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20 Januar 2022 / Lesezeit: 2 minuten

Die Utopie

Inklusive Supermärkte für Menschen mit Behinderungen

Grelles Licht, hoher Lärmpegel und zu hoch platzierte Waren: Ältere Menschen oder Menschen mit Behinderungen empfinden die Supermarktumgebung oft als stressig und unzugänglich.

Bild: Unsplash/Nathália Rosa

Bild: Unsplash/Nathália Rosa

Das Einkaufen im Supermarkt stellt ältere und behinderte Menschen oft vor Herausforderungen. Doch immer mehr Supermarktketten bieten barrierefreies und angenehmeres Einkaufen an: mit Stillen Stunden oder Plauderkassen.

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Das ist das Problem

Viele Supermärkte sind nicht barrierefrei. Zwar liefern immer mehr Geschäfte und Dienstleister Lebensmittel an die Haustür. Vor Ort und damit meist günstiger einzukaufen, kann jedoch schwierig sein für Menschen mit Behinderungen, aber auch für ältere: Waren sind zu hoch platziert oder Preisschilder vom Rollstuhl aus nicht lesbar. Außerdem empfinden viele Kund:innen die Supermarktumgebung als stressig: grelles Licht, hoher Lärmpegel, viele Menschen. Personen aus dem autistischen Spektrum kann das vor Herausforderungen stellen, weil sie Umgebungsreize weniger filtern können.

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Das ist der Impuls

Die britische National Autistic Society hat 2017 eine einwöchige Kampagne zur „Autism Hour“ im Einzelhandel gestartet, um Menschen mit einer Autismus-Spektrum-Störung das Einkaufen zu erleichtern: mit „Stillen Stunden“. Die Kampagne pausiert wegen der Pandemie, 2019 gab es jedoch in mehr als 4.000 Läden eine solche Aktionswoche, manche etablierten ganzjährig Stille Stunden. Dann laufen weder Musik noch Durchsagen, die Lichter sind gedimmt. Mitarbeitende wurden geschult, um auf die Bedürfnisse dieser Kund:innen eingehen zu können.

Generell ist die Barrierefreiheit deutscher Supermärkte gesetzlich festgelegt. Doch die Bauvorschriften gelten nur für neue Läden, kritisiert etwa der Sozialverband VdK. Während Zugänge für Rollstuhlfahrer:innen meist problemlos seien, blockierten drinnen oft Sonderangebote die Gänge. Beschriftungen seien oft nicht kontrastreich genug und daher für sehbehinderte Menschen schlecht lesbar. Der VdK fordert auch hier klare Vorgaben.

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Das ist die Lösung

Weltweit führen immer mehr Supermärkte Stille Stunden ein, die britische Supermarktkette Asda begann damit bereits vor fünf Jahren in einer Filiale in Manchester. Seit diesem November gibt es in 630 Läden an vier Wochentagen eine solche Stunde. Auch Lidl Irland hat im Jahr 2018 in allen Filialen des Landes und in Nordirland ein ruhiges Zeitfenster eingeführt, dienstags zwischen 18 und 20 Uhr. Außerdem können sich autistische Kinder mit einem Lageplan, der „Lidl Adventurers“-Karte, auf ihren Einkauf vorbereiten. Seit Sommer 2020 gibt es zweimal wöchentlich Stille Zeiten bei ersten Schweizer Spar-Filialen. Um für das Thema zu sensibilisieren, kooperiert Spar dafür mit dem Verein „Autismus deutsche Schweiz“. Von entspannteren Einkaufszeiten könnten am Ende alle profitieren. Gerade die Situation an den Kassen ist meist hektisch und unpersönlich. Das möchte die niederländische Supermarktkette Jumbo ändern: 200 Filialen sollen einsamen Menschen einen Ort für zwischenmenschlichen Kontakt bieten. Dort gibt es spezielle Kassen, die beim Bezahlen zum Plaudern mit den Mitarbeitenden einladen. „Die gemütlichste Kasse, wenn man es nicht eilig hat“, steht auf Schildern.

In anderen Märkten gibt es für Menschen im Rollstuhl Einkaufswagen, die sich an den Rollstuhl koppeln lassen, so bleiben die Hände frei. Sie stehen bisher nur in manchen deutschen Supermärkten. Tastbare Lagepläne oder Verpackungen mit Brailleschrift könnten blinden und sehbehinderten Menschen das Einkaufen erleichtern. So auch das Smartphone: Gratis-Apps wie Seeing AI lesen vor, um welches Produkt es sich handelt. Bei der App Be My Eyes beraten Freiwillige per Videoanruf.

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