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6 January 2018 / Lesezeit: 9 minuten

Studium mit Sinn

Statt Kohle machen Sinnvolles tun

Studierende wünschen sich ein Studium mit Sinn – ob erneuerbare Energien, nachhaltiges Wirtschaften oder Umwelttechnik

Titelbild: Black Boxhagen

Titelbild: Black Boxhagen

Fast die Hälfte aller Studierenden will lernen, um die Welt zu verändern. Die Wege dahin sind unterschiedlich

Es ist spät geworden bei Lea Böttger. Tagsüber arbeitet sie in Vollzeit in der Marketingabteilung von Manufactum, einem Handelsunternehmen für hochwertige Alltagsprodukte. Jetzt am Abend sitzt sie an ihrer Masterarbeit, Thema „Marketing für nachhaltige Produkte“. Böttger studiert an der privaten Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft in Alfter bei Bonn. Dort macht sie den berufsbegleitenden Master Betriebswirtschaftslehre „Wirtschaft nachhaltig gestalten“.

„Der wichtigste Grund, warum ich hier studiere: Ich finde mich in den konventionellen Wirtschaftsstudiengängen nicht wieder“, sagt Böttger. An der Alanus könne sie den aktuellen ökonomischen Kanon mit dem Wissensstand von heute lernen, aber auch darüber hinausdenken. „Mich interessiert Wirtschaft als Hebel für gesellschaftliche Gestaltung.“

So wie Böttger sind viele junge Menschen auf Sinnsuche im Studium und danach. Das ergab der letzte Studierenden-Survey, den die Universität Konstanz im Auftrag des Bundesbildungsministeriums vorgelegt hat. Deutlich mehr als 40 Prozent der jungen Menschen an deutschen Universitäten und Hochschulen möchten in ihrem zukünftigen Beruf zur Verbesserung der Gesellschaft beitragen oder anderen helfen. Die 7. Shell Jugendstudie von 2015 besagt Ähnliches: Junge Menschen wünschen sich positive soziale Beziehungen. Dazu gehört für sie die Bereitschaft, sich im persönlichen Umfeld für die Belange von anderen oder für das Gemeinwesen zu engagieren.

Ist der Wunsch nach einem Job mit Sinn ein Trend, gerade bei Studierenden? „Ganz neu ist das Phänomen nicht“, sagt Jan-Hendrik Kamlage vom Kulturwissenschaftlichen Institut Essen (KWI) und kommt auf Ronald Inglehart zu sprechen. Der US-amerikanische Politologe habe schon Ende der 1970er-Jahre in seiner Theorie des Wertewandels den Postmaterialismus beschrieben. Diese besagt: Als Folge von psychischer und physischer Sicherheit in einer wohlhabenden Gesellschaft gewinnen Selbstverwirklichung im Beruf und in der Familie, aber auch ideelle Werte wie Ökologie und Nachhaltigkeit an Bedeutung. Zusätzlich wachsen kulturelle, soziale und intellektuelle Bedürfnisse.

Studium mit Sinn statt Kohle machen

Mit diesen Werten im Gepäck streben die heutigen Postmaterialisten als Generation Y zunehmend an Hochschulen und in Unternehmen. „Eigentlich halte ich nicht viel von solchen Kategorisierungen, dafür ist der Wertepluralismus in unserer Gesellschaft viel zu ausgeprägt“, sagt Kamlage. Es gäbe auch genügend Hedonisten. Trotzdem hätten sehr viele dieser 16- bis-35-Jährigen ein ähnliches Ziel vor Augen: Statt reinpowern und Kohle machen, erstens ein sinnvolles Gleichgewicht von Freizeit und Beruf leben, zweitens einen Job finden, mit dem sich Sinnvolles bewirken lässt. Nur: Wie kommt man dahin?

Lea Böttger hilft die Perspektive von Philosophie, Ethik oder Kunst, die sie in den Seminaren für ihren BWL-Master an der Alanus-Universität kennenlernt, ihren Weg zu einem Berufsziel mit Sinn zu finden. „Man übt dort das Andersdenken. In den Kunst-Modulen zum Beispiel kann man sich selbst noch einmalin einem anderen Kontext erleben.“ Dabei sei es beispielsweise darum gegangen, durch eine künstlerische Herangehensweise in Unternehmen Prozesse in Bewegung zu setzen. Böttger hat das gleich bei Manufactum ausprobiert. „Ich habe eine große, weiße Leinwand aufgestellt, die die Mitarbeiter mit Leben füllen sollten. Manche waren ohne Scheu, manche trauten sich wenig zu. Da lernt man viel über die Kollegen.“

