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19 Februar 2020 / Lesezeit: 2 minuten

Musik für Geschlechtergerechtigkeit

Der Klang des Protests

Aktivist*innen in Chile erheben öffentlich ihre Stimmen gegen sexualisierte Gewalt an Frauen – weltweit greifen Tausende den Protest auf.

BILD: IMAGO IMAGES /AGENCIA EFE

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Vom Libanon bis Chile kämpfen Aktivist*innen gegen sexualisierte Gewalt an Frauen und für Geschlechtergerechtigkeit. Ihr Mittel: Musik und Choreografien.

#NotYourHonor: Rappen für Geschlechtergerechtigkeit

Sie sind stark und sie sind wütend: Frauen im Libanon erheben in einem Protestlied ihre Stimmen. Die Haare tragen sie offen, kurz oder von einem Kopftuch bedeckt. „Ich bin die Ehefrau, die Schwester, die Mutter, die Tochter, deren Rechte weggeworfen werden, der Körper vergewaltigt“, so rappen sie gegen sexualisierte Gewalt an Frauen. „Lass deine Finger von mir und behalte deine Schande für dich.“

Die Organisation Abaad, die sich für Geschlechtergerechtigkeit im Nahen Osten und Nordafrika einsetzt, hat das Rap-Video am 4. Dezember 2019 unter dem Hashtag #NotYourHonor veröffentlicht. Drei Tage später gehen Frauen in der libanesischen Hauptstadt Beirut auf die Straße. Sie protestieren gegen Vergewaltigungen und sexuelle Übergriffe. Auf Facebook sehen das Video in den ersten Tagen 1,3 Millionen Menschen, mittlerweile sind es fast doppelt so viele.

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Die Schuld von den Opfern weisen

Bei einem Protest für Geschlechtergerechtigkeit in Santiago, Chile, am 19. Dezember 2019, performen Frauen eine Choreografie zum Song „Ein Vergewaltiger auf deinem Weg“ der feministischen Gruppe „Las Tesis“.

In Chile erklingt seit Oktober vergangenen Jahres das Lied „Un Violador en Tu Camino („Ein Vergewaltiger auf deinem Weg“). Mit schwarzen Halstüchern oder Kopftüchern vermummt, tanzen Frauen öffentlich dazu. Sie tragen kurze Röcke oder Hotpants. Sie strecken ihre Arme aus und rufen auf Spanisch: „Der Vergewaltiger bist du!“ Sie weisen die Schuld weg von den Opfern, sondern klagen öffentlich Polizei, Justiz und Staatsapparat an. Das chilenische, feministische Künstlerkollektiv „Las Tesis“ will so auf Femizide und auf sexualisierte Gewalt gegen Frauen aufmerksam machen.

Im Januar 2020 führten zahlreiche Frauen den Tanz und das Lied noch einmal vor dem Gericht auf, in dem der Prozess über die mutmaßlichen Sexualstraftaten von Harvey Weinstein geführt wird.

Der Text  des Liedes basiert auf der Arbeit der argentinischen Anthropologin Rita Segato. Sie argumentiert: Sexualisierte Gewalt sei ein politisches Problem und basiere auf Machtstrukturen, nicht auf sexueller Lust. Ausgelöst durch Vergewaltigungen während der Proteste in Chile, greifen den Tanz Tausende auf – in Mexiko, Peru und auch in Europa, Kenia, Indien und in den USA.

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