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12 Juni 2020 / Lesezeit: 6 minuten

Dear White People

Diese Accounts von Schwarzen Frauen solltet ihr abonnieren

Alice Hasters ist Journalistin und Autorin. Mit ihrer Arbeit leistet sie einen wichtigen Beitrag zu Rassismus-Aufklärung. Ihr Buch trägt den Titel: „Was weiße Menschen nicht über Rassismus hören wollen aber wissen sollten“.

Bild: imago images/Sven Simon

Bild: imago images/Sven Simon

enorm startet eine Kooperation mit Edition F, der Onlineplattform für Frauen und ihre Freund*innen. Ausgewählte Texte von Edition F erscheinen nun bei enorm und umgekehrt. Wir freuen uns sehr über die konstruktive Zusammenarbeit. Mehr Infos zu Edition F, findet ihr hier. Wir beginnen mit diesem wichtigen Artikel unserer Kollegin Camille Haldner.

Viele Schwarze Menschen leisten auf ihren Social-Media-Kanälen Aufklärungsarbeit zu Rassismus. Weiße Menschen sollten ihnen folgen, um so antirassistisches Denken und Handeln in all ihre Lebensbereiche zu integrieren.

Der Afroamerikaner George Floyd wurde von einem weißen Polizisten getötet. Durch die anschließenden #BlackLivesMatter-Proteste in den USA ist das Thema Rassismus wieder vermehrt in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt. Inzwischen gab es auch Demonstrationen in anderen Ländern – weitere Proteste, auch in vielen deutschen Städten, sind geplant. Aktuell positionieren sich (weiße) Privatpersonen sowie Unternehmen in den Sozialen Medien gegen Rassismus und verkünden, sich künftig (stärker) mit den eigenen internalisierten Rassismen und Privilegien auseinandersetzen zu wollen.

Einen Post zum Thema Rassismus auf den eigenen Social Media-Kanälen zu teilen, wenn #BlackLivesMatter gerade in aller Munde ist, oder das Foto einer schwarzen Kachel zu posten und #BlackOutTuesday in die Caption zu schreiben, ist leicht. Dem Thema mit solchen Aktionen Sichtbarkeit zu verschaffen und Solidarität mit Schwarzen Menschen zu zeigen, fühlt sich gut an. Doch es ist nicht genug.

In den vergangenen Tagen wurden wir alle einmal mehr daran erinnert, dass wir weißen Menschen viel mehr tun müssen, um (verinnerlichten) Rassismus zu erkennen, zu benennen und zu bekämpfen. Konkret heißt das: Lernangebote und -inhalte zu rassismuskritischem Denken und Handeln nutzen, sich an Aktionen und Demonstrationen beteiligen, Petitionen unterschreiben, Geld spenden. Eine gute Übersicht über Dinge, die wir aktuell tun können, gibt es übrigens hier.

Die weiße, privilegiert-gemütliche Filterblase platzen lassen

Die große Posting-Flut in den von uns kuratierten Social-Media-Feeds wird früher oder später leider wieder abebben; was bei uns weißen Menschen bleiben muss, ist die Erkenntnis, dass Rassismus ein andauerndes Problem ist und keines, das ab und an aufflammt und deswegen zeitweise in den Sozialen Medien trendet.

Rassismus begleitet Schwarze, indigene Menschen und People of Color (BIPoC) ihr Leben lang; es vergeht kein Tag, an dem sie nicht damit konfrontiert sind. Wir weißen Menschen hingegen werden nie nachvollziehen können, was es bedeutet und wie sich anfühlt, von Rassismus betroffen zu sein. Weiße Menschen, die sich nicht aktiv mit dem Thema befassen, haben das Privileg, es einfach ausblenden zu können, wenn es in den (Sozialen) Medien gerade nicht dauerpräsent ist. BIPoC hingegen können die Augen eben nicht verschließen, sind konstant von Rassismus betroffen – also sollten auch wir weißen Menschen uns dieses Problem konstant vor Augen führen und uns daran erinnern, dass jede*r von uns nicht nur Teil des Problems ist, sondern aktiver Teil der Lösung sein muss.

Eine weitere Sache, neben den oben genannten Aspekten, die jede weiße Person (spätestens) jetzt tun sollte, ist, die eigene weiße, privilegiert-gemütliche Filterblase platzen zu lassen und zu evaluieren, wen man auf Social Media abonniert hat und wen eben (noch) nicht. Auf diesen Plattformen bewegen sich zahlreiche User*innen, die Aufklärungsarbeit zu Rassismus und Diskriminierung leisten. Alle, die noch nicht so recht wissen, wie sie ihre Feeds neu kuratieren können, finden hier eine Auswahl an Accounts.