Zudem helfe die Praxisnähe. „Nicht nur weil das Studium berufsbegleitend ist, gibt es eine enge Verzahnung von Theorie und Praxis. Auch Experten aus der Wirtschaft vermitteln als Gäste oder Gastdozenten Praxiswissen.“

Ihren Arbeitgeber hat sich Böttger bewusst ausgesucht: „Ich möchte in einem Unternehmen arbeiten, das sich Werte nicht nur auf die Fahne schreibt, sondern auch danach richtet.“ Und das sei bei Manufactum seit der Gründung vor 30 Jahren so. Ihren Weg mit Sinn, Böttger hat ihn gefunden.

Gut so, sagt Krischan Ostenrath, Chefredakteur von „WILA Arbeitsmarkt“ des Wissenschaftsladen Bonn. Er und seine Kollegen analysieren unter anderem regelmäßig den Arbeitsmarkt für Akademiker. Auf seinem Schreibtisch stapeln sich Studien, die belegen, dass viele Studierende „Berufs- und Karrierepläne gerne mit etwas Sinnhaften verbinden möchten“. Was ein Studierender für sich als sinnvoll definiert, hänge dabei natürlich von jedem Einzelnen ab.

Ostenrath rät Studierenden in jedem Fall bei der Auswahl von Studiengängen unbedingt darauf zu achten, dass eine fundierte fachliche Qualifikation nicht zu kurz kommt: „Letztlich wird man nicht für eine Gesinnung bezahlt, sondern weil man ein Unternehmen auch wirtschaftlich weiterbringt.“ Den Studierenden müsse klar sein: Wer zum Beispiel Nachhaltigkeit studiert, darf nicht nur Seminare über ethische Unternehmensführung besuchen. „Nur wer sich auch BWL aneignet“, so Ostenrath, „kann auf dem Arbeitsmarkt konkurrieren.“ Dann aber ziemlich gut. Top qualifizierte Studienabsolventen mit Know-how in Richtung Nachhaltigkeit seien zunehmend gefragt.

Start-up gründen, um zu lernen

Studieren allein hat Christoph Lüdemann nicht gereicht, um Kurs auf einen Job mit Sinn zu nehmen. 2013, mitten im Doppelstudium Humanmedizin und Wirtschaftswissenschaften in Witten/Herdecke, gründete der damals 25-Jährige nach einer Ruanda-Reise mit Kommilitonen den Verein L’appel Deutschland. Der Verein baute eine Krankenstation in Ruanda auf und finanziert in Sierra Leone eine Ganztagsschule mit. Außerdem vermittelt die Organisation jungen Menschen in diesen Ländern deutsche Sponsoren, die ihnen ein Studium ermöglichen sollen. Für Lüdemann hat sein Engagement für Afrika einen doppelten Sinn: Erstens setzt er sich für etwas ein, an das er glaubt. Bildungschancen schaffen, weniger privilegierten Menschen in Afrika Perspektiven bieten.

Zweitens lernt er durch die Vereinsarbeit etwas, das er in Studium oder in den meisten Nebenjobs so nie lernen könnte: Eigenverantwortlich etwas voranzubringen, im Team eine Organisation weiterzuentwickeln, ohne Vorerfahrung Fundraising auf die Beine stellen, Social Entrepreneurship üben. Denn letztlich ist L’appel eine Art Sozialunternehmen, ein „Entwicklungs-Start-up“, wie es Lüdemann nennt.

„Wer gründet, startet einen Schiffsmotor in kaltem Wasser. Das Schiff selbst wird erst danach gebaut – bei voller Fahrt. Das macht unglaublich viel Spaß“, sagt Lüdemann. Dass er im Umfeld der Universität Witten/Herdecke schnell engagierte Mitstreiter fand, hat den Schritt zur Gründung leichter gemacht. „Hier haben viele Studenten Bock, sich zu engagieren, im Wirtschaftsstudium gibt es viele Kurse jenseits des Mainstreams, zu Social Entrepreneurship etwa und viele Institutionen rund um die Uni, die ein solches Engagement bestärken wollen und können.“

Sein Engagement brachte Lüdemann unter anderem die Auszeichnung „Student des Jahres“. Der Preis war vom Deutschen Hochschulverband 2015 erstmals ausgeschrieben worden, er soll Studierende auszeichnen, die „nicht unbedingt die besten Noten haben, sondern sich für Dinge einsetzen, die nicht selbstverständlich sind.“ Derzeit macht Lüdemann sein Staatsexamen, schreibt seine Doktorarbeit. Sein Wirtschaftsstudium will er mit einer Masterarbeit abschließen. „Man muss sich halt abends manchmal aufraffen“, sagt Lüdemann. Er sei sehr gut darin geworden, seine Zeit zu managen. Und mal eine Note schlechter, was soll’s?

