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22 August 2019 / Lesezeit: 8 minuten

Soziale Ungleichheit

Unsere Gesellschaft in Schieflage

Egal ob es um Klimagerechtigkeit, Bildungschancen oder Einkommens­unterschiede geht – Ungleichheit findet in unserer Gesellschaft auf vielen verschiedenen Ebenen statt und ist ein zunehmendes Thema aktueller Debatten

TITELBILD: NATALYA LETUNOV / UNSPLASH

TITELBILD: NATALYA LETUNOV / UNSPLASH

Ungleichheit ist zunehmend Thema der Debatten. Im Kern geht es dabei um die Frage: Wie gerecht verteilt sind die Möglichkeiten, in einer Gesellschaft teilzu­haben und das eigene Leben zu gestalten? Egal ob es um Klimagerechtigkeit, Bildungschancen oder Einkommens­unterschiede geht. Eine Bestandsaufnahme

Sie sitzen auf dem Boden, sie halten Transparente. Darauf steht „The climate is changing. Why aren’t we?“ oder „Früher war der Fisch in der Packung. Heute ist die Packung im Fisch“. Sie haben ein Ziel. „Are you here to save the planet?“, fragt der junge Mann auf der Bühne. „Jaaa“, ruft die Menge und skandiert. Schnell, schrill, rhythmisch. „Wir sind hier, wir sind laut, weil ihr uns die Zukunft klaut!“ Die Sonne brennt, dicke Seifenblasen treiben über die Köpfe. Vorne ruft der junge Mann: „Es ist Zeit, dass wir Studierenden wieder radikal werden, mit auf die Straße gehen.“ Eine junge Frau ruft: „Die Europawahl in zwei Tagen ist eine Klimawahl. Diese Wahl ist unsere letzte Chance.“ Ein junges Mädchen ruft: „Wir wurden gelobt von den dreckigsten Unternehmen, von den größten Politiker*innen. Okay Kinder, verstanden, jetzt wieder ab in die Schule. Ich sage: nice try. Wir gehen erst, wenn sich die Klimakurven tatsächlich ändern.“ Die Menge klatscht und hüpft und schreit:  „Jaaa.“ „What do we want?“ – „Climate justice“, brüllt es aus tausenden Kinderkehlen. „When do we want it?“ – „Noooow!“

Berlin, Brandenburger Tor, ein Freitag Ende Mai. Zehntausende Jugendliche haben sich bei diesem Friday For Future versammelt, hier in Berlin und in mehr als 250 Städten europaweit. Um dafür zu protestieren, dass sich etwas ändert. Weil es jetzt darauf ankommt. Weil sie wissen, dass es um das Überleben des Planeten geht. Weil sie um ihre Zukunft fürchten, über die andere entscheiden, nicht sie selbst. „Das ist nicht fair“, sagt eine Studentin. „Für mich ist das eine Form Ungleichheit, die ich nicht mehr ertragen will.“

Mehr Protest

Ungleichheit – über wohl kein Thema wird derzeit wieder so heftig gestritten. Egal ob es um Klimagerechtigkeit, Einkommen, Bildung, Unterschiede zwischen Ost- und Westdeutschland, Herkunft, Wohnen oder Geschlecht geht. Es scheint etwas in Schieflage geraten zu sein, in Deutschland und in vielen anderen westlichen Gesellschaften. In deutschen Großstädten protestieren Menschen gegen absurd überhöhte Mieten, in Frankreich radikalisieren sich Gelbwesten im Kampf um mehr sozialen Ausgleich, überall gewinnen rechtspopulistische Gruppen mit dem Versprechen einfacher Lösungen Zuspruch. „Es hilft nicht, zu hoffen, dass es vorüber geht“, sagt der Münchner Soziologe Stephan Lessenich. „Ungleichheit ist zwar ein Grundtatbestand von Gesellschaften. Aber wenn die Ungleichheiten zu groß werden, führt das zu starken Konflikten.“  Es ist Zeit für eine kritische Auseinandersetzung, fordert Lessenich. Wie akzeptabel ist Ungleichheit? Wie gleich oder ungleich ist unsere Gesellschaft überhaupt? Wie sollte sie sein? Was können wir dafür tun, damit sie so ist, wie wir sie wünschen?