Übrigens: Was all diese Menschen tun, ist mit viel Aufwand verbundene Bildungsarbeit. Arbeit, die bisher kaum vergütet wird, aber wie wir alle wissen, dringend nötig ist. Neben Likes, Shares und Kommentaren unterstützen wir diese Personen idealerweise zudem auch finanziell, sei es über den Kauf der von ihnen angebotenen Produkte wie Bücher oder direkt mit finanziellen Zuschüssen. Viele Aktivist*innen haben in ihren Profilen oder auf ihren Websites Paypal-Verbindungen oder andere Möglichkeiten verlinkt, über die man sie für die kostenlos zur Verfügung gestellten Inhalte vergüten kann.

Auch auf enorm: Systematischer Rassismus in den USA

Tupoka Ogette

Tupoka Ogette ist seit vielen Jahren Aktivistin und Rassismusexpertin. In Workshops und Beratungen sowie auf ihre digitalen Kanälen klärt sie Menschen über institutionellen und strukturellen Rassismus auf. Ihr Buch (auch als Hörbuch bspw. auf Spotify erhältlich) „Exit Racism – rassismuskritisch denken lernen“ ist ein gute Ressource, um mehr über das Thema zu lernen und sich mit den eigenen, internalisierten Rassismen zu beschäftigen. Tupoka Ogette scheut sich nicht davor, unangenehme Fragen zu stellen – auf Instagram entlarvt sie auf leicht verständliche Weise rassistische Äußerungen. Sie ist übrigens auch Gewinnerin des 25 Frauen Awards 2019.

Instagram: @tupoka.o
Twitter: @Tupoka_O

Natasha A. Kelly

Dr. Natasha A. Kelly ist Kommunikationssoziologin mit den Forschungsschwerpunkten Post- und Kolonialismus und Feminismus. Außerdem arbeitet sie als Filmemacherin, Autorin und Kuratorin. 2019 veröffentlichte sie den Sammelband: Schwarzer Feminismus: Grundlagentexte beim Unrast Verlag. Mehr über sie erfahrt ihr auch in diesem Interview von edition F, in dem sie erklärt, warum das Pochen auf Farbenblindheit kontraproduktiv für eine vielfältige Gesellschaft ist und worum es bei Intersektionalität wirklich geht.

Instagram: @natasha.a.kelly

Regina Adjoa

Auf ihrem Instagram-Account widmet sich die in Berlin lebende Geschichts-Studentin Regina Adjoa verschiedenen politischen Themen aus intersektionaler, afro-deutscher Perspektive. In aufwändig produzierten Insta-Storys erklärt sie, unterlegt mit vielen historischen Fakten, Themen wie Polizei-Gewalt oder weibliche Versklavung. Daneben lohnt es sich auf jeden Fall auch, ihre Posts zu lesen, in denen sie ihre eigenen Gedanken teilt und zum Nachdenken anregt. Hier stellt sie sich gleich selbst persönlich vor.

Instagram: @reginadjoa

Rachel Cargle

Rachel Cargle ist Dozentin an verschiedenen US-amerikanischen Universitäten sowie Autorin. Der Fokus ihrer akademischen wie auch aktivistischen Arbeit liegt auf der Intersektion von Race und Weiblichkeit. Über ihre Social-Media-Kanäle leitet Rachle Cargle User*innen zu rassismuskritischem Denken an. Zudem schreibt sie eine Kolumne für Harpers Bazaar, in der sie Themen wie White Feminism bespricht oder die Problematik rund um #AllLivesMatter beleuchtet.

Twitter: @RachelCargle

Alice Hasters

Alice Hasters ist Journalistin und Autorin. Ihr Buch, ebenfalls eine Leseempfehlung, trägt den Titel: „Was weiße Menschen nicht über Rassismus hören wollen aber wissen sollten“. Darin beschreibt sie, wie Rassismus ihren Alltag als Schwarze Frau in Deutschland prägt. Und sie erklärt, dass Rassismus eben nicht nur am rechten Rand unserer Gesellschaft stattfindet, sondern jeden Tag, überall, und viele weiße Menschen das nicht merken – oder nicht wahrhaben wollen. Zudem produziert sie gemeinsam mit ihrer Freundin Maxi Häcke den Podcast „Feuer und Brot“, in dem sie gesellschaftliche Konventionen hinterfragen und Hörer*innen zur Selbstreflexion anregen. Hier lest ihr ein Interview, das edition F vor einigen Monaten mit Alice geführt hat.