Nicht nur Noten, auch Engagment zählt

Ob Personaler das genauso sehen? Fragt man bei Unternehmen nach, worauf sie bei Bewerbern achten, hört man immer häufiger: Zeugnisse bleiben wichtig. Aber noch viel interessanter sind die Fragen: Was ist das für ein Mensch? Ist der nur ehrgeizig und beruflich fokussiert oder setzte er sich auch ein: für die Gesellschaft, für die Umwelt? Wer über den Tellerrand hinausblickt und nicht nur um sich selbst kreist, hat meist bessere Chancen. Nicht nur bei Unternehmen, die bei Studenten hoch im Kurs stehen, wenn es um Sinn, Grün und Nachhaltigkeit geht: Vaude, DM, WWF, GLS Bank. Sondern auch bei denjenigen, die man erst einmal so gar nicht auf dem Schirm hat.

Oft wundere man sich, was bei großen auf den ersten Blick nicht gerade nachhaltigen Marken so alles laufe, sagt Uwe Schneidewind, Präsident des Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie. Beispiel: Fastfoodketten. „An der Theke werden zwar nach wie vor Burger, Pommes, Cola verkauft.“ Doch hinter den Kulissen gehe es zunehmend um den Aufbau lokaler Lieferketten, kontrollierten Fischfang, nachhaltige Verpackung. „An all diesen Schrauben wird gedreht, wenn auch nicht immer schnell genug.“ Hier mitzuwirken kann wirkungsvoll sein.

Die Dozenten der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen (HfWU) ermutigen ihre Studierenden generell: Schaut, wo ihr auf euren Berufsfeldern etwas bewegen könnt! Seid kreativ, denkt quer! Egal ob als Finanzwissenschaftler, Agrarwirte oder Landschaftsplaner. „In jedem Job kann man etwas verändern“, sagt Dirk Funck, Professor für Handels- und Kooperationsmanagement der Betriebswirtschaft. Die HfWU bringt ihre Studierenden auf drei Wegen auf neue Gedanken: Erstens mit dem „Studium Generale Schwerpunkt Nachhaltigkeit“. Es soll Studierende aller Fachrichtungen für gesellschaftliche Fragen, Philosophie, Umweltschutz und nachhaltige Ökonomie sensibilisieren. Gemeinsam werden Wege diskutiert, wo sich der Hebel der Veränderung ansetzen lässt. Wie kann ich als Marketingexperte Kunden für Bio begeistern? Wo kann ich als Architekt nachhaltige Wohnkonzepte vorantreiben?

Zweitens können Studierende der Wirtschaftswissenschaften Studienschwerpunkte zu Themen wie empirische Nachhaltigkeitsforschung oder ganzheitliche Unternehmensführung setzen. Drittens müssen sich alle BWLer mit „Fragen jenseits der klassischen Ökonomie auseinandersetzen“, sagt Funck. Alle Dozenten müssen schriftlich erläutern, inwieweit ihr Angebot einen Bezug zur Nachhaltigkeit herstellt.

Manchmal lädt Funck Unternehmer aus der Region zur Debatte. Wie jenen Büroausstatter, der erzählte, wie er und sein Team mit Produktrankings im Kundenkatalog und einer satten Portion Beharrlichkeit große Stifte-Hersteller zur Entwicklung von leichter recyclebaren Produkten bewegen konnte. „Der erweiterte Blickwinkel auf die Ökonomie kommt bei den Studierenden an“, sagt Funck. „Die Module sind zunehmend gefragt.“

Service-Learning auf dem Campus

Ein in Deutschland recht neuer Ansatz, die Frage nach dem Sinn schon im Studium in den Fokus zu nehmen, heißt „Service Learning“. Die Idee stammt aus den USA und Kanada. Sie verbindet gesellschaftliches Engagement mit der wissenschaftlichen Lehre. Einer der ersten Ideengeber hierzulande war Wolfgang Stark von der Universität Duisburg-Essen. 2009 starteten sechs Universitäten und Fachhochschulen „mit der guten Sache“, wie der Professor für Psychologie es nennt. „Akteure aus der Gesellschaft, die Probleme haben, bekommen die Möglichkeit, zusammen mit Studierenden Lösungen zu entwickeln“, sagt er. Dabei können sie mit Wohlfahrtsverbänden, Bürgerinitiativen, kulturellen oder ökologischen Einrichtungen kooperieren.

