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8 March 2017 / Lesezeit: 2 minuten

Zum Weltfrauentag

Schluss mit der Opferrolle!

Zum Weltfrauentag erschallen in Deutschland die Klagen privilegierter, weißer Mädchen

Titelbild: Miguel Bruna / Unsplash

Titelbild: Miguel Bruna / Unsplash

Der Weltfrauentag ist der einzige Tag im Jahr, der allein dem schönen Geschlecht gewidmet ist. Vieles hat sich verbessert und vieles muss noch verbessert werden. Aber brauchen wir Berufsmessen nur für Frauen mit rosa Luftballons? Ein Kommentar

Der Lebenslauf der Frau hat sich im Rückblick der letzten hundert Jahren drastisch verändert. Während in den fünfziger Jahren manche Frau noch als Dekoration ihres Mannes untergangen ist, bestand der Lebensinhalt anderer zu dieser Zeit hauptsächlich aus Kindererziehung, Haushalt und Küche.

Mittlerweile hat der moderne Mann das Prinzip von Arbeitsteilung verstanden, ist gemeinsamer Kindererziehung nicht mehr abgeneigt und geteilte Elternzeit findet immer mehr Anhänger.

War es 1997 in Deutschland tatsächlich noch erlaubt, seine Frau innerhalb der Ehe zu vergewaltigen, schüttelt man heute darüber nur noch bestürzt den Kopf.

Müssen wir uns echt freuen, dass Frauen heute allein auf Berge klettern können?

Heute ist Weltfrauentag. Für mitteleuropäische Frauen könnte das ein Grund zur Freude sein. Es könnte auch ein Anlass sein, auf drastische Probleme wie Genitalverstümmelung oder Zwangsheirat hinzuweisen. Stattdessen aber ist das Internet voll von Opfer-Gejammer privilegierter, weißer Mädchen. Und das nicht nur auf Instagram, sondern auch bei sich modern und fortschrittlich gebenden Online-Magazinen für Frauen.

Die Kritik kommt oft von Frauen, die ohnehin nie um etwas kämpfen mussten; die in ihrem Loft vor ihrem Macbook Air sitzen, Soja-Latte trinken und morgens als erstes darüber nachdenken, in welchem Outfit sie sich von ihrem Freund für Instagram fotografieren lassen; und anschließend einen total kritischen Blogpost über Feminismus und Gleichberechtigung verfassen, in dem sie schreiben, was alles noch zu tun ist, bis die deutschen Frauen endlich den Männern gleichgestellt sind.

Wie ein Vater zu seinen Kindern

Aber sollte man nicht zuerst den Frauen helfen, die diese Hilfe wirklich nötig haben? Und damit ist nicht ein Berufs-Einstiegs-Coaching gemeint, um in Gehaltsverhandlungen glänzen zu können. Oder Berufsmessen für Frauen mit rosa Luftballons, bei der man sich mit anderen Frauen austauschen und wertvolle Frauen-Netzwerke knüpfen kann, um dann gemeinsam darüber zu reden, wie schlecht es den Frauen heutzutage geht. Kann ich als Frau etwa nicht auch auf einer ganz normalen Messe einen Job finden? Ist es nicht offensichtlich, dass Frauen mit solchen Aktionen regelrecht in die Opferrolle hineinkatapultiert werden?

Ebenso viele Männer übrigens, die versuchen, sich am Weltfrauentag hochzuziehen, und vermutlich morgen gleich wieder den „Steak & Blowjob”-Tag feiern.

Das Bergwelten-Magazin stellt zum Weltfrauentag 2017 sechs starke „Frauen am Berg“ vor. Aber müssen wir uns  wirklich noch darüber freuen, dass Frauen heute selbstständig auf Berge klettern können? Auf Facebook gratuliert Achim S. den Frauen für ihre „Super Leistung”. Ähnliches sagen Väter zu ihren Kindern, wenn sie auf dem Spielplatz erfolgreich das Klettergerüst erklommen haben.

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Muss ich mich selbst zum Weltfrauentag ständig benachteiligt fühlen?

Man kann als Frau heutzutage schnell das Gefühl bekommen, dass etwas mit einem nicht stimmt, wenn man sich nicht benachteiligt und untergebuttert fühlt. Aber warum sollte eine Frau wirklich nur dann aufgeklärt und ernstzunehmend Frau sein, wenn sie sich im Alltag dauerhaft bevormundet und ungerecht behandelt fühlt?

Wer sich immer in Schutz nehmen lassen möchte, braucht sich auch nicht zu wundern, nicht ernst genommen zu werden. Was dabei herauskommt, ist nicht Befreiung, sondern ein verniedlichender Pseudo-Feminismus. Also bitte ab jetzt keine Listen mehr über die 6 besten Bergsteigerinnen, angeführt mit „Das starke Geschlecht“. Das wissen wir nämlich längst.