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28 January 2019 / Lesezeit: 2 minuten

Interview zu gendergerechter Sprache

„Sprache ist mehr als Substantive“

Mo Zündorf studiert den Erasmus Mundus Master in Gender & Women’s Studies und ist bei Fairlanguage zuständig für Wissenschaft und Community Building

Titelbild: Fairlanguage

Titelbild: Fairlanguage

Warum geschlechtergerechte Sprache gerade für Firmen wichtig ist – und was das im Arbeitsalltag heißt. Ein Interview mit Mo Zündorf vom Beratungsunternehmen Fairlanguage

Zuerst einmal ganz grundlegend: Was verbirgt sich hinter dem Begriff gender- oder geschlechtergerechte Sprache?

Für uns ist das eine Sprache, die explizit alle Geschlechter mitmeint, anspricht und mehr Identifikation schafft. Ein Beispiel: Das Wort „Topmanager“ erzeugt sofort ein klares Bild im Kopf, wir schreiben dieser Bezeichnung bestimmte Werte und Verhaltensweisen zu – die eben klar männlich geprägt sind.

Warum ist das Thema gerade für Unternehmen so wichtig?

Alle reden davon, dass wir Barrieren abbauen oder mehr Frauen in Führungspositionen bringen wollen. Wenn wir also nur nach dem nächsten Topmanager suchen – und dabei nur an Männer denken – wird das nichts. Nehmen wir das Beispiel Stellenausschreibungen: Da geht es zum einen darum, bei bestimmten Bezeichnungen auf Inklusivität zu achten – also Manager*innen statt Manager zu schreiben –, aber auch bestimmte Gendercodes zu vermeiden, Sprache ist mehr als Substantive.

Was sind solche Gendercodes?

„Wir suchen eine starke Führungskraft, die das Salesteam zum Erfolg pusht“ spricht beispielsweise viel weniger Frauen an als „Wir suchen eine Führungskraft, die das Salesteam leitet und unterstützt und darüber hinaus immer die Bedürfnisse der Kund*innen im Fokus hat“. Da geht es um den Kern eines jeden Unternehmens, für welche Werte man steht, welches Arbeitsklima schafft man. Gerade High Potentials bewerten Unternehmen als attraktiver und innovativer, die Wert auf Inklusivität legen, besonders beim Thema Gender.

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Sprache ist ja aber etwas sehr Grundlegendes, das sich schwer ändern lässt.

Die wenigsten Menschen wollen ja diskriminieren, tun es aber mit ihrer Sprache. Diese Diskrepanz zeigen wir zunächst auf. Wir wollen niemandem eine Ideologie aufzwängen. Wir wollen die unterstützen, die etwas ändern und Sprache fairer machen wollen. Das muss dann auch klar von der Führung getragen sein. Wir bieten ganz grundlegende Workshops an, damit sich alle mit dem Thema auseinandersetzen können. Für die konkrete Umsetzung kann man natürlich weitere Workshops und Trainings durchführen. Wir arbeiten derzeit parallel aber auch an einer Software, die beispielsweise automatisch unfaire Sprache erkennen und Verbesserungsvorschläge geben soll.