An der Hochschule wird dann anhand einer Fragestellung der Partner das Seminar-Programm erarbeitet. „So haben zum Beispiel angehende Software-Entwickler gemeinsam mit dem Blinden- und Sehbehindertenverband eine App entwickelt, die hilft, sich auch ohne Augenlicht in einer Stadt wie Berlin zurechtzufinden“, sagt Stark. Der Vorteil von Service Learning: „Die Studierenden wenden das akademisch Gelernte gleich an, gesellschaftliche Innovationen und Engagement werden gefördert, die Partner erhalten Lösungen. Eine Win-Win-Situation für alle.“

Gesellschaftlicher Nutzen im Fokus

Service Learning sei jedoch nur ein Schritt, um neue Formen an den Hochschulen zu etablieren, sagt Wolfgang Stark. „Die Logik der Universitäten muss stärker am gesellschaftlichen Nutzen ausgerichtet und an Projekten orientiert sein.“ Auch zur Förderung der Studierenden: „Man lernt ja nicht, indem man im Hörsaal sitzt, dort etwas aufnimmt und dann irgendwann wiedergibt.“ Und die Hörsäle sind voller denn je. Im Wintersemester 2016/2017 haben sich mehr als 2,8 Millionen Studierende immatrikuliert. Für sie bieten die Hochschulen mehr als 18 000 Studiengänge an – vor zehn Jahren waren es noch 11 200. Knapp 91 Prozent aller Studiengänge führen zu den Abschlüssen Bachelor und Master. Wie sollen zukünftige Studierende da das richtige Fach, die stimmige Kombination finden, die für sie Sinn ergibt? „In der Tat ist diese Lebenswahlentscheidung heute viel bunter und flexibler“, sagt Annette Paßlack vom Team Akademische Berufe der Arbeitsagentur in Hamburg. „Ich kann nach dem Bachelor das Studium durch den Master noch in eine andere Richtung drehen. Oder ich mache erst eine entsprechende Ausbildung und setze dann ein Studium drauf.“ Hier einen Ratschlag zu geben, sei schwierig – zu individuell seien Wünsche, Vorstellungen und Begabungen der jungen Menschen, die sie berät.

Auch Paßlack stellt fest, dass die Frage nach einem Studium mit Sinn immer häufiger gestellt wird. „Gerade angesichts der weltpolitischen Situation mit fliehenden Menschen ist das bei vielen jungen Menschen ein Thema. Viele sind ehrenamtlich tätig, unterrichten Flüchtlinge oder machen ein freiwilliges ökologisches Jahr.“ Dass junge Menschen mit solchen Erfahrungen nach mehr suchen als schlicht BWL, Jura oder Germanistik, sei nur logisch.

Alter Wein in neuen Schläuchen?

Keine Frage, die Nachfrage nach Studiengängen wie Umwelttechnik oder erneuerbare Energien steigt. Krischan Ostenrath vom Wissenschaftsladen Bonn findet das erst einmal gut. Dennoch fragt er sich, ob manches „nicht nur alter Wein in neuen Schläuchen“ sei. Die Universitäten stünden im Wettbewerb um die Studierenden und werben aufgrund der Nachfrage verstärkt mit grünen Inhalten. Manchmal würden zum Beispiel klassische Ingenieurstudiengänge mit drei Modulen erneuerbare Energien im Masterstudium angereichert – und dann hieße das Ding auf einmal Elektrotechnik mit Schwerpunkt erneuerbare Energien. Ostenrath: „Man kann keinem Studierenden die Verantwortung abnehmen, genau ins Curriculum hineinzuschauen: Wie hoch ist denn jetzt der Anteil der Module mit Sinn genau?“

Karl Schütze stellt sich die Module, die für ihn Sinn ergeben, selbst zusammen: Er macht im 6. Semester das „Studium Individuale“ an der Leuphana Universität in Lüneburg. „Für mich geht’s in Richtung Internationale Sicherheit“, sagt Schütze. Dafür kann er Module aus allen Bachelor-Programmen am Leuphana College nach eigenen Vorlieben kombinieren – von Nachhaltigkeit über Wirtschaft, Digitale Medien und Psychologie bis hin zu Recht, Politik und Bildung. „Bei mir ist viel Politik und Kulturwissenschaften dabei, auch Rechtswissenschaften.“ Dazu gehören auch Formate wie der regelmäßige Liberal-Education-Talk, in der Praktiker an die Hochschule geladen sind, die von ihrem unorthodoxen Lebensweg erzählen und mit den Studierenden diskutieren: Was hat sich bewährt, worauf solltet ihr achten?

