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23 April 2018 / Lesezeit: 3 minuten

Familie 2020

7 Ideen, Blogs und Projekte für Eltern

Eltern, die Ideen, Blogs und Projekte für ein besseres Familienleben vorstellen

Titelbild: Jan von Holleben

Aus der Zielgruppe für die Zielgruppe: Wer hilft Eltern bei drängendsten Herausforderungen am besten? Andere Eltern – und deren Ideen, Blogs und Projekte für ein besseres Familienleben

1. Das Private, politisch

Christine Finke ist Journalistin, Mutter von drei Kindern, Politikerin – und alleinerziehend. Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie und die Situation Alleinerziehender hierzulande sind Themen, die ihr tägliches Leben prägen, und die sie seit drei Jahren auch als Stadträtin einer unabhängigen Wählervereinigung in Konstanz am Bodensee in die Politik trägt. Ihren Blog „Mama arbeitet“ nennt Finke „politisch mit privaten Ansichten“. Sie sammelt dort Gastartikel von Alleinerziehenden, bespricht Bücher – und widmet sich in eigenen Beiträgen konkreten Fragen wie dem Elterngeld für Alleinerziehende oder den Vorteilen und Problemen des Wechselmodells.

2. Durchziehen

Das Kind kommt ungeplant mitten im Studium und einen Partner, der sich kümmert, gibt es nicht – für viele Frauen ist damit der Universitätsabschluss Geschichte. Ihnen will der Sozialdienst Katholischer Frauen Hamburg-Altona zu einem Abschluss verhelfen – mit dem nötigen Geld und mit individueller Beratung. Nach dem Vorbild ähnlicher Förderprogramme in Münster und Osnabrück begleitet das Projekt „Madame Courage“  alleinerziehende, studierende Mütter bis zum Berufseinstieg. Voraussetzung für eine Aufnahme in das Programm ist eine Immatrikulation an der Universität Hamburg. Die Frauen müssen zudem im letzten Studiensemester sein – und auch eine realistische Chance haben, einen Abschluss zu erreichen.

3. Und wir?

Für Alleinerziehende mit kleinen Kindern und kleiner Geldbörse, so beschreibt die Hamburger Beratungsstelle für Alleinerziehende ATB die Zielgruppe ihres Secondhandladens „Kinderkram“. Vom Kinderwagen bis zum Bobbycar reicht das Angebot; die Sachen werden von Hamburger Familien gespendet. Nebenan berät die ATB in allem, was eine Trennung oder Scheidung nach sich zieht und moderiert Gesprächsgruppen für alleinerziehende Mütter und Väter. Einmal im Monat trifft sich auch eine Gruppe für Jugendliche ab 12 Jahren. Ihr Thema: die Trennung der Eltern – und was passiert mit uns?

4. Zwei Menschen, ein Kind

Gleichberechtigung der Geschlechter, super, wollen wir auch – denken vermutlich die meisten Paare. Der Knackpunkt kommt mit dem ersten Kind – wer bleibt wie lange zuhause? Wer ist der Hauptverdiener? Wer wäscht und kocht, wer geht im Hemd aus dem Haus? Suse und Micha, zwei Menschen aus Berlin mit Kind, wollten weg von den tradierten Rollenzuweisungen. Für sich als Paar und für ihr Kind. In ihrem Blog „Femilyaffair“, den sie 2012 begannen, schreiben sie über das Ausprobieren einer gerechten Aufteilung aller Familienaufgaben. Und über „Liebe im Kapitalismus“. Die Beiträge sind offen, selbstkritisch, lesens- und nachdenkenswert. Und positiv: die vielen Diskussionen seien anstrengend, schreibt Suse, aber sie führen eben auch zu einem schöneren Leben.

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5. Flexibler? Gibt’s nicht!

Morgens um sechs Uhr macht die Kita auf, um 18 Uhr schließt sie. Dazwischen liegt eine Menge Zeit – aber für viele alleinerziehende Eltern reicht sie trotzdem nicht aus. Sie müssen um 4 Uhr in der Bäckerei anfangen oder nachts Dienst bei der Feuerwehr schieben. Für sie hält das Berliner Jugendamt eine Ergänzung bereit: den „MoKi“, ein mobiler Kinderbetreuungsservice. Er hat den großen Vorteil, dass er bei den Familien zuhause stattfindet. Geschulte Betreuungspersonen kommen morgens um vier, wecken das Kind und bringen es zur Schule. Oder holen es aus der Kita ab und essen mit ihm zu Abend. Und gehen erst wieder, wenn Mama oder Papa nach Hause kommen.

6. Auf Gegenseitigkeit

Nach einer alternativen Kinderbetreuung, die Arbeit und Familie an einem Ort zusammenführt, hat „Rockzipfel“ gesucht – und dieses Konzept gefunden: In den Coworkingspace in Leipzig kommen Eltern mit ihren Kindern und verschaffen sich gegenseitig Freiräume zum Arbeiten. Die Kinder spielen unter Aufsicht eines Freiwilligen oder eines Elternteils. Rockzipfel ist explizit keine Fremdbetreuung, die Verantwortung bleibt bei den Eltern–und ihr Kind kann auch jederzeit zu ihnen kommen. Inzwischen hat das Modell bereits Nachahmer gefunden, es gibt zum Beispiel auch in Dresden, Berlin, München und Hamburg Rockzipfel-Büros.

7. Gästebett für Papa

Im Alltag getrennter Eltern gibt es viele Probleme, die aber kaum ein Außenstehender kennt. Zum Beispiel die Besuche beim eigenen Kind, das mit dem anderen Elternteil in eine fremde Stadt gezogen ist. Viele Mütter und Väter haben dann hunderte Kilometer zu überbrücken und wissen anschließend nicht, wo sie in der fremden Stadt schlafen können. Sie steigen in billigen Hotels ab, schlafen im Auto und treffen Sohn oder Tochter im Café oder auf dem Spielplatz. Das kann es doch nicht sein, dachten die beiden Gründer des Besuchsprogramms „Mein Papa kommt“, beide selbst alleinerziehend. Ihre Vision: Jedes Kind muss die Chance bekommen, zu beiden Elternteilen „eine bedeutsame, innige Beziehung“ aufzubauen. Über die Website vermitteln sie besuchenden Vätern und Müttern eine kostenlose Übernachtungsmöglichkeit bei Gastfamilien. Und bieten ihnen für tagsüber konsumfreie Räume in kooperierenden Kitas oder Familienzentren – um in Ruhe zu spielen, lesen, lachen.