Gleiche Rechte, eine Stimme

Wenn sich die Soziologie mit Ungleichheit beschäftigt, redet sie in der Regel von sozialer Ungleichheit. „Demokratische Gesellschaften bieten Gleichheitsversprechen an, die unstrittig sind: Egal wie sich Menschen sonst unterscheiden, jeder Mensch hat eine Stimme in der Demokratie und die gleichen Rechte“, erläutert Armin Nassehi, Professor für Soziologie an der Universität München. „Daneben gibt es aber auch Ungleichheitsgeneratoren. Durch das Wirtschafts- und das Bildungssystem etwa, die dazu da sind, Menschen legitim in unterschiedliche Positionen zu bringen.“ Ohne Abitur kann man in der Regel nicht studieren, nur wer Abschluss X hat, kann Beruf Y ergreifen. Wer viel leistet, so die Idee, verdient mehr. Nassehi: „Dynamische Gesellschaften produzieren immer Ungleichheiten und das wird von den Mitgliedern der Gesellschaft auch akzeptiert.“ Wenn sie es als gerechtfertigt empfinden.

Beispiel Gehalt: 74 Prozent der Deutschen halten größere Gehaltsunterschiede für gerecht, wenn sie auf Kompetenz und Leistung gründen, ergab im Mai eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Allensbach. Problematisch wird es erst, wenn soziale Ungleichheiten nicht mehr als legitim erlebt werden. Wenn etwa große Einkommensunterschiede nicht auf Kompetenz und Leistung beruhen oder Ungleichheitsmerkmale wie Herkunft, Bildungsstand der Familie oder Geschlecht strukturell zur Ungleichbehandlung führen. Problematisch wird es, wenn sich in einer Gesellschaft Ungleichheiten zementieren und Teile ihrer Mitglieder das Gefühl haben, ihrer Lebenschancen und Aufstiegsmöglichkeiten beraubt zu sein. „Entscheidend ist: Haben die Menschen die Chance, sich zu verbessern?“, so Soziologe Nassehi. Wie in den 1970er-Jahren: Bildungschancen für alle Schichten wurden massiv ausgebaut, die Konjunktur schnurrte, immer mehr Menschen aus formal schlechter gebildeten Familien gelang der Schritt an Hochschulen und in bessere Jobs. Nassehi: „Heute ist der Aufstieg schwerer geworden und viele Schichten partizipieren nicht an der brummenden Konjunktur. Zudem geht die Industriegesellschaft zu Ende, einiges ordnet sich neu, die Unsicherheit wächst.“ Ungleichheiten verlieren zunehmend ihre Legitimation.

Dynamische Gesell­schaften produzieren immer Ungleichheiten und das wird von den Mitgliedern der Gesellschaft akzeptiert – wenn sie es als gerechtfertigt empfinden

Mehr Einkommensungleichheit

Wie sich der Grad der Ungleichheit am besten messen lässt, ist in den Sozialwissenschaften umstritten. Meist nimmt die Forschung erst einmal leicht quantifizierbare Einkommen und Vermögen unter die Lupe. Hier zeigt sich ein klares Bild: Einkommensungleichheit nimmt zu. Das zeigt zum einen der Gini-Koeffizient, ein etablierter Indikator für die Messung von Einkommensungleichheit. Er umfasst eine Skala von 0 bis 1, je höher der Wert, desto größer die Ungleichheit. Von 1991 bis 2016 ist dieser Wert von knapp 0,25 auf gut 0,29 gestiegen. Ein anderes Messverfahren vergleicht das Einkommen einer Person aus den unteren zehn Prozent mit einer Person aus den oberen zehn Prozent. Es bestätigt: Das Haushaltseinkommen in der oberen Gruppe war 2016 3,7-mal höher als in der unteren. In den 1990er-Jahren noch lag dieses Verhältnis noch bei einem Wert von 3. Vom Wirtschaftswachstum profitieren die untersten Einkommensgruppen nicht, vor allem seit der Finanzkrise ist die Ungleichheit der Haushaltseinkommen gestiegen. „Die Einkommensschere geht auf, die Polarisierung wächst“, resümiert Jürgen Schupp vom Deutschen Institut für Wirtschafts­forschung in Berlin.

