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28 March 2018 / Lesezeit: 4 minuten

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Hilfe, wo keiner sich hintraut

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Das mobile Krankenhaus von Cadus e.V. wird auf den Einsatz vorbereitet

Titelbild: Cadus

Titelbild: Cadus

Mit mehreren Projekten leistet Cadus e.V. medizinische Hilfe in Krisengebieten. Eines dieser Projekte ist ein mobiles Krankenhaus, das immer genau dort ist, wo es am dringendsten benötigt wird: an der Front im Irak oder bald auch Syrien

Rauchwolken am Horizont, Schüsse, ganze Städte in grauen Trümmern: Man kennt die schrecklichen Bilder aus den Krisenregionen. Es gibt viele Hilfsorganisationen, die in den Kriegen im Irak und Syrien helfen. Eine von ihnen ist Cadus. Die gemeinnützige und unabhängige Organisation aus Berlin leistet vor allem medizinische Nothilfe. Und das dort, wo sich andere nicht hintrauen: direkt an der Front.

„Gemeinsam für eine bessere Welt von morgen“ – unter diesem Slogan fördert Social Impact Start-ups mit sozial-innovativen Geschäftsideen und entwickelt selbst innovative Projekte rund um Social Entrepreneurship, Inclusive Entrepreneurship, Gründungsfinanzierung, Bildungsinnovationen, Innovation in der Wohlfahrt und internationale Kooperationen.

Krisengebiete Irak und Syrien

Die Bürgerkriege und Kämpfe gegen den sogenannten Islamischen Staat dauern seit Jahren an und hinterlassen nicht nur die Städte in vielen Teilen Syriens und im Nordirak zerstört – sondern auch die medizinische Infrastruktur. Das ist fatal, weil wegen vielen Verletzten natürlich gerade hier der Bedarf an medizinischer Versorgung besonders hoch ist. Noch schwieriger wird die Situation in den Krisengebieten dadurch, dass neuerdings immer häufiger Krankenhäuser das Ziel von Angriffen werden. Für Hilfsorganisationen, die medizinische Notfallhilfe leisten, ist diese Ausgangslage heikel: Denn die sich ständig verändernde Situation macht eine schnelle Hilfe dort, wo sie gerade nötig ist, fast unmöglich.

Ein mobiles Krankenhaus

Die Berliner Hilfsorganisation Cadus hat dieses Problem erkannt und sich auf die Suche nach einer Lösung gemacht. Das Ergebnis ist ein mobiles Krankenhaus, das innerhalb von wenigen Stunden auf- und abgebaut werden und so flexibel auf die aktuelle Lage in den Krisengebieten reagieren kann. Ein wechselndes Team von etwa acht Freiwilligen aus Deutschland betreut die Einsätze des mobilen Krankenhauses. Darunter sind Ärzte, Sanitäter, Techniker und Logistiker – die interdisziplinäre Zusammensetzung des Teams ist nötig, um auf verschiedene Situationen vor Ort reagieren und die täglichen Aufgaben souverän erledigen zu können.

Das Krankenhaus ist in einem robusten LKW untergebracht und ähnelt einem Feuerwehrwagen: hier ist Platz für das Team und alles für die medizinische Notfallhilfe benötigte Material. Mit dabei sind auch immer mehrere schnell aufbaubare Zelte, die als Behandlungsräume dienen und zehn Betten für einen stationären Aufenthalt der Patienten. Mit diesen Voraussetzungen kann innerhalb weniger Stunden ein komplettes Krankenhaus mit Diagnostik, Labor und Behandlungsraum aufgebaut werden.

Wichtig ist Cadus die bedarfsgerechte Hilfe zur Selbsthilfe – deswegen arbeitet das Team vor Ort eng mit lokalen Hilfsorganisationen und der Bevölkerung zusammen. Die deutschen Helfer sind Freiwillige aller Fachrichtungen, die jeweils für einen gewissen Zeitraum in die Krisengebiete fahren: bewerben kann sich hierfür jeder. Viele von ihnen haben das mobile Krankenhaus schon viele Male begleitet, erzählt Zarah Roth von Cadus.

