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15 January 2020 / Lesezeit: 3 minuten

Deutsche Feuerwehrfrau in Australien

„Es regnete glühende Asche”

Juliane Hansen im Einsatz: Die 20-Jährige bekämpft gemeinsam mit australischen Feuerwehrleuten die Flammen.

TITELBILD: Privat

TITELBILD: Privat

Juliane Hansen ist als Au-pair nach Australien gegangen. Schon in Deutschland war sie in der freiwilligen Feuerwehr aktiv. Als die Buschfeuer immer schlimmer wurden, war für sie klar, dass sie helfen will. Hier erzählt sie von ihrem Einsatz als Feuerwehrfrau in Australien.

Ich heiße Juliane Hansen. Ich bin 20 Jahre alt und komme aus Norderstedt. Seit August vergangenen Jahres arbeite ich als Au-pair im Südwesten Australiens. Meine Gastfamilie lebt in der Nähe von Queanbeyan, 15 Autominuten von der Hauptstadt Canberra entfernt. Ich lebe also nicht weit von einer großen Stadt, konnte aber gleichzeitig auch das Leben auf einer kleinen Farm auf dem Land kennen lernen. Die zwei Kinder, für die ich verantwortlich bin, sind bereits etwas älter: neun und elf Jahre. Ich betreue die Kinder während der Zeit, in der ihre Eltern arbeiten. Ich helfe den beiden bei den Hausaufgaben und fahre sie auch zu ihren Freizeitaktivitäten.

Deutsche Feuerwehrfrau in Australien: „Mein erster Einsatz war am 21. Dezember …”

Juliane Hansen in ihrer Feuerwehr-Uniform. Sie hat bereits zwei Einsätze absolviert. BILD: Privat

Feuerwehrdienst ist für mich nichts neues: Ich habe mich bereits in Deutschland als freiwillige Feuerwehrfrau ausbilden lassen und bin schon mit 12 Jahren in die Jugendfeuerwehr eingetreten. Mit 18 Jahren bin ich in die Freiwillige Feuerwehr gewechselt und war dort sehr aktiv. In Australien stellte ich dann fest, dass mein Gastvater ebenfalls freiwilliger Feuerwehrmann ist: Durch ihn kam ich schnell zum Rural Fire Service von New South Wales. Im August begann hier meine Ausbildung bei der australischen freiwilligen Feuerwehr. Ich habe die englischen Fachbegriffe und Zurufe erlernt, Sicherheitsvorkehrungen einstudiert und musste eine Prüfung bestehen. Auch die Feuerwehrwagen sind hier anders und den Umgang mit den australischen Trucks musste ich erst einmal lernen. Im Dezember erhielt ich endlich die Genehmigung für Einsätze bei der australischen Feuerwehr.

Juliane Hansen: „Der Himmel färbte sich schwarz”

Mein erster Einsatz war am 21. Dezember 2019. Er begann um 6.45 Uhr und endete um 23.30 Uhr. An diesem Tag wurden wir zuerst über das Wetter aufgeklärt: Es herrschten katastrophale Bedingungen. Wir wurden mit Verpflegung für den Tag ausgestattet. Danach ging es für uns zur Wache der Stadt Nerriga, wo wir für das sogenannte Grundstückbeschützen etwas abseits der Stadt eingeteilt wurden. Am frühen Nachmittag drehte der Wind: der Rauch der Feuer zog in unsere Richtung. Ich konnte die schwarzen Wolken immer näherkommen sehen. Ich hörte das Feuer. Das Wild kam panisch aus den Wäldern gerannt und es wurde immer dunkler.
Es war ein seltsames Gefühl zu wissen, dass das Feuer nun direkt auf uns zukommt. Gegen 14.30 Uhr sah man die Flammen. Wir mussten das Haus auf dem uns zugeteilten Grundstück vor sogenannten Spot-Feuern beschützt: Das sind Feuer, die aus fliegenden Funken und Glut entstehen. Dann wurden aufeinmal alle Einheiten zur Unterstützung der Stadt Nerriga gerufen. Der Himmel färbte sich schwarz, das war sehr beängstigend: Es war so finster, als wäre es Nacht und es regnete glühende Asche auf uns herab. Leider sind viele Häuser niedergebrannt. Meine Crew hat die ganze Zeit auf mich geachtet. Alle haben sich gut um mich gekümmert.

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Deutsche Feuerwehrfrau in Australien: „Meine Freunde und Familie sind sehr stolz auf mich”

Wirklich realisiert, was passiert ist, habe ich erst einige Tage später. Meine Gastfamilie, meine Familie in Deutschland, aber auch die Wache in Australien sind für mich da, falls ich jemanden zum Reden brauche. Meine Eltern und Freunde sind sehr besorgt um mich. Sie wissen aber auch, dass es mir hier trotzdem gut geht, ich meine Zeit in Australien genieße und Menschen um mich habe, die auf mich aufpassen. Sie sind sehr stolz auf mich. Mein Vater und mein Freund sind in Deutschland auch bei der Freiwilligen Feuerwehr und können sich dadurch sehr gut in meine Lage als deutsche Feuerwehrfrau in Australien hineinversetzen. Ich werde auf jeden Fall weitere Einsätze machen und war schon bei einem weiteren dabei.

Protokoll: Morgane Llanque