Startseite/Gesellschaft/Familie
22 Dezember 2020 / Lesezeit: 3 minuten

enorm Redakteur*innen erzählen

Wie wir Weihnachten feiern

Zumindest diese Weihnachts-Konstante dürfte man trotz Pandemie in vielen Haushalten finden: einen Baum und darunter Geschenke.

Illustration: imago images / ikon images

Illustration: imago images / ikon images

Es werden besondere Festtage im diesjährigen Dezember. Es gibt Bestimmungen und Empfehlungen, Bitten und Bangen – und in jeder Familie wird diskutiert, welche Form wohl die richtige sein mag. Auch wir enorm Redakteur*innen haben unterschiedliche Pläne. Das sind sie.

Wie wir Weihnachten feiern: Vorfreude und Bauchschmerzen

Schon seit September freut sich meine Oma auf Weihnachten. Weil sie mich und meinen Bruder dann endlich wiedersehen wird. Ob das klappt, wussten wir lange nicht, denn meine Familie lebt in Bayern, fast acht Stunden Zugfahrt entfernt von meinem Wohnort in Berlin. Mein Bruder muss aus Düsseldorf anreisen. Wir haben gebangt, ob wir überhaupt zu sechst (denn auch mein Freund kommt mit) zusammenkommen dürfen. Gerade sind wir optimistisch, aber Bauchschmerzen habe ich trotzdem. Zwar werden wir uns vor Weihnachten in eine freiwillige Quarantäne begeben, anschließend einen Corona-Schnelltest machen und mit FFP2-Masken ICE fahren. Doch wie sicher können wir Weihnachten, vor allem für meine 84-jährige Oma, überhaupt gestalten?

Aber gerade jetzt brauchen wir alle dieses Fest. Nicht nur meine Oma, sondern auch ich fiebere den Tagen entgegen, die so anders sein werden als sonst. Normalerweise bedeutet Weihnachten für mich: Meine Verwandten treffen, gesellige Abende mit Freund*innen. Dieses Jahr werden wir einen Teil der Familie (etwa meine andere Oma) nicht sehen. Immerhin spazieren gehen möchte ich mit ein paar mir wichtigen Menschen. Die Feiertage werden also sehr viel ruhiger. Aber vielleicht ist das auch gut, gerade in diesem Jahr.“
Astrid Ehrenhauser

Auch auf enorm: Drei festliche Rezepte mit regionalen Zutaten

Besondere Geschenke

„Ich weiß, dass Weihnachten auch das Fest ist, an dem man dankbar für seine Familie sein soll. So richtig verinnerlicht habe ich das aber bisher nur sehr selten. Zum Beispiel 2018, als ich in Namibia lebte, und Weihnachten im benachbarten Südafrika verbrachte. Es war das erste Weihnachten, an dem ich von meiner Familie getrennt war und mich am anderen Ende der Welt befand. Obwohl wir uns Weihnachten genau so streiten, wie andere Familien auch, und obwohl ich es zur Abwechslung auch nicht schlecht fand, die Feiertage beschwipst am Strand zu verbringen, vermisste ich alle schrecklich. Ansonsten ist das Vermissen bei uns selten, denn wir leben alle in derselben Stadt.

Was früher völlig irrelevant erschien: Wir leben auch in vier verschiedenen Haushalten. Meine Eltern fingen an zu diskutieren, ob wir uns überhaupt alle an Heiligabend zusammenfinden sollten oder uns besser über das Fest verteilt in kleinen Gruppen treffen sollten. Als meine Mutter mir davon erzählte, kamen mir die Tränen. Jetzt werden wir uns doch alle zu fünft treffen und uns davor isolieren. Darüber bin ich sehr dankbar und habe mir dieses Jahr deshalb auch besonders viel Mühe bei den Geschenken für die Anderen gegeben.
Morgane Llanque

Wie wir Weihnachten feiern: Die schönste Zeit des Jahres

„Weihnachten ist die schönste Zeit des Jahres. Eigentlich. Wären da nicht all die To-dos, die das Fest mit sich bringt: Passende Geschenke finden und rechtzeitig besorgen oder am besten selber basteln, schmücken, Züge buchen und packen – vor allem aber den Erwartungen gerecht werden. Denn: Weihnachten ist die schönste Zeit des Jahres! Kurz vor dem Fest reise ich zu meiner Familie nach Hessen. Am 23. Dezember findet normalerweise ein großes Wiedersehen mit meinen Freund*innen statt, die ebenfalls angereist sind. Ich sehe sie nur selten. Heiligabend und die Feiertage verbringe ich mit meinen Eltern und meinem Bruder, bevor ich nach Hamburg reise, um die Familie meines Freundes zu sehen. Dieses Jahr wird anders und ich muss sagen – entspannter.

Die großen Wiedersehens- und Neujahrs-Feiern fallen aus, aber genau das senkt den Erwartungsdruck. 2020 wird in meinen Augen deutlicher, warum Weihnachten überhaupt als schönste Zeit des Jahres bezeichnet wird: Heimkehren, zur Ruhe kommen, gemeinsam nostalgisch sein. In der Vergangenheit dienten gemeinsame Spaziergänge der Verdauung des fettigen Weihnachtsessens (sowie wiederkehrenden Streitgesprächen über Vegetarismus). Also nicht wirklich social highlights… In diesem Jahr werde ich jedoch zurückblicken und mich an viele schöne Spaziergänge mit Freund*innen in der Natur erinnern. Das klingt alles verdammt pathetisch, aber das ist 2020 erlaubt.
Miriam Petzold

Wie wir Weihnachten feiern: Video-Konferenz und kochen und kochen und kochen

„Wir bleiben zuhause und besuchen nicht die über 500 Kilometer entfernte Familie. Eine private Video-Konferenz mit der engsten Verwandtschaft ist stattdessen geplant. Alle kochen für sich und kommen dann bei einem Gläschen nach dem Essen zusammen. Und, wenn ich ehrlich bin, kommt mir das ganz gelegen. Gab es früher große und ebenso herzliche wie anstrengende Familienzusammenkünfte über Tage, inklusive endloser, politischer Grundsatzdiskussionen, waren die letzten Jahre, auch schon vor der Pandemie, ohnehin entspannter.

Hilf enorm!

Unterstütze konstruktiven Journalismus

Die Coronakrise stellt auch uns bei enorm vor große wirtschaftliche Herausforderungen. Um möglichst viele Menschen zu erreichen, möchten wir die Inhalte auf enorm-magazin.de frei zugänglich halten und auf Bezahlschranken verzichten. Hilf uns mit deinem Beitrag dabei!

Hilf enorm!

Ich bin also emotional vorbereitet auf Liebesentzug. Denn: Meine Frau hat mir vor ein paar Jahren äußerst schlüssig erklärt, dass der Weihnachtsbesuch in der alten Heimat auch in jedem zweiten Jahr völlig ok ist. Pflichtbewusstsein hin oder her. Denn wir treffen uns im engsten Familienkreis seit Längerem jedes Jahr ohnehin zwei Mal turnusmäßig – zu einem immer wieder schönen, gemeinsamen Urlaubswochenende und zumeist an einem weiteren Termin. Jedenfalls werden wir zu zweit den 24. Dezember überwiegend kochend verbringen. Es soll und muss bis Sonntag reichen. Und dann mummeln wir uns ein und lassen alles andere draußen. Ok, auf die Video-Konfi freue ich mich dann doch ziemlich, gebe ich schon zu.
Jan Scheper