Hinzu kommt: Es sind zwar mehr Menschen in Arbeit, aber gleichzeitig steigt die Zahl der nicht regulären Beschäftigten. Den „Working poor“, die sich mit einem oder mehreren schlecht bezahlten, unsicheren Jobs durchschlagen. Ihr Ertrag reicht kaum zum Leben. Immer weniger Menschen gelingt es dabei, sich aus dieser Lage zu befreien. Während sich vor 2002 insgesamt noch 46 Prozent der Menschen in der untersten Einkommensgruppe innerhalb von 5 Jahren hocharbeiten konnten, schaffen das 15 Jahre später nur noch 41 Prozent.

Noch stärker als beim Einkommen wächst die Ungleichheit bei den Vermögen: Die reichsten 10 Prozent der Bevölkerung verfügen laut DIW über 63,83 Prozent des Vermögens in Deutschland, die ärmsten 50 Prozent nur über 2,26 Prozent. Mehr als die Hälfte der Vermögen wurden dabei geerbt oder geschenkt. 40 Prozent der Deutschen dagegen haben keine Ersparnisse. Es zählt allerdings nicht das Geld allein. Ein weiterer wichtiger Indikator für Ungleichheit ist die Lebenserwartung, betont Soziologe Lessenich. „Wer mehr als 3500 Euro im Monat verdient, lebt statistisch etwa zehn Jahre länger als jemand, der nur 1500 Euro monatlich im Portemonnaie hat“, so Lessenich. „Das einfach auf Verhaltensprägungen von Unterschichten zu schieben, greift zu kurz. Es ist Indikator für knallharte, strukturelle Ungleichheit und eine soziale Schieflage in der Gesellschaft.“

Wie stark die Ungleichheit in Deutschland in verschiedenen Dimensionen zunimmt, bestätigt auch die Studie „Ungleiches Deutschland: Sozioökonomischer Disparitätenbericht 2019“, die das Institut für Landes- und Stadtentwicklungsforschung Dortmund (ILS) im Auftrag der Friedrich-Ebert-Stiftung (FES) durchgeführt hat. Der Clou: Die Studie hat nicht nur auf Ungleichheit in Punkto Einkommen und Vermögen geschaut, sondern einen Mix von 20 Kategorien unter die Lupe genommen und zwar in den verschiedenen Regionen und Städten in Deutschland. Dazu gehören Beschäftigung und Kinderarmut genauso wie Lebenserwartung, Schulabbruch, Wahlbeteiligung und Binnenwanderung. Ergebnis: „Die sozioökonomische Ungleichheit in Deutschland hat sich verfestigt.“

„Vor allem in Regionen, in denen mehrere Ungleichheitstatbestände zusammenkommen, verstärken sich die Faktoren gegenseitig“, bilanziert Philipp Fink von der FES. Wo die Beschäftigungsmöglichkeiten gering, die Infrastruktur schwach ist, steigen Abwanderung, Arbeitslosigkeit, Kinderarmut und Schulabbrüche, sinken Lebenserwartung und Steuereinnahmen der Gemeinden, in denen überlastete Verwaltungen der Abwärtsspirale immer weniger entgegensteuern können. Manchmal fehle selbst das Personal, um dringend nötige Fördermittel der Europäischen Union abzurufen. In den dynamischen Boomregionen wie München, Leipzig oder Chemnitz entstehen zwar neue Chancen, aber setzen andererseits steigende Lebenshaltungskosten und überlastete Infrastrukturen selbst Menschen mit mittlerem Einkommen unter Druck. Der soziale Zusammenhalt bröckelt. ILS-Studienleiter Stefan Fina: „Es gibt viele Deutschlands in Deutschland, und sie sind extrem ungleich.“

