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3 July 2019 / Lesezeit: 4 minuten

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Was folgt auf Fridays For Future?

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Am zweiten Freitag der Sommerferien bildete Fridays For Future eine rote Menschenkette um den Bundestag. Wie viel Geduld hat die Jugend noch, um weiter auf die Straße zu gehen?

Titelbild: Luisa Sandkühler/WWF Jugend

Ende Gelände, Schulstreiks, Extinction Rebellion – weltweit bilden sich Formen des Protests. Es scheint, als würde sich eine globale Jugendbewegung zum Schutz des Planeten erheben – mit erstaunlicher Ausdauer und neuer Radikalität. Doch was kommt nach dem Protest? Werden wir doch nur mit einem Schulterklopfen abgespeist – „Find ich ja toll, dass ihr Jungen euch wieder engagiert…“ – oder können junge Menschen die Welt tatsächlich verändern? Bei einem Festival in Brandenburg gehen Jugendliche diesen Fragen auf den Grund – und kommen dabei auf erstaunliche Ideen

„Wir sind hier, wir sind laut, weil ihr uns die Zukunft klaut!“ – Seit vielen Monaten demonstrieren Schüler*innen für den Klimaschutz, und ja, sie werden immer mehr, und sie werden immer lauter. Niemand zweifelt mehr daran, dass Fridays For Future etwas verändert. Schulstreiks haben die AfD von den Titelseiten verdrängt und an ihre Stelle den Klimaschutz gesetzt. Jugendliche sprechen plötzlich beim Weltwirtschaftsforum und vor der UN, vergeben Blaue Briefe an Regierungspolitiker*innen und bilden Menschenketten um den Bundestag.

Die Change Days sind ein offenes Festival für Menschen zwischen 16 und 27 Jahren und werden organisiert von der WWF Jugend, dem Jugendverband des WWF Deutschland

„Es ist absurd, dass wir das hier tun müssen“

Viele schauen erstaunt auf die erstarkende Jugendbewegung und fragen sich, wie lange es der jungen Generation noch gelingt, die Spannung zu halten. Gibt es so etwas wie eine natürliche Halbwertszeit für Protestbewegungen? Was passiert, wenn die Politik trotz aller Proteste weiter auf der Stelle tritt – Streiken dann die Schüler*innen noch jahrelang? Wird sich der Protest radikalisieren, oder wird die ermüdete Rebellion bald im Strudel der Nonsens-Themen weichgespült?

Schon jetzt gibt es einzelne Medien, die aus diesem historischen Moment Banalitäten extrahieren: Welche Schulnoten hat eigentlich Greta Thunberg? Was sagen Modeberater*innen zu ihrem Outfit? Und schädigen Schulstreiks die Bildung unschuldiger Kinder? Doch noch überwiegt die zentrale Botschaft: Da kommt eine gesellschaftliche Umbruchstimmung auf, getragen von Teenagern und unterstützt von Wissenschaftler*innen. Wenn wir bis 2030 nicht deutlich umlenken, erwartet uns ein weltweites Klimachaos mit unkalkulierbaren Folgen. Und Greta stellt fest: „Es ist absurd, dass Kinder das hier tun müssen. Aber es liegt in meiner moralischen Verantwortung das zu tun, was ich kann.“

Wie Kettenrauchen und Komasaufen auf Kosten des Planeten

Der Klimaprotest zeigt tatsächlich eine große Ausdauer. Manche begründen die Stärke der Bewegung mit Facebook und Instagram oder mit dem positiven Echo aus den Mainstream-Medien. Andere erklären: Diese Bewegung ist nicht stark geworden, weil es Talkshows und Social Media gibt, sondern weil es neben den Medien auch eine echte Welt gibt, die uns wegzusterben droht. Die Tierbestände sind gegenüber 1970 um 60 Prozent geschrumpft. Die Menschheit verbraucht fast zwei Planeten, obwohl wir nur einen haben. Der Earth Overshoot Day, an dem wir alle Ressourcen der Erde verbraucht haben, liegt im Sommer und rückt jedes Jahr weiter vor. „Unser Lebensstil ist wie Kettenrauchen und Komasaufen auf Kosten des Planeten“, so das Fazit der Naturschutzorganisation WWF.

