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9 December 2015 / Lesezeit: 2 minuten

BWL für Entwicklungsländer

Manager ohne Grenzen

Die Stiftung Manager ohne Grenzen unterstützt die Menschen vor Ort mit Wirtschaftsexpertise

Titelbild: Helene Prölß

Titelbild: Helene Prölß

Die Stiftung Manager ohne Grenzen vermittelt Spezialisten in Entwicklungsländer, um Menschen vor Ort mit Wirtschaftsexpertise statt Spenden zu unterstützen

Ob Ärzte ohne Grenzen oder Oxfam – weltweit fließen Milliarden in die Entwicklungshilfe. Rund jeder dritte Deutsche im Alter von über zehn Jahren spendet; 2013 kam der Rekordbetrag von 4,71 Milliarden Euro zusammen. Jedoch richten reine Hilfsprojekte oft mehr Schaden an, als sie Nutzen bringen; denn sie bevormunden Hilfsbedürftige, statt ihnen Wege zu zeigen, wie sie sich selbst aus der Armut befreien können.

Einen anderen Ansatz liefert Helene Prölß mit ihrer gemeinnützigen Stiftung Manager ohne Grenzen. Die Stiftung vermittelt Fachleute mit akademischem Hintergrund in Entwicklungsländer, damit diese für vier bis acht Wochen mit fachlichem Know-how die Menschen vor Ort unterstützen und Konzepte ausarbeiten. Sie helfen nicht nur, sondern motivieren die Unternehmen und Kooperativen, ihre Projekte selbst weiterzumachen.

Um das Jahr 2005 hat sich die Stuttgarter Marketing-Expertin gefragt, ob neben Ärzten und Lehrern nicht auch Wirtschaftsfachleute dazu beitragen können, dass sich etwas verändert. Bis dahin stand vor allem Entwicklungshilfe im Fokus. Mit ihrer Initiative wollte Prölß jedoch das wirtschaftliche Know-how in den Entwicklungsländern ausbauen.

„Alle haben mich mit großen Augen angeguckt“, lächelt sie. „Bis dahin hat niemand so etwas probiert – Wirtschaftsexpertise für ärmere Länder zu entwickeln.“ Eine der größten Hürde war es vor zehn Jahren, Wirtschaftsfachleute davon zu überzeugen, in die Problematik einzusteigen. „Heutzutage ist Social Entrepreneurship selbstverständlich. Damals haben viele gedacht, dass Wirtschaftsexpertise und Entwicklungshilfe nicht zusammenpassen“, so Prölß.

Mit der Initiative hat Prölß das Gegenteil bewiesen. Angefangen durch Impulse aus dem Freundeskreis entwickelte sich Manager ohne Grenzen zu einer gemeinnützigen Stiftung. Dabei müssen es nicht im strengen Sinne BWL-Experten sein. Wichtig seien vor allem Souveränität, organisatorische Erfahrung und die Fähigkeit, sich dem interkulturellen Dialog und den fachlichen Herausforderungen zu stellen. Deswegen vermittelt Manager ohne Grenzen nur Menschen mit Berufserfahrung. Studierende können allerdings im Rahmen des Young-Leader-Programms einem Manager zuarbeiten.

Jeder Arbeitsplatz, der erhalten bleibt, ist wichtig

In über 30 Ländern haben die Manager ohne Grenzen bereits Projekte durchgeführt. Was die Bilanz nach zehn Jahren Engagement ist? „Man kann nicht sagen, dass alles rosarot ist“, erklärt die Gründerin. Einige Projekte haben nicht funktioniert, aber es sei ein ganz normaler Prozess, der auch in den Industrieländern stattfindet. Mal wird eine Firma aufgekauft, mal gibt es Unstimmigkeiten in der Führungsebene, die dazu führen, dass ein Projekt scheitert. Die Menschen hätten nach der Schulung durch Manager ohne Grenzen jedoch das nötige Know-how, um etwas Neues aufzubauen, so Prölß.

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Mittlerweile besteht der Pool aus Managern, die potentiell ein Projekt betreuen könnten, aus rund 1200 Leuten; nicht alle sind jedoch sofort einsatzfähig. Jeden Monat kommen über 50 Anfragen von Interessenten hinzu. Vorbereitet werden die angehenden Manager in Intensivseminaren, in denen notwendige Tools und Lösungsempfehlungen für einen Auslandseinsatz besprochen werden.

Welches Projekt der Gründerin besonders im Gedächtnis geblieben ist? Das ist wohl die einzige Frage, die Prölß nicht beantworten kann. „Egal, ob Saftproduktion im Slum oder Kaffeeproduktion in den nepalesischen Bergen – jeder Betrieb, der weitergeht, jedes Unternehmen, das sich weiterentwickeln kann, jeder Arbeitsplatz, der erhalten bleibt ist gleich wichtig.“