Um Ungleichheit zu verstehen, ist der breite Blick extrem wichtig. Denn nicht nur in Deutschland, überall auf der Welt ist typisch: Überschneidungen und Ungleichzeitigkeiten, Trends und Gegentrends. Oder, wie der Kasseler Soziologe Heinz Bude in seinem neuen Buch „Solidarität. Die Zukunft einer großen Idee“ über die Entwicklung der globalen Ungleichheit in den vergangenen 30 Jahren schreibt: „Es wird alles besser und schlechter zugleich.“ Nach Berechnungen der Weltbank hat sich etwa die Zahl der absolut Armen auf der Welt, also von jenen, die weniger als 1,90 Dollar pro Tag zur Verfügung haben, von zwei Milliarden 1993 auf eine Milliarde 2012 halbiert. Ähnliches gilt für Kindersterblichkeit, Lebenserwartung oder Bildungsbeteiligung von Mädchen.

Zeitgleich und ungleich, Trends und Gegentrends: Alles wird besser und schlechter zugleich

Regionale Unterschiede

Doch die regionalen Differenzen sind beachtlich. Während in Ländern wie Indien, Malaysia oder Nigeria eine dynamische Mittelklasse entsteht, die ihre Kinder auf gute Universitäten schickt, verschlechtert sich die Lage in wirtschaftlich und gesellschaftlich zerbrochenen Ländern wie Liberia oder Mosambik. Während sich andererseits der Abstand zwischen Nord und Süd verringert – vor 20 Jahren war der Lebensstandard in Deutschland oder Frankreich noch 20-mal so hoch wie in China oder Indien, heute ist er nur noch 10-mal so hoch –, nehmen die Ungleichheiten innerhalb der Gesellschaften zu. So hat in den USA die gesellschaftliche Ungleichheit wieder den Stand von vor 100 Jahren erreicht, die Lebenserwartung weißer Männer ohne College-Abschluss ist allein zwischen 1990 und 2007 um drei Jahre gesunken. Die Zahl der Brit*innen, die von Zeit zu Zeit aus finanziellen Gründen auf eine Mahlzeit verzichten, hat sich seit 1983 auf 28 Prozent mehr als verdoppelt. Bude: „Die Brüche und Spaltungen innerhalb der gemeinsamen sozialen Welt sind stärker und härter geworden.“

Hinzu kommt: Auch dort, wo die Zahlen optimistisch stimmen könnten, dominiert Pessimismus. Weil wir Durchschnitte vergleichen, in Schwarz-Weiß-Mustern denken, und auch dort Negatives ahnen, wo es Positives zu erzählen gibt, schreibt der schwedische Soziologe Hans Rosling in seinem Buch „Factfulness“. Beispiel: Obwohl zwischen 1950 und 2012 die Kinderarbeit von 28 auf 10 Prozent sank, schätzen die meisten sie höher ein. Beispiel: Obwohl die Kriminalität in den USA seit den 1990er-Jahren zurückgeht, glauben fast 70 Prozent der amerikanischen Bevölkerung, dass sie steigt. Ähnliche Mechanismen verschärfen die Wahrnehmung von Ungleichheit: Auch wenn die Abstiegswahrscheinlichkeit der Mittelschicht laut Sozio-oekonomischem Panel nicht zugenommen hat, ist die Sorge um den Abstieg gerade in dieser Schicht besonders präsent. Eine Gesellschaft, die denkt, „die fetten Jahre sind vorbei“, schaut pessimistischer auf sich selbst.

Die Gesellschaft ist sensibler geworden. Die Politik muss gegensteuern. Sonst haben wir bald auch Mondays For Future

Begrenzter Spielraum

Soziologe Lessenich warnt allerdings davor, diese Wahrnehmung als „Gefühl zu verniedlichen“. „Sicher vergleichen sich die Menschen eher nach oben und möchten sich nach unten abgrenzen. Doch letztlich spiegelt ihre Einschätzung einen lebensweltlichen Eindruck ihrer Lage“, so Lessenich. Wenn die Mietkosten so steigen, dass Menschen 50 Prozent ihres Einkommens für Wohnen ausgeben müssen, und nicht sicher sein können, ob sie bei einer möglichen Eigenbedarfskündigung überhaupt noch im Quartier bleiben können, verfestigt sich der Eindruck: Meine Handlungsfähigkeit ist über die Maßen begrenzt.

