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28 June 2018 / Lesezeit: 4 minuten

Übersicht

Feminismus von A bis Z

Lasst uns über Sexismus sprechen. Wir haben deswegen ein „Lexikon des Feminismus” erstellt

Titelbild: Nicole Adams / Unsplash

Titelbild: Nicole Adams / Unsplash

Cis, Gender, Empowerment: diese Wörter fallen häufig in der Sexismus-Debatte. Doch was bedeuten sie eigentlich genau? Ein Überblick über wichtige feministische Begriffe

#MeToo: zwei Worte mit denen tausende Frauen (und Männer) auf ihre Erfahrungen mit sexuellem Missbrauch aufmerksam machten. Zwei Worte, die schnell überall zu lesen waren: in den sozialen Netzwerken, in den Schlagzeilen, in den Tweets bekannter Hollywood Schauspielerinnen und Politikerinnen. Sie zeigten das Ausmaß des Machtmissbrauchs in unserer Gesellschaft auf – und ließen eine Debatte über Sexismus entflammen, eine Debatte, die noch nicht beendet ist. Solange in Sachen Gleichberechtigung noch Missstände herrschen, herrscht auch Redebedarf. Die Dinge anzusprechen, ihnen einen Namen zu geben – das ist manchmal der erste Schritt, wie die #MeToo-Bewegung gezeigt hat.

Da der Feminismus- und Geschlechterdiskurs gerade online von vielen Neologismen und neuen englischsprachigen Begriffen geprägt ist, haben wir ein Glossar mit wichtigen Definitionen erstellt. In diesem Sinne: Lasst uns über Sexismus sprechen, darüber wo und in welchen Formen er auftritt und vor allem darüber, wie wir ihn bekämpfen können – Männer und Frauen gemeinsam.

Lexikon des Feminismus

Bechdel-Test

Der Bechdel-Test prüft die Stereotypisierung von Frauen in Filmen. Nur wenn folgende drei Fragen mit Ja beantwortet werden können verfügt der Film über eigenständige Frauencharaktere und besteht damit den Test:

1. Gibt es zwei Frauenrollen?

2. Unterhalten sie sich miteinander?

3. Unterhalten sie sich über etwas anderes als einen Mann?

2014 konnten bei den Oscars nur vier der neun nominierten Spielfilme in der Kategorie „Bester Film” den Bechdel-Test bestehen, während bei der Berlinale 17 von 20 Filmen durch das Raster fielen, wie das Deutschlandradio Kultur damals berichtete. Der europäische Filmförderungsfond Eurimages implementierte den Test bereits in die Film-Fördervergabe-Kriterien.

Cat-Calling

Als Cat-Calling bezeichnet man folgendes Verhalten: Ein Mann pfeift einer Frau in der Öffentlichkeit hinterher, macht unerwünschte (häufig sexuelle) Anmerkungen zu ihrem Körper oder berührt sie sogar. Cat-Calling wird oft als eine Form von sexueller Belästigung gesehen. Auf ihrem Instagram Account @dearcatcallers postet die Niederländerin Noa Jansma Selfies mit den Männern, die ihr auf der Straße anzügliche Kommentare zu rufen. Damit will sie Bewusstsein für die Objektivierung von Frauen im Alltag schaffen und die Machtverhältnisse in der Situation „Cat-Calling” umdrehen.

Cis

Das Adjektiv cis beschreibt Personen, deren eigene Geschlechteridentität mit dem Geschlecht übereinstimmt, das ihnen bei der Geburt zugewiesen wurde. Das passende Nomen lautet Cisgender. Trans ist das Antonym von Cis und bedeutet: zwischen dem selbstgefühlten und dem bei der Geburt zugeschriebenen Geschlecht besteht ein Widerspruch.

Consent Culture

Eine Consent Culture ist eine Kultur, in der gegenseitiges Einverständnis Grundlage von sexuellen Handlungen und generell von allen zwischenmenschlichen Interaktionen ist. „Einverständnis” wird hierbei nicht nur die Abwesenheit eines Nein definiert, sondern durch ein klares Ja, das aus eigenem Willen geäußert wird. In einer Consent Culture herrscht Respekt vor der absoluten Notwendigkeit zur körperlichen Autonomie.

Empowerment

Empowerment beschreibt Mut machende Prozesse der Selbstbemächtigung, durch die benachteiligte Gruppen sich ihrer eigenen Kräfte bewusst werden, ihre Fähigkeiten entwickeln und lernen, diese zu einer selbstbestimmten Lebensführung zu nutzen.