Nach dem Abi begann Schütze erst einmal Jura in Tübingen zu studieren, „doch ich habe recht schnell gemerkt, dass mir die Lehre nicht entspricht“. Nach einem Orientierungssemester entdeckte er das Studium Individuale an der Leuphana Universität, durch Zufall und einen Tag vor Bewerbungsschluss. Kleine Hochschule, kleiner Studiengang, viel Kontakt mit den Studierenden aus anderen Fachrichtungen, und „nicht wie in Tübingen mit den immer gleichen Leuten übers immer gleiche Thema reden“. Schütze traf eine Bauchentscheidung, die er bis heute nicht bereut. Seine berufliche Zukunft lässt er offen. „Internationale Sicherheit wird wegen des weltweiten Terrorismus erst einmal ein Riesenthema bleiben.“ Wie können wir auch in Zukunft gemeinsam und sicher leben? – diese Frage treibt ihn um. „Ich strebe auf jeden Fall einen Masterstudiengang an“, sagt Schütze. Um noch tiefer in das Thema „Internationale Sicherheit“ einzusteigen. Auch eine Beratungstätigkeit in der Politik käme für ihn infrage. Ideal wäre, sagt Schütze, wenn er mit dem, was er beruflich mache, etwas in der Gesellschaft bewegen kann. Dabei tut er das heute schon: Schütze gehört der Hochschulgruppe der SPD an. „Parteipolitisches Engagement ist genau das Richtige für mich.“ Zusätzlich arbeitet er für die interdisziplinäre Studierenden-Initiative Market Team. Sie organisiert an 15 aktiven Standorten Projekte mit Unternehmen von Studierenden für Studierende.

Anregung aus der Zeitung

Studium, Politik, Ehrenamt – ist das nicht ein wenig viel? Schütze schüttelt den Kopf. Das gehöre dazu. „Das Studium Individuale ist eher ein 24-Stunden-Studium. Ich lese also zum Beispiel etwas in der Zeitung und denke: Aha, das könnte das nächste Thema für eine Hausarbeit sein.“

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Wie zukunftsträchtig Studiengänge mit Sinn sind? Man müsse schon genau hinschauen, sagt Ostenrath vom Bonner Wissenschaftsladen. Im Auftrag einer Universität hat das Team kürzlich eine Sonderauswertung „Soziale Arbeit und Migrationsbewegung“ erstellt. „Da gibt es zum Teil gigantische Zuwächse“, so Ostenrath. Rund um das Thema Migration und Integration sei ein neuer Arbeitsmarkt entstanden, vor allem in den Bereichen Sozialpädagogik und Sozialarbeit. Doch niemand wisse, ob das langfristig so bleiben wird. „Im Bundesamt für Migration und Flüchtlinge etwa werden gerade wieder 1000 Leute freigestellt.“ Auch in Richtung Umweltschutz oder erneuerbare Energien zu studieren, biete keine hundertprozentige Sicherheit. Derzeit arbeiten rund 2,2 Millionen Beschäftigte in grünen Berufen. „Wer etwas mit Elektromobilität studiert, hat glänzende Zukunftsaussichten“, sagt Krischan Ostenrath. Doch bei der Photovoltaik hat die Billigkonkurrenz aus dem Ausland schon viele Jobs gekostet. Auch reduzierte öffentliche Förderung könnten immer wieder einzelne Branchen in die Knie zwingen. Ostenrath: „Allerdings trifft das die akademische Ebene eher weniger.“

Bei Lea Böttger geht ein langer Tag zu Ende. Neben dem Studium an der Alanus Vollzeit zu arbeiten, sei zwar fordernd, sagt sie. Für andere Dinge bleibe da kaum Zeit. Dennoch geht für sie die Bilanz auf. „Besonders beeindruckend war für mich die Exkursion zu Global Standards One nach Köln“, sagt Böttger. Die Organisation setzt sich dafür ein, Wertschöpfungsketten zu verbessern. Für Unternehmen, die wie Böttgers Arbeitgeber Manufactum auf Nachhaltigkeit setzen, essenziell. Es schließt sich der Kreis. Von der Theorie zur Praxis.