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10 May 2019 / Lesezeit: 3 minuten

perspektiven

Im Kampf gegen die Korruption

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Mutig stellt sich die Jursitin Thelma Aldana den korrupten Eliten in Guatemala in den Weg

Titelbild: Wolfgang Schmidt/Right Livelihood Award Foundation

Titelbild: Wolfgang Schmidt/Right Livelihood Award Foundation

Im November 2018 wurde Thelma Aldana mit dem Alternativen Nobelpreis der Right Livelihood Award Stiftung ausgezeichnet. Mit großem Mut bekämpfte die Juristin Korruption in Guatemala und beendete die Straflosigkeit der Mächtigen – und ließ unter anderem den korrupten Präsidenten des Landes verhaften

Transparency International stuft Guate­mala als Land mit sehr hoher Korruption ein. Im Korruptionswahrnehmungsindex 2018 belegt das zentralamerikanische Land Rang 144 von 180 untersuchten Ländern. In Guatemala, so scheint es, gehört Korruption zur politischen Kultur – und niemand wird zur Rechenschaft gezogen. Doch dies änderte sich, als Thelma Aldana 2014 Generalstaatsanwältin wurde.

Die Right Livelihood Award Stiftung ehrt und unterstützt mutige Menschen und Organisationen, die visionär und beispielhaft zur Lösung globaler Probleme beitragen. Mit ihrem jährlich vergebenen Award, der als „Alternativer Nobelpreis” gilt, wurden bislang 174 Persönlichkeiten aus 70 Ländern ausgezeichnet.

Im Jahr 1955 geboren, erlebte Aldana den Guatemaltekischen Bürgerkrieg mit all seinen massiven Menschenrechts­ver­letzungen und Gräueltaten. Dieser Krieg weckte in ihr das Bedürfnis, die größten Opfergruppen des Krieges – Frauen, Kinder und Indigene – besonders zu schützen.

Die junge Aldana, die zu jener Zeit als Reinigungskraft in Büros von Anwälten arbeitete, erkannte, dass die Justiz ein geeignetes Mittel hierfür ist und sich mit ihrer Hilfe Gerechtigkeit herstellen lässt. So entschied sie sich dazu, Rechtswissenschaften an der Universidad de San Carlos de Guatemala zu studieren. Dieser Beschluss bedeutete eine enorme Doppelbelastung: Während sie nachts studierte, arbeitete sie tagsüber weiter als Reinigungskraft im Familiengericht, um ihr Studium finanzieren zu können. Doch Aldana kämpfte sich durch diese Herausforderungen. Nach ihrem Abschluss arbeitete sie sich genauso zielstrebig durch die Ränge des Justizwesens – mit Erfolg. Als einzige Frau wurde sie im Jahr 2009 Mitglied des Obersten Gerichtshofs Guatemalas; 2011 wurde sie dessen Präsidentin.

Juristin im Dienste der Gerechtigkeit

Aldana beschäftigte zu diesem Zeitpunkt insbesondere die sexualisierte Gewalt gegen Frauen, die auch heute noch ein enormes Problem in Guatemala darstellt. Sie setzte ein Zeichen gegen Straflosigkeit, indem sie die Einrichtung spezieller Gerichte beförderte, die sich mit Femizid, also dem Mord an Frauen, und der Gewalt gegen Frauen beschäftigen.

Internationale Bekanntheit wiederum erlangte Aldana spätestens mit ihrer Berufung zur Generalstaatsanwältin durch den damaligen Präsidenten Otto Pérez Molina. Ihre Berufung wurde von vielen kritischen Stimmen, die ihr diese Position nicht zutrauten, begleitet. Doch nur ein Jahr später hatte sie ihre Kritiker überzeugt – und zahlreiche neue gegen sich auf­gebracht. Denn Aldana arbeitete akribisch gegen die Korruption in Guate­mala und machte auch vor den Mächtigen nicht Halt. Wie diese Arbeit mit ihrem Kampf für Frauenrechte und für die Rechte Indigener zusammenpasst? Ganz einfach, sagt Aldana: „Ich kämpfe schon mein ganzes Leben lang gegen alles, was korrupt ist.“

Wie konsequent sie dabei vorging, verstanden schlussendlich auch die Mächtigsten, als sie ein Jahr nach ihrer Berufung durch Präsident Molina den Haftbefehl gegen ebendiesen ausstellte. Die Botschaft war klar: Egal wer ihr seid, Gesetze gelten für alle.

Mutige Kämpferin gegen Korruption

Der Korruptionsprozess mit dem Namen La Línea, den Aldana als Generalstaats­anwältin leitete, führte zu 60 Strafver­fahren, darunter die auch symbolisch so wichtige Verhaftung und Anklage des damaligen Präsidenten Otto Pérez Molina und seiner Vize-Präsidentin. Aldanas striktes Vorgehen gegenüber denjenigen, die sich auf Kosten der guatemaltekischen Bevölkerung bereichern, und ihr Mut, sich mächtigen Politikern mit allen rechtlichen Mitteln entgegenzustellen, brachten ihr großen Respekt in der Bevölkerung ein. Überall dort, wo Aldana gegen korrupte Eliten vorging, ist ihr Name ein Begriff. Nicht zuletzt stärkte sie mit ihrer Arbeit auch der Allgemeinheit den Rücken – die Menschen begannen wieder öffentlich zu demonstrieren und setzen sich seither nachdrücklich für ihre Rechte ein.

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Im November 2018 nahm Thelma Aldana, gemeinsam mit ihrem Kollegen Iván Velásquez, der die Internationale Kommission gegen Straflosigkeit in Guatemala (CICIG) leitet, den Alternativen Nobelpreis der Right Livelihood Award Stiftung „für ihre wegweisende Arbeit zur Aufdeckung von Machtmissbrauch und Verfolgung von Korruption und für die Wiederherstellung von Vertrauen in öffentliche Institutionen“ entgegen. Die Auszeichnung würdigt nicht nur ihr unerschrockenes Engagement, sondern soll Aldana, wie vielen anderen Preisträgerinnen und Preisträgern auch, internationale Aufmerksamkeit und Schutz bieten. Denn wer sich für Menschenrechte einsetzt, muss dafür oftmals einen hohen Preis bezahlen. Heute kann sich Aldana in Guatemala nicht mehr ohne Personenschutz bewegen. Aus Sicherheitsgründen lebt sie außerhalb des Landes, kämpft aber weiter unermüdlich für die Rechte von Frauen, Minderheiten und indigenen Bürgerinnen und Bürgern.

Unermüdliche Vefechterin der Menschenrechte

Um für ihre Sache zu werben, reiste sie nach der Preisverleihung mit der Right Livelihood Award Stiftung unter anderem nach Berlin. Dort sprach sie vor Abge­ordneten des Deutschen Bundestags und plädierte für die weitere Unterstützung Deutschlands im Kampf gegen die Korruption in ihrem Heimatland. Aldana sagte: „Der Aufbau einer echten Demokratie in Guatemala erfordert ein unabhängiges und starkes Rechtssystem.“ Ihr Vorbild zeigt, welche gesellschaftlichen Kräfte auf juristischem Weg entfesselt werden können.