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22 November 2019 / Lesezeit: 2 minuten

Künstliche Intelligenz

Liebe lässt sich nicht prozessieren

Was passiert, wenn durch die Künstliche Intelligenz unsere Singularität wegfällt?

Titelbild: Alexander Sinn/Unsplash

Titelbild: Alexander Sinn/Unsplash

Unsere Gedanken liegen als Daten in der Cloud. Unsere Emotionen werden messbar und getriggert durch Maschinen. Was bleibt dann? Ein Gastbeitrag.

Ausgangspunkt ist für mich die Beziehung von Mensch und Arbeit. Der Mensch definiert sich oft über die Arbeit. Sie gibt seinem Leben Sinn. Der Mensch wurde, insbesondere beginnend mit der Industrialisierung, weil er nicht perfekt war und somit ineffizient, in den Produktionsprozessen durch Maschinen ersetzt. Den Überblick über sich, seine Prozesse und die gesellschaftlichen Prozesse hat sich der Mensch dennoch lange bewahrt. Kybernetik und Informatik haben die Frage aufgeworfen, ob solche Abläufe unabhängig und eigenständig gesteuert werden können – durch Computer, durch Software.

Jetzt wird es schwierig für den Menschen: Er kann sich im Computer nur selbst spiegeln. Er kann nur eingeben, was er weiß und damit auch was er ist. Die Maschine kann nie mehr sein als der Mensch. Durch das Netz und damit das, was gerne „Schwarmintelligenz“ genannt wird, entsteht eine neue Ausgangssituation. Komplexe Prozesse können plötzlich einfach integriert werden. Durch mehr und mehr Input wird der Computer zur entscheidenden Schnittstelle, die in den Alltag eindringt.

Wenn die Sinnproduktion, der Kern des irdischen Seins, schwindet, was bleibt dann noch?
Salvatore Vanasco

Der Mensch selbst entäußert sich: Durch Exoskelette werden wir stärker. Unsere Gedanken liegen als Daten in der Cloud. Körper und Geist sind nicht mehr gut genug. Denken und Handeln erledigt der Computer für uns. Dann kommt die Künstliche Intelligenz. Auch unsere Singularität fällt weg. Wenn die Sinnproduktion, der Kern des irdischen Seins, schwindet, was bleibt dann noch? Wenn eine Maschine mehr weiß als du, mehr kann als du, was bleibt dir dann noch? Du hast keinen Job mehr. Maschinen berechnen dein Grundeinkommen, organisieren und erledigen dein Leben. All das ist durchaus denkbar und machbar.

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Der Mensch, der sich entäußert und entortet wird so immer schwächer – und nicht stärker. Was bleibt dann? Pures Schwelgen. Auch unsere Emotionen werden schließlich messbar und getriggert durch die Maschinen. Die Gedanken sind dann nicht mehr frei. Das, was dann noch bleibt, was als sinnstiftendes Mysterium bleibt, ist die Liebe. Wohlgefühl und Wohlwollen im Handeln lassen sich nicht prozessieren. Die Liebe ist das Größte. Und das wird dem Mensch helfen.

Salvatore Vanasco ist Medienkünstler und Geschäftsführer der xailabs GmbH in Berlin.