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1 Oktober 2020 / Lesezeit: 3 minuten

Aktivist*innen aus Belarus, Iran und Nicaragua

Das sind die Gewinner*innen des Alternativen Nobelpreises

Nasrin Sotudeh umarmt ihren Sohn: Die Aktivistin aus dem Iran sitzt derzeit in Haft und setzt sich für Menschenrechte in ihrer Heimat ein.

Bild: imago images / UPI Photo

Bild: imago images / UPI Photo

Sie kämpfen gegen staatliche Repressionen, Rassismus und Ausbeutung von indigenen Völkern: Die Alternativen Nobelpreisträger*innen lassen sich auch von großen Hürden nicht von ihrem Einsatz für eine bessere Welt abhalten. Eine Preisträgerin sitzt derzeit sogar in Haft.

Zum ersten Mal in der Geschichte der Alternativen Nobelpreise werden Menschenrechtskämpfer*innen aus dem Iran und Belarus mit der renommierten Auszeichnung geehrt. Der Preis, der offiziell Right Livelihood Award heißt, geht in diesem Jahr unter anderem an die in iranischer Haft sitzende Menschenrechtsanwältin Nasrin Sotudeh sowie den belarussischen Demokratie-Aktivisten Ales Beljazki und das von ihm gegründete Menschenrechtszentrum Wesna. Das gab die Right-Livelihood-Stiftung am Donnerstag in Stockholm bekannt. Ebenfalls mit dem Preis geehrt werden der US-Bürgerrechtsanwalt Bryan Stevenson und die Aktivistin Lottie Cunningham Wren aus Nicaragua.

Alternativer Nobelpreis: Ein Zeichen der Solidarität mit Belarus

Die inhaftierte Sotudeh wird ausgezeichnet, weil sie laut Jury furchtlos für die Förderung politischer Freiheiten und der Menschenrechte im Iran einsteht. Beljazki und das Wesna-Zentrum bekommen den Preis derweil „für ihren entschlossenen Kampf für die Verwirklichung von Demokratie und Menschenrechten in Belarus“ – ein Thema, das angesichts der anhaltenden Proteste gegen den umstrittenen Machthaber Alexander Lukaschenko kaum aktueller sein könnte. Der Preis für Beljazki und Wesna sei auch ein „Ausdruck der internationalen Solidarität mit all denen, die für die Freiheit und die Demokratie in Belarus kämpfen“, sagte von Uexküll.

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Auch mit der Auszeichnung des US-Amerikaners Stevenson lenkt die Right-Livelihood-Stiftung die Aufmerksamkeit auf ein brandaktuelles gesellschaftliches Thema, nämlich die Rassismusdebatte in den USA. Der Bürgerrechtsanwalt strebe nach der Reform der US-Strafjustiz und der Versöhnung der Menschen „im Angesicht des historischen Traumas des Rassismus“, hieß es seitens der Stiftung. Die Nicaraguanerin Cunningham schließlich setze sich auf unermüdliche Weise für den Schutz des Landes der indigenen Bevölkerung vor Ausbeutung und Plünderung sowie für den Umweltschutz ein.

Sotudeh, Stevenson, Cunningham sowie Beljazki und Wesna sollen nach Stiftungsangaben am 3. Dezember im Rahmen einer Preisverleihung gewürdigt werden, die diesmal wegen der Corona-Pandemie virtuell stattfinden soll. Jede*r erhält eine Million schwedische Kronen (rund 95 000 Euro), die für seine Arbeit bestimmt sind.

Alternativer Nobelpreis ehrt meist unbekanntere Aktivist*innen

Damit bleibt die Vergabejury ihrer Linie treu und zeichnet vier Persönlichkeiten aus, die international nicht ganz so sehr im Fokus der Weltöffentlichkeit stehen. Das hatte sie in der Vergangenheit immer wieder getan, auch wenn gelegentlich auch prominentere Namen unter den Preisträger*innen aufgetaucht waren – im Vorjahr etwa der von Greta Thunberg. Zusammen mit der schwedischen Klimaaktivistin waren 2019 die Menschenrechtskämpferin Aminatu Haidar aus der Westsahara, die chinesische Frauenrechtlerin Guo Jianmei sowie der brasilianische Yanomami-Indigenen Davi Kopenawa und seine indigene Vereinigung Hutukara Yanomami ausgezeichnet worden.

Der seit 1980 verliehene Right Livelihood Award ist gemeinhin als Alternativer Nobelpreis bekannt. Mit ihm ehrt die Right-Livelihood-Stiftung diejenigen, die sich oft unter hohen Risiken in besonderem Maße für den Frieden und eine gerechtere und nachhaltigere Welt einsetzen. In diesem Jahr wurden 182 Nominierungen aus 71 Ländern berücksichtigt, die fristgerecht bis Anfang März eingereicht worden sind. Die Auszeichnung steht dabei in kritischer Distanz zu den eigentlichen Nobelpreisen, deren Preisträger*innen ab Montag in Stockholm und Oslo bekanntgegeben werden.

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Kampf für Gleichberechtigung und Demokratie

Die Preisträger*innen eine der Kampf für Gleichberechtigung, Demokratie, Gerechtigkeit und Freiheit, sagte Stiftungsdirektor Ole von Uexküll bei der Preisbekanntgabe. „Mit ihrem Widerstand gegen ungerechte Rechtssysteme und diktatorische politische Regime stärken sie erfolgreich die Menschenrechte, fördern Zivilgesellschaften und prangern institutionelles Fehlverhalten an.“

Mit der diesjährigen Auswahl wolle man ein Schlaglicht auf die zunehmende weltweite Bedrohung der Demokratie werfen, sagte von Uexküll. „Es ist höchste Zeit, dass wir alle, die weltweit an die Demokratie glauben, aufstehen und einander unterstützen.“

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