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3 August 2017 / Lesezeit: 3 minuten

Digitale Flüchtlingshilfe

Eine einzigartige Plattform

Wenn Geflüchtete nach Deutschland kommen, haben sie oft Schwierigkeiten, sich zurechtzufinden

Titelbild: rawpixel.com / Unsplash

Die Informatiker Joschka Heinrich und Felix Schönfeld haben mit „Afeefa“ eine einzigartige Plattform für Geflüchtete erstellt. Das Motto: „Alle für einen, einer für alle“

Wo findet der nächste Deutschkurs statt? Wo gibt es Beratungsstellen? Wo kann man seine Freizeit verbringen oder sich für etwas engagieren? Welche Projekte gibt es wo? Wenn Geflüchtete nach Deutschland kommen, haben sie oft Schwierigkeiten, sich zurechtzufinden und auch für Leute, die sich engagieren wollen, ist es nicht leicht, das Dickicht an Projekten und Organisationen zu durchschauen.

Felix und Joschka versuchen genau das zu ändern. Ihr Projekt trägt den Namen Afeefa, kurz für „Alle für einen, einer für alle“. Mit den drei Musketieren hat das Ganze dennoch wenig zu tun. Afeefa ist eine App, eine soziale Plattform im Internet. Keine technische Spielerei für Nerds jedoch, sondern ein praktischer Wegweiser für die Hosentasche, der sich an alle richtet, die mit Themen rund um Engagement zu tun haben. „Wir wollen vernetzen, informieren und koordinieren,“ erklärt Joschka. Denn: Es gibt zwar viele Initiativen, Projekte und Angebote für Geflüchtete, doch oft wissen all diese gar nicht voneinander. Und wenn die es nicht einmal wissen, woher sollen dann die Geflüchteten erfahren, was es in ihrer Umgebung so gibt? Eben. Afeefa bündelt alles übersichtlich und fasst Informationen für Geflüchtete zusammen.

Afeefa auch als Antwort auf Pegida

Entstanden ist die Idee für Afeefa im Netzwerk „Dresden für Alle“, in dem sich im November 2014 Einzelpersonen, Gruppen, Vereine und Initiativen zusammengefunden haben, die Pegida etwas entgegensetzen wollten. Über 100 Organisationen gehören bereits zu „Dresden für alle“. Die Idee einer Online-Plattform und einem digitalen Hilfsmittel für die Unterstützung von Geflüchteten lag auf der Hand, doch die technische Umsetzung war eine Herausforderung, selbst für Felix und Joschka. Dabei kennen sich die beiden mit dem Programmieren aus: Joschka studiert noch Informatik, Felix hat sein Studium 2015 abgeschlossen. Afeefa ist für beide deshalb nicht nur irgendein Projekt, bei dem sie sich engagieren können, sondern auch eines, bei dem sie das, was sie können, nutzen. „Es mag zwar ein bisschen pathetisch klingen, aber man hat das Gefühl, dass man mit seiner Kompetenz etwas Gutes erreicht, etwas, das Menschen hilft“, sagt Joschka.

Am 5. Juni 2015 ging Afeefa.de online. Seitdem findet man dort eine interaktive Karte von Dresden, in der offizielle und inoffizielle Stellen und Veranstaltungen eingetragen sind – vom Flüchtlingsrat bis zu Theaterprojekten, Adressen von Behörden, Kinder- und Familientreffs, Spendenläden und vielem mehr – ein Leitfaden sowohl für Geflüchtete als auch für Engagierte und für solche, die es noch werden wollen. Mehr als 600 Einträge findet man inzwischen dort mit über 28.000 Usern. Da viele Geflüchtete weder Deutsch noch Englisch sprechen gibt es Afeefa auf bis zu zehn Sprachen, von Arabisch über Tigrinya – Amtssprache Eritreas – bis Urdu.

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Als Open Source auf jede Stadt übertragbar

Mittlerweile besteht das Team von Afeefa aus rund zehn Personen und hat viele neue Ideen umgesetzt, zum Beispiel einen Veranstaltungskalender integriert. Außerdem haben sie Afeefa beigebracht, sich Daten automatisch aus anderen Quellen wie dem BAMF, dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, zu holen und bald werden sie mit Afeefa auch in Leipzig und Bautzen an den Start gehen. Das Besondere: Afeefa ist eine Art Open Source und kann auf jede Stadt übertragen werden und von dieser oder einer dort ansässigen Organisation in Eigenregie betrieben werden.

Joschka und Felix sprechen von viel offenem Potential – der Anfang ist erstmal getan. „Es ist etwas, was die Welt ein Stück besser machen kann, wenn man es mal so großspurig sagen möchte“, sagt Felix. Sein Traum ist es, Afeefa hauptberuflich machen zu können. Schon jetzt kümmert sich Felix in Vollzeit um das Projekt, Joschka halbtags neben seinem Studium. Als reines Ehrenamt ist das kaum mehr zu schaffen. Afeefa hatte für den Aufbau Fördergelder bekommen und auch viele ehrenamtliche MitarbeiterInnen gewonnen. Derzeit gibt es jedoch für die Aufrechterhaltung des Betriebs von Afeefa.de in Dresden keine öffentlichen Gelder mehr. Das Team arbeitet ehrenamtlich weiter, ist aber langfristig auf Kooperationspartner und Sponsoren angewiesen, um sich für die Stärkung des gesellschaftlichen Engagements einzusetzen. Bislang haben sie es trotz aller Hürden immer hinbekommen. „Wenn man die richtige Idee hat und ein gutes Team, dann kann man auch mit wenig Geld und in sehr knapper Zeit viel erreichen“, sagt Joschka.