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20 Februar 2020 / Lesezeit: 2 minuten

Environmental Art

Wenn Natur zu Kunst wird

Der Künstler Hermann de Vries nutzt für seine Werke gesammelte Gegenstände aus der Natur und lässt den Betrachter die Sinnlichkeit unserer Umwelt so bewusst erfahren.

BILD: PORTRÄT HERMAN DE VRIES/JOANA SCHWENDER

BILD: PORTRÄT HERMAN DE VRIES/JOANA SCHWENDER

Beobachten, sammeln, zeigen: Das ist die Leidenschaft des Natursammlers Herman de Vries, der aus natürlichen Objekten Kunst schafft. Zwei Ausstellungen widmen sich seinem Werk.

„ein staunen und verehren an den rändern der wald- und feldwege“ – so beschreibt „Herman de Vries“, der nicht nur seinen Eigennamen konsequent kleinschreibt, seine künstlerische Arbeit. Gräser, Zweige und Erde, Rasenstücke, Steine oder knorrige Hölzer, sogenannte Objets trouvés, sind die Hauptakteure in der Kunst des passionierten Natursammlers, die er in eindrucksvoller Vielfalt katalogisiert und schließlich in seinen Werken anordnet.

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Sinnliche Erfahrbarkeit natürlicher Schönheit

Das „Atelier“ des 1931 in den Niederlanden geborenen de Vries ist vor allem der fränkische Staigerwald, wo er seit 1970 weitgehend zurückgezogen lebt und täglich ausgedehnte Wanderungen unternimmt. Für den Gärtner und Biologen, der durch die Biennale von Venedig 2015 internationale Anerkennung erfuhr, schafft die Kunst kein Abbild der Natur. Sie hilft vielmehr,  uns der sinnlichen Erfahrbarkeit natürlicher Schönheit und Verletzlichkeit bewusst zu werden.

Die Ausstellung „how green is the grass?“ zeigt derzeit Werke des Natursammlers herman de vries:
27. Januar bis 3. Mai 2020 im Georg Kolbe Museum, Berlin
Foto: Enric Duch

Farben von zerstoßener Erde

Den Künstler faszinieren vor allem die Varianten und individuellen Abweichungen im Gleichen, die die Natur hervorbringt. Sogar der Boden unter unseren Füßen, der durch Versiegelung und Erosion täglich schwindet, weist eine breite Farbpalette auf. Auf ihm beruht de Vries‘ umfangreichstes Kunstwerk, ein Archiv von mehr als 9000 Erdproben unterschiedlicher Erdregionen. Aus diesem Fundus entnimmt er das Material für seine „Erdausreibungen“: fein zerstoßene Erden auf Papier ausgerieben, die in ihrer vielschichtigen Farbigkeit auf die Funktion des Bodens als Archiv der Natur- und der Kulturgeschichte, aber auch auf die Vielfalt der Natur selbst hinweisen. Zwei aktuelle Ausstellungen in Berlin und Kornwestheim zeigen das Werk dieses einflussreichen Protagonisten der Environmental Art.

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Ausstellungen

„herman de vries. how green is the grass?“, Georg Kolbe Museum, Berlin,
27. 1. – 3. 5. 2020, in Kooperation mit dem Umweltbundesamt
„herman de vries – parts of a whole“, Museum im Kleihues-Bau, Kornwestheim, 1. 2. – 3. 5. 2020