen einsetz(t)en.

Pierre Omidyar, Gründer des Online-Auktionshauses Ebay …

… finanziert ein Pilotprojekt zum bedingungslosen Grundeinkommen in Kenia.

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„Geldtransferprogramme können helfen, größere Probleme unserer Gesellschaft anzugehen, so wie die steigende Einkommensunsicherheit, das Fehlen sicherer Sozialleistungen, soziale Instabilität und den Wandel in der Arbeitswelt.“

Timotheus Höttges, Vorstandsvorsitzender der Telekom AG …

… macht sich Gedanken zur Digitalisierung.

„Wir arbeiten heute schon anders – zu Hause, im Office, unterwegs. Projektbezogen. Das verlangt auch mehr Eigenverantwortung. Also wird es Phasen geben, in denen der Mensch keine Arbeit hat, umschult oder nur in Teilzeit für ein Unternehmen arbeitet. Warum soll man die komplexe Förderungssystematik des Sozialstaats nicht mit einem bedingungslosen Grundeinkommen ersetzen?“

Mark Zuckerberg, Facebook-Gründer …

zeigte sich nach seinem Alaska-Urlaub begeistert, dass der Bundesstaat seine Bürger an den Gewinnen aus dem Ölexport beteiligt.

„Wir sollten in einer Gesellschaft leben, die Fortschritt nicht nur anhand wirtschaftlicher Parameter wie dem Bruttoinlandsprodukt bewertet, sondern auch daran, wie viele von uns Rollen einnehmen, die wir bedeutsam finden. Wir sollten Theorien wie die des bedingungslosen Grundeinkommens weiterverfolgen, um sicherzustellen, dass jeder ein finanzielles Polster hat, um neue Ideen ausprobieren zu können.“

Joe Kaeser, Vorstandsvorsitzender der Siemens AG …

… äußerte sich erstmals auf dem Wirtschaftsgipfel der Süddeutschen Zeitung 2016 zum BGE.

„Es werden absehbar einige auf der Strecke bleiben, weil sie mit der Geschwindigkeit auf der Welt einfach nicht mehr mitkommen. Man kann nicht auf sie warten, also muss die Gesellschaft dafür sorgen, dass die Menschen versorgt sind. Eine Art Grundeinkommen ist unvermeidlich.“

Elon Musk, CEO von Space-X, Tesla und SolarCity …

… ist bekannt für visionäre Ideen.

„Es wird immer weniger Jobs geben, die ein Roboter nicht besser machen kann. Diese Entwicklung wünsche ich mir nicht, aber ich glaube, sie wird sehr wahrscheinlich eintreten. Das bedingungslose Grundeinkommen wird nötig sein.“

Bernd Leukert, Vorstand von SAP …

fordert mehr Offenheit für Fortschritt in Politik und Wirtschaft.

„Ich bin der Meinung, dass man die Bedingungen für ein faires Einkommen nicht der Wirtschaft überlassen sollte. Hier ist die Politik gefragt, den richtigen Rahmen zu setzen.“

Thomas Jorberg, Vorstandssprecher der GLS Bank …

… ist unter anderem zuständig für die Mitarbeiterentwicklung.

„Wir haben alles im Überfluss und trotzdem gibt es Armut. Unser Wirtschaftssystem ist nicht mehr fähig, Güter und Wohlstand sinnvoll zu verteilen. Und außerdem leisten viele Menschen bereits jetzt etwas für die Gesellschaft, ohne dass sie dafür Geld bekommen. Ich plädiere dafür, dass man Kapital stärker steuerlich belastet und gleichzeitig die Einkommen aus Arbeit weniger oder gar nicht mehr besteuert.“

Bill Gates, Microsoft-Gründer und Vorsitzender der Bill & Melinda Gates Stiftung …

… wünscht sich erst Hilfe für Benachteiligte, dann das BGE.

„Mit der Zeit werden Länder reich genug für ein bedingungsloses Grundeinkommen sein. Noch haben wir aber viel Arbeit vor uns: anderen Leuten helfen, Kindern mit besonderen Bedürfnissen helfen, und wir brauchen mehr Erwachsene, die sich im Bildungssektor engagieren.“

Stewart Butterfield, Silicon Valley-Milliardär und Slack-Gründer …

… möchte verhindern, dass Start-up-Gründer das Geld ihrer Eltern in Anspruch nehmen müssen.

„Es müsste nicht viel sein. Aber wenn man den Menschen nur einen sehr kleinen fixen Betrag geben würde, würde das eine riesige Menge an Gründergeist freisetzen.“

Rainer Voss, ehemaliger Investmentbanker …

… wurde durch die Doku „Master of the Universe“ bekannt.

