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31 Dezember 2020 / Lesezeit: 3 minuten

Kommentar

Gute Vorsätze? Diesmal wirklich!

2021 muss im Zeichen der Solidarität stehen, findet enorm Redakteurin Morgane Llanque.

Jude Beck/ Unsplash

Jude Beck/ Unsplash

2020 war ein außergewöhnliches Jahr. Die Frage, wie wichtig ein solidarischer Umgang miteinander ist, begleitet uns wegen der Pandemie seit März intensiv. Sie muss die Grundlage für persönliche Ziele im neuen Jahr sein. Hier kommen sechs gute Vorsätze für 2021.

Wir haben ein seltsames Jahr hinter uns. Aber wir dürfen nicht vergessen, dass es trotz aller furchtbaren Ereignisse auch ein Jahr war, in dem mehr als in den Jahren zuvor – öffentlichkeitswirksamer und lauter – über soziale Ungleichheit geredet wurde. Es gab weltweite Proteste, die wichtige Veränderungen brachten: die Black Lives Matter Bewegung, die Verurteilung von Harvey Weinstein, die voranschreitende Digitalisierung, die Zunahme des Radverkehrs weltweit. Covid-19 hat uns gezeigt, dass wir einiges anders machen müssen und können. Wenn du dir also noch keine Vorsatzliste fürs neue Jahr gemacht hast, kommen hier sechs Vorschläge:

1. Wenn man im kuscheligen Westeuropa lebt, geht man gerne davon aus, dass der Kelch schon an einem vorübergeht, wenn am anderen Ende der Welt eine Katastrophe wie ein hoch ansteckender Virus ausbricht. Wenn Corona uns eines gezeigt hat, dann ist es die Tatsache, dass wir nicht unverwundbar oder überlegen sind. Diese Erkenntnis müssen wir auf andere Phänomene wie Stürme, Großbrände und Überflutungen, die durch die Klimakatastrophe schlimmer werden, und im Moment vor allem Länder des globalen Südens betreffen, übertragen. Die Folgen der Klimakrise werden bald auch in Europa immer stärker zu spüren sein. Nimm dir vor, dich für einen besseren Umgang mit der Klimakrise zu engagieren und etwas nachhaltiger zu leben.

2. Black Lives Matter hat uns dieses Jahr weltweit gezeigt, dass es auch während einer Pandemie möglich ist, sich global mit diskriminierten Minderheiten zu solidarisieren und das war wundervoll. Aber wo bleibt die Protestbewegung gegen die Zustände in Moria? Gegen die Zustände in der Pflege? Gegen Hass, der sich gegen Juden und Muslim*as richtet? Wusstest du, dass in Deutschland jeden dritten Tag eine Frau ermordet wird? Meistens von ihrem Ex-Partner. Während der Pandemie sind die Fälle häuslicher Gewalt gegen Frauen und Kinder angestiegen. Schau nicht weg, insbesondere, wenn es dir selbst gut geht.

3. Netflix hat dein Jahr gerettet? Das ist schön, aber der Streamingdienst sollte nicht das alleinige Monopol hinsichtlich deines Konsums von Filmen, Serien und Dokumentationen haben. Unterstütze lokale Kinos und ihre Streamingangebote, sonst wirst du nach der Pandemie nicht so schnell und gemütlich wieder in der letzten Reihe knutschen können, während der herrliche Duft frischen Popcorns den Raum erfüllt. Der Filmverleih Grandfilm hat sich etwa mit Indie-Kinos aus ganz Deutschland zusammengeschlossen. Gegen eine Gebühr kann man hier internationale Filme streamen, der Gewinn wird mit den Kinos geteilt. Gucke dich auch bei den Mediatheken und in den Angeboten von Arte, Mubi und Betterstream um.

4. Apropos: Wenn du nicht gerade The Queen‘s Gambit geguckt oder die Robert-Koch-Institut-Seite im Minutentakt aktualisiert hast, hast du dieses Jahr sicherlich mehr Nachrichten gelesen als sonst. Medien haben dieses Jahr insbesondere im ersten Teil-Lockdown in Deutschland einen starken Anstieg der User*innen verzeichnet. Vielleicht ist dir ein Stück weit bewusster geworden, wie wichtig in diesen Zeiten konstruktiver und unabhängiger Journalismus ist und wie gerne du Zugriff auf gut recherchierte Informationen hast. Wenn du jemand bist, der es sich leisten kann, erwäge, die Medien, die du gerne liest, im neuen Jahr finanziell zu unterstützen. Auch enorm freut sich über deine Unterstützung.

5. In diesem Jahr haben auf einmal alle genau hingehört, wenn Wissenschaftler*innen etwas sagten. So wurde Aufmerksamkeit auf inhumane Zustände und Probleme gelenkt, die wir schon viel früher hätten angehen müssen. Die Folgen: Kreuzfahrtschiffe wurden in Venedig verbannt, Redaktionen weltweit haben sich zusammengetan, um gemeinsam gegen Corona-Fake-News vorzugehen. Endlich begannen auch Facebook und Twitter das Thema konsequent anzugehen. In den Niederlanden und in Dänemark wurde die Pelzzucht verboten. Der Schrei nach mehr Nachhaltigkeit in Lieferketten wurde weltweit lauter. In Spanien und zahlreiche anderen Ländern wurde die Idee eines bedingungslosen Grundeinkommens diskutiert und teilweise in politische Reformen umgesetzt. In Portugal erhielten Asylbewerber*innen die Staatsbürgerschaft, damit sie Zugang zu medizinischer Versorgung und Versicherung hatten. Wer hätte das gedacht? Corona hat bei allen Herausforderungen auch gezeigt, wie handlungsfähig und menschlich die Gesellschaft und die Politik wirklich sein kann. Halten wir diesen Standard auch nächstes Jahr aufrecht!

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6. Dankbar sein, ist eine Sache, die sich immer schnell nach Pathos anhört, und zu der dieses Jahr so oft aufgefordert wurde, dass du es vielleicht nicht mehr hören kannst. Es heißt aber gar nicht, dass man damit aufhören soll, sich zu ärgern oder traurig zu sein. Es heißt nur, dass es gut tut, ab und zu innezuhalten und die Menschen um einen herum und die Privilegien, die man genießt, wertzuschätzen. Es heißt insbesondere auch, dass man sich selbst danken kann. Du hast dieses Jahr durchgehalten, dich weiterentwickelt und viele Herausforderungen gemeistert. Nimm dir auch 2021 Zeit dafür, dir selbst und anderen Dank zu sagen. Auch wenn es eine kleine Geste scheint, sie bringt uns alle weiter.