Dort helfen, wo es am dringendsten nötig ist

Mit seinem mobilen Krankenhaus ist Cadus im Irak und bald auch in den selbstverwalteten Gebieten von Syrien unterwegs. Hier bespricht sich das Team jede Woche aufs Neue, um zu entscheiden, wo ihre Hilfe gerade am dringendsten gebraucht wird – und da fahren sie dann hin. Und wo das ist? „Dort, wo die Kämpfe nicht weit sind. Denn da gibt es natürlich die meisten Verletzten und die Infrastruktur ist oft anders nicht gegeben – die Leute würden sterben, wenn sie keine Versorgung bekämen“, erzählt Roth.

Das mobile Krankenhaus hilft dort, wo sich andere Hilfsorganisationen nicht hintrauen – und dank der Flexibilität von Ausstattung und Team kann Cadus schnellstmöglich vor Ort sein, wenn sie gebraucht werden. Das auch in den entlegensten Gebieten, die sonst für Hilfsorganisationen fast unmöglich zu erreichen sind: zum Beispiel die ländlichen Gegenden oder Camps für Geflüchtete. Das Krankenhaus kann schnell auf die sich verändernden Situationen reagieren und bis zu einen Monat ohne äußere Hilfe funktionieren.

Ein Problem, welches bei dem Wechsel von Standorten leider immer wieder eintritt, erzählt Roth, sei die komplizierte Beschaffung von Visa für die Mitarbeiter von Cadus. Ein anderes Problem, vor dem Cadus mit seinem mobilen Krankenhaus gerade steht, ist die Finanzierung. Aktuell befindet sich das Team samt Ausstattung im Irak und wird bereit gemacht für die Überführung nach Nordsyrien, erzählt Roth. „Dass Hilfe dort gerade extrem nötig ist, kann man ja an den aktuellen Nachrichten sehen.“ Dort soll das Krankenhaus an die lokale Hilfsorganisation „Heyva So A Kurd“ übergeben und gemeinsam eine langfristige Versorgung eingerichtet werden. Für die dauerhafte und nachhaltige Hilfe in dem Krisengebiet ist Cadus nicht nur auf Spendengelder, sondern auch auf finanzielle Hilfe von der WHO angewiesen.

Nachhaltige Hilfe

Wichtig ist Cadus neben dem Einsatz an der Front auch die langfristige und nachhaltige Hilfe. So zum Beispiel soll ein Team aus Ärzten und Technikern in den Irak geschickt werden, um den Wiederaufbau und die Inbetriebnahme von Krankenhäusern zu ermöglichen. So soll auf Lange Sicht eine normale medizinische Versorgung gewährleistet werden. „Es ist wichtig, dass jemand da ist, der sich mit darum kümmert, dass wieder ein normales Leben stattfinden kann“, sagt Roth.

Innovative Ideen für Krisengebiete: Projekte von Cadus

Das mobile Krankenhaus ist nur eines von vielen Projekten von Cadus. Mit seinem interdisziplinären Team entwickelt und initiiert die Organisation innovative und nachhaltige Projekte, die sich auf bedarfsgerechte Hilfe zur Selbsthilfe konzentrieren. Dazu gehört zum Beispiel ein E-Learning-Ausbildungsprogramm, das medizinisches Fachpersonal in den Krisengebieten vor Ort ausbilden soll. Oder ein Telemedizinprojekt, in welchem Fachärzte der verschiedensten Disziplinen dem Personal in den Krisengebieten bei Diagnosen unterstützen sollen.

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Dieser Artikel wurde im Auftrag von Social Impact erstellt. Gesponserte Beiträge sind eine der Möglichkeiten, über die wir uns finanzieren. Alle von Social Impact gesponserten Beiträge finden sich hier

In ihrem „Crisis Response Maker Space“ im Holzmarkt in Berlin arbeitet das Team an technischen Lösungen für humanitäre Hilfe in Krisengebieten. An diesen kann jeder mitarbeiten. „Wir verstehen den Maker Space als einen für alle offenen Ort, an dem gemeinsam Ideen entwickelt und ausgebaut werden“, sagt Roth.

Selber Hilfe bekommen hat Cadus vom Social Impact Lab in Berlin, wo sie im Rahmen des Stipendienprogramms Social Impact Start Unterstützung in Form von Coaching, Mentoring, fachspezifischen Workshops zu Themen wie Öffentlichkeitsarbeit oder Finanzierung sowie Coworking Arbeitsplätze erhalten haben.