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12 June 2019 / Lesezeit: 3 minuten

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Verteidiger von Pressefreiheit und Privatsphäre

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Aufstehen für die Freiheit: Alan Rusbridger im News Room des Guardian

Titelbild: David Levene, 2014

In seinen 20 Jahren als Chefredakteur des britischen Guardian baute Alan Rusbridger die Zeitung zu einer globalen Medienorganisation aus. Im Mittelpunkt seines Wirkens: die Verteidigung und der Schutz journalistischer und bürgerlicher Freiheitsrechte. Hierfür wurde er 2014 mit dem Alternativen Nobelpreis geehrt

Der Journalist Alan Rusbridger sagte einmal: „Ich habe bei Reportern immer an Bienen gedacht.“ Denn gleich Bienen hätten Journalisten eine wichtige Rolle im Ökosystem: Sie seien für eine nachhaltige und „gesunde“ Informationsgewinnung unerlässlich. Von diesem Credo ließ sich Rusbridger in seiner Zeit als Chefredakteur des britischen Traditionsblatts „The Guardian“ leiten und prägte so den welt­weiten Journalismus. Unter seiner 20 Jahre währenden Führung baute er die Zeitung zu einem Nachrichtennetzwerk aus, das – mit Reportern in allen Ecken der Welt – rund um die Uhr berichtet.

Privates muss privat bleiben

Die Right Livelihood Award Stiftung ehrt und unterstützt mutige Menschen und Organisationen, die visionär und beispielhaft zur Lösung globaler Probleme beitragen. Mit ihrem Award, der als „Alternativer Nobelpreis“ gilt, wurden bislang 174 Persönlichkeiten aus 70 Ländern ausgezeichnet

Sein bedeutendstes Verdienst um den Journalismus war allerdings Rusbridgers vehementer Einsatz für journalistische und bürgerliche Freiheitsrechte, darunter das Recht auf freie Meinungsäußerung, den Schutz der Privatsphäre, Infor­mationsfreiheit und die Unabhängigkeit von Journalisten. Als Chefredakteur widersetzte Rusbridger sich in mehreren Fällen dem Versuch von Regierungen, diese Rechte einzuschränken. Mit diesem Einsatz schrieb er Geschichte.

So spielte der Guardian 2010 eine zentrale Rolle in der Aufdeckung des Telefon-­Abhör-Skandals der Zeitung „News of the World“, die zum Medienkonzern Rupert Murdochs zählte. Journalisten der News of the World berichteten über die Reichen und Berühmten – mit ungewöhnlichem Detailwissen über deren private Gespräche. Dies weckte das Misstrauen eines Journalisten des Guardian, der mehr als fünf Jahre an dem Fall arbeitete. Er deckte auf, dass die News of the World illegal die Mailboxen von britischen Politikern und Prominenten abgehört hatte, um auf diese Weise die Berichterstattung zu dominieren. Unter der Leitung von Rusbridger wurde daraufhin eine breite gesellschaftliche Debatte über neue technologische Möglichkeiten und einen verantwortungsvollen Umgang damit ausgelöst.

Wider Massenüberwachung und Ausspähung

Diese Diskussion erhielt eine noch viel größere Dimension, als sich Edward Snowden 2013 an den Guardian wandte. Snowden kontaktierte den Guardian-­Journalisten Glenn Greenwald und offenbarte ihm die Massen­überwachung von Menschen weltweit durch den größten Auslands­geheimdienst der USA, die National Security Agency. In dieser Situation erlangte Rusbridger weltweite Bekanntheit, da er die Veröffentlichung der Snowden-Dokumente veranlasste und diesen Weg auch unter enormem Druck der Regierung weiterverfolgte.

Dabei stand Rusbridger vor der Aufgabe, nicht nur das Ausmaß der illegalen Massenüberwachung abzubilden, sondern gleichzeitig staatlichen Sicherheits­bedenken Rechnung zu tragen. Geleitet von der unbedingten Überzeugung, dass die Veröffentlichung dieser Erkenntnisse im öffentlichen Interesse liegt, berief er ein großes Team an Reportern und Redakteuren zur Analyse der Snowden-Dokumente. Daneben zog er aber auch IT-Experten, Anwälte und Sicherheitsberater hinzu, um eine verantwortungsvolle Offenlegung der Infor­mationen zu gewährleisten.

Als ein Ergebnis dieser Analyse hielt Rusbridger fest: Es gibt nicht das eine öffentliche Interesse, sondern viele verschiedene Interessen, die häufig miteinander in Konflikt stehen. Auch deshalb widersetzte er sich der britischen Regierung, welche die eine Wahrheit für sich beanspruchte und die Bevölkerung nicht über die anlasslose Massenüberwachung informiert wissen wollte. Doch angesichts der Missachtung von Bürger- und Menschen­rechten kam eine Geheimhaltung der illegalen Abhörpraxis für Rusbridger nicht in Frage.

Für einen unabhängigen und verantwortungsvollen Journalismus

Nach zahlreichen Veröffentlichungen im Juni 2013 nahmen die Behörden Alan Rus­bridger direkt ins Visier und wollten die Quellen des Guardian zerstört sehen. Sie drohten ihm mit einer einstweiligen Verfügung und polizeilichen Durchsuchungen. Schließlich sah er sich gezwungen, die Kopien der Snowden-Dokumente unter den Augen von zwei Staatsvertretern zu zerstören. Doch Rusbridger wusste, dass es eben nur die Kopien des Guardian waren und dass die auf mehrere Kontinente verteilten Dokumente weiterhin veröffentlicht werden konnten. Auf diese Art widersetzte er sich der Macht der Behörden und die Bericht­erstattung konnte weitergeführt werden.

Die Right Livelihood Award Stiftung ehrte Alan Rusbridger deshalb 2014 mit dem sogenannten Alternativen Nobelpreis „für den Aufbau einer globalen Medien­organisation, die sich dem verantwortungsbewussten Journalismus im öffentlichen Interesse widmet, uner­schrocken von den Herausforderungen, die sich aus der Aufdeckung von Fehlverhalten von Unternehmen und Regierungen ergeben“.

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In seiner Dankesrede erklärte Rusbridger, Journalismus sei für ihn ein öffentlicher Dienst, der die Pflicht habe, Zeuge des Weltgeschehens zu sein und unabhängig zu berichten, zu prüfen, auszuwerten und zu kritisieren. Er sagte: „Journalismus in seiner besten Form ist nicht nur von Nutzen für die Menschheit, sondern auch von wesentlicher Bedeutung für sie.“