„Schon Dostojewski sagte ‚Geld ist geprägte Freiheit‘, wir begreifen es aber eher als Käfig! Ich bin deswegen ein großer Anhänger des bedingungslosen Grundeinkommens. Nur wer nicht im Hamsterrad dreht, kann anfangen, Sinnvolles zu tun.“

Milton Friedman († 2006), Gewinner des Alfred-Nobel-Gedächtnispreis für Wirtschaftswissenschaften 1976 …

… verteidigte zeitlebens den freien Markt.

Die negative Einkommenssteuer wäre eine tiefgreifende Reform, die effizienter und humaner leisten könnte, was unser jetziges Wohlfahrtssystem so schlecht macht. Sie ist ein Vorschlag, um armen Menschen zu helfen, indem man ihnen das Geld gibt, das sie brauchen, anstatt sie zu verpflichten bei einer Behörde zu erscheinen, um ihren Besitz nachzuzählen und ihnen vorzuschreiben, Betrag X für Miete auszugeben, Betrag Y für Lebensmittel usw.“

Wladimir Kaminer, Schriftsteller, Kolumnist …

… ist Kommunist.

„Der Staat hat kein Recht den Menschen zu werten nach dem Wert, den sie produzieren. Die Menschen können an den Staat größere Ansprüche stellen.“

Thomas Straubhaar, Schweizer Ökonom …

… gehört den Kuratorien der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit an.

„Die allermeisten Menschen arbeiten ja nicht nur wegen des Geldes, sondern auch wegen der festen Strukturen, der Kontakte, der Anerkennung und weil sie etwas Sinnvolles tun und vielleicht sogar Spaß haben. Der Mensch ist ökonomisch zu wertvoll, um ihn gefährliche, riskante und gesundheitsschädigende Arbeiten machen zu lassen und ihn dann Jahrzehnte bis zum Lebensende krank durch den Sozialstaat zu schleppen. Das ist eine Privatisierung der Arbeitserträge und eine Sozialisierung der Folgekosten. Das kann ökonomisch nicht effizient sein.“

Thomas Morus (†1535), englischer Staatsmann, Heiliger der römisch-katholischen Kirche und Autor von „Utopia“ …

… wird als Begründer der Einkommensgarantie gehandelt.

„Keine Strafe dieser Erde wird die Leute vom Stehlen abhalten, wenn das ihre einzige Möglichkeit ist, an Essen zu kommen. Es wäre viel zielführender die Menschen mit den Mitteln auszustatten, ihre Lebengrundlage zu sichern.“

Ralf Dahrendorf († 2009), Soziologe …

… saß für die FDP im Bundestag und für die Liberal Democrats im House of Lords.

„Wenn es nicht zu den Grundrechten jedes Bürgers gehört, dass eine materielle Lebensgrundlage garantiert wird, dann zerfällt die Staatsbürgergesellschaft. Das garantierte Mindesteinkommen ist so notwendig wie die übrigen Bürgerrechte, also die Gleichheit vor dem Gesetz oder das allgemeine, gleiche Wahlrecht.“

Richard David Precht, Philosoph und Publizist …

… tritt seit „Wer bin ich – und wenn ja, wie viele?“ oft im Fernsehen auf.

„Der Datenhandel ist nur unter einer Bedingung ein lukratives Geschäft: dass derjenige, dem ich meine gezielte Werbung auf den Computer lade, in der Lage ist, diese Produkte auch zu kaufen. Die Daten eines Armen sind wertlos, und die ganze Datenökonomie funktioniert irgendwann nicht mehr, wenn zu viele arbeitslos sind und kein bedingungsloses Grundeinkommen eingeführt wird.“

Michael Bohmeyer, Gründer von mein-grundeinkommen.de …

… finanzierte bereits 106 Menschen ein Grundeinkommen für ein Jahr.

„Es gibt repräsentative Umfragen, die sagen, dass 90 Prozent der Leute mit Grundeinkommen weiterarbeiten würden. Fragt man die gleichen Menschen, ob die anderen weiterarbeiten würden, dann sagt über die Hälfte ‚Nee, die würden nicht weiterarbeiten‘. Wir haben verinnerlicht: Wenn es den anderen besser geht, muss es mir schlechter gehen.“

Ulrich Beck (†2015), Soziologe …

… erlangte mit seinem Buch „Risikogesellschaft. Auf dem Weg in eine andere Moderne“ Bekanntheit über die Fachgrenzen hinaus.

„Das Gerede von der Erwerbsarbeit als einzigem Sinnstifter unserer Existenz ist ein Herrschaftsinstrument. Alles ist bei uns auf Erwerbsarbeit ausgerichtet: der Rhythmus der Tageszeiten, die Ausbildung, der Übergang von der Pubertät ins Erwachsensein. Der Einzelne definiert sich vor allem über die Erwerbsarbeit; deshalb zwingt er sich zur Anpassung. Das Grundeinkommen soll uns doppelt befreien: vom Arbeitszwang und zu sinnvoller Arbeit.“

Anna-Sophie Brüning, Dirigentin …

profitierte von einer Art privat finanziertem Grundeinkommen, nachdem sie als Geigerin gescheitert war.

