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11 September 2020 / Lesezeit: 2 minuten

Menschenrechtsverteidigerin Aminatou Haidar

Friedlich für die Zukunft und die Freiheit

Beiname „Gandhi der Westsahara“: Aminatou Haidar (hier im November 2019 in Berlin) wurde für ihren gewaltlosen Widerstand, mehrmals international ausgezeichnet – etwa im letzten Jahr mit dem Alternativen Nobelpreis.

© Amnesty International, Bild: Parastu Sherafatian

© Amnesty International, Bild: Parastu Sherafatian

Aminatou Haidar setzt sich seit Jahrzehnten unermüdlich für die Selbstbestimmung der Westsahara ein. Wegen dieses ­Engagements wurde die 53-Jährige mehrmals inhaftiert und gefoltert. Sie will vor allem den jungen Menschen in ihrer Heimat zeigen, dass sie nicht allein sind und die restliche Welt sie nicht vergisst. Mit diesem Text startet enorm eine Kooperation mit dem Amnesty Journal.

Als 1975 die Westsahara von Marokko annektiert wurde, war Aminatou Haidar erst acht Jahre alt. Wenige Jahre später nahm sie an ihrer ersten großen Demonstration teil. Dabei wurde sie von marokkanischen Sicherheitskräften festgenommen und anschließend vier Jahre lang ohne Anklageerhebung oder Gerichtsverfahren an einem geheimen Ort festgehalten. Trotz dieser Jahre voller psychischer und physischer Folter gab sie ihren Widerstand gegen die Besetzung der Westsahara nicht auf.

2005 wurde sie während einer friedlichen Demonstration von Sicherheitskräften schwer verletzt, erneut festgenommen und in einem unfairen Gerichtsverfahren zu einer siebenmonatigen ­Gefängnisstrafe verurteilt. Im Gefängnis trat Haidar aus Protest gegen die Haftbedingungen in einen Hungerstreik.

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Bis heute kämpft die Mutter zweier Kinder unermüdlich für eine politische Lösung in diesem Konflikt. Die marokkanischen Behörden gehen weiterhin repressiv gegen Sahrauis vor, die mit friedlichen Mitteln Selbstbestimmung fordern, doch mangelt es an internationaler Aufmerksamkeit.

Vorsitzende der Menschenrechtsorganisation CODESA

Wenige Monate nach der Annexion der Westsahara durch Marokko kam es zur Teilung des Gebiets: Die Küstenregion steht seitdem unter marokkanischer Kontrolle, das Landesinnere ist in den Händen der Frente Polisario, einer Widerstandsorganisation, die Haidar als einzig legitime Vertretung der Sahrauis betrachtet. Als Vorsitzende der Menschenrechtsorganisation CODESA arbeitet sie gemeinsam mit NGOs wie Amnesty seit vielen Jahren daran, die Welt auf die Menschenrechtsverletzungen in der Westsahara aufmerksam zu machen. In den vergangenen Jahren hat sie bei mehreren Kampagnen für die Freilassung politischer Gefangener eine wichtige Rolle gespielt.

Ein weiteres großes Anliegen der 53-Jährigen ist es, der jüngeren Generation das Prinzip des friedlichen Protestes nahezubringen. Sie möchte junge Menschen davon überzeugen, dass friedlicher Widerstand ein wirksames Instrument im Kampf für Menschenrechte ist.

„Obwohl die jungen Leute heute frustriert sind und selten noch an die Wirksamkeit friedlichen Widerstandes glauben, versuche ich, sie vom Gegenteil zu überzeugen. Alle friedlichen Stimmen tragen zur Sicherung der Menschenrechte bei“, sagte sie bei einem Besuch in Berlin. „Wir alle müssen im Leben das Ziel verfolgen, die Menschenrechte und die Werte der Menschlichkeit zu schützen.“

„Gandhi der Westsahara“

Ihr gewaltloser Widerstand, der ihr den Beinamen „Gandhi der Westsahara“ einbrachte, wurde mehrmals international ausgezeichnet. 2019 erhielt sie unter anderem den Right Livelihood Award, besser bekannt als Alternativer Nobelpreis, für ihr „standhaftes friedliches Engagement“, wie es in der Begründung hieß, und für ihren Einsatz für die Selbstbestimmung der Bevölkerung der Westsahara.

Die Menschenrechtlerin nutzt öffentliche Anlässe wie die Verleihung des Alternativen Nobelpreises, um auf den Konflikt aufmerksam zu machen. Sie will damit den jungen Menschen in ihrer Heimat zeigen, dass sie nicht allein sind und die restliche Welt sie nicht vergisst. Als Haidar einst mit ihrem Widerstand begann, war das besetzte Gebiet fast komplett von der Außenwelt isoliert. Nur wenige Menschen außerhalb der Westsahara erfuhren etwas von dem dortigen Konflikt.

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Doch dank ihres kontinuierlichen Einsatzes ebnete sie den jungen Sahrauis von heute den Weg, um zusammen mit internationaler Unterstützung und sozialen Netzwerken für ihre Menschenrechte einzutreten. „Solche Fortschritte machen mich stolz auf die Arbeit derjenigen, die sich wie ich für den Schutz der Menschenrechte einsetzen. Aber der Kampf geht weiter. Wichtig ist, dass er gewaltfrei geführt wird.“

Unsere Kooperationspartner*innen

Das Magazin der Mitglieder und Förderer von Amnesty International in Deutschland, erscheint sechsmal im Jahr. Wir machen #Menschenrechtsjournalismus: https://www.amnesty.de/journal