Instagram: @alice_haruko
Twitter: @alicehasters

Sharon Dodua Otoo

Sharon Dodua Otoo wurde 1972 in London geboren und lebt in Berlin. Sie bezeichnet sich selbst als Schwarze Britin, Mutter, Aktivistin und Autorin. Ihre erste Novelle „die dinge, die ich denke, während ich höflich lächle“ erschien 2012 auf Englisch und 2013 auf Deutsch. Mit dem Text „Herr Gröttrup setzt sich hin“ gewann sie den Ingeborg-Bachmann-Preis 2016. Sharon Dodua Otoo setzt sich in Vereinen und Initiativen gegen Rassismus und für Diversität ein, so etwa für Phoenix e.V. und die Initiative Schwarzer Menschen in Deutschland.

Instagram: @sharondoduaotoo
Twitter: @SharonDoduaOtoo

Aja Barber

Aja Barber ist eine Londoner Autorin und Stylistin. In ihrer Arbeit fokussiert sie sich auf die Themen Nachhaltigkeit, Ethik, Intersektionalen Feminismus und Rassismus. Sie zeigt auf, wie stark unser Kaufverhalten mit den aktuellen, ungleichen Machtverhältnissen verknüpft ist und welchen Auswirkungen unser Fast Fashion-Konsum auf Entwicklungsländer hat.

Instagram: @ajabarber
Twitter: @AjaSaysHello

Fabienne Sand

Fabienne Sand ist eine in Berlin lebende Autorin und Redakteurin. Seit einigen Jahren schreibt sie über ihre Erfahrungen als afro-diasporische Frau in Deutschland. In ihren Instagram-Storys (gespeichert in den Highlights) erklärt sie auf leicht verständlich Art und Weise Begriffe wie beispielsweise White Fragility, Blackfacing, Kulturelle Aneignung. Mehr über sie erfahrt ihr u.a. in diesem Interview von RosaMag.

Instagram: @ffabae

Lucia Luciano und Gizem Adiyaman aka Hoe_mies

Seit drei Jahren organisieren Lucia Luciano und Gizem Adiyaman als Hoe_mies inklusive Hip-Hop-Partys in Berlin für marginalisierte Personen, die sich in vielen Clubs oft nicht sicher fühlen können. In ihrem Podcast „Realitäter*innen“ sprechen die beiden über gesellschaftspolitische Themen, neben Rassismus in Deutschland bspw. auch über die Krise der Männlichkeit und intersektionalen Feminismus. Auf ihrem Instagram-Account leisten die beiden in informativen Posts zudem jede Menge Aufklärungsarbeit zum Thema. Mehr über die beiden erfahrt ihr auch im Interview unserer freien Autorin Celia Parbey.

Instagram: @hoe__mies

Selbstverständlich gibt es unzählige weitere Personen, die wertvolle Aufklärungsarbeit zu Rassismus leisten – wir freuen uns, wenn ihr deren Accounts auf euren und unseren Social-Media-Kanälen mit anderen Leser*innen teilt.

Anmerkung der Redaktion: Bei der Überschrift haben wir uns von der Netflix-Serie „Dear White People“ inspirieren lassen, auch eine Empfehlung. Hier lest ihr, warum.

Begriffserklärung

weiß wird in diesem Text kursiv geschrieben und beschreibt weder die reelle Hautfarbe noch biologische Eigenschaften einer Person, sondern eine dominante und privilegierte Position innerhalb eines rassistischen Machtsystems. Weißsein ist ein Identitäskonzept, das meist unausgesprochen und unbenannt bleibt, da es als Norm und Zentrum von Perspektiven gilt.

BIPOC: Black Indigenous People of Color – Ein politischer und solidarischer Sammelbegriff für alle Schwarzen, indigenen und nicht-weißen Menschen, die von Rassismus betroffen sind. Manche Schwarze Menschen (die ursprünglich den POC/People of Color Begriff als Selbstbezeichnung etablierten) und indigene Menschen lehnen BIPOC als kollektive Selbstbezeichnung jedoch ab, da sich ihr soziokultureller und -ökonomischer geschichtlicher Hintergrund, der von Kolonialismus, Sklaverei sowie Rassismus geprägt ist, von dem anderer nicht-weißer Menschen bzw. POC unterscheidet. Mehr zur Verwendung politisch korrekter Sprache lest ihr in diesem Artikel. Wegen der wirtschaftlichen Auswirkungen der Coronakrise auf unser Unternehmen müssen wir die regelmäßigen Beiträge und Kolumnen unserer Autor*innen Josephine Apraku, Sara Hassan und Celia Parbey pausieren. Wir empfehlen euch, ihre verlinkten Profile zu besuchen und ihre Artikel zu lesen und empfehlen außerdem in den kommenden Tagen viele Artikel zu Antirassismus und Artikel von Black Women of Colour auf unseren Social Media-Kanälen. Mit EDITION F PLUS arbeiten wir daran, weiterhin und regelmäßig marginalisierten Stimmen eine redaktionelle Bühne zu geben.

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