Aus der Wut darüber erwächst eine Entschlossenheit, die man freitags auf Demoschildern ebenso nachlesen kann wie an allen anderen Tagen in den Umfragen. Jugendliche fühlen sich von alten Generationen im Stich gelassen. Auch der Umgang der Regierungsparteien auf den Rundumschlag des YouTubers Rezo offenbart deren Unvermögen, die Perspektive junger Menschen nachzuvollziehen. „Wenn euch unsere Zukunft egal ist, dann sind uns eure Regeln egal“, so die Reaktion. Von der Baumhaus-Blockade im Hambacher Wald über das Besetzen des Tagebaus bis zum weltweiten und generationenübergreifenden Streik, angekündigt für den 20. September: Ziviler Ungehorsam (dessen Wurzeln bis in die Antike reichen) ist inzwischen auch Teil der neuen jungen Protestbewegung.

Eine kraftvolle Bewegung ist vor allem eins: geeint in der Vielfalt.

Trotzdem könnte der Klimabewegung das gleiche Schicksal drohen wie der von Nordamerika ausgehenden Bewegung „Occupy“, die massive Kritik an der globalen Wirtschaftspolitik übte. Sie wuchs rasant, bekam große mediale Aufmerksamkeit und fiel nach einer Durststrecke wieder in sich zusammen. Deshalb suchen Jugendliche nach Wegen, die Klimaschutzbewegung langfristig am Leben zu halten. Ein Forum für diesen Austausch bieten die Change Days, ein Festival für junge Umwelt- und Klimaschutz-Aktive vom 15. bis 18. August. In zahlreichen Workshops soll es um die Frage gehen, wie Gesellschaft nachhaltig und effektiv zukunftsfähig gemacht werden kann.

Eine Antwort auf diese Frage ist: Vielfalt. Ebenso, wie Proteste und Demos eine unverzichtbare Rolle einnehmen, gehören auch Dialog und Lobbyismus für den Klimaschutz zum Repertoire einer Bewegung. Plötzlich werden Jugendumweltverbände von Parteien eingeladen, ihre Sichtweise auf den Klimaschutz gilt jetzt als wichtig. Jugendliche kommen ins direkte Gespräch mit führenden Kräften aus den Fraktionen und Ministerien – das sind wertvolle Chancen des Austauschs, bei denen Fronten überwunden und neue Schritte für die Zukunft mitgestaltet werden können. Eine Regierung, die nur attackiert wird, bleibt schnell im Verteidigungsmodus verhaftet. Kommt ambitionierter Dialog hinzu, sind Politiker*innen eher bereit, ihre Gestaltungsaufgabe neu anzunehmen.

Veränderung beginnt bei dir selbst.

Und noch einer weiteren Spur folgen die Change Days: Wenn ich die Welt verändern will, wann fange ich bei mir selbst an? Viele Menschen, die sich bereits seit Jahren in Jugendumweltverbänden engagieren, haben die Erfahrung gemacht, dass man bei aller Wut nicht verbittern sollte oder die eigenen Ressourcen verbrennen darf. Es ist die richtige Mischung aus Weitblick und Achtsamkeit, aus Engagement und Fokussierung, die deinen Einsatz für die Welt nachhaltig macht.

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In zahlreichen Workshops wird es um genau diese Vielfalt gehen. Rund 300 Jugendliche werden sich austauschen zu Fridays For Future und Food Sharing, Zero Waste und Gemeinwohlökonomie, aber auch zu Naturverbindung und Storytelling, Random Acts of Kindness und Möglichkeiten, eigene Change Projekte anzustoßen. „Wir Jugendliche sind jetzt global verbunden durch das Ziel, aktiven Klimaschutz selber zu leben und genauso von Politiker*innen zu fordern“, sagt Lisa, eine WWF Jugend Aktivistin, die bei einer Fernsehsendung Angela Merkel eindringlich an Deutschlands Klimaziele erinnert hat, und die aber auch weiß, wie wichtig ein gelegentlicher Waldspaziergang fürs eigene Kraftlevel ist. „Diese neue Jugendbewegung zeigt vielleicht, dass wir alle auf vielfältige Weise aktiv werden müssen, um Wandel zu gestalten.“