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5 February 2018 / Lesezeit: 2 minuten

Erfahrungsberichte aus dem Studium

Was heißt sinnvoll studieren für mich?

Viele Studierende sehnen sich nach einem sinnvollen Studium

Titelbild: Gabriel Lopez / Unsplash

Titelbild: Gabriel Lopez / Unsplash

In ihrem Studium suchen immer mehr junge Menschen nicht nur nach Abschlüssen, Titeln und den besten Jobchancen – sondern nach Sinn. Was genau das für sie persönlich bedeutet, erzählen hier sechs Studierende und Absolventen

„Während meines ersten Jura-Semesters in Münster habe ich gemerkt: Das ganze Auswendiggelernte ist nach den Prüfungen zu 90 Prozent schnell vergessen – und so auch später im Beruf nicht abrufbar. Das kann es doch nicht sein. Deshalb habe ich mich nach einem Ökopraktikum zurückbesonnen, das ich nach meinem Abi in Nicaragua gemacht habe, und mich für ein andwendungsnäheres Studium entschieden: Umwelt-Ingenieurswesen. Das ist für mich sinnvoller.“ – Karl Classen (20), 1. Semester Umwelt-Ingenieurswesen, Braunschweig

Reflexion: Ein wichtiger Teil eines sinnvollen Studiums

„Studieren mit Sinn? Das heißt für mich: Schluss mit verschulten Systemen, die uns suggerieren, das einzig Wichtige sei, schnell jemand zu werden. Aber in den 20ern sollte doch die Persönlichkeit reifen und nicht Titeln und Abschlüssen hinterhergerannt werden. Wichtig ist mir vor allem, mit Freiheit und Freizeit, politischem und ehrenamtlichem Engagement sowie Reflexion zu studieren.“– Claudia Schlösser (29), Gesundheits- und Krankenpflegerin, 10. Semester Medizin in Witten/Herdecke, Mitautorin des Buches „Heal Your Hospital“

„Für mich hat sich der Sinn des Studiums erst im Laufe der Zeit gezeigt. Ich wollte eigentlich Deutschlehrer werden, also entschied ich mich für Germanistik. Doch dann merkte ich, dass ich am Lehrerberuf gar kein Interesse habe und spezialisierte mich auf Kommunikationsdesign. Das gefällt mir viel besser. Ich habe im Studium verschiedene Bereichs eines Faches kennengelert, dadurch war es für mich eine persönliche Findungsphase.“ – Nico Mahlknecht (26), 10. Semester Germanistik, Bremen

„Man sollte sich nicht krampfhaft auf das Lernen fokussieren, sondern das Studium auch genießen. Ich habe ein Auslandssemester in Schweden gemacht. Das war wirklich toll. Hätte ich mich zu sehr gestresst und mir keine Zeit für andere Projekte genommen, wäre das Studium für mich weniger sinnvoll gewesen.“ – Leon Seyffer (26), Master in Energietechnik, Hamburg

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Studieren mit Sinn – für sich selbst und andere

„Ich bin seit einem Jahr mit dem Studium fertig. Gerade war ich für ein sechsmonatiges Praktikum in Vietnam für die Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit und habe für die OSZE beim G-20 Gipfel gearbeitet. Während meines Politikstudiums in England habe ich mich nicht nur theoretisch mit globaler Gerechtigkeit auseinandergesetzt, sondern auch bei einer Anlaufstelle für Geflüchtete mitgearbeitet. Die Sinnfrage und soziales Engagement im Beruf hatten immer einen großen Stellenwert für mich. Deshalb würde ich künftig gerne an der Schnittstelle zwischen Forschung und Politik arbeiten. Allerdings sind meine Bewerbungen bislang erfolglos. Der Run von Geistes- und Sozialwissenschaftlern auf Stellen in Berlin ist extrem groß. Als Berufsanfänger hat man es da schwer.“ – Lea Börgerding (25), Berlin, hat Politikwissenschaften in New York und Internationale Beziehungen in Oxford studiert

„Ich studiere Medizin, weil ich mit Menschen arbeiten möchte. Die Kombination aus Wissenschaft und sozialer Tätigkeit ist für mich ideal. Dennoch möchte ich meinem Fach gegenüber kritisch bleiben: Warum zum Beispiel produziert die Pharmaindustrie immer mehr Medikamente, die eher dem Lifestyle Gesunder dienen, als Kranken zu helfen? Bei vielen Praktika habe ich auch deutlich den Profitdruck in den Krankenhäusern gespürt und die zunehmende Ökonomisierung. Mittlerweile engagiere ich mich in der Uni-AG ‚Kritische Medizin‘. Sie hat etwa 30 Teilnehmer und wird langsam größer. Das macht für mich Sinn.“ – Judith Rieping (21), 6. Semester Medizin an der Berliner Charité