Frauenquote

Die Frauenquote ist eine Richtlinie, die festlegt, wie viele Stellen oder Gremien innerhalb eines Unternehmens oder einer Organisation durch Frauen besetzt werden müssen. Es gibt viele verschiedene Arten von Quoten: Quoten mit oder ohne Qualifikationsbezug, rechtlich oder wirtschaftlich bindende Quoten oder solche, die lediglich als Orientierungsmaßstab gelten.

Gender

Gender bezeichnet im wissenschaftlichen Sprachgebrauch das soziale Geschlecht: Welche Eigenschaften werden einer Person in einer Kultur auf Grund ihres Geschlechts zugeschrieben? Welche Rollen, Normen und Erwartungen gehen damit einher? Es ist abzugrenzen vom biologischen Geschlecht (dem englischen sex) und kann von diesem abweichen.

Gender Pay Gap

Gender Pay Gap beschreibt die Differenz, zwischen den Lohn-Beträgen, die Männer und Frauen für die gleiche Arbeit erhalten. Im Jahr 2016 war der durchschnittliche Bruttostundenverdienst von Frauen um 21 Prozent niedriger als der von Männern.

Girlpower

Girlpower ist eine Bewegung, die ein stark ausgeprägtes Selbstbewusstsein in jungen Frauen fördert. Mädchen sollen sich fern von Konkurrenzdenken gegenseitig unterstützen.

Hepeating

Hepeating beschreibt das Phänomen, wenn die Aussage einer Frau ignoriert wird, später aber plötzlich Gehör erhält, wenn ein Mann sie wiederholt.

Intersektionalität

Intersektionalität ist ein soziologisches Konzept, das Identität als vielschichtiges Konstrukt versteht. Der Begriff wurde ursprünglich von schwarzen Feministinnen in den USA geprägt: Sie brachten damit zum Ausdruck, dass schwarze Frauen spezifische Diskriminierungserfahrungen machen, die sich von denen weißer Frauen unterschieden. Sie litten unter einer Mehrfahrunterdrückung, sowohl durch sexisitische, als auch durch rassistische Strukturen. Intersektionalität ist bedeutend, um zu verstehen, dass es auch innerhalb einer benachteiligten Gruppe privilegierte Untergruppen geben kann. So haben weiße, heterosexuelle Frauen häufig Privilegien (siehe Privilegien), die schwarze, behinderte oder Queer-Frauen nicht haben.

Intersexualität

Intersexualität bezeichnet Menschen, die genetisch, anatomisch oder hormonell nicht eindeutig dem weiblichen oder männlichen biologischen Geschlecht zugeordnet werden können.

Lookism

Lookism bezeichnet die Stereotypisierung beziehungsweise Diskriminierung einer Person aufgrund ihres Aussehens. Es ist die Annahme, dass Aussehen ein Indikator für den Wert einer Person ist.

Male Gaze

Der Male Gaze ist ein aktiv-männlicher, kontrollierender Blick. Der Begriff stammt ursprünglich aus der Filmtheorie.

Mansplaining

Männer erklären Frauen die Welt, auch wenn die Frau mehr darüber weiß. Sie nehmen damit eine Autorität gegenüber Frauen ein, die ihnen inhaltlich nicht zusteht. Das Phänomen ist oftmals verbunden mit dem Ignorieren von Argumenten und dem Habitus, Frauen zu unterbrechen.

Patriachat

Das Patriarchat beschreibt ein System, das von Männern geschaffen, kontrolliert und repräsentiert wird. Im Gegensatz dazu wird im Matriachat der Frau die wichtigste Stellung in Staat und Familie eingeräumt.

Postfeminismus

Der Postfeminismus dekonstruiert den Feminismus. Er sagt aus, dass sowohl das soziale, als auch das biologische Geschlecht gesellschaftliche Konstrukte sind und deswegen als Klassifikationseinheiten abgelehnt werden sollten. Der Postfeminismus sieht den Feminismus als überflüssig an.

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Privileg

Ein Privileg ist ein Vorteil, der einer bestimmten Gruppe aufgrund von gesellschaftlichen Einflüssen zugute kommt. So haben Männer einige Privilegien, die Frauen nicht haben, aber auch Mittelschichtfrauen sind gegenüber ärmeren Frauen privilegiert.

Slut Shaming

Slut Shaming bezeichnet das Phänomen, bei dem Frauen für ihre ausgelebte Sexualität, aber auch für ihr Auftreten oder ihre Kleidung angegriffen oder beschuldigt werden. Slut Shaming geht oft Hand in Hand mit Victim Blaming. Hier wird das Opfer von sexuellem Missbrauch selber für das Vergehen beschuldigt. Als Gründe werden beispielsweise eine falsche Kleidungs- oder Verhaltenweise angeführt.