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12 September 2019 / Lesezeit: 3 minuten

Die Engagement-Botschafter*innen 2019

In welcher Gesellschaft wollen wir leben?

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Lena Wiewell, Dennis Kirschbaum und Andrea Harwardt – die Engagement-Botschafter*innen 2019

Titelbild: Jörg Farys

Titelbild: Jörg Farys

Über 30 Millionen Menschen engagieren sich in Deutschland freiwillig – sie setzen sich beispielsweise für den Zusammenhalt in der Gesellschaft ein, fördern junges Engagement oder vereinen Engagement und Sport. Freiwilliges Engagement ist bunt und vielfältig. Es zeigt sich im Großen und im Kleinen, in Initiativen, Projekten und Vereinen. Das Bundesnetzwerk Bürgerschaftliches Engagement (BBE) würdigt diese wichtige Arbeit mit der Kampagne „Engagement macht stark!“. Stellvertretend für all die Freiwilligen werden einmal im Jahr drei Engagement-Botschafter*innen ernannt. Sie gelten als Vorbilder und tragen mit ihrer wertvollen Arbeit zu einer lebenswerten Gesellschaft bei. Wir möchten wissen, was sie motiviert:

„Unser Verein steht allen Menschen offen.“

Frau Harwardt, Sie haben vor 20 Jahren den inklusiven Reitverein Integration e. V. gegründet. Wie kam es dazu?
Andrea Harwardt: Ich bin Physiotherapeutin und reite bereits seit meiner Kindheit. Gerne wollte ich Hobby und Beruf verbinden und ließ mich in der Hippotherapie ausbilden. Unser Verein ist aus der Not heraus entstanden, denn auf den umliegenden Reiterhöfen fand ich keinen Platz für meine Arbeit mit behinderten Menschen. Mir begegneten Vorurteile und Berührungsängste vor Menschen im Rollstuhl oder mit geistigen Behinderungen. Deshalb habe ich mich mit meinen Mitstreiter*innen entschlossen, eine eigene Anlage zu entwickeln.

Neben dem therapeutischen Reiten bieten Sie Voltigieren im Spitzensport an. Wie passt das zusammen?
Das passt sehr gut zusammen. Es ist faszinierend zu sehen, dass die Pferde und Menschen, die auf Bundesebene Voltigiersport betreiben und Europa- und Vize-
Europameister werden, am nächsten Tag mit geistig und körperlich behinderten Menschen arbeiten und Zeit mit ihnen verbringen.

Ortstermin

Treffen Sie die drei Engagement-Botschafter*innen bei der Auftaktveranstaltung der Woche des bürgerschaftlichen Engagements am 13. September 2019 in Berlin.
www.engagement-macht-stark.de

Was möchten Sie anderen Menschen mit auf den Weg geben?
Ich möchte ihnen Mut machen, vor die Tür zu gehen und sich ehrenamtlich zu engagieren, Vereine zu unterstützen und die Erfahrung zu machen, dass man ganz viel zurückbekommt, egal wie viel man einbringt.

„Wir geben jungen Muslim*innen eine Stimme.“

Herr Kirschbaum, Ihr Verein JUMA e. V. engagiert sich für junge Musliminnen und Muslime. Was machen Sie genau?
Dennis Kirschbaum: JUMA steht für jung, muslimisch, aktiv. Bei uns treffen sich junge Muslim*innen, die sich mit ihren Meinungen, Wünschen und Ideen in die Gesellschaft einbringen wollen. Dazu veranstalten wir eigene Events, organisieren Kampagnen und sprechen mit Politiker*innen und Journalist*innen über unsere Themen.

Was unterscheidet JUMA von anderen muslimischen Jugendverbänden?
Wir machen keine theologische Arbeit, sondern klassische Jugendarbeit. Bei uns sind alle Jugendlichen willkommen, egal ob sie religiös praktizierend sind oder nicht. Wir schauen auch nicht, welcher Konfession sie angehören oder welche ethnische Herkunft sie haben. Alle sind willkommen.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft?
Mein Ziel für JUMA ist es, weiter zu wachsen und neben Berlin und Baden-Württemberg Ableger in weiteren Bundesländern zu gründen. Ich wünsche mir mehr Sichtbarkeit für junge Muslim*innen in Deutschland und ein Gegennarrativ zur – oft verkürzt dargestellten – Islamdebatte. Darüber hinaus freue ich mich auf viele weitere junge Muslim*innen, die sich bei uns engagieren und für eine offene und tolerante Gesellschaft einstehen.

„Stadt ist, was Menschen gemeinsam daraus machen.“

Frau Wiewell, Sie setzen sich mit Ihrem Verein Tausche Bildung für Wohnen e. V. für nachbarschaftlichen Zusammenhalt ein. Warum tun Sie das?
Lena Wiewell: Ich bin Architektin und das Thema sozialer Städtebau und Chancengleichheit begleitet mich bereits mein Leben lang. Meine Vision von friedvollem und gemeinschaftlichem Wohnen im Quartier treibt mich an. Ich möchte arbeiten, wo Wirkung statt Profit im Vordergrund steht. Als ich von dem Tauschkonzept in Duisburg-Marxloh erfahren habe, war ich sofort begeistert: Das sind Menschen, die genauso denken wie ich.

Wie funktioniert Tausche Bildung für Wohnen?
Unser Verein stellt mietfreien Wohnraum für junge Menschen zur Verfügung, die sich im Gegenzug um benachteiligte Kinder aus dem Stadtteil kümmern. Unsere Angebote sind recht vielfältig: Unser Basisangebot ist die Lernförderung, wir machen aber auch Ferienprogramme in allen Schulferien und haben im zweiwöchigen Abstand samstags ein offenes Angebot für die Freizeitgestaltung.

Sie unterstützen nicht nur die Kinder in ihrer schulischen und persönlichen Entwicklung, sondern fördern eine nachhaltige Veränderung des Quartiers. Wie machen Sie das?
Mit unserem Tauschkonzept sprechen wir drei Zielgruppen an: die Kinder und deren Familien, die Bildungspat*innen und den Stadtteil. Davon profitieren alle Gruppen: die benachteiligten Kinder und Familien durch die Freizeit- und Bildungsangebote, die Bildungspat*innen durch die pädagogische Qualifizierung sowie das mietfreie Wohnen und der Stadtteil durch den Zuzug der jungen Erwachsenen. Langfristig wird die Durchmischung im Stadtteil gefördert und dem Immobilienleerstand entgegengewirkt. Es entsteht eine Win-Win-Win-Situation für alle.

Eine Initiative des Bundesnetzwerks Bürgerschaftliches Engagement (BBE), einem Zusammenschluss von Institutionen und Organisationen aus Zivilgesellschaft, Wirtschaft, Politik, Medien und Wissenschaft mit dem Ziel der Förderung von bürgerschaftlichem Engagement, Partizipation und Bürgergesellschaft.

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