„Der MIT-Professor Claus Otto Scharmer bezeichnet Angst, Zynismus und Urteil als die großen Verhinderer von Entwicklung. […] Künstler können es sich oft nicht leisten, wertschätzend über die anderen zu sprechen, weil der Markt so eng ist und alle sich das nächste Engagement erkämpfen müssen. Wenn das eigene Überleben mit einem Grundeinkommen nicht mehr von dem reflexhaften Abwerten der anderen abhinge, […] würde vielleicht viel Energie frei werden.“

Martin Luther King (†1968), amerikanischer Bürgerrechtler …

… äußerte sich in seinem letzten Buch „Wohin führt unser Weg? Chaos oder Gemeinschaft“.

„Die Würde des Individuums wird erblühen, wenn die Lebensentscheidungen in seinen Händen liegen, wenn es sicher sein kann, dass sein Einkommen stabil bleibt und wenn es weiß, dass es die Mittel hat, seine Selbstverwirklichung anzustreben.“

Erich Fromm (†1980), Psychoanalytiker, Philosoph und Sozialpsychologe …

… vertrat einen humanistischen, demokratischen Sozialismus.

„Eine Psychologie des Mangels erzeugt Angst, Neid und Egoismus. Eine Psychologie des Überflusses erzeugt Initiative, Glaube an das Leben und Solidarität. Tatsache ist jedoch, dass die meisten Menschen psychologisch immer noch in der ökonomischen Bedingung des Mangels befangen sind.“

Yanis Varoufakis, Ökonom …

… war 2015 für ein halbes Jahr Finanzminister Griechenlands.

„Man würde die Armen aus dem Teufelskreis der Bedürftigkeitsprüfung befreien und ein Sicherheitsnetz, in dem sich Menschen in permanenter Armut verfangen, könnte durch eine Plattform ersetzt werden, die den Menschen so lange eine Grundlage bietet, bis sich ihre Situation verbessert. Junge Menschen hätten die Freiheit, mit unterschiedlichen beruflichen Wegen zu experimentieren und Fächer zu studieren, die nicht als lukrativ betrachtet werden.“

Sascha Lobo, Journalist, Blogger und Buchautor …

… gilt als absoluter Internet-Experte.

„Wenn ich mir die Situation für geringer qualifizierte Arbeitskräfte schon heute und die Entwicklung hin zum Plattform-Kapitalismus anschaue, halte ich das bedingungslose Grundeinkommen für eine sehr sinnvolle Sache.“

Georg Schramm, Kabarettist …

… tritt bei „Neues aus der Anstalt“ auf.

„Das bedingungslose Grundeinkommen ändert ein psychologisches Paradigma. Wir sehen den Menschen nicht mehr primär als Humankapital, sondern als Mensch mit normalen Bedürfnissen. Er will Geld ausgeben und wir geben es ihm! […] Wir nehmen dem Mensch die Angst vor Altersarmut und dem Verlust der Menschenwürde im Alter. Und er gibt uns alles zurück durch Wachstum.“

Joseph Beuys (†1986), Künstler …

… setzte sich mit Humanismus, der Sozialphilosophie und Anthroposophie auseinander.

Auf Einkommen besteht ein Menschenrecht. Die Menschen haben bestimmte materiell zu erfüllende Bedürfnisse, Existenzminima, auch darüber Hinausgehendes. Und das steht ihnen zu, unabhängig von dem, was sie hervorbringen.“

Adrienne Goehler, Ex-Senatorin für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Berlin …

… veröffentlichte 2010 zusammen mit Götz Werner „1000€ für jeden. Freiheit, Gleichheit, Grundeinkommen“.

„Die vier Kriterien für ein bedingungsloses Grundeinkommen sind, dass es erstens existenzsichernd ist, zweitens gesellschaftliche und kulturelle Teilhabe ermöglicht, drittens nicht an einen Zwang zur Arbeit geknüpft ist und viertens individuell ausbezahlt wird. Es ist damit die Ermächtigung zur Selbstermächtigung.“

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Götz Werner, Gründer und Aufsichtsratsmitglied der dm-drogerie markt GmbH & Co. KG …

setzt sich seit 2005 öffentlich für das bedingungslose Grundeinkommen ein.

„Das bedingungslose Grundeinkommen ist eine Kopernikanische Wende. Wenn der Zweck des Unternehmens die Hervorbringung einer Leistung ist, für die man halt Menschen einstellen muss, dann ist der Mensch Werkzeug. Es ist genau umgekehrt! Der Mensch ist der Zweck! Der Zweck ist immer, dass Menschen dadurch, dass sie bei uns im Unternehmen tätig sind, Biografie schreiben können.“