Für Lessenich ist das Gefühl der individuellen Handlungsfähigkeit die wichtigste qualitative Kategorie, mit der sich Ungleichheit soziologisch beschreiben lässt. Wichtiger als materielle Güter, wichtiger selbst als immaterielle Güter wie Gesundheit und Bildung. Denn in jedem Menschen können sich viele soziale Ungleichheiten überschneiden. Ich bin vielleicht gut verdienend, aber fühle mich als religiöser Mensch in einer säkularen Gesellschaft mit meinen Bedürfnissen nicht ernstgenommen und als Frau aus dem Osten von der Mehrheitsgesellschaft zusätzlich belächelt. „Ungleichheit ist ein sehr komplexes Phänomen und im Einzelfall oft nicht eindeutig. Hilfreich ist daher die Frage: Welche Handlungsmöglichkeiten und Lebenschancen hat ein Mensch in seiner konkreten sozialen Konstellation?“, so Lessenich. „Ist er in der Lage, sich seine Umwelt anzueignen, sich an bestimmten gesellschaftlichen Prozessen als vollwertige*r Akteur*in zu beteiligen?“

Das meint nicht nur Erwerbs- und Bildungschancen, sondern Handlungsmöglichkeiten auf vielen Feldern. Wenn nun vor allem Jugendliche aus der Mittelschicht mit hervorragender Ausbildung, die in den 00er-Jahren geboren sind, mit Fridays For Future auf die Straße gehen, protestieren sie eben auch dagegen, dass sie aufgrund einer katastrophal verfehlten Klimapolitik in der Gegenwart in 20 Jahren nur noch sehr begrenzte Möglichkeiten haben werden, ihr Leben zu gestalten.

Es spricht einiges dafür, dass Gesellschaften, die allen Mitgliedern gerechte Chancen bieten und wenig Ungleichheiten produzieren, für alle besser sind. Richard Wilkinson und Kate Pickett haben das in ihrem Buch „Gleichheit. Warum gerechte Gesellschaften für alle besser sind“ überzeugend nachweisen können. In nahezu allen Parametern von Gesundheit über Glücksempfinden, soziale Probleme bis zum CO2-Ausstoß schnitten Gesellschaften mit geringen Einkommensungleichheiten besser ab – egal wie hoch das Pro-Kopf-Einkommen der Gesellschaft in absoluten Zahlen war. „Unsere psychologischen Reaktionen auf die Grade der Ungleichheit in der Gesellschaft“, schreiben die Autor*innen, „sitzen sehr tief. Unsere Neigung, äußeren Reichtum mit innerem Wert gleichzusetzen, bedeutet, dass die Ungleichheit unsere soziale Wahrnehmung färbt. Sie beschwört tiefe psychologische Reaktionen herauf – Gefühle der Dominanz und Unterordnung, der Überlegenheit und Unterlegenheit –, die sich auf die Art auswirken, wie wir einander sehen und behandeln.“

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In Deutschland bleibt Ungleichheit mehr Thema denn je. Doch das Bewusstsein wächst, wie wichtig es ist, sich mit dem Auseinanderdriften der Gesellschaft zu beschäftigen – und gegenzusteuern. Das zeigen die Debatten in jüngerer Zeit. „Die Gesellschaft ist sensibler geworden für Ungleichheiten und Gerechtigkeitsfragen“, beobachtet Jürgen Schupp. Hierzulande und in den Industriestaaten insgesamt. Nicht zufällig, so der DIW-Forscher, haben die Vereinten Nationen im September 2015 in den Sustainable Development Goals bis 2030 erstmals ein neues Ziel für die „entwickelten Staaten“ aufgenommen: gerechtere Einkommensverteilung. Der Einkommenszuwachs der ärmsten 40 Prozent einer Bevölkerung soll höher sein als das Plus des Durchschnitts. „In Deutschland sind wir davon noch weit entfernt“, so Schupp. „Die Politik muss dringend gegensteuern. Sonst haben wir bald auch noch ‚Mondays For Future‘.“

Zum Weiterlesen: www.fes.de